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Freie Gedanken

Verfasst von: admin am Dezember 27, 2011 Ein Kommentar

27.12.11

(Titel eines Songs des Lyrikers Walther von der Vogelweide, 1170 bis etwa 1230 nach Chr. )

Sehr geehrte Damen bis Herren,

wie aus der aktuellen Presse zu vernehmen ist, plant der amerikanische Hightech Riese IBM bis 2017 endlich so weit zu sein, sein Gerät zur Gedankenlesung präsentieren zu können. Was für realitätsentrückte Science-Fiction-Liebhaber das Paradies darstellt, ist in Wirklichkeit gar nicht mal so lustig und abenteuerlich. Da kann man sich schon mal die Frage stellen, warum man 1989 nach persönlicher Freiheit schrie und eine Mauer niederriss, um dem Diktat zu entfliehen. Um sich dann blindlings dem nächsten, übermächtigeren System bedingungslos zu ergeben?

Verfasst von: admin am Dezember 18, 2011 2 Kommentare

18.12.11

Wenn ich Gott wäre, würde der Himmel eine unerreichbare VIP Lounge sein. Dort wo die Elite speist, wo die Gnädigen den Sündern winken. An dem Tor meiner Welt stehen sie dann und betteln um Einlass, bitten um Vergebung, als wenn meine Hand ihnen ihre Sünden abnimmt wie ein Kellner den Gästen die Jacken. An der Schwelle zu Allem oder Nichts stehen sie in der Schlange, die nie vorwärts kommt und fragen sich, wieso ihr aufgesetzt charmantes Lächeln nicht ausreicht, um zu bekommen, was sie wollen.

Verfasst von: admin am Dezember 3, 2011 Kein Kommentar

03.12.11

Wieso nicht einfach Kind bleiben, statt erwachsen werden?

Wieso nicht einfach, ‘einfach’, statt kompliziert?

Wieso nicht einfach lächeln, wenn man weinen will,

Einfach mehr sein und weniger werden?
Einfach etwas mehr Wir und weniger Ich,

etwas mehr Hier und weniger Dort.

Einfach mehr Volk und weniger Staat.

Vielleicht einfach mal stehen bleiben, statt weg zu rennen.

Einfach mal Jetzt, statt immer nur Morgen und einfach mal vielleicht statt Nein.

Einfach mal singen, statt sprechen oder Lieder malen und Bilder vertonen.

Einfach mal nach vorne schauen und rennen, oder die Augen schließen und sich fallen lassen.

Verfasst von: admin am November 28, 2011 Ein Kommentar

28.11.11

Eins der wohl unsinnigsten Wörter ist: Gedanke.

Wie um alles in der Welt kam man dazu, das Denken in dem Wort Gedanken festzulegen. Wenn ich die Summe meines Denkens in dem Wort Gedanken wiederfinde, frage ich mich stets, warum muß ich danken für mein Denken. Stimmt, es gibt auch das Wort Gedenken, aber das beinhaltet nicht mein Denken, sondern das Denken an jemand anderen oder an eine bestimmte Sache. Das leuchtet ein. Nur mein Denken wird zum Gedanken. Ich denke, ich dachte, ich habe gedacht. Was soll das nun wieder, jetzt wird mein Denken in der Vergangenheit auch noch mit einem Dach versehen. Zugemacht. Was ist mit meinem Denken, daß ich in der Vergangenheit angefangen habe, aber noch nicht zu Ende gedenkt habe? Warum heißt es nicht, ich denke, ich denkte, ich habe gedenkt? Hört sich nicht wirklich gut an, oder ist es Gewohnheit?

Verfasst von: admin am November 24, 2011 Ein Kommentar

24.11.11

Von Jahr zu Jahr werden die Tage kürzer, die Luft zum Atmen liegt wie Blei auf unseren Lungen, wir spüren Schmerzen, wo keine sind, leben im Moment einer Illusion, in der die freie Seele die Wirklichkeit vermisst. Keiner fragt mehr nach der Zeit, sie wird einfach ausgenutzt, bis nichts mehr geht, verweilend im krampfhaften Irrglauben, dass Zeit ein Besitztum wäre.

Voller Schadenfreude blicken die Narren aus einer künstlichen Isolation, dann einst zurück, versammeln sich in einer neuen Welt, welche voller Plastikidole, ganz nah am Charakter ihrer einstigen Dimension, bis auch dort das Vakuum sie erdrückt, denn der letzte Baum für unsere Art wird das törichte Verhalten der wilden, unmoralischen Gesellen niemals verzeihen, weil er es aus dem freien Sinn des Daseins heraus nicht kann.

Verfasst von: admin am September 25, 2011 Kein Kommentar

25.09.11

Voller Inbrunst lauschen sie den verführerischen Wortkonstrukten der Illusionsmagier. In „freiheitlicher“ Hoffnung nach Sicherheit verweilend, nicht erkennend den hohen Preis für den global goldenen Käfig, denn dieser wird verschleiert, der Wanderschaft schwingend verschweigt. Schleichend, ja nahezu betäubend wie ein Sturm inmitten eines grauen Nebelschleiers der tiefschwarzen, verworrenen nächtlichen Klänge, erliegen sie alle der auferlegten Gehorsamsnorm, fragen niemals nach dem Warum, denn die Angst ist stets des Bauern Begleiters, der voller Furcht kniet im Staube, um mit Gutgläubigkeit zu retten, was er eigentlich nie gehabt: seine fröhliche Traurigkeit.

 

Verfasst von: admin am September 10, 2011 Kein Kommentar

10.09.11

Ich baue ein Haus. Ein riesengroßes Haus für die Führerschaft, für die Mitglieder der Regierungsgewalt, für die Staatschefs der Weltgemeinschaft. Ein Haus mit vier Wänden aus Beton, mit blutrotem Dach, neid-gelber Fassade und Fenster aus kugelsicherem Panzerglas, sodass die VIPs der Erde vor unseren Aufständen sicher sind oder wir vor ihrer nachhaltigen „An-der-Nase-herumführen“-Strahlung.

 

Doch weil ich besonders theatralisch bin, verwerfe ich meinen gegenwärtigen Bauplan und entscheide mich doch lieber dafür, ein Haus aus Holz mit gewöhnlichen Fenstern, kein spezielles Verbund-Sicherheitsglas in einem erdbebengefährdeten Gebiet inmitten von zahlreichen AKWs zu errichten. Schließlich ist die Atomenergie so ungefährlich! Ein gigantisches Haus für die Mächtigen der Mächtigen, die sich die Hände geben,  ihre Masken der Freundlichkeit aufsetzen und ihre frisch gewaschenen, weißen Westen hervor zücken. Immer schön lächeln!

Verfasst von: admin am August 30, 2011 Kein Kommentar

30.08.11

Allmählich beruhigten sich die Gemüter auf den Zuschauerrängen, insbesondere weil die Richterin zusammen mit den beiden Schöffen den Saal mit energischen, schnellen Schritten betrat. Nein, ihre Gesichtsmimik offenbarte keinerlei Maske, sondern man sah ihr die berechtigte Wut an, die sich ganz besonders in ihren grünen Augen widerspiegelte. Angesichts dieses brisanten Falles konnte auch der verschlafendste Beobachter nicht umhin kommen, hellwach und somit mit gebührender Aufmerksamkeit dem Urteilsspruch zu folgen. Nachdem das Richter-Trio sich gesetzt hatte, folgten auch die Zuschauer, wobei ein Raunen von verstummenden Getuschel langsam in Stille überging.

 

Verfasst von: admin am August 25, 2011 Kein Kommentar

25.08.11

Es war einmal eine große, frei lebende Schafherde. Von so großer Zahl, dass sie den Überblick übereinander verloren. Denn sie waren damit zufrieden, individuell vor sich hin grasen zu können. So merken sie nicht, dass weitere Schafe hinzukamen. Sie sahen aus wie sie, sprachen wie sie und verhielten sich vermeintlich wie sie. Nur dass sie eben dazu gekommen waren.

Die neuen Schafe sprachen aber miteinander – und mit den Alt-Schafen. Untereinander war es ihnen, in einer Weise möglich zu erkennen, die für die anderen Schafe nicht verständlich war. Sie konnten es nicht erkennen.

 

Verfasst von: admin am August 12, 2011 Kein Kommentar

12.08.11

Selbstverständlich erhebt der folgende Bericht keinerlei wissenschaftlich fundierten Anspruch, aber hegt die Gewissheit, daß jede Menge aufopferungsvolle Beobachtungsgabe ihm vorausging. Nun, meine lieben Leser, als die ahnungslosen Eltern ihren Filius auf Erden empfingen, nannten sie ihn zugleich Guido (etwaige Ähnlichkeiten oder Assoziationen zu lebenden Personen sind als rein zufällig zu betrachten). Schon zu Beginn der Schulzeit, das Baby- und Kleinkindalter haken wir als üble Notwendigkeit der Persönlichkeitsfindung ab, stellte sich ziemlich schnell heraus, mit welchen Strategien Klein-Guido im Klassenverband agierte. Oberstes Ziel war natürlich, Klassenprimus zu sein.

 

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