Arbeitsmarkt: an den Rand gedrängt und als erfolgreich verkauft

06.06.12

Sie schlagen sich gegenseitig auf die Schenkel, loben ihr politisches Wirken gen Himmel und verkaufen ein Auslaufmodell als erfolgreich, welches dramatischer nicht sein könnte, wobei mehrere Millionen Menschen an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Der deutsche Arbeitsmarkt, eine eigentlich leicht durchschaubare Wiedergeburt des Sklavenhandels, wenn nicht eine große Masse sich ständig durch Medienhetze und Billigargumentation seitens verantwortlicher Politker blenden ließe.

Und genau diese sozialrassistische Politik durften ihre Mitinitiatoren wie der Herr „Ich will hier rein“ in trauter Eintracht mit der Partei, die ihr Fähnchen in den Wind dreht, bedenkenlos gesetzlich hierzulande verankern, natürlich damals nicht von der schwarz-gelben Opposition gestoppt – diese hätte ohnehin noch schamloser agiert. Dabei sollte betont werden, daß die Rede nicht nur von den menschenverachtenden Hartz-Gesetzen sein kann, sondern darüber hinaus vom Niedriglohnsektor, vom Ausbau der Zeitarbeit und einem bewußt herbeigeführten Lohndumping. Dies alles schuf bis heute vollendete Tatsachen, deren Auswirkungen ein sozialpolitisches Pulverfaß bedeuten!

 

Deutsche Gründlichkeit und die Medienöffentlichkeit

Das Erfolgsmodell der BRD basiert auf dem Rücken derjenigen, die sowieso kaum oder gar keine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben. Nicht nur, daß die Arbeitslosenstatistiken wie bekannt äußerst effizient mittels Weglassen, Wegrechnen und Verschieben geschönt und somit gefälscht werden, dient die sanktionierende Hartz-Gesetzgebung dazu, die „Abhängigen“ in prekäre Arbeitsverhältnisse zu zwingen. Genau darauf beruft sich die derzeitige Regierung, verkauft diese Zahlenschieberei im Lande aber auch in Europa als Vorzeigemodell. Genau so mögen die anderen Staaten doch ihren Arbeitsmarkt selbst in den Griff bekommen, gar von Sonderwirtschaftszonen in Europa ist die Rede. Deutsche Gründlichkeit in punkto Kündigungsschutz möge doch Schule machen, hat ja prima funktioniert, wobei die Medien selbst nicht ganz unbeteiligt sind, denken wir nur an die ewige Hetze gegen die „faulen Hartz-IV-Empfänger“ sowohl in der Presse als auch hinein in die Talk-Shows, wo man vor laufenden Kameras besonders wirkungsvoll manipulativ agiert. Um die größtmögliche Entfernung zur Ausblendung von den eigentlichen Problemen im Lande zu erlangen, plädiert jetzt die Bundeskanzlerin einfach für einen europäischen Arbeitsmarkt. Anstatt zu bemerken, wie brisant eigentlich die soziale Schieflage sich fortdauernd vergrößert, auf dem deutschen Arbeitsmarkt tatsächlich die Betroffenen an den  Rand einer hämisch nachtretenden Gesellschaft gedrängt werden, „verzettelt“ man sich einfach, weil die EU alles andere als eine gesunde Basis darstellt. Oder aber, was viel wahrscheinlicher zur bisherigen deutsch-politischen Strategie paßt, wird erst recht die ausbeuterische Arbeitsmarkpolitik als europäisches Vorbild verkauft und all den anderen Mitgliedsstaaten unterschwellig „diktiert“?!

 

Nicht nur eine Zwei-Klassen-Gesellschaft entsteht

Immer mehr Menschen können sich weniger leisten, müssen nicht nur hart arbeiten, um überhaupt dem Run auf Status und Konsum gerecht zu werden, sondern haben dabei fortwährend mit der Möglichkeit zu rechnen, morgen auf der Sozialrutsche zu sitzen: ein Klima der Hire&Fire-Politik nach US-amerikanischer Vorgabe. Und wohin das führt, sollte mit ein bißchen Beobachtungsgabe jeder feststellen, der mal über den Teich spickt: zu hohe Armutsrate in einem Land, welches den Anspruch erhebt, größte Wirtschaftsnation zu sein.

Wer wie die FDP unter ihrem Generalsekretär Lindner kaltschnäuzig eine Mietpauschale für Langzeitarbeitslose fordert, muß sich nicht wundern, wenn Wege in Ghettos bescheinigt werden. Aber was anderes erwartet man schließlich auch von einer neoliberalen Partei nicht, das paßt zu ihrem Kurs. So offenbaren die Grünen den Ärmsten der Armen im Lande ihre Politik, die als nahtlose Fortsetzung zur Regierungsverantwortung 1998-2005 interpretiert werden darf, wenn sie am sozialen Gewissen sparen. Von dieser Partei war nichts anderes zu erwarten, allein schon deshalb erklärt sich der frühere Auftrieb der Partei „Die Linke“ und der jetzige Enterwille der „Piratenpartei“.

Auf der einen Seite, diejenigen, die noch im Job sind, von sehr gut bezahlt bis hin zur Existenzgrenze des Erträglichen, auf der anderen Seite die stetig anwachsende Zahl der an den Rand der Gesellschaft gedrängten Menschen, die ums Überleben kämpfen oder resignieren, bereits in „Problemvierteln“, bald in Ghettos. Die kleine Menge der Superreichen wird erst gar nicht mit aufgezählt, weil sie als Hauptverursacher solch dramatisch politischer Entwicklung zu werten ist, aber nur ein Bruchteil in der „ersten Klasse“ ausmacht. Aber was entsteht da noch neben der Zwei-Klassen-Gesellschaft hierzulande mitten in Europa? Eine soziale Bombe, die unaufhörlich tickt, deren Potential an Möglichkeiten sich verheerend auswirkender Gewaltverbreitung kein Mensch voraussehen kann, die gleichzeitig bedenkenlos hingenommen wird von einer gleichgültigen Abstinenz an Gefühlen, vielleicht, weil  es nicht mehr bemerkt oder aber einfach ausblendet wird, diese Konsequenz niemand mehr wahr haben will!

Ihr

Lotar Martin Kamm

2 Kommentare zu Arbeitsmarkt: an den Rand gedrängt und als erfolgreich verkauft

  1. heinz neuhardt // 9. Juni 2012 um 02:31 //

    Das wissen doch eigentlich viele Menschen, nur keiner macht den Mund auf, ich weis nicht warum. Bin 57, werd nimmer gebraucht, ok kann ich mit umgehen. Was mich ärgert ist, dass was Deutschland einmal war, haben wir unseren Vätern und Großvätern zu verdanken, durch ihren Fleiß und Einsatz, und heute wird das so mit Füßen getreten. Ich verstehe die Politiker nicht, keiner von denen hat mehr einen Bezug zur Realität.

  2. Heinz Salomon // 6. Juni 2012 um 17:32 //

    Jedes Wort richtig. Die spinnen, die Römer, zudem es so ist, dass die ausgegrenzten und verarschten ehemaligen Mitbürger aus allen Schichten und Berufen stammen. Wenn sich der entstandene Hass erst mal Bahn bricht, und das wird er eher früher als später, stoppt nichts und niemand mehr all die aufgebrachten Menschen. “Fachkräftemangel”, wie zynisch und dämlich kann man eigentlich sein? “Lohndumping” ist das richtige Wort.

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