Plant Bundesregierung 350 Euro Alkoholgeld für Hartz-IV-Bezieher?

25.04.12

Wie erst jetzt bekannt wurde, wollen Whistleblower am 01.04.2012 im Berliner Promi-Lokal „Borchardt“ Regierungspolitiker belauscht haben, die bei Chateau Lafite Rothschild 2010 (zum Schnäppchenpreis von 3.640 €, also 10 Hartz-IV-Regelsätzen pro Flasche, ohne Hintergedanken gesponsert durch eine Brauerei) ein monatliches Alkoholgeld von 350 € für Hartz-IV-Bezieher planen. Des weiteren seien 300 € zweckgebundenes Zigarettengeld pro Hartz-IV-Bezieher im Gespräch, um notleidende Onkologen zu unterstützen.

Mehr sei nicht möglich, weil ohnehin Tag und Nacht mehrere Zigaretten gleichzeitig rauchen müsse, wer kein Geld verschenken wolle. Geld zu versaufen, sei lt. Regierungsvertretern wesentlich einfacher, als es zu verrauchen, wie man aus eigener Erfahrung bestätigen könne. Das Geld würde allerdings mit der Regelleistung verrechnet, so daß die Hartz-IV-Bezieher keinen Cent mehr als heute erhielten. So sei sichergestellt, daß Menschen, die sich von der Politik im Stich gelassen fühlten, endlich wieder eine politische Heimat in den Regierungsparteien finden, ohne die öffentlichen Haushalte zu belasten. Nebenbei freuen sich regierungstreue Medien über ein schönes Klischee.

Kein verspäteter Aprilscherz ist hingegen, daß die Bundesregierung ein kümmerliches „Betreuungsgeld“ in Höhe von 150 € verschenken will, um ihr 1950er-Jahre-Frauenbild umzusetzen und Geld für wesentlich teurere Kita-Plätze (Kosten für öffentliche Haushalte: 3.000-5.000 € pro Kind) zu sparen. Auch kein verspäteter Aprilscherz ist die Tatsache, daß das Betreuungsgeld mit dem Hartz-IV-Regelsatz verrechnet wird, das heißt: Millionäre bekommen Betreuungsgeld geschenkt, Hartz-IV-Bezieher bekommen nichts.

 

Wenn schon falsch, dann aber für alle

Der dritte Nicht-Aprilscherz in diesem Zusammenhang ist, daß SPD und Grüne heftig „gegen den Ausschluss von Hartz-IV-Eltern wüten“. Nachdem SPD und Grüne das Betreuungsgeld als „ungerecht, unsozial, verfassungsrechtlich bedenklich, familienpolitisch falsch und überflüssig“ ablehnten, nehmen sie nun die Position ein: „Wenn schon falsch und absurd, dann aber für alle gleich falsch und absurd“.

 

Kindergeld: Millionärskinder ja, Hartz-IV-Kinder nein

Das sind übrigens die gleiche SPD und die gleichen Grünen, die gemeinsam mit Union und FDP beschlossen, daß Hartz-IV-Kinder kein Kindergeld erhalten. Oh, pardon: Daß Hartz-IV-Kinder zwar Kindergeld erhalten, dies aber mit der Regelleistung verrechnet wird, so daß sie offiziell etwas erhalten, was ihnen tatsächlich vorenthalten wird. Millionärskinder bekommen Kindergeld geschenkt, Hartz-IV-Kinder bekommen nichts.

 

Geld für Ferienjobs: Millionärskinder ja, Hartz-IV-Kinder nein

Die gleiche SPD und die gleichen Grünen beschlossen auch, daß Hartz-IV-Kinder, die in Ferienjobs/Nebenjobs ein karges Taschengeld verdienen, dies bis auf 100 € monatlich mit der Regelleistung verrechnen lassen müssen, sprich: Hartz-IV-Kinder arbeiten ab 100 € ausschließlich für die Argen/Jobcenter/öffentlichen Haushalte. Millionärskinder dürften hingegen alles behalten – sofern sie es nötig hätten, zu arbeiten.

 

Geldgeschenke der Großeltern: Millionärskinder ja, Hartz-IV-Kinder nein

Auch für Geldgeschenke von Oma und Opa haben sich SPD, Grüne, FDP und Union etwas einfallen lassen. Alles oberhalb von 30 € wird von der Arge verrechnet/einkassiert.

Bevor ein Aufschrei erfolgt, was denn mit Mittelschicht-Kindern sei: Diese nehme ich aus der Argumentation heraus, um die Absurdität der Regierungsbeschlüsse besser zu veranschaulichen.

 

Kokainpauschale?

Zu später Stunde und mit steigendem Blutalkoholpegel soll im „Borchardt“ eine weitere Droge zur Sprache gekommen sein: Kokain. Ob auch eine Kokainpauschale komme, hinge lt. Berichten des Whistleblowers davon ab, wie viele Stimmen die scheinbaren Alkohol- und Tabakgeschenke brächten. Im Gespräch seien auch „zielgruppengerechtere Drogen“ wie Cannabis, Pay-TV-Abos  und Saisontickets bei Borussia Dortmund.

Ich schließe mit zwei Zitaten:

„Eine Regierung ist nicht der Ausdruck des Volkswillens, sondern der Ausdruck dessen, was ein Volk erträgt.”

(Kurt Tucholsky)

„Wenn Ihr Eure Augen nicht braucht um zu sehen, werdet Ihr Sie brauchen, um zu weinen.”

(Jean Paul Sartre)

Im Übrigen bin ich der Meinung, daß jeder Tag ohne Bandbreitenmodell ein verlorener Tag ist.

Ihr

Jörg Gastmann

2 Kommentare zu Plant Bundesregierung 350 Euro Alkoholgeld für Hartz-IV-Bezieher?

  1. Einfach nur gut – danke!

    Allerdings möchte ich zu bedenken geben, das ein Betreuungsgeld für alle Kinder eine gute Sache wäre. Selbstverständlich nur bis zum 14 Lebensjahr und erheblich mehr als die lächerlichen 100 oder 150 Euro.

    Wer bis zum 14. Lebensjahr nicht selbstständig geworden ist, der braucht professionelle Hilfe.

    Das Geschrei um das Betreuungsgeld (abgesehen von der Hartz Variante) soll doch nur ablenken. Frei nach dem Motto, wenn meine Rente gekürzt wird, dann aber auch bitte die der Beamten und Staatsdiener!

  2. Eberhard Krienitz // 25. April 2012 um 23:41 //

    Re GIER ung, noch Fragen?

    Schnallt Euch an, es kommt immer schlimmer.

    Nichts ist so wie es scheint und nichts scheint so wie es ist!

    Gute Zeit Hardy

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