Skandal beim Profiboxsport: Dereck Chisora glänzt durch Entgleisungen

19.02.12

Eine große Lippe hatte bereits der wohl bedeutendste Schwergewichtsboxer Muhammad Ali mehrmals vor laufenden Kameras außerhalb und innerhalb des Ringes riskiert. Aber was sich in der Nacht zum 19. Februar 2012 ereignete, toppt alles bis dahin Gewesene an Provokationen im Profiboxsport. Daß in diesem Fall ausgerechnet gleich zwei Schwergewichtsboxer, nämlich Dereck Chisora und David Haye, die besonders gern und unübersehbar im Vorfeld der bevorstehenden Kämpfe mit den Klitschko-Brüdern diese in der Öffentlichkeit durch Beleidigungen provozierten, in München aufeinander trafen, muß man wohl im Nachhinein als folgenschwer bezeichnen.

 

Del Boy fiel gleich zu Beginn seiner Profikarriere durch Unsportlichkeit auf

Der in Simbabwe geborene Dereck Chisora hatte vor fünf Jahren seine Profikarriere begonnen. Manchmal muß man sich schon die Frage stellen, ob nicht gewisse Verantwortliche mit dazu beitragen, daß Choleriker wie Del Boy, so lautet sein Kampfname, fast ohne Konsequenzen nahezu „aufgefordert“ werden, ihre Unsportlichkeit auszuleben. Als er im Kampf gegen Paul Butlin im Mai 2009 völlig grundlos in der fünften Runde in dessen linkes Ohr biß, sah dies der unaufmerksame Ringrichter wohl nicht. Deshalb kam es nicht zur Disqualifikation und Chisora gewann den Kampf schließlich nach acht Runden nach Punkten. Danach folgte als einzige Konsequenz eine Geldstrafe in Höhe von 2.500 Pfund und eine vier monatige Sperre, aber keine Aberkennung des Sieges!

Doch was veranlaßte diesen jungen, im Gegensatz zu Vitali Klitschko wesentlich kampfunerfahrenen Schwergewichtsboxer dazu, dermaßen aggressiv und spektakulär in der Öffentlichkeit aufzutreten?  Hatte er schon beim Wiegen den Ukrainer eine schallende Ohrfeige verpaßt, er soll seiner Mutter wohl versprochen haben, dies einfach zu tun, spuckte er im Ring vor seinem 18. Boxkampf Wladimir Klitschko Wasser ins Gesicht. Man muß hierbei mal die große Selbstbeherrschung loben, die beide Klitschkobrüder nach diesen eindeutigen Provokationen an den Tag gelegt haben, so manch anderer hätte vielleicht nicht zu Unrecht  entsprechend reagiert.

 

Die Niederlage führte zu heftigen Frust in der Pressekonferenz

Auch wenn zunächst Vitali Klitschko über zwölf Runden lang den technisch schwächeren Dereck Chisora nicht durch einen Knockout bezwingen konnte, so war der amtierende Weltmeister zu keiner Zeit in wirklich bedrängenden Schwierigkeiten. Im Nachhinein stellte sich heraus, wieso der Zweimetermann seine linke Führungshand mit dem gefürchteten Jab nicht einsetzen konnte: eine Verletzung an der linken Schulter in der vierten Runde. Wenn wir das berücksichtigen, hatte Vitali Klitschko dennoch den aggressiven, vorwärtsmarschierenden Dereck Chisora nur mit einer Hand davon abhalten können, sich den Titel abnehmen zu lassen, um schließlich nach Punkten ihn zu verteidigen.

Auffällig blieb die anhaltende, sichtbare Körpersprache nach verlorenen Kampf: Chisora schien mit dem Ergebnis nicht einverstanden zu sein. Noch im Ring äußerte sich der Sieger, er respektiere die sportliche Leistung Chisoras, aber menschlich habe er keinerlei Respekt vor ihm. In der anschließenden Pressekonferenz kam es dann zu der folgenschweren Auseinandersetzung. Nachdem Chisora meinte, er habe noch mit Wladimir eine Rechung offen, zumal zuvor der jüngere Klitschkobruder ziemlich selbstbewußt in einem Kurzinterview einen Boxkampf mit Chisora angesichts der bisherigen Vorfälle völlig ausschloß, platzte David Haye der Kragen. Dieser erwiderte, Chisora sei ein Loser, er hätte drei Kämpfe hintereinander verloren. Es kam zu einem eskalierenden Wortgefecht bis hin zu einer kurzen Prügelei zwischen den beiden Schwergewichtsboxern, wobei der Haye-Manager Adam Booth erhebliche Verletzungen davontrug. David Haye verließ zügig den Ort des Geschehens kurz danach, was den weiterhin sehr aggressiven Dereck Chisora nicht davon abhielt, David Haye hinterher zurufen, er werde ihn töten, erschießen und verbrennen. Es versteht sich von selbst, daß die Klitschkobrüder als Veranstalter des Abends in der Münchner Olympiahalle Anzeige erstattet haben. Ein solches Verhalten muß weitreichende Konsequenzen für Dereck Chisora haben, weil das dem Profiboxsport in keinster Weise gerecht wird.

 

Ihr

Lotar Martin Kamm

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