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Politik – das Spiegelbild der Gesellschaft?

Verfasst von: admin am Februar 22, 2012 3 Kommentare

22.02.12

Europaweit, in sämtlichen einst gut bürgerlichen Industrienationen wächst inzwischen die politische Unzufriedenheit der Bürger. Wo man einst ganz im Sinne einer belanglosen Stammtischmanier über unwichtige Dinge diskutierte, findet sich nunmehr eine destruktive Protestbewegung, in welcher diskriminiert, diffamiert und „radikal“ gefordert wird. Infolgedessen entstehen haltlose Feindbilder; der gegenseitige Völkerhass wächst dramatisch, denn den europäischen Nachbarn oder unsere Politiker als Schuldige an den Pranger zu stellen, erheitert viele „Bauern“ und ist wesentlich angenehmer, als seiner Eigenverantwortung nachzukommen.

Dass ein solches Verhalten in Kriegszenarien  münden kann, tangiert etliche Bürger indes peripher. In einer Ellenbogengesellschaft voller „Alltagssöldner“ lebt es sich schließlich völlig ungeniert. Dennoch, wer den Extremismus innerhalb der Gesellschaft nicht erkennen will, trägt unweigerlich zur Entstehung neuer Kriege bei. Wohin extreme Strukturen führen, verdeutlicht besonders das deutsche Verhaltensmuster: Politiker sind faul, gierig und machtbesessen, so dringt es aus vielen bürgerlichen Kehlen hinter verschlossenen Türen, während sie zeitgleich dem Gedanken erliegen, wie sie beruflich schnell aufsteigen können ohne Rücksichtnahme auf ehemalige Kollegen. Gleiches Muster ebenso, wenn staatliche Konflikte konstruiert werden mittels fragwürdiger Systempresse: Plötzlich reden alle vom faulen Griechen oder dem gemütlichen Franzosen, nur aus puren Neid heraus, weil andere Völker Europas berufliche Karriere dem Familienleben keinesfalls vorziehen, lieber Wert auf geruhsames Mittagsessen, der eigenen Gesundheit legen. Trotzdem erledigen sie ihre Arbeit ordentlich.

Ganz nach deutschem „Vorbild“ ist inzwischen ein großer Teil Europas dem “Schneller-höher-weiter”-Gedanken förmlich verfallen, Bürger agieren wie ihre gewählten Volksvertreter: ohne Loyalität, Verständnis oder zwischenmenschliches Vertrauen. Warum also sollten Politiker besser sein wie das Volk? Positive Aspekte dürfen nicht gefordert, sondern müssen zweifelsohne vorgelebt werden. Indem wir einander anklagen, kritisieren, dem Anderen unsere Hand entziehen, erschweren wir unser eigenes Dasein, zerstören notwendige Wirtschaftsstrukturen.

 

Vertrauen in Mitmenschen nicht vorhanden

Immer wieder schimpfen Menschen über den sozialen Verfall des Arbeitsmarktes, fordern höhere Gehälter, sichere Arbeitsplätze. Niemand denkt aber daran, dass jedwede Abhängigkeiten, die entstandene Erpressbarkeit im Lohn- und Gehaltssektor aus der eigenen, triebhaften Unfähigkeit heraus entstanden. Großkonzerne winkten anfänglich mit guten Gehältern, dreizehntem Monatsgehalt, sowie weiteren diversen Bonusleistungen. Ergo schlossen viele Kleinunternehmer, dem Großkonzernwind folgend, ihre eigenen Betriebe. Natürlich führte dies zur einheitlichen Monopol-Preispolitik. Regionale Strukturen waren fortan in Großkonzernhänden, starke Mittelstandsunternehmen abhängig von diesen, Kleinunternehmer fast ausgestorben. Als Verantwortliche sahen, wie schnell Bürger ihre Selbstbestimmung aufgaben, kontrollierten sie fortan alles, denn der bei ihnen beschäftigte Lohnsklave war außerdem noch hilfloser Konsument, welcher bis dato alle wirtschaftlichen Faktoren akzeptieren muss. Alternativen? Fehlanzeige, weil die Einen regionale Strukturen aufgaben, faire Kleinunternehmer boykotierten, für das “Geiz ist Geil”-Leben alles taten, und die Anderen aus Existenzängsten den Großkonzernen erlagen.

Heute geben genau diese Menschen dem herrschenden Lobbyismus die Schuld an allem. Aber wer hat dem Volk verboten, eigenständig, weitsichtig zu denken und nicht nur bis zur nächsten Haustür? Niemand! Wer hat Bürger anfänglich dazu gezwungen, Schwächere zu diskriminieren? Niemand! Wer fragt heute, wie jedwede lobbyistischen Strukturen überhaupt entstanden sind? Niemand, weil sämtliche Völker sich dann eingestehen müssten, dass sie selbst größtenteils zum gegenwärtigen, antihumanen Unheil beigetragen haben. Gesellschaften, welche unbewusst leben, dürfen keine bewusste humanökonomische Politik erwarten.

Beschweren, Kritisieren sowie Diffamieren entspricht keinesfalls dem respektvollen, konstruktiven Protestgedanken, welcher stets in verschiedenen Epochen etwas positiv erwirken konnte. Bürger beschweren sich, dass Facebook mit ihren Daten spielt, die etablierte Presse oftmals lügt, Politiker nur Marionetten diverser Wirtschaftslobbyisten sind, konträr dazu würdigen sie jedoch jene Menschen nicht, welche Alternativen schaffen. Stattdessen werden diese beschimpft, müssen teilweise entwürdigende, haltlose Parolen ertragen. Ehrliche Alternativen müssen verhungern, weil Bürger, welche selber über die Macht großer Konzerne schimpfen, im selben Atemzug dennoch lieber wieder das Tagesblatt kaufen, anstatt kleinen Mitmenschen Vertrauen entgegenzubringen und diese Arbeit zu stützen. Damit wäre folglich der Anfang für eine faire Volkswirtschaft geschaffen, indem Menschen Kapital untereinander investieren, anstatt es brav abzuliefern bei großen Herrschern.

Denken Sie bei der nächsten Handlung vielleicht einmal daran, dass Menschen, die Sie ehrlich behandeln, für die Gesellschaft einen Dienst erbringen, überleben müssen, was nur durch ganzheitliches, gesellschaftliches Umdenken möglich wird. Wenn Nachrichten kostenlos im Netz zugänglich sind, heißt dies zum Beispiel noch lange nicht, dass gewissenhafte, freie Journalisten von Luft und Liebe leben können; umfangreiche Recherchen erfordern Zeit, was den täglichen Journalismus zu einem Hauptberuf macht. Dass die meisten neuen Medien nach geraumer Zeit also ebenfalls dem Lobbyistensystem verfallen, hängt mit dem fehlenden bürgerlichen Solidaritätsgedanken zusammen. Wie können Sie diesen Menschen böse sein? Sie müssen ebenfalls ihr Leben bestreiten wie Sie auch, und wo die Chance bestand, den freien Journalismus zu retten, sah sich ja niemand der finanziellen Unterstützung verpflichtet, weil ja ein humaner Dienst nicht mit einem neuen Computer oder Fernseher mithalten kann. Bleibt noch die Parole: „Sollen sie halt einen richtigen Job machen, Schreiben kann doch jeder.“ Nun sehr seltsam, dann braucht doch niemand ehrlichen, unabhängigen Qualitätsjournalismus fordern und Menschenwürde, darauf hat dann auch niemand ein Recht. Warum? Ganz einfach, wenn Menschen sich nicht so akzeptieren können, wie sie sind, kein Verständnis aufbringen, wenn jemand aus Berufung und Leidenschaft nur einer bestimmten Tätigkeit nachgehen kann, trotzdem aber ein finanzielles Existenzrecht hat, dann sind Menschlichkeitsreden nichts weiteres als billige, verlogene Phrasen.

Anderes Beispiel gefällig? Der Bäcker aus Leidenschaft, welcher seine Backkunst opfert, um mit dem Industriebäcker mithalten zu können. Schriftsteller, die im Suizid enden, weil keiner mehr ihre Werke schätzt, sondern lieber „Thilo-Bücher“ gekauft werden aufgrund des bekannten Namens. Diese Aufzählung lässt sich beliebig fortsetzen in alle Berufsrichtungen. Was sagt uns das? Wir dürfen uns nicht gegenseitig in eine Norm drängen, welche positive, humane Aspekte seit jeher zerstört, sondern müssen Vertrauen aufbauen von Mensch zu Mensch, unabhängig von Verwaltungsnormen. Oder ist die Menschheit inzwischen nicht mehr in der Lage, eigenständig und logisch zu denken? Können viele Menschen vielleicht keine Gefühle mehr füreinander aufbauen? Politischer Lobbyismus entsteht durch zwischenmenschliche Entfremdung, für die einzig wir alle verantwortlich sind. Erst wenn wir beherzt miteinander umgehen, wird unsere Gesellschaft die Politik positiv verändern können, denn unser aller Spiegelbild ist ausschlaggebend für die Politik von gestern, heute und morgen.

 

Ich schließe mit einem freien Gedanken:

Nur wer die freie Entfaltung auch lebt, jedem sein Leben gewährt und seinem Mitmenschen trotzdem ein sorgenfreies Leben zugesteht, kann lobbyistische Strukturen bereits im Ansatz verhindern, denn dieser wird einzig durch die Verzweifelung jener Menschen gestärkt, dessen Visionen durch eine kalte Gesellschaft zerstört werden. Kein Visionär gibt seine selbstbestimmte Idee auf, solange sein Herz schlägt. Und genau darin liegt der Wandel, den die breite Masse annehmen könnte, anstatt danach zu treten – schon wären sämtliche Probleme gelöst, da die Vision eines Mitmenschen zum eigenen Wohlstand wird, wenn man die Idee eines Einzelnen als Gemeinschaft verwirklicht. Unsere Welt ist kaputt, weil Menschen andere Menschen benutzen, anstatt die Emotionen und Gefühle des Anderen zu achten.

Ihr

Joachim Sondern

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3 Antworten zu “Politik – das Spiegelbild der Gesellschaft?”

  1. Nicole sagt am: 24 Februar 2012 um 19:15

    Das ist eine guter Artikel
    er bringt zum nachdenken.
    die Aussage niemand kann von Luft und Liebe leben finde ich gut !

  2. Neumann Erich sagt am: 24 Februar 2012 um 17:24

    Und weil der Fisch bekanntlich am Kopf zu stinken beginnt, ist es nach der – zumindest versuchten – Mediengängelung und schlussendlichem Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff kaum noch verwunderlich, was bundesdeutsche Praxis zur Pressefreiheit darstellt und vor der sich auch sein designierter Nachfolger und Kandidat der Herzen bei allen bisherigen Direktanfragen weggeduckt hat, obwohl der Bürgerrechtler beim bevorstehenden Tag der Pressefreiheit Gastredner
    des Presseclub Nürnberg sein wird:

    4 deutsche Journalisten, wegen ihrer Recherchen von Behörden und Justiz bedrängt, teils sogar körperlich und damit dauerhaft gesundheitlich geschädigt sowie insgesamt in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht benötigen das Wunder der breiten öffentlichen Unterstützung, denn die Attacken gegen sie und die Pressefreiheit erfolgen nicht in China, Iran, Nordkorea oder Russland, sondern mitten in Deutschland!

    http://www.ethik-in-der-wirtschaft.de und http://www.justizversagen.de benötigen bitte dringend mehr Öffentlichkeit und breite Unterstützung!

    Dazu unsere Bitte an VIP’s, KünstlerInnen und Intellektuelle um weitere
    Statements auf unserer home page sowie auch deren Fans und Umfeld,
    sowie alle Engagierten um ein individuelles Occupy!

  3. Andrea Dejon sagt am: 23 Februar 2012 um 09:35

    ein wirklich guter Artikel… bringt das Thema auf den Punkt!
    Da passt eines meiner Gedichte ganz gut dazu…

    Wenn jeder sich um die Probleme kümmert,
    für die seine Kraft und seine Möglichkeiten ausreichen,
    würde ein großer Berg aus Altlasten abgetragen werden.

    Wenn jeder sich aus dem dunklen Sumpf der Befürchtungen erhebt,
    und die Schönheiten des Lebens zu genießen lernt,
    würde unsere Seele zu einem klaren, Licht durchfluteten See werden.

    Wenn jeder auf den kleinen Schimmer in seinem Inneren acht gibt
    und in dunklen Stunden immer wieder einen neuen Anfang wagt,
    würde die Hoffnung zu einem großen Feuer der Begeisterung werden.

    Wenn jeder erkennt, dass in allem der Keim des Lebens verborgen liegt,
    der nur darauf wartet mit Liebe umhüllt zu werden,
    würde ein Band zwischen den Menschen erwachsen.

    Wenn jeder seiner Seele genügend Raum zum Tanzen lässt,
    könnte sich diese frei bewegen – ganz so wie es ihre Natur ist,
    dann würde das Herz aufblühen & klingen und singen.
    A.D.

    In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern viel Kraft um das eigene Leben in den richtigen Bahnen zu meistern und mit offenem Blick durch die Welt zu gehen!

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