Griechenland – Europas Fluch oder Segen?!
19.02.12
Entgegen der aktuell propagierten Meinungsbildung des oberflächlichen Eindrucks eines antiken Volkes, das Feste feiert, wie sie fallen, sich vor der Arbeit drückt und es sich auf Pump gutgehen lässt, sieht die Geschichte Griechenlands anders aus.
Es ist ein Land voller Schicksale, durch Unterdrückung gebeutelt. Sowie es aufgrund seiner zivilisatorischen Leistungen die Wiege Europas genannt wird, ist es auch infolge seiner geographischen Lage das Tor Europas, was ihm jedoch immerwährend Kriege und Belagerungen, Zerstörung und Ausbeutung gebracht hat. Von der Antike bis zur Belagerung und Plünderung im II.Weltkrieg bekam das Land selten lange Luft, sich von Krieg und Zerstörung zu erholen.
Nach Beendigung dieses letzen großen Krieges, den es auszuhalten galt, startete Griechenland entgegen der neugegründeten Bundesrepublik Deutschland in Eigenleistung aus Zerstörung und durch diese Plünderung ohne Vermögen, während Deutschland nach Schuldenerlass im Aufbau von den Alliierten finanziert und gefördert wurde. Um so mehr ist die Haltung unserer Regierungssprecher gegenüber diesem Land, die es immer wieder als Schuldensünder und Schmarotzer ins Licht stellen, als doppelter Hohn zu werten, da die Bundesrepublik Deutschland diese Schulden an Griechenland bis heute nicht beglichen hat. Ein dazu näherer Bericht des Spiegel verdeutlicht diese Fakten in der Zusammenfassung unter: Deutschland ist der größte Schuldensünder des 20. Jahrhunderts.
Und doch ist Griechenland ein Volk der Antike, das sich trotz aller Rückschläge allein durch seinen inneren Geist immer wieder seine Freiheit erkämpfte und durch seinen Mythos doch nie an Anziehungskraft für fremde Eroberer verloren hat. Viele, die ihm verfallen sind, sind letztendlich nicht an seiner relativ kleinen Streitmacht, sondern an seiner Zähigkeit des Widerstandes zu einer gewaltsamen Übernahme gescheitert. Selbst der bayerische Prinz Otto I., Sohn König Ludwigs I. von Baiern, der einst als König von Griechenland dort regierte und lebte, empfand seine Vertreibung zurück in seine Heimat nach Bayern als Exil und träumte bis zu seinem Tod von seiner Rückkehr nach Griechenland. Seine letzten überlieferten Worte im Sterbebett: “Griechenland, mein Griechenland, mein liebes Griechenland”. Ihm verdankt das damalige Baiern, dem heutigen Ba(y)ern sein “Y” aus dem Griechischen, das er aus seiner Liebe zu Griechenland ändern ließ. Wer nicht mit diesem Volk kann, will anscheinend auch nicht ohne es, das hat die Geschichte oft zu Griechenlands Unglück gezeigt. Unter diesen Aspekten ist die aktuelle Situation in Griechenland und die Reaktionen aus der EU für das Volk, besonders durch das Überspannen des Bogens und fehlender Diplomatie und Freundschaft aus Deutschland, ein unerträglicher Zustand, den es so nicht hinnehmen wird.
Heute, keine 70 Jahre nach seiner letzten Besatzung, steht es wieder vor seinen Trümmern. Diesmal vor den Trümmern durch die eigene Regierung und den Mißmut der Verbündeten der europäischen Union und der Finanzmärkte, durch Mißwirtschaft und Korruption an den Rand des Abgrundes gebracht. Es sieht zu, wie seine Souveränität und seine Demokratie beschnitten wird und wie die Zukunft seiner Kinder ins Elend getrieben werden. Es hört die Mißachtung und Beleidigungen und die Bedrohungen von Innen und von Außen an seine Existenz. Und wieder leidet es unter Besatzungsangst und um die Zukunft seiner Kinder, denn wieder gilt: “Wer nicht mit ihm kann, will auch nicht ohne es”.
Die Aufwieglung gegen den “Pleitestaat Griechenland” und die “Faulheit des griechischen Volkes” und weitere propagierte Antistimmung ist nicht das Thema dieses Artikels. Entgegen dem vergangenen Mainstream finden sich zwischenzeitlich gehäufter andere Artikel, die den Weg in die Öffentlichkeit zur korrigierten Beleuchtung finden. Dieser Artikel widmet sich aber den Bürgern Griechenlands. Dem normalen Volk, das leidet. Durch unfähige Regierungsparteien, die ihm durch Kreditaufnahmen den Ernst der Lage vorenthielten und den dringenden Umschwung der Welt und Europa in ein überlebensnotwendiges Industrialisieren nicht umsetzen, und einer EU, die bereitwillig trotz Katastrophe vor Augen aus eigenen wirtschaftlichen Gründen munter weitergeliehen hat. Das harte Leben durch eine Explosion der Lebenshaltungskosten in Griechenland, selbst die Gesellschaft, die sich auch in Griechenland natürlich spürbar verändert hat, ist an den veränderten Lebensumständen der letzten 10 Jahre nicht zu übersehen, aber dass die griechischen Bürger die unheilvollen Verflechtungen, in die sich die Landesführung durch immer neue Verbindlichkeiten verstrickte, nicht in seinem Umfang registrieren konnten, ist nachzuvollziehen. Ein Volk der Talente von zivilisatorischen Leistungen auf Gebieten der Philosophie, Naturwissenschaften, Geschichtsschreibung und Literatur wird nicht in 10 Jahren zu einem Volk der Industriehärte, wenn man es nicht dahin mitnimmt. Aber etwas anderes kommt zum Vorschein und trägt aus Athen heraus eine breite Welle über Europa und die Welt.
Und es trifft damit nicht nur den Zahn der Zeit, der unterschwellig in vielen Bevölkerungsgruppen Europas und der Welt spürbar ist, sondern es reißt mit seiner Widerspenstigkeit gegen das Diktat der Finanzmacht ungewollt die Maske der EU mitten im Scheinwerferlicht runter, das es mit voller Härte trifft. Ein vereinigtes Europa der westlichen Werte und sozialen Gerechtigkeit für seine Menschen ist von dieser EU weiter entfernt als der Mond. Es zeigt sich das Gesicht der EU der Wirtschafts- und Finanzbosse, das Europa der Machtkämpfe und Eitelkeiten der Männer in schwarzen Anzügen mit Aktenkoffern, die aus seinen Menschen Arbeitskräfte und Statistiken, Aktienpakete als Kurven auf einer Daxtafel machen, die bei Abwärtstrend abgestoßen werden.
Dieses als unbedeutend beleidigte aber unerbittliche kleine Volk, dessen Bürger sich gegen ihre Regierung und die Allmacht der EU, die es verspottet, für die Freiheit und die Demokratie ihres Landes aufstellen und lieber in einen freien Abgrund gehen wollen, als in ein Diktat des milderen Hungers, hat mit Trommelwirbel die Welt zusammengerufen, zuzuschauen, wie es in seiner Verzweiflung zum Trotz gegen die soziale Kälte seiner Regierung und der EU geschlossen aufsteht. David gegen Goliath. Ein kleines von der Welt verschmähtes und gedemütigtes Volk duckt sich nicht unter den untragbaren Sanktionen und den Hunger gegen die Verstöße seines demokratisches Rechts seines Souveräns und für die Menschlichkeit. Für alles, für das der Geist seines Landes steht.
Was sich in den letzten Monaten bereits aus Unzufriedenheit an Bewegung in Europa leise zusammengebraut hat, macht sich nun mit Griechenland als Gegentrend zu dieser EU immer lauter im Scheinwerferlicht bemerkbar. Die Gefahren um das Schwinden der Demokratie und die Rechtsstaatlichkeit sowie der Sozialsysteme in der EU sind erkannt und werden nicht nur mehr von Randorganisationen offen diskutiert. Bürgerbewegungen, die das griechische Volk in seinem Kampf unterstützen, bekommen regen Zuwachs. Stimmen aus den europäischen Organisationen selbst werden immer lauter, eine Wende dieser Fiskalunion in eine EU ihrer Menschen zur Wahrung der Demokratie und der Menschenrechte zu vollziehen. Man kann nur hoffen. Ob Griechenland eine Katastrophe erleben wird, die es einem 3.Weltland nahebringt, ist noch offen. Ein Austritt Griechenlands oder ein Bürgerkrieg ist in dieser momentanen Situation ohne finanzielle Einlenkung in diese Richtung mehr als wahrscheinlich. Wie es mit der EU nun weitergeht, weiß keiner. Das friedliche Miteinander ist zerrüttet, global machen sich gefährliche Situationen bemerkbar, und die ganze Welt scheint dem internationalen finanziellen Druck nicht mehr gewachsen zu sein.
Und trotz aller Widrigkeiten bekommt man den Eindruck, dass es wieder Griechenland sein wird, die Wiege und das Tor Europas, das die Demokratie und ein Europa der Menschen nachhause bringt.- David gegen Goliath.
Was Europa aber Hoffnung gibt, ist der Umstand, dass der kleine David Tag für Tag durch die Unterstützung vieler Menschen in Europa wächst und das Projekt Mensch in unserer industrialisierten Welt wieder ein Gesicht bekommt, das nicht mehr übersehen werden kann. Wir sollten diesem Volk für seinen Mut sich täglich dieser Polizeimacht, den Rauchbomben und der Gewalt auszusetzen, um für sich zu kämpfen, danken.
Ein kluger Mann, nämlich Warren Friton, sagte mal:
“Place me not with those who are weak of mind and willingly give up the rights of others, for these poor ignorant souls know not that the rights they give up are their own!”
Und das passiert gerade alles mitten in Europa.
Ihre
Irena D.



















