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Endlosschleife Völkermord? – Die Verantwortung des Individuums abgeKantet

Verfasst von: admin am Februar 8, 2012 3 Kommentare

08.02.12

Theoretischer Ansatz einer „Anti-Handlanger-Strategie“

I. Der Völkermord der deutschen Nationalsozialisten an den europäischen Juden

Am 20. Jänner 1942 fand in einer Villa in Berlin die nach dem Tagungsort benannte Wannseekonferenz statt. Unter der Führung von SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich und weiteren hochrangigen, einflussreichen NSDAP-Partei- und Reichsfunktionären (unter anderem Adolf Eichmann) wurde die schon vorher beschlossene und in reinstem nationalsozialistischen Beamtendeutsch formulierte „Konsequente Endlösung der  europäischen Judenfrage“ besprochen und die sogenannte Deportation (eine weitere sehr verharmlosende Wortschöpfung) organisiert. Übersetzt heißt diese Schreibtischtäterformulierung „Endlösung der europäischen Judenfrage“ nichts anderes als die industrialisierte Ermordung der gesamten europäisch-jüdischen Religionsgemeinschaft.

Die Juden wurden enteignet und deportiert, sprich unter dem Vorwand einer Existenzneugründung mittels Reichsbahn verschleppt und in Arbeits- und Vernichtungslagern – sogenannten Konzentrationslagern (eine weitere Nazi-Wortschöpfung) – selektiert (Auswahl von arbeitsfähigen und -unfähigen) und in weiterer Folge industriell in den Gaskammern ermordet.

 

Fakten der Nazi-Judenverfolgung und -vernichtung:

24 Konzentrationsstammlager

Zuletzt über 1.000 Außerlager, -kommandos oder Nebenlager

Ca. 6 Millionen  Opfer des Holocaust (Griechisch: völlig verbrannt)

Davon ca. 1,1 Millionen im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, das zum Symbol für die Shoa (Unheil/Katastrophe) wurde

 

II. Der Völkermord der  Roten Khmer am eigenen Volk in Kambodscha

Die roten Khmer (Khmer/mehrheitliche Ethnie Kambodschas) entstanden ursprünglich aus der kommunistischen (roten) Partei Kambodschas und waren eine maoistisch-nationalistische Guerillabewegung. Ihre Herrschaft dauerte von April 1975 bis zur Vertreibung durch vietnamesische Invasionstruppen im Dezember 1978. Sie verfolgten mit ihrer Ideologie die totale Umstrukturierung ihres Landes in eine Art Agrarkommunismus, und dies geschah mit einer unglaublichen Brutalität und Konsequenz. Dieser Agrarkommunismus sah eine radikale und konsequente Deportation der Stadtbevölkerung in die Landgebiete vor, um dort eine Agrarisierung voranzutreiben. Schon die, mangels anderer Fortbewegungsmittel, zu Fuß zu bewältigende Umsiedlung dauerte oft bis zu einem Monat und forderte viele Opfer unter den Alten,  Schwachen und Kindern.

Folge und Absicht dieser städtischen Entvölkerung (die 2 Mio.-Hauptstadt Phnom Penh verwaiste binnen kürzester Zeit) war ein völliger Zusammenbruch der städtischen Infrastruktur. Dienstleistungsbetriebe und Industrieproduktion kamen zum Erliegen.

Geldabschaffung, Bücherverbrennung, Religionsverbot (Zerstörung buddhistischer und christlicher Tempel, Klöster und Kirchen) sowie die Ermordung fast der gesamten intellektuellen Elite zeigen die Radikalität, mit der dieses Ziel in die Wirklichkeit umgesetzt wurde. Oppositionelle, Andersdenkende, jeder der Kollaboration mit dem Regimefeind Verdächtige wurde mit der Familie umgebracht. Jeder war Arbeiter (vollständige Aufhebung von Klassenunterschied), verpflichtet, schwarze Einheitskleidung zu tragen und einer totalen Überwachung ausgesetzt. Schon das kleinste Vergehen wurde mit dem Tode betraft. Doch das landwirtschaftliche Produktivitäts-Soll wurde nicht annähernd erreicht, da auch hier die technischen Hilfsmittel nicht vorhanden waren und alles mit einfachsten Mitteln bearbeitet werden musste. Misswirtschaft und Misstrauen, Plansollfälschungen waren die Folge – einhergehend mit einer radikalen Bestrafung bzw. Ermordung der Verantwortlichen. Dies führte zu einem völligen Zusammenbruch der Nahrungsmittelversorgung – Hunderttausende verhungerten.

 

Fakten der Roten Khmer-Herrschaft:

Ca. 1,4 Mio.- 2,2 Mio. Tote (bei einer Bevölkerung von ca. 7 Mio.)

Schätzungsweise eine Hälfte durch Exekution – Erschießen, Totschlag, Köpfen, Ersticken,  Kleinkinder wurden an Bäumen zerschmettert (!!!)

Die andere Hälfte an Unterernährung und Krankheit

Die „Killing Fields“ wurden zum Synonym dieses Todesregimes

 

III. Der Völkermord der Hutus an der Tutsi-Minderheit in Ruanda

Der Völkermord an der Tutsi-Minderheit in Ruanda begann am 6. April 1994 und dauerte bis Mitte Juli 1994 (Vertreibung der Hutu – Machthaber und Bildung einer Neuregierung durch die  ruandische patriotische Front/RPF) an. In ungefähr 100 Tagen  wurden 75 Prozent der Tutsis und auch Hutus, die sich nicht am Massaker beteiligten, ermordet. Diese Menschenschlachterei war von der ruandischen Regierung von langer Hand vorbereitet und  das Ergebnis eines langjährigen Konfliktes zwischen der Regierungspartei und der RPF.

Unter Einbeziehung lokaler Medien wurde – ähnlich der Judenhetze in Nazi-Deutschland – gegen die Tutsi-Minderheit Stimmung gemacht. Die ruandische Armee,  Präsidentengarde,  Nationalpolizei und auch weite Teile der Hutu-Zivilbevölkerung waren die Täter. Eine besonders aktive Rolle spielten die Impuzamugambi- und Interahamwe-Milizen (bewaffnete, extreme Anti-Tutsi-Einheiten).

Die Gewalt nahm mit besagtem 6. April 1994 mit dem Abschuss der Dassault Falcon 50 Präsidenten-Maschine beim Landeanflug am Flughafen Kigali ihren Anfang. Um 20.30 Uhr wurde das aus Darassalem kommende Flugzeug von Boden-Luft-Raketen abgeschossen, wobei Crew und Passagiere – unter ihnen der ruandische und der burundische Präsident – getötet wurden. Die Verantwortung für das Attentat ist bis heute ungeklärt. Eine halbe Stunde später begannen die Morde unter Verwendung von vorbereiteten Todeslisten an Hutu-Oppostionellen, Tutsi-Politikern sowie Befürwortern des Friedensabkommens. Die Gewalt nahm seinen Lauf und wurde mit unglaublicher Brutalität durchgeführt.

 

Fakten des Tutsi-Völkermordes:

Ca.800.000 – 1.000.000 Tote (innerhalb von 100 (!!) Tagen)

Tötungsarten waren Erschießen, Erschlagen, Verbrennen, Folter und Verstümmelungen der grausamsten Art, Pfählen, Zwang zum Kannibalismus und Inzest sowie Tötung der eigenen Familie

Die Aufarbeitung dieses Völkermordes dauert bis heute an

Auch bleibt das unglaubliche Versagen der Vereinten Nationen mit den in Ruanda stationierten UNAMIR-Truppen (United Nations Assistance Mission for Rwanda) in Erinnerung

 

Die Verantwortung des Einzelnen

Drei Ereignisse der totalen Entmenschlichung innerhalb von nicht einmal 60 Jahren. Diese Geschehnisse zeigen, wie dünn demokratische Strukturen und Ansätze sind, und wie rasend schnell ihnen das Fundament entzogen und sie sich ins Gegenteil verkehren können. Wie leicht Menschen manipuliert und für eine vermeintlich gerechte, gute Sache begeistert, ja, letztendlich missbraucht werden können. Es müssen nur gewisse gesellschaftliche Parameter ein Toleranzmaß überschreiten, vielleicht sogar außer Kontrolle geraten. Soziale, kulturelle und wirtschaftliche Gegensätze ausgereizt, überreizt, geschürt oder für politische Ziele missbraucht werden. Wirtschaftlich angespannte Zeiten, charismatische, politische Hetzer, manipulative Informationsmedien, schwache demokratische Strukturen repräsentiert von ebensolchen schwachen, gesichtslosen, Macht erhaltenden Beamtenbürokraten. Ein Zusammenspiel, welches das demokratische Dünneis schnell splittern und einbrechen lassen kann. Aber was um alles in der Welt lässt uns im Fall eines Einbruchs zu solchen Verbrechen fähig sein oder werden ?! Wie können Menschen,  Menschen so etwas antun?

Ich kann auch keine Generalantwort auf diese zwei Fragen geben. Mein Ansatz einer „Anti-Handlanger-Strategie“, einer individuellen Gegensteuerung. Ich will versuchen, mein eigenes Erklärungsmodell für solche unfassbaren Verhaltensmuster darzustellen:

Es geht mir hier nicht um das Versagen von internationalen Institutionen wie den Vereinten Nationen. In solchen Organisationen sind einfach zu schwerfällige, bürokratische Mechanismen zu überwinden, und der Faktor Zeit spielt in solchen Fällen gegen den langsamen Entscheidungsapparat, auch spielen oft die schwierigen, politischen Verhältnisse der Mitgliedstaaten untereinander eine ganz entscheidende – oder besser gesagt, eine nicht zur Entscheidung beitragende – Rolle.

Mir geht es um die einzelnen Menschen:  den Nachbarn, den Arbeitskollegen, den Bekannten vom Stammtisch etc., der zum Folterer, Massakrierer, Schlächter wird. Menschen, die – wenn ihnen die rechtliche Legitimation zuteil wird, staatlich das Unrecht zu Recht deklariert wird – alle gegen eine Handlung sprechenden, moralischen, ethischen, menschlichen Bedenken über Bord werfen bzw. vielleicht – im entgegengesetzten Fall des Nichtvorhandenseins der moralisch-ethischen „Sicherung“ – das tun, was sie schon immer tun wollten, jedoch von den gesellschaftlichen und rechtlichen Schranken und Konsequenzen daran gehindert wurden.

Die Lösung (oder besser gesagt der Versuch) zur Verhinderung solcher Entmenschlichungsexzesse liegt meiner Meinung nach immer am Individuum selbst. Jeder Mensch, der mit sozialen Grundstrukturen des menschlichen Zusammenlebens ausgestattet ist, der fähig ist, positive menschliche Gefühle zu empfinden, der im Stande ist – um dieses große Wort zu gebrauchen – zu lieben, der hat auch die Pflicht in außergewöhnlichen Zuständen, Umständen, Situationen – und seien sie auch noch so fern jeder Vorstellungskraft – nach diesen erwähnten, den Menschen ausmachenden Emotionen und Eigenschaften zu handeln. Konsequent und selbstlos. Diese Handlungsweisen jeder Generation beizubringen bzw. weiterzugeben, ist  auch die Pflicht jeder demokratischen Gesellschaft und letztendlich ihrer kleinsten Einheit, der Familie. Das klingt alles sehr moralkeulenschwingend und selbstlosigkeitstriefend, weil theoretisch immer alles lösbar ist. Worte, Schriften, Texte sind schnell ausgetauscht, gelöscht und verändert. Aber Menschen, die durch negative Erfahrung, Erziehung, Erlebnisse geprägt wurden (wobei auch die vorgeburtliche Prägung eine entscheidende Rolle spielt), können eben ihrem Verhaltensmuster sehr oft nicht oder nur sehr schwer entrinnen. Und genau  diese Menschen gilt es zu unterstützen. Sie aus der „negativen Programmierung“ (Faust geballt, Messer gezückt) herauszulösen, neue Pfade zu treten und neue Bahnen zu nutzen.

Das wirtschaftliche Laufrad, in dem sie sich oft befinden, zu verlangsamen und gemeinsam Grundsatz-Prioritäten zu  erarbeiten, auf die es letztendlich ankommt. Gewaltfrei Konfliktlösung immer wieder vorleben, damit  im „Ernstfall“ vielleicht ein Einzelner im entscheidenden Moment „Nein“ sagt, denn auch die Masse besteht aus einzelnen Individuen, die solche Szenarien nicht geschehen lassen müssen.

Vielleicht habe ich diesen Artikel auch nur aus Angst geschrieben. Aus Angst, einmal genau zu einer solchen Minderheit zu gehören, die – aus welchen Gründen auch immer – plötzlich zum Staatsfeind deklariert wird und an der eine sofortige oder ehest mögliche, straffreie Eliminierung  vollzogen werden muss, und sei es vielleicht nur, weil ich Brillenträger bin…

Ihr

Florian Schedlberger

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3 Antworten zu “Endlosschleife Völkermord? – Die Verantwortung des Individuums abgeKantet”

  1. Lotar Martin Kamm sagt am: 9 Februar 2012 um 21:48

    @EuroTanic

    Anstatt sich inhaltlich mit dem Artikel tatsächlich auseinanderzusetzen und auch mal auf die sehr sinnigen Gedanken einzugehen, wird einfach mal mit Superlativen “geprotzt”, frei nach dem “Motto: höher, besser, mehr”, Hauptsache Kritik geäußert! Dabei geht es dem Autor um etwas ganz entscheidendes: Wie schnell Mensch doch in einem “Kadavergehorsam” verfallen kann- da sind Ihre genannten Opferzahlen so gänzlich Fehl am Platz,oder? Im übrigen sind die Stalin-Opferzahlen NICHT gesichert, die Schätzungen belaufen sich zwischen 1 und 60 Millionen Toten!

  2. Wannseekonferenz sagt am: 8 Februar 2012 um 21:30

    Wannseekonferenz?

    Das Protokoll der Wannseekonferenz solltest du dir unbedingt mal durchlesen!

    Das Original natürlich. Sind nur 15 Seiten. Das Protokoll gibt es online auf der Webseite der Gedenkstätte Wannseekonferenz.

    Sollte wirklich jeder Deutsche in seinem Leben mal gelesen haben.

  3. EuroTanic sagt am: 8 Februar 2012 um 20:56

    Wo sind die Ofperzahlen für die durch Amerika verursachten Millionen Toten bei dem amerikanischen Ureinwohnern, den schwarzen Sklaven, Vietnam, Irak, Afghanistan etc.?? Da kommen mal locker zweistellige Millionen Tote zusammen. China unter Mao 40 Millionen, Russland unter Stalin 40 Millionen usw. Das sind grosse Opferzahlen.

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