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Arbeitslosigkeit: Das Übel an der Wurzel packen oder weiterhin herumdoktern?

Verfasst von: admin am Januar 24, 2012 3 Kommentare

24.01.12

Die meisten kennen wohl den Spruch: “Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast”, wobei entgegen mancher Behauptung, Winston Churchill hätte ihn einmal so formuliert, dies nicht belegt werden konnte. Doch hat diese Redewendung durchaus ihre Berechtigung, weil jeder Statistik ein bestimmtes Interesse zugrunde liegt, eine gezielte  Sichtweise und zwar genau bei den Statistiken, die uns den Eindruck von Seriosität bis hin zur Glaubwürdigkeit vermitteln sollen. Ausgerechnet die Arbeitslosenstatistiken sind in den letzten Jahren in Verruf geraten, wobei den Löwenanteil der Unglaubwürdigkeit eine interessengesteuerte Politik sich vorzuwerfen hat. Allerdings weist diese wiederum die stets wiederkehrenden Vorwürfe gern und vollmundig zurück, sich hinter Experten verschanzend. Und genau dabei stellen Statistiken ein wunderbares Instrument dar, um von eigenen Verfehlungen abzulenken bis hin, sie zu verfälschen.

 

Sinkende Arbeitslosenzahlen ein Indiz kalkuliert gefälschter Statistiken

Inzwischen sollte es sich herumgesprochen haben, mit welcher Dreistigkeit besonders hierzulande die Arbeitslosenstatistik manipuliert und daher verfälscht wird! Da werden einfach mal Ein-Euro-Jobber, Arbeitslose ab 58 Jahren, Zwangsmaßnahmenbetroffene und auch die neu hinzugekommenen Bürgerarbeitsverpflichtete nicht aufgeführt, und schon passen die Zahlen erneut. Auch Umschüler, Altersteilrentner, Arbeitsunfähige, Kurzarbeiter, Übergangsgeldempfänger, nicht registrierte Arbeitslose sowie Sanktionierte sind ebenso in keiner Statistik aufgeführt wie auch Arbeitslose, die mithilfe finanzieller Unterstützung der  BA sich als Selbstständige versuchen über Wasser zu halten.

Das alles kann eine Bundesregierung nicht davon abhalten, stets voller Stolz von sinkenden Arbeitslosenzahlen zu sprechen, kaschiert eben exakt eine solch verfälschte Statistik ihr eigenes politisches Versäumnis, die realen Probleme in der Arbeitsmarktpolitik. Gleichzeitig hat sie sich angepaßt an den Bedürfnissen einer Wirtschaft, in der der Mensch selbst gefälligst sich unterzuordnen hat, notfalls einfach entlassen wird, um die eigenen Gewinne nicht zu gefährden. Sowohl die Politik als auch die Wirtschaft selbst unterstreicht damit höchst eindrucksvoll, es verpasst zu haben, rechtzeitig sozialhumane Lösungen zu finden. Das Herumdoktern mit Arbeitslosenstatistiken kann und wird die Problematik keineswegs ändern.

 

Auch die ILO prophezeit eine düstere Zukunft

Im jüngsten Bericht der ILO (Internationale Arbeitsorganisation) sollen es mehr Arbeitslose in Europa als je zuvor sein. Gleichzeitig können wir  mal wieder nachlesen, daß selbst Die Zeit sich auf die just erörterten, gefälschten Statistiken beruft und daher von einer Arbeitslosigkeit auf tiefstem Stand seit 20 Jahren zu Beginn dieses Jahres berichtete. Bedauerliche Zustände, die natürlich keineswegs in die Nähe der Wirklichkeit rücken, sondern sie viel eher ausblendet. Das hilft den betroffenen Arbeitslosen keineswegs, stellt höchstens eine „Beruhigungspille“ dar für all jene, die ihre Unfähigkeit nicht zugeben wollen. Selbst die Zahlen der 1919 ins Leben gerufenen ILO können nur eine verzerrte Realität verkünden, wir müssen von einer wesentlich höheren Arbeitslosigkeit ausgehen, wenn man bedenkt, daß diese Organisation Beschlüsse fasst, bei welchen zwei Vertreter der jeweiligen Regierung, einer der Arbeitnehmer- und einer der  Arbeitgeberorganisationen anwesend sind. Wie sollen dabei die eigentlichen Interessen der Betroffenen gewahrt werden?

 

Arbeit muß ohnehin neu definiert werden

Eigentlich müssen wir uns von der klassischen Form der Arbeit verabschieden. Immer mehr Menschen werden in vielen Arbeitsbereichen wegrationalisiert, Maschinen und die Digitale Revolution machen ihn überflüssig. Die Arbeitsmärkte unterstehen einem ständigen Wandel, wobei am Ende der Arbeitslose das Nachsehen hat. Wie formulierte schon der US-Ökonom Jeremy Rifkin: “Langfristig wird die Arbeit verschwinden. Wir sind mitten in einer Umwälzung, die die industrielle Revolution noch übertrifft. Die Computer und Informationstechnik von heute machen immer mehr Menschen ganz überflüssig. Selbst die billigste menschliche Arbeitskraft ist teurer als die Maschine.”

Recht hat er, die Wirklichkeit auf den Arbeitsmärkten offenbart uns dies tagtäglich. Nur eine verschlafene Politik versäumt bisher, den Menschen Alternativen anzubieten. Vielmehr werden dabei Niedriglohnpolitik und Hartz-IV-Gesetze geschaffen, um die Betroffenen auf diese Weise an den Rand der Gesellschaft zu stellen. Auch haben die Politiker dabei eines völlig unterschätzt: ein anwachsendes Heer von Arbeitslosen. Da werden insofern keine verfälschten Statistiken die eigentlichen Probleme wegzaubern. Neue Modelle müssen eine Antwort geben. Das BGE (Bedingungsloses Grundeinkommen) mag eine Lösung sein sowie auch das BBM (Bandbreitenmodell). Doch es nutzt alles nichts, wenn eine verharrende, politische Landschaft untätig bleibt, anstatt auch mal neue Impulse und somit Ideen umzusetzen.

 

Ihr

Lotar Martin Kamm

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3 Antworten zu “Arbeitslosigkeit: Das Übel an der Wurzel packen oder weiterhin herumdoktern?”

  1. Martin Bartonitz sagt am: 24 Januar 2012 um 18:32

    Ich stimme voll zu! Wir sehen seit über zwanzig Jahren keine Verbesserung in der Zahl der Beschäftigten, es wird eher weniger als mehr aufgrund von Automatisierungen. Ich hatte Mitte letzten Jahres formuliert:
    Keine gute Kultur, sagt mir meine Intuition: konstante Arbeitslosenzahl, Zocken mit Geld, Hungern durch Fleisch, riskante Großprojekte … und in dem Artikel festgestellt, dass wir uns langsam darum Gedanken machen müssen, wie wir das, was an Erwerbsarbeit da ist, gerecht auf Alle verteilen. Übrigens ist die Erwerbsarbeit nur 1/3 aller anfallenden Arbeiten. Arbeit gibt es also genug, nur keine, die nicht Wert genug wäre, sich davon auch ernähren zu können.
    Ja, es wird dringend Zeit, dass wir Alternativen zum Lohnsklaventum, wie ich es inzwischen vorziehe zu bezeichnen, anschauen. Denn es kann nicht sein, dass ein so weit entwickeltes Land wie Deutschland es erlaubt, dass Millionen arm und krank und damit als Wertlose an den Rand gespült werden. Das kann auf Dauer keine Gesellschaft verkraften!!
    Wo ist unsere Empathie für unsere Mitmenschen geblieben. Gilt nur noch wer, der im Spiel der Geldeliten ein performantes Rädchen im Gebtriebe ist?
    Lasst uns Aufwachen und mit unserem Wissen, dass sich jedes Jahr verdoppelt, eine bessere Welt konfigurieren. In der alle teilhaben und nicht die Vielen für die Wenigen Leistungen erbringen müssen.
    Viele Grüße, Martin Bartonitz

  2. Henrik Wittenberg sagt am: 25 Januar 2012 um 11:38

    Der aktuelle Beschäftigungsoptimismus in historischer Perspektive

    Angesichts der gegenwärtig zu beobachtenden, geradezu demonstrativen Feier der neuen Beschäftigungsstatistiken und daraus abgeleiteter angeblicher Vollbeschäftigungsperspektiven liegt es nahe, folgende Zahlen in Erinnerung zu rufen, die für Deutschland einen historischen Trend belegen, wonach die Arbeitsstundenproduktivität Jahr für Jahr in der Regel stärker wächst als das Wirtschaftswachstum, was ein Sinken des gesamtwirtschaftlichen Arbeitsvolumens zur Kehrseite hat:
    http://grundeinkommensblog.blogspot.com/2010/11/der-aktuelle-beschaftigungsoptimismus.html

  3. florian stahl sagt am: 25 Januar 2012 um 16:09

    hallo,

    also ich bin davon überzeugt, dass es sich bei aller Verfahrensweise unserer sogenannten, und auch nur vermeintlich unfähigen Regierung um kalkül handelt, also dass alles was passiert, mit Absicht passiert um ganz gewisse Effekte in der Bevölkerung zu erzielen . . . es handelt sich wie schon so oft um die Durchsetzung einer faschistischen repressiven Logik . . . also den Bürger gefügig machen . . . und das funktioniert bewiesenermaßen und offensichtlich . . .gruß florian

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