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Tote-Armee-Fraktion

Verfasst von: admin am November 15, 2011 Ein Kommentar

15.11.11

1980: Das Attentat auf das Oktoberfest in München

13 Tote, 221 zum Teil Schwerverletze.

“Bewusst oder unbewußt wurden alle Spuren und Zeugenaussagen, die der Einzeltätertheorie widersprachen, nicht richtig gewürdigt oder beiseite geschoben. Die offizielle Version ist ein politisch erwünschtes Ermittlungsergebnis, damit keine Zusammenarbeit zwischen Köhler und anderen rechtsradikalen Personen und Strukturen nachgewiesen wird.”

Werner Dietrich. Rechtsanwalt mehrerer Attentatsopfer

Medien hatten immer wieder einen Bezug zur “Wehrsportgruppe Hoffmann” um Karl-Heinz Hoffmann hergestellt, die 1980 verboten wurde.

 

2011: Eine langjährige  von Behörden unbeachtet gebliebene Serie von mindestens zehn Morden an Menschen mit Migrationhintergrund wird bekannt.

Ermittlungsteams in ganz Deutschland mit bis zu 160 Beamten hatten vorher zu keinerlei Ergebnis geführt.

1998: In Jena wird eine Bombenwerkstatt ausgehoben.

Dabei werden vier einsatzbereite Rohrbomben sichergestellt. Im Haus von Beate Zschäpe, damals 23, die nicht verhaftet wird. Und mit ihren beiden Mittätern Uwe Böhnhardt, damals 21, und Uwe Mundlos, damals 25, untertauchen kann.

Die Fahndung nach dem Trio bleibt erfolglos. Die Verfassungsschützer geben an, die Spur zu verlieren. Ein LKA-Zielfahnder sucht sie fünf Jahre bis 2003 erfolglos, dann werden die Ermittlungen eingestellt. Der Zielfahnder des LKA-Thüringen hat 2001 in einem Aktenvermerk seine begründete Vermutung festgehalten, einer der beiden flüchtigen Männer würde von einer Behörde gedeckt.

 

2011: Das Trio wird für Behörden nach 13 Jahren wieder offiziell sichtbar.

Dem Trio werden von Behörden 14 Banküberfälle mit gut 100.000€ Beute zugeordnet. Die Polizei geht von der Ermittlungsthese aus, das Trio habe sich zum Überleben auf Banküberfälle spezialisiert.

 

4. November 2011

Nach einem erfolgreichen Banküberfall in Eisenach halten die beiden Männer sich in Tatortnähe in einem Wohnwagen auf. Dem sich dann zwei Polizisten nähern, die zwei “Plopps” hören. Dann bricht im Wohnwagen Feuer aus. Die Fahnder gehen später davon aus, einer der Männer habe den anderen erschossen, dann sich selbst. Der eine hat eine Schusswunde in der Brust, der andere im Kopf. Von der Zuordnung der Patronen zu den am Tatort vorgefundenen Waffen und Schmauchspuren an einem der beiden Männer ist bisher nichts bekannt. Wie erklärt sich die Polizei den Ausbruch des Feuers, da beide Männer bereits tot waren, als das Feuer nach Aussage der beiden anwesenden Polizisten ausbrach? Im ausgebrannten Wohnwagen finden die Spurensicherer Geld aus mindestens zwei Banküberfällen -nicht verbrannt- und Waffen: drei Gewehre und vier Pistolen. Darunter die Dienstwaffe der 2007 in Heilbronn erschossenen Polizistin Michele K. Was hektische Polizeiaktivitäten auslöst: Wie kam die Waffe an den Tatort? Welche Zusammenhänge zu den beiden Toten gibt es?

Tote schweigen.

Ein paar Stunden später, etwa 180 Kilometer entfernt in Zwickau

Eine Doppelhaushälfte in der Frühlingstr.26 explodiert und brennt. Vorher hat Beate Zschäpe Nachbarn ihre beiden Katzen gegeben und erklärt, dass sie die Feuerwehr rufen müsse. Die Polizei geht später davon aus, dass sie mit  der Explosion und dem Brand Beweise vernichten wollte. Spurensicherer finden falsche echte Ausweispapiere -wie sie Verfassungsschutz-Führungsoffiziere V-Leuten übergeben-, ein Gewehr, eine Maschinenpistole und neun Pistolen. Darunter die, die dann den zehn Morden zugeordnet wird. Was hektische Polizeiaktivitäten auslöst: Was haben Beate Zschäpe, ihr Versuch Beweismittel zu vernichten, die auf einen Mann -wer mit Klarnamen?- ausgestellten Ausweispapiere, die aufgefundenen Waffen und die zehnfache Mordwaffe miteinander zu tun?

Die verantwortlichen Polizeibeamten in Eisenach stellen fest, dass es sich bei den beiden Toten um die seit 2003 nicht mehr Gesuchten handelt. Die verantwortlichen Polizeibeamten in Zwickau stellen fest, dass es sich bei der flüchtigen Frau um die seit 2003 nicht mehr Gesuchte handelt. Die aufgefundenen Ausweispapiere übergeben sie ihren Kollegen vom Verfassungsschutz zur Verifizierung.

Einen Zusammenhang zwischen den Geschehnissen in Eisenach und Zwickau -in zwei Bundesländern- stellen sie erst einmal nicht her. Das tun sie mehrere Tage später. Als die Öffentlichkeit durch zunehmende Berichterstattung immer mehr vom Fall Notiz nimmt und die Flüchtige sich stellt. Dann schweigt.

 

Es stellen sich weitere Fragen:

Welches Motiv sollten zwei offensichtlich eiskalte Killer haben, sich selbst zu töten?

Wie konnte Beate Zschäpe wissen, was in Eisenach passiert ist?

Warum hat sie am Abend desselben Tages die Eltern der beiden Toten telefonisch vom Tod ihrer Söhne informiert?

Welcher Verfassungsschutzbeamte hat wann, wem und warum die sichergestellten Ausweispapiere gegeben?

Welche Informationen über die Aktivitäten des Trios hatte er?

Was davon hat er seinen Vorgesetzten mitgeteilt, was nicht? Was haben diese aufgrund der Informationen veranlasst?

 

Das nachhaltige Insistieren von Journalisten beförderte eine Information an die Öffentlichkeit:

Ein verantwortlicher Ermittler zog einen Profiler heran, der den Zusammenhang beider Tatorte sowie den rechtsextremistischen Bezug herstellte. Diese Ermittlungsthese setzte der verantwortliche Ermittler dann gegen den erheblichen Widerstand von Kollegen durch. Ein seltener Glücksfall. Mit dem Ergebnis, dass die ungläubige Öffentlichkeit zur Kenntnis nehmen muss: Es existiert in Deutschland ein organisierter, rechtsextremistischer Terror.

Nun taucht im Umfeld des aktuellen Falls im Kontext u.a. einer Durchsuchung ein Name wieder auf: Karl-Heinz Hoffmann. Sein ehemaliges Rittergut in Sachsen wurde nach Hinweisen und Waffen durchsucht. Ergebnisse sind nicht öffentlich bekannt.

Die Öffentlichkeit hat das Recht auf alle Informationen im Fall. Auch die vermeintlich behördeninternen. Um Aufklärung und Rechenschaft darüber zu erhalten, was im Kontext des Trios und seines Umfeldes -eine vierte Person wurde bereits verhaftet- alles seit Mitte der 1990er Jahre abgelaufen ist. Und welche Rolle dabei Behördenmitarbeiter spielten. Um dann ggf. juristische und dienstrechtliche Konsequenzen daraus zu ziehen.

 

Bereits heute stellt sich eine außergewöhnliche Frage:

Wer schützt uns Bürger vor dem Verfassungsschutz?

 

Ihr

Lothar Klouten

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Eine Antwort zu “Tote-Armee-Fraktion”

  1. Thomas sagt am: 15 November 2011 um 23:11

    Ich möchte nur das Stichwort “GLADIO” hinzufügen. Wenn man sich dessen Bedeutung und Hintergründe anschaut, erklärt sich vieles leichter, wenn auch für diesen Fall nicht konkret. Sonst wäre es ja auch zu einfach. Ich fürchte, es wird keine rückhaltlose Aufklärung geben, weil man den “Verfassungsschmutz” nicht blamieren und seine Existenzberechtigung erhalten will.

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