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Eine gewinnorientierte Lebensmittelindustrie auf dem Prüfstand

Verfasst von: admin am Oktober 3, 2011 Kein Kommentar

03.10.11

Die Mittel zum Leben unserer Spezies wurden zunächst gesammelt, gejagt und zubereitet, um sie direkt zu essen. Doch mit der Zeit blieb dem Homo sapiens auch angesichts seiner historischen Entwicklung gemäß, die viel mit kriegerischen Auseinandersetzungen und auch Völkerwanderungen zu tun hat, nichts anderes übrig, als sich mit der Konservierung von Lebensmitteln auseinander zusetzen, um sein Überleben zu gewährleisten. In der Antike entstand bereits das Konservieren durch Salpeter, welches in hanseatischen Urkunden um 1300 mit Pökeln von Fleisch für die Seefahrt seine schriftlich erwähnte Fortsetzung hat. Das Trocknen sowie das Räuchern von Lebensmitteln waren auch jahrhundertealte, angewandte Methoden der Haltbarkeit für längere Zeiträume.

 

Und mit dieser Entwicklung entstand auch die Lebensmittelindustrie. Ob das vom bayrischen Herzog  Wilhelm IV. erlassene Reinheitsgebot für das Bier als eines der ersten Maßnahmen zur Industrialisierung, also zur Weiterverarbeitung von Lebensmitteln mit entsprechender Kontrolle, verstanden werden kann, bleibt mal dahingestellt. Die kriegerische Expansion brachte es auch mit sich, den menschlichen Erfindergeist zu fördern, wie dies  Napoleon I. 1795 verkündete, in dem er einen hohen Geldpreis demjenigen versprach, der ein Verfahren zur Haltbarkeitsmachung von Nahrungsmitteln entwickeln und erfinden würde. Und Mensch ließ sich auch ohne politische Vorgaben nicht Bremsen im Erfindergeist.

 

Steht der Mensch tatsächlich im Mittelpunkt bei der Lebensmittelindustrie?

Nachvollziehbare und somit transparente Verfahren in dieser Branche sind zweifellos für uns von großem Nutzen, da sie auch vieles erleichtern. Wir können nicht alle Jäger, Sammler und Nahrungsmittelbeschaffer sein, alldieweil die Entwicklung ohnehin schon viel zu weit fortgeschritten ist. Mit der Expansion der Verpackungsindustrie und auch diese Folgen nach dem II. Weltkrieg wurde eine neue Herausforderung gefunden, um Lebensmittel noch länger haltbar zu machen. Gleichzeitig entwickelten sich aber auch die Erwägungen des Profitgedankens parallel weiter, so daß alle Register gezogen wurden, um möglichst viel Gewinn bei der Produktion zu erschaffen. Die Produkte selbst hatten sich genau diesem Gedanken unterzuordnen zum Leidwesen der Konsumenten selbst. Ein Lebensmittelskandal jagt somit den nächsten, wobei die Aufdeckung solch krimineller Machenschaften in der Lebensmittelindustrie natürlich “wachen Geistern” zu verdanken sind, die eben nicht tatenlos zuschauen konnten, wie die Lebensmittelindustrie auch bei Verpackungen mit irreführenden Angaben bluffte. Wirklich kritische Stimmen hatten sich bereits vor knapp dreißig Jahren unverblümt und sehr direkt schriftlich zu Wort gemeldet, in dem Buch “Chemie in Lebensmitteln” des Katalyse Instituts für angewandte Umwelt e.V.

 

Was muß noch alles aufgedeckt werden, um das Täuschen, Tricksen und Tarnen einer Lebensmittelindustrie zu entlarven, die wohl ihr eigentliches Ziel verkannt hat: dem Menschen zu dienen? Stattdessen stehen längst Verbraucherschutzorganisationen auf der Matte, aber auch völlig unabhängige Organisationen wie Foodwatch tragen mit dazu bei, die Menschen zu sensibilisieren, aufzupassen, was sie da konsumieren, denn immerhin geht es um die Gesundheit, ums Leben selbst. Auch haben insbesondere Filme wie Food, Inc., Unser täglich Brot und We Feed the World ebenso hoffentlich dem einen oder anderen die Augen öffnen können.

 

Doch die Politik hofiert weiterhin den Lobbyismus der Lebensmittelkonzerne

Allen voran unsere  Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Ilse Aigner, die dies unter Beweis stellt. Bis heute wird der positive Vorschlag der Grünen zur Ampel-Lebensmittelkennzeichnung aus dem Jahre 2008 nicht umgesetzt, obwohl zwei Drittel der Deutschen sie längst fordern. Es darf ja nicht sein, was ein mächtiger Industriezweig negiert. Und so brauchen wir uns auch nicht zu wundern, wenn ein neues Internetportal für Lebensmittel auf taube Ohren und mit heftiger Kritik bestückt bei der Lebensmitteindustrie stößt: Hauptsache es wird verdient!

 

Selbstverständlich können wir abhängigen Verbraucher nicht aussteigen aus einem Industriezweig, der so tief verwurzelt unser Leben mitbestimmt, aber dennoch sind Wege der Kritik, des berechtigten Unmutes, diese zu artikulieren und vorzutragen, das Mindeste, was uns verbleibt, wobei auch gleichzeitig der Blick zu ehrlichen Labels, wie Demeter, Weleda, Naturland und andere schon notwendiger wird. Die Argumentation eines höheren Preises, was Bio-Produkte anbelangt, kann nicht wirklich einer genauen Analyse standhalten, wenn wir bedenken, was viele Verbraucher alles für unnötig überteuerte Waren sich anschaffen, auf die sie ohne weiteres verzichten könnten. Es bedarf somit eines Umdenkens, einer größeren Wachsamkeit, was wir an Lebensmitteln zu uns nehmen, soweit wir das vermögen.

 

Ihr

Lotar Martin Kamm

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