Von der Ökolatsche zum Anzug – der Wandel der Grünen

17.07.11

Politische Macht kennt gar keine Grenzen, das sollte uns spätestens nach der Posse am Zaun des Bundeskanzleramtes mit dem damaligen Juso-Vorsitzenden Gerhard Schröder zur Gewissheit geworden sein, der ja bekanntlich es tatsächlich schaffte, siebter Bundeskanzler zu werden. Parallel zu seinem Amtsantritt als Juso-Vorsitzender im Jahre 1978 zeichnete sich bereits ein möglicher Zusammenschluß verschiedener Parteien und Wahlbündnisse aus der Anti-Atomkraft-Bewegung, der Ökologiebewegung, der linksorientierten Alternative und Bunte Listen besonders in Großstädten  ab. In seinem Bundesland Niedersachsen trat die Grüne Liste Umweltschutz an.

 

Was mit der Gründung der Bundespartei Die Grünen am 13. Januar 1980 in Karlsruhe begann, setzte sich zunächst mit wohlwollendem Belächeln innerhalb der Politik der anderen Parteien fort. Sie wurden nicht so wirklich ernst genommen, obwohl gerade diese sich hätten fragen müssen, was sie politisch versäumt hatten. Denn gerade weil diese neue Partei aus ganz vielen Bürgerprotestbewegungen hervorgegangen war, trat das Manko mehr als offensichtlich zutage. Zunächst folgten unterschiedliche Erfolge in den Landesparlamenten, bei der Bundestagswahl 1990 scheiterte die Westedeutsche Partei Die Grünen mit 4,8 % an der Fünf-Prozent-Hürde, weil der Slogan „Alle reden von Deutschland. Wir reden vom Wetter“  wohl viel eher zu Stimmenverlusten führte. Hingegen konnte die noch getrennt angetretene Schwesterpartei  Bündnis 90/Grüne – BürgerInnenbewegung  in Ostdeutschland wenigstens mit 6,0 % acht Bundestagsmandate erhalten. Drei Jahre später folgte der Zusammenschluß mit dem Namen Bündnis90/Die Grünen.

 

Was Macht so alles mit Menschen macht

Etwas Gutes im Sinne des Wohles der Allgemeinheit zu vollrichten, hat durchaus seine Berechtigung. Macht muß an und für sich nicht gleich negativ sein. Dennoch assoziieren wohl die meisten von uns den oftmals erfahrenen Machtmißbrauch. In dem Artikel von Buergerstimme, der im November letztes Jahres erschienen war, Die Parteien, deren Fähnchen im Wind drehen, wurde ja schon darauf hingewiesen, wie schnell die eigentlichen Ziele verraten werden, wenn Machterhalt im Spiel ist. Dies hat bis heute auch diese Partei dazu verleiten lassen, nicht so genau hinzuschauen, sich zu reflektieren. Der Siegeszug der einstmaligen „Ökolatschenträger“ zieht längst seine Bahnen, und wenn wir dabei an Schienen denken, so zunächst im Schwabeländle sie sogar die CDU entthronen vermochten, dahingestellt sei das Unglück der Fukushima-Katastrophe und  die Stuttgart21 Protestbewegung.

 

In Berlin betreibt die Partei Bündnis90/Die Grünen mit ihrer Spitzenkandidatin Renate Künast für das Amt der Regierenden Bürgermeisterin einen Wahlkampf der Superlative, es werden die höchsten Kosten sein, die es in der Geschichte der Berliner Grünen jemals gegeben hat. Und die USA hat unlängst ein größeres Interesse an Fraktionschef Jürgen Trittin bekundet, wie jüngst Die Zeit im Artikel Trittins Trippelschritte in Washington feststellte. Vom einstmaligen Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und derzeitigen Bundesfraktionsvorsitzenden schon bald zum Kanzlerkandidaten der Bundestagswahl 2013?

 

So abwegig scheint dies die USA nicht zu sehen, der bisherige, politische Verlauf dieser Partei bestätigt solche Erfolge.

 

Was bleibt übrig für die Menschen, die selbstverständlich genauer hinschauen müssen

Und zwar im ureigenen Interesse, wollen sie nicht dieselben Fehler machen, wie schon zuvor bei den anderen Parteien. Wahlversprechen werden ohnehin nicht eingelöst, dies sollte sich längst herumgesprochen haben. Machen Sie sich unbedingt mal die Mühe, die Parteiprogramme sehr gewissenhaft durchzulesen. Vergleichen Sie nach der Hälfte der Legislaturperiode, dem Zeitraum der Amtszeit, was alles die Partei umgesetzt hat und vor allem, was nicht! Daran erkennen Sie dann ziemlich schnell, wie ernst wir Wahl-Bürger genommen werden. Ganz konsequent betrachtet würde dem Prozedere keine Partei standhalten.

 

Parteipolitik hat sich immer wieder als Hürde erwiesen, wenn es darum geht, die Belange des Volkes wirklich nachhaltig zu verbessern. Pöstchengerangel im harten Kampf ohne Bandagen verhindern konstruktives Handeln, bremsen schnelle, effektive Entscheidungen aus, unterhöhlen den Sozialstaat, weil immer die Abhängigkeit zur Finanzwelt herrscht, und teilen findet sowieso nicht für die am Rand der Gesellschaft Verbliebenen statt, diese haben das auszuhalten. Es fragt sich nur, wie lange dieses Machtspiel noch geduldet wird bei weiterhin zunehmender, nicht zu übersehender Ungerechtigkeit. Auch Die Grünen haben dies zu registrieren.

 

Ihr

Lotar Martin Kamm

1 Kommentar zu Von der Ökolatsche zum Anzug – der Wandel der Grünen

  1. Ich habe als Kind den Wechsel meiner Eltern (von SPD zu den Grünen) hautnah miterlebt und bin spätestens seit Joschka Fischers Siegeszug “Realos versus Fundis” zutiefest empört über die “Realo-Grünen”. Das ganze Elend ist für mich in einer Person zusammengefaßt: Petra Kelly. Mit dieser Frau wäre es unmöglich gewesen dt. Soldaten/illegale Kriege (Jugoslawien, Afganisthan usw.) zu “veranstalten”. Die Grünen sind schlicht und einfach verraten, Zahnloser Tiger geworden. Einzig ein paar harmlosere (Kern-)Umweltthemen sind noch geblieben. Wenn Geld Macht über die Ideen gewinnt, dann ist die Folge nur noch Lüge, Ausbeutung, Unterwerfung, Gefügigkeit vor dem Kapital – in so einer Gesellschaft will ich nicht leben; wir brauchen wieder solche Werte: Mitmenschlichkeit, Entdeckergeist (freie Forschung), Freiheit, Autarkie, Gemeinsinn und natürlich Frieden (schaffen ohne Waffen). Mensch über Kapital, aber kein Kommunismus, Gemeinschaft vor Egotrip aber tortzdem persönliche Freiheit. Einfach Persönlichkeiten die sich nicht alles gefallen lassen und die wirklich Mensch sein können egal wieviel (angebliche) wirtschaftliche Zwänge und Globalismus und Zentralismus vorherrscht – welchen es zu entlarven gilt.

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