Europa ist bankrott

03.07.11

Unlängst ist deutlich geworden, dass Europa seinem eigens auferlegten Geldsystem erliegt. Zwischen Griechenland und Spanien kündigt sich der Bankrott Europas an, doch Politiker suggerieren den Völkern weiterhin, dass es sich nur um Ausnahmen handle. Besonders prekär die Schlüsselrolle Deutschlands; obwohl hoch verschuldet, beteiligt man sich fortlaufend an unnötigen Währungs- bzw. Staatsrettungen – würde die Realwirtschaft indes nicht im Schatten eines unkontrollierten Finanzmarktes stehen, müssten wir uns um die Zukunft Europas keine Gedanken machen.

 

Die Top 10 der höchst verschuldeten Länder in der EU Ende 2010

Blicken wir aus diesem Grund einmal auf die höchst verschuldeten Länder der EU. Wer den Worten unserer politischen Landschaft Glauben schenkt, wird überrascht sein, welche Länder sich unter den ersten zehn befinden. Alle Angaben sind gemessen am Bruttoinlandsprodukt. Würde man berücksichtigen, dass eine Teilfertigung etc. oftmals im Ausland erfolgt, das Produkt aber trotzdem Made in Germany usw. trägt, wäre der Schuldenstand sicherlich um einiges höher.

 

1. Griechenland 142,8 Prozent

Damit liegt Griechenland 42,8 Prozent über dem BIP. Die Zinslast für bestehende Kredite, welche Griechenland in Anspruch genommen hat, würde einen 10 Prozent Überschuss im Staatshaushalt bedeuten, was auf normalem Wege vollkommen unmöglich erscheint. Das griechische Volk lehnt also vollkommen zu Recht einen weiteren Staatskredit ab.

 

2. Italien 119,0 Prozent

Anders als Griechenland wendet Italien bisher die Gefahr eines Staatsbankrotts ab, gehört aber aus realer Sicht unlängst zu den Pleitekandidaten, denn Italien liegt 19 Prozent über den BIP. Laut dem BlackRock Sovereign Risk Index, steht Italien sogar näher vor dem Staatsbankrott als Irland oder Ungarn.

 

3. Belgien 96,8 Prozent

Von Belgien hört man kaum etwas, dennoch hat Belgien seit einigen Jahren eine nicht geringe Schuldenlast zu tragen. Im Jahr 2010 nur 3,2 Prozent unter dem Bruttoinlandsprodukt liegend, muss auch hier mit Schwierigkeiten in naher Zukunft gerechnet werden, vor allem weil die belgische, politische Landschaft bis heute sehr unbeständig ist; ein Jahr nach den Parlamentswahlen hat man dort betreffend einer neuen Koalition noch immer keine Einigung erzielt. Neuwahlen im Herbst sind daher nicht auszuschließen, was zur Folge hätte, dass Belgien unter der Schuldenlast zusammenbrechen würde, weil das angestrebte Wirtschaftswachstumsziel von 2,4 Prozent ohne feste politische Strukturen auf keinen Fall erreichbar wäre.

 

4. Irland 96,2 Prozent

Irland erhielt bereits Ende 2010 ein Rettungspaket in Höhe von 85 Milliarden Euro, um einen Staatsbankrott abzuwenden. Gegenwärtig sieht es für Irland alles andere als rosig aus; 2012 rechnen die Iren mit einem Anstieg auf 112 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, trotz relativ stabiler, ökonomischer Basis. Ob die maroden Banken weitere Milliardenhilfen benötigen, ist bisher unklar.

 

5. Portugal 96,2 Prozent

Sparpakete sind ebenfalls in Portugal ein Thema, erst vor kurzem verkündete die Regierung dort, die internationalen Sparrichtlinien umzusetzen. Somit möchte die Regierung das Haushaltsdefizit von 9,1 Prozent auf 5,9 Prozent des Bruttoinlandsproduktes im Jahr 2011 senken. Die Wirtschaft wird laut EU-Prognosen in den Jahren 2011 (2,2 Prozent), 2012 (1,8 Prozent) allerdings weiter sinken. Trotzdem kürzt Portugal Renten, Arbeitslosengeld sowie Gehälter, erhöht aber gleichzeitig sämtliche Steuern. Ergebnis: Haushaltsdefizit wird langfristig weiter ansteigen, reale Wirtschaftsfaktoren zusammenbrechen.

 

6. Deutschland 83,2 Prozent

Dahinter kommt Deutschland. Mit 83,2 Prozent sicherlich hoch verschuldet und eigentlich nicht in der Lage, andere Länder zu unterstützen. Trotzdem setzt die Regierung vehement ihren Kurs fort, ohne Rücksicht auf die Bevölkerung, welche sich dennoch mit Lohnkürzungen, Zeitarbeit sowie weitere Einschnitte im Sozialsystem abfinden muss. Siehe zur wirklichen Wirtschaftssituation Deutschlands auch folgende Artikel:

 

Aufschwung ohne Systemsklaven

Mismatch und Rosinenpicker

 

7. Frankreich 81,7 Prozent

 

Nur knapp hinter Deutschland findet man Frankreich. Als eines der Herzstückländer Europas unterstützt die französische Regierung ebenfalls diverse Rettungspakete, obwohl die Schuldenlast dies im Grunde gar nicht hergibt. Hat Frankreichs Regierung vielleicht genau aus diesem Grund Banken davon überzeugt, sich an der Griechenland-Krise zu beteiligen? Wird hier eine Staatsschuldensenkung durch Kreditvergabe mit zu hohen Zinsen angesteuert? Ein Schelm, wer böses dabei denkt.

 

8. Ungarn 80,2 Prozent

Bereits im Jahr 2010 schockte Ungarn die Märkte, da die Defizitquote höher als erwartet ausfiel. Gegenwärtig allerdings hört man von Ungarn nicht viel, wie Resteuropa erliegt es zweifelsohne jedoch der Schuldenlast.

 

9. Großbritannien 80,0 Prozent

Selbst das britische Königreich hat mit hoher Schuldenlast zu kämpfen. Die Rating-Agentur Moody’s hegt bereits Zweifel an der Kreditwürdigkeit Großbritanniens. Spielen Rating-Agenturen ihr beliebtes Spekulationsspiel? Ungeachtet jener fragwürdigen Ratings, wächst die Wirtschaft Großbritannien im ersten Quartal 2011 schwächer als angenommen. Außerdem werden in Großbritannien erste Nebenwirkungen des Geldsystems sichtbar, die Inflationsrate stieg dort um 4,5 Prozent. Tausende Menschen haben dank umgesetzten Sparkurses bereits ihre Arbeit verloren, der öffentliche Dienst befindet sich im Streik, welcher zum größten Streik Großbritannien seit Thatcher ausarten kann. Fakt ist, in Großbritannien wird der Sommer sehr „heiß“.

 

10. Österreich 72,3 Prozent

In Österreich geht es im Schatten globaler Risiken stehend, mit der nationalen Wirtschaft zwar bergauf, dennoch ist der Schuldenstand nach wie vor ziemlich hoch. Von der Größer her wird es für Österreich mitunter sehr schwer, den globalen Risiken dauerhaft zu entkommen.

 

Sparpakete, Ratingagenturen und die vergessene Realwirtschaft

Erstaunlich ist das Ganze EU-Szenario nicht, denn der Euro hatte nie eine Chance. Europa ist von der ökonomischen Struktur her viel zu unterschiedlich. Für eine Gemeinschaftswährung hätte Europa die Kernentwicklung, das Gesamtverständnis weiter vorantreiben müssen, doch genau das wurde verhindert. Alle großen EU-Staaten finden sich unter den ersten 10 Schuldenländern wieder, was zumindest daraufhin deutet, dass Europa so wie es gegenwärtig existiert, zusammenbrechen wird. Schulden mag man eine zeitlang von A nach B schieben können – dauerhaft geht das allerdings nicht, außer man setzt immer weiter auf haltlose Geldschöpfung, was zur Folge haben wird, dass die Realwirtschaft zusammenbricht, und dass am Ende gar keine Werte mehr existieren.  Das Resultat eines fehlenden, gesunden Mittelstands, welcher unter der Schuldenlast bereits zusammengebrochen ist. Regierungen können Bürger in unserem Zeitalter nicht fortlaufend höheren Belastungen aussetzen, bei gleichzeitiger Kürzung aller leistungsbezogener Sozialleistungen.

 

Neben der fehlenden Kernentwicklung, der haltlosen Geldschöpfung sowie dem daraus entstandenen, desolaten Kreditsystem, sollte ein jeder die Macht der Ratingagenturen hinterfragen. Rating-Agenturen waren bereits 2008 maßgeblich an der Finanz- und Wirtschaftskrise beteiligt. Sie heizen Spekulationen mit Aktien als auch Staatsanleihen an, erstellen fragwürdige Ratings, ohne Rücksicht auf Verluste. So berichtete der Spiegel im Februar 2011 über einen spanischen Anwalt, welcher behauptet „Ratingagenturen haben mein Land zerstört“ und infolgedessen die drei Ratingagenturgiganten Fitch, Moody’s und Standard & Poor’s verklagte.

Siehe zum Thema Ratingagenturen außerdem folgenden Artikel von Krivor.de: Ratingagenturen das Krebsgeschwür des Finanzwesens

 

Da stellt sich die Frage nach den eigentlichen Hintergrundprozessen: Wollen Verantwortliche die noch immer existierende Bankenkrise auf diesem Wege schleichend auf Kosten aller europäischen Völker revidieren? Ist die Griechenlandhilfe  seitens der Banken tatsächlich nur ein Placebo, reine Imagepflege?

 

Fest steht, dass Pleitekandidaten versuchen sich gegenseitig zu retten. Ein Schuldenstaat gewehrt dem anderen Kredite, gespart wird unter verschiedenen politischen Deckmänteln einzig am Volk und die Banken gewinnen für einen kurzen Moment, bis sie dem eigens inszenierten Geldsystem erliegen, aufgrund fehlender Hartgeldsicherungen. Staaten müssen daher der größten Revolution unserer Gegenwart ins Auge blicken, sich von Problemen lösen und Teil der Lösung werden.

 

Blickend auf den bisherigen wirtschaftlichen Verlauf Europas kann man Verantwortlichen aus Wirtschaft und Politik nur eines zurufen: Setzen, 6!

 

Ihr

Joachim Sondern

1 Kommentar zu Europa ist bankrott

  1. Erschreckend zu sehen, wie sich die Zahlen in den letzten Jahren zum negativen verändert haben. Da hat man richtig Sorge, wie es in Zukunft überhaupt mit Europa weiter gehen soll.

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