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Entwicklungshilfe – eine Bilanz, die meist von Rückschlägen gekennzeichnet ist

Verfasst von: admin am Juli 15, 2011 Ein Kommentar

15.07.11

Als Harry S. Truman am 20. Januar 1949 seine Antrittsrede zur Gründung der NATO hielt, war gleichzeitig auch mit dem Gründungsdokument die Entwicklungspolitik besiegelt worden. Historisch betrachtet ist sie somit im Zusammenhang des Kalten Krieges entstanden, und gerade deshalb konnte sie nicht zum Tragen kommen. Es entstand viel eher 1956 das Bündnis der Bewegung der blockfreien Staaten, die die Gefahr eines Dritten Weltkrieges sahen, die Blockbildung des Ost-West-Konfliktes somit verurteilten.

 

Beflügelt durch die Eigendynamik insbesondere im Nachkriegseuropa, entstand zu Beginn der 1960iger Jahre das Konzept der „Entwicklung durch Wachstum“.  Zwar wurde 1964 während der ersten Welthandelskonferenz (UNCTAD)die Gruppe der 77 gegründet, deren erklärtes Ziel es war, die Position der Entwicklungsländer auf dem Weltmarkt zu verbessern. Doch 1969 war mit dem „Pearson-Bericht“ dieses Konzept als letztlich gescheitert erklärt worden. Nicht den armen Bevölkerungsschichten wurde geholfen, sondern stets der Oberschicht in den Entwicklungsländern. In den 1970iger Jahren folgte die Grundbedürfnisstrategie, und schließlich folgte mit dem sogenannten „Brandt-Bericht“ Anfang der 1980iger Jahre in der Nord-Süd-Kommission, unter der Leitung von Willy Brandt, auch nur viel Agitation mit wenig Nutzen, da seine sozialistischen Ideen nicht angenommen und umgesetzt wurden.

 

Ein wenig Hoffnung flammte mit der „Agenda21“ bei der „Rio-Konferenz über Umwelt und Entwicklung“ (1992) auf,  die „Hilfe zur Selbsthilfe“ wurde dringlich empfohlen. Richtig dramatisch spitzte sich bei der 55. UN-Generalversammlung beim sogenannten Millennium-Gipfel das Ergebnis einer verfehlten Entwicklungshilfepolitik zu. In der am 08. September 2000 erfolgten Millenniumserklärung hatten sich 189 Mitgliedsstaaten der UN dazu verpflichtet, die Zielsetzungen zu erfüllen.

 

Selbst die UNO-Konferenz der LDC muß als Flop bezeichnet werden

Neben der Entwicklungshilfe gibt es auch die kläglichen Versuche bei anderen Konferenzen, wie z.B. die der derzeit 48 erklärten Länder, die als ärmste eingestuft wurden. (1971 sollen es noch 25 gewesen sein). Die am wenigsten entwickelten Länder, die LDC (aus dem Englischen Least Developed Countries), werden unter Berücksichtigung der Alphabetisierungsrate, dem Pro-Kopf-Einkommen und dem Anteil der Industrie am Bruttoinlandsprodukt eingestuft, wobei angesichts einer sich verändernden Welt auch andere Kriterien nicht besser in Erwägung gezogen werden sollten wie z.B. der Umweltschutz, Meinungsfreiheit oder Dienstleistungen. Mit der Ausweitung der Ressourcen allein, sei es nicht getan, wie Demba Moussa Dembele, der Vorsitzende von LCD Watch, sagte, die den weniger entwickelten Ländern zur Verfügung gestellt werden.  Sondern es müsse das Modell und die Praxis einer nachhaltigen Entwicklung neu durchdacht werden, allein nur durch Entwicklungshilfe der reichen Länder ändere sich nichts, betonte er.

 

Deutschlands Zurückhaltung beim Ausbau der Entwicklungshilfe scharf kritisiert

Die Aufstockung der Entwicklungshilfe könne nicht eingehalten werden, so befürchtete jüngst der Microsoftmitbegründer Bill Gates. Zwar hatte noch Bill Gates selbst seine Hilfe angeboten, die durch die Bill & Melinda Gates-Stiftung zum Tragen kommt, wie  DerWesten hier noch berichtete: Deutschland unterstützt US-Milliardär Bill Gates, und gerade deshalb muß sich die Politik der Entwicklungshilfe die Frage stellen lassen, ob sie weiterhin nicht ihren Auftrag verfehlt. Angesichts einer eher zunehmenden, weltweiten Armut, Hungersnöten, muß dies festgestellt werden. Und wenn wir uns dem leidigen Thema der Entwicklungsländer zuwenden, die schon lange keine mehr sind, wie z.B. China, müssen wir uns nicht wundern, wenn diese fragwürdige Politik  in den Fokus erhöhter Kritik gerät. Immerhin verdeutlicht die Überschrift China vergibt mehr Kredite an arme Länder als die Weltbank des Sternartikels, was absurder kaum sein kann;  der kleine Mann fühlt sich ein wenig verschaukelt, um es noch gelinde auszudrücken.

 

Die Entwicklungspolitik hat sich daher völlig neu zu überdenken, will sie nicht nur einer Dauerkritik ausgesetzt sein. Es geht hierbei um das Wohl der Menschen im Sinne des Humanismus, auch hierbei dürfen nicht allein wirtschaftliche Aspekte betrachtet werden, sondern die Erkenntnis, daß wir alle im selben Boot sitzen, und die See wird stürmischer!

 

Ihr

Lotar Martin Kamm

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Eine Antwort zu “Entwicklungshilfe – eine Bilanz, die meist von Rückschlägen gekennzeichnet ist”

  1. Volkerseitz sagt am: 15 Juli 2011 um 10:11

    Wer lange in Afrika gearbeitet hat weiß , dass es nicht an Geld fehlt. Man könnte auch glauben, dass es Afrika schlecht geht w e i l wir jedes Jahr über 6 Milliarden Entwicklungsshilfe geben.Viele Afrikaner sind inzwischen dieser Meinung. Das stimmt in der Tat weil es immer noch seit nunmehr 50 Jahren bei der staatlichen Hilfe keine unabhängige Wirkungskontrolle gibt.Das wird zwar vor jeder Wahl(zuletzt 2006 von der FDP) gefordert, aber nach der Wahl sofort “vergessen”.
    Leider ist es so, dass nur wenig der staatlichen Entwicklungshilfe bei den Bedürftigen ankommt. Das gilt nicht z.B. für die Kirchen, SOS Kinderdörfer, Grünhelme, Ärzte ohne Grenzen oder Flying Doctors. Die geben aber auch keine Milliarden aus und verbrauchen auch höchstens 5 % für Verwaltungsausgaben oder Dienstreisen. Das gilt auch nicht für Länder wie z.B.Botswana, Ruanda,Mauritius, Ghana. Dort wird verantwortungsvoll vor allem in Bildung investiert. Die Menschen in Afrika haben in vielen Ländern Tag täglich mit der Korruption und Schikanen der regierenden Eliten zu tun. Für manche Menschen ohne viel Afrikaerfahrung ist immer nur der Westen, die Globalisierung, die Kolonisierung an allem Schuld und Afrika ohnehin seit langem auf dem Weg der Besserung, nur würde das keiner merken. Diese Idealisten merken garnicht wie sehr sie Afrika und seinen Menschen damit schaden. In Tunesien und Ägypten wollte auch lange niemand die fehlende Rechtsstaatlichkeit zu Kenntnis nehmen.
    Volker Seitz, Autor “Afrika wird armregiert” 2011

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