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Das Ende der Vollbeschäftigung und Hofieren der Niedriglöhne

Verfasst von: admin am Juli 25, 2011 Kein Kommentar

25.07.11

Was bereits schon nach langem Nullrundengerangel traurige Wirklichkeit war für deutsche Arbeitnehmer in der Kohl-Ära in den 1990iger Jahren, sollte trotz vieler Erwartungshaltungen in die alte SPD mit Bundeskanzler Gerhard Schröder nicht etwa sich verbessern, sondern viel eher dramatisch verschlechtern. Während die Suche nach hochqualifizierten Beschäftigten auf Hochtouren lief, der Niedriglohnsektor längst infolge der Globalisierung und des technischen Wandels sich immer mehr ausweitete, zeigte die selbe Schere zwischen Arm und Reich auch hierbei ihr Auseinanderdriften: Anstieg der Löhne hochqualifizierter Arbeitnehmer auf der Gewinnerseite, niedrigqualifizierte mit Niedriglöhnen auf der Verliererseite.

 

Die Tage, wo ein einfacher Arbeiter seine Familie noch bei Vollbeschäftigung ernähren konnte, sind längst vorbei mit dem Niedriglohn. Der Vollzeitbeschäftigte hat die Gelegenheit, gerade mal oberhalb der Armutsgrenze sich zu befinden, unterhalb dieser muß er halt die Hartz-Gesetzgebung bemühen.

 

Eine Verhöhnung gänzlich ohne soziale Kompetenz wehte uns damals entgegen

Nicht sehr lange ist es her, daß Bundeskanzler Gerhard Schröder zusammen mit den Grünen die Förderung des Niedriglohnsektors als beschlossene Sache verabschiedete mit den Hartz-Gesetzen und sogar noch eins draufsetzte, in dem er voller Stolz auf dem World Economic Forum in Davos am 28. Januar 2005 verkündete:

„Wir müssen und wir haben unseren Arbeitsmarkt liberalisiert. Wir haben einen der besten Niedriglohnsektoren aufgebaut, den es in Europa gibt. Ich rate allen, die sich damit beschäftigen, sich mit den Gegebenheiten auseinander zu setzen, und nicht nur mit den Berichten über die Gegebenheiten. Deutschland neigt dazu, sein Licht unter den Scheffel zu stellen, obwohl es das Falscheste ist, was man eigentlich tun kann. Wir haben einen funktionierenden Niedriglohnsektor aufgebaut, und wir haben bei der Unterstützungszahlung Anreize dafür, Arbeit aufzunehmen, sehr stark in den Vordergrund gestellt.“

 

Nun, liebe Leser, Buergerstimme hat sehr umfangreich über die Verfehlungen dieser sogenannten Hartz-IV-Gesetze und vor allem die Folgen berichtet, daß es nicht ausbleiben kann, auch bei diesem Thema die spitze Feder anzusetzen. Natürlich kann die Antwort auf die Fehlentwicklung des Niedriglohnes nur der Mindestlohn selbst sein, auch wenn dieser Prozess sich sehr schleppend bis gar nicht gestaltet. Auch hierbei muß unbedingt über die Rolle der Gewerkschaften nachgedacht werden (neulich bereits deutlich hier geschehen: Der Selbstmord der Gewerkschaften), die schon während den Beschlüssen zur Hartz-Gesetzgebung sich erstaunlich still verhalten hatten, anstatt die Tragweite ansatzweise und somit die Nachteile für ihre Klientel zu erkennen.

 

Ganz besonders der Teilzeitbereich boomt

Schlagen Sie doch mal eine Zeitung auf, um sich einen Job zu suchen. Sofort springen Ihnen die vielen Teilzeitjobs entgegen. Allesamt meist im Niedriglohnsektor angesiedelt. Wir sind längst angekommen im befürchteten „US-amerikanischen“ Arbeitsmodell, was gleichbedeutend sich gestaltet mit einem täglichen Stress gegen Zeit und somit Pünktlichkeit im Wechsel der verschiedenen Teilzeitbeschäftigungen, um überhaupt überleben zu können. Fragwürdig, wenn Menschen dadurch „beschäftigt“ sind, abends liefern dann Mainstreammedien genau die Meldungen, die das Leben in Schach halten, bloß nicht kritische Zusammenhänge hinterfragen, geschweige denn sie erkennen. Die Schuld ist nicht bei den Betroffenen zu suchen, sondern bei denjenigen, die exakt das wollen!

 

Die Folgen der so nett gepriesenen Niedriglöhne sind nicht nur fatal, sondern äußerst kontraproduktiv für die Gesellschaft. Die Niedriglöhner kommen nicht in den Genuß einer Weiterbildung, wirklich sozialer Absicherung, Altersarmut ist vorprogrammiert, von den schlechten Arbeitsbedingungen mal ganz abgesehen und die daraus resultierenden, möglichen Krankheiten.

 

Wir dürfen daher durchaus die Selbstgefälligkeit einer vollkommen verfehlten Politik in Frage stellen, müssen aber gleichwohl die Arbeitgeberseite in die Pflicht nehmen so wie auch eine untätige Gewerkschaft. Es läuft bei genauer Betrachtung darauf hinaus, diesen Kurs zu beenden und wieder realitätsnahe, humane Arbeitsbedingungen zu schaffen.

 

Ihr

Lotar Martin Kamm

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