Aufschwung ohne Systemsklaven
13.04.11
„Sobald die Sklaven erkennen, wie viele sie sind, gibt es einen Aufstand gegen uns.“ Mit diesen Worten soll ein römischer Senator die damalige „Elite“ überzeugt haben, Sklaven nicht durch Armbänder zu kennzeichnen. Auch die heutige Macht-Elite hat das begriffen und streut der großen Mehrheit – den Sklaven des Systems – Sand in die Augen.
Der regierungsgesteuerte ARD-Deutschlandtrend stellte am 07.04.2011 eine Höchstleistung im Sand-in-die-Augen-streuen auf, als die Verantwortlichen verkündeten: „75 Prozent der Bürger schätzen ihre persönliche wirtschaftliche Lage momentan als gut oder sehr gut ein.“ Wo finden solche Umfragen statt? Auf Golfplätzen, bei Porsche-Händlern oder im Bundestag?
Konfrontieren wir die Herrschaften mit der Realität der Armut in Deutschland:
- In Deutschland wächst jedes 6. Kind unter der Armutsgrenze auf. Rechnet man Kinder knapp oberhalb der Armutsgrenze hinzu, ist rd. jedes 4. Kind in Deutschland arm.
- 800.000 Bundesbürger sind auf Armenküchen angewiesen.
- Rd. 500.000 Bundesbürger haben nicht einmal ein Bankkonto.
- Lt. Sparkassenverband befindet sich über die Hälfte aller Arbeitnehmer-Konten im Minus.
- 8,4 Mio. arbeiten als Minijobber.
- Rd. 2 Mio. Selbständige leben an oder unter der Armutsgrenze.
- Rd. 30% der selbständigen Anwälte, Architekten und Journalisten leben von weniger als 1.250 € netto.
- 7 Mio. Bundesbürger müssen von Hartz IV leben (davon rd. 2 Mio. Erwerbstätige zu Löhnen unter Hartz IV-Niveau)
- Rd. 15 Mio. Kinder, Schüler und Studenten haben außer Kindergeld und teilweise Minijobs kein Einkommen.
- Die Niedriglöhne sind seit von 1995 bis 2008 um 14% gesunken.
- 7,3 Mio. Menschen sind überschuldet/bankrott.
- Die Privatinsolvenzen boomen.
- Das Statistische Bundesamt stellte fest, daß 2004 10,1 Mio. steuerpflichtige Erwerbstätige ein monatliches Gesamteinkommen von weniger als 834 € hatten – und zwar brutto.
- Lt. Destatis-Pressemitteilung Nr. 305 vom 25.08.2008 verdienten 2004 50% der Steuerpflichtigen weniger als 23.000 € brutto jährlich. Das sind weniger als 1.251 € netto monatlich bei einem Single. Bei Familien ist das Brutto-Haushaltseinkommen (wegen Kindergeld und der günstigeren Steuerklasse) zwar etwas höher, aber da davon auch mehr Menschen leben müssen, ist es pro Kopf meist sogar noch niedriger als bei Singles.
- Laut Rentenversicherungsbericht 2010 des Deutschen Bundestags wurden 2009 insgesamt 220,8 Mrd. € Versichertenrente an 19,03 Mio. Rentner ausbezahlt. So erhielten lt. Punkt 2.2. männliche Rentner durchschnittlich 982 € Rente, Rentnerinnen aus den alten Bundesländern sogar nur 498 € monatlich (!). Durchschnittliche Rentnerinnen sind also Sozialfälle (von denen aus Scham nur 3% das ihnen zustehende Sozialgeld in Anspruch nehmen – was die Regierungsparteien der Öffentlichkeit als Indiz für die angeblich gute finanzielle Lage der Rentner verkaufen).
Betrachten wir die letzten Punkte ganz im Sinne der Sklaven und Eliten einmal näher.
Regierung hält Gehaltsverteilung geheim
Das Statistische Bundesamt, die Landesfinanzministerien und das Bundesfinanzministerium halten die längst vorliegende Einkommensteuerstatistik und die Daten der Gehaltsverteilung von 2005-2009 geheim. Da Deutschlands Regierungsparteien (auch die Linke und die Grünen) dem US-„Vorbild“ der Working Poor folgen und dies seit 2005 mit dem Zumutbarkeitszwängen von Hartz IV durchsetzen, sind die Einkommen der großen Masse der „Systemsklaven“ weiter gesunken. Wenn die Systemsklaven, die nur als so genannte „Wähler“ von den Eliten gefürchtet werden, sich endlich bewußt wären, wie ihre Lage und ihre Möglichkeiten sind, gäbe es noch heute eine Revolution.
700 € Phantasie-Zusatzrente
Gleiches gilt für die ebenso mächtige wie leider größtenteils auch teilnahmslose Wählergruppe der Rentner. Die Regierungsparteien haben die verheerenden Zahlen ihres eigenen Rentenberichts geschönt, indem sie unter Punkt 3.3. ein angeblich „repräsentatives“ Umfragergebnis nachschoben. Demnach hätten z.B. alleinstehende Rentnerinnen in den alten Bundesländern ein monatliches Alterseinkommen von 1.198 €. Das sind 141% mehr als die ausgezahlte Rente. Preisfrage: Wo kommen 140% bzw. monatlich exakt 700 € zusätzliche Einnahmen her? Überlegen Sie einmal selbst: Wie viele Rentnerinnen kennen Sie, die Einkünfte aus Mieten und Wertpapieren von 700 € (oder mehr) beziehen? Oder auch nur 100 €? Von allen Seniorinnen, die ich im Laufe meines Lebens kennen lernte, waren das herzlich wenige.
Umfragen bei Gucci-Kunden vs. Realität
Solche Umfragen sind so unglaubwürdig wie die GfK-Jubelmeldungen, die offenbar auf Umfragen bei Gucci- und Chanel-Kunden basieren. Die tatsächliche Kaufkraft der Menschen ist lt. Hans-Böckler-Stiftung von 2000-2010 um 4 % gesunken, und als logische Folge dessen sanken u.a. die Einzelhandelsumsätze von 2005-2009 um 3,8%. Und selbst das sagt weniger über die Kaufkraftverteilung der Bevölkerung aus als die o.g. Einkommensteuerstatistik.
Aufschwung ohne Volk – wie immer
Der Spiegel zerpflückte das „Jobwunder, das keines ist“, die SZ beschreibt den „Aufschwung am Volk vorbei“ und 20% Niedriglöhner, die Internationale Arbeitsorganisation attestiert Deutschland den Titel des „Lohnminusmeisters“ unter allen Industrienationen, und die IG Metall zeigte, daß Junge im angeblichen Aufschwung ein kontinuierliches Abrutschen in prekäre Beschäftigungsverhältnisse erleben. Sogar die Oberschicht-Lobbyisten des DIW stellten fest: „Arme werden nicht nur ärmer, es werden auch immer mehr“. DIW-Chef Zimmermann hat allerdings noch immer nicht realisiert, was Preissteigerungen bedeuten. Sonst hätte er erkannt, daß eine um 1% mögliche Erhöhung der Renten gar keine Erhöhung ist, wenn man darüber liegende Preissteigerungen berücksichtigt.
Der Freitag analysierte: „Verlierer des Jahrzehnts: Die Mittelschichten“. Zum Erstaunen der Marktradikalen keimen sogar bei der Financial Times Deutschland einige bisher für sie unvorstellbare Erkenntnisse über „ein paar lästige Details zum Aufschwung“. Auch die des Allgemeinwohls eher unverdächtige Bertelsmann-Stiftung stellt fest: Nie war die Kinderarmut größer als heute. Lt. einer Infas-Umfrage der Bertelsmann-Stiftung „glauben 63 Prozent der Befragten, dass die Einkommensunterschiede größer werden; nur 16 Prozent sehen eine positive Entwicklung in diesem Bereich. 51 Prozent geben an, der soziale Zusammenhalt werde schwächer. 42 Prozent erwarten, dass die individuellen Aufstiegschancen schlechter werden.“ Diese Aussage ist umso erstaunlicher, als treu zum System angeblich „über 70 Prozent der Bundesbürger die Soziale Marktwirtschaft in Deutschland verwirklicht sehen“.
Ohne ein neues System keinen echter Aufschwung möglich
Thorsten Stegemann von Telepolis meint dazu: „Nicht einmal der Sozialverband Deutschland glaubt, dass Kinderarmut allein durch materielle Unterstützung bekämpft werden kann und fordert deshalb ein “differenziertes und bereichsübergreifendes Vorgehen, insbesondere in der Arbeits- und Beschäftigungspolitik“. Dazu will man die Arbeitslosigkeit abbauen und Mindestlöhne einführen. Sehr originell! Aber wie will man das gegen die globale Kostenkonkurrenz durchsetzen?
Einfach nur zu analysieren, warum es nie wieder einen echten Aufschwung für die Menschen geben wird, reicht nicht aus. Wir brauchen eine Lösung, mit der wir die Problemursachen Renditegier, Rationalisierungsdruck, globale (Lohn)-Kostenkonkurrenz, Automation und Mismatch in den Griff bekommen, sonst heißt es auch in Zukunft wie seit den 90er-Jahren: „Same procedure as every year“.
Wenn wir das System nicht wirklich grundlegend ändern, wird auch weiterhin jeder Aufschwung an der großen Mehrheit der Menschen vorbei laufen, die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinander reißen und unsere Gesellschaft zwangsläufig kollabieren. Dabei sollten sich die „Eliten“ auch die Frage stellen, ob es ihnen nutzt, wenn die Massenkaufkraft – und damit die Grundlage ihrer eigenen Existenz – schmilzt.
Ich schließe daher im Sinne Catos mit „Im Übrigen bin ich der Meinung, daß das Bandbreitenmodell eingeführt werden muß.“
Lesen Sie in Kürze über „Mismatch und Rosinenpicker“ und die Frage, warum der angebliche Fachkräftemangel nicht zu Einstellungen führt, und warum 320.000 Jugendliche trotz angeblichem Lehrstellenparadies keine Chance auf einen Ausbildungsplatz haben.
Ihr
Jörg Gastmann
Ihnen hat der Artikel gefallen?
Werden Sie doch Mitglied in unserem Verein !





















Ich steh voll und ganz hinter dem Text bzw. der Meinung!
Aber! Es gibt tausende Foren und dementsprechend Menschen die sich zu bestimmten Themen, wie dieses hier, äußern. Doch was ändert dies? Diesen Text wird, das wage ich zu behaupten, NIE einer dieser Politiker/Innen sehen geschweige denn lesen.
Was bleibt dann von dem Protest übrig? Ein paar Leute die sich hierher “verirrt” haben und ihren Frust “ablassen” aber ansonsten sich nicht oder kaum auf die Strasse bewegen.
Und solange sich die Leute in irgendwelchen Foren die Tasten heißschreiben, ändern wir garnichts am perfiden System! Leider!
Durch unsere Art des Journalismus wollen wir Menschen informieren, sie heranführen an Hintergrundthemen und dann vernetzen, damit sie als Gemeinschaft aktiv handeln können.
Was nützen Aktionen, wenn sie aus reiner Unzufriedenheit und Wut heraus entstehen? Die Geschichte zeigt uns, wo das endet. Über den Weg der Information kann man viel erreichen und erst wer Prozesse versteht, kann diese verändern, ohne im Chaos zu enden !
Guter Artikel, ordentliche Recherche, informative und ehrliche Zahlen – so sieht Journalismus aus. Leider kann man das nicht von den Mainstreamschreibern und Lobbyvertretern behaupten, die sich Journalisten schimpfen.
Zu der Aussage von Taumel “ändern wir garnichts” kann ich nur meine eigenen Erfahrungen mitteilen, aber ich gehe davon aus, dass diese eher die Regel als Ausnahmen sind.
Ich fühle mich nicht dazu berufen, zu missionieren oder gehirngewaschenen Mitbürgern zu erklären, wer die Welt beherrscht und warum unser Geldsystem geradewegs ins Chaos führt.
Andererseits kann ich das ewige Gejammere der Halbinformierten “ich kann doch nichts daran ändern” nicht mehr hören. Niemand erwartet, dass sich ein schwer arbeitender Familienvater auf den Weg nach Berlin macht und vor dem Bundestag so lange Transparente schwenkt, bis Angie ihn abführen lässt. Ich erwarte jedoch von jedem, der das System durchschaut hat, dass er sein Umfeld und seine direkten Kontakte zumindest informiert oder auf Informationsmöglichkeiten hinweist – ob die betreffenden Personen diese nutzen, liegt an ihnen selbst. Ich erkläre z.B. jedem Thekenbekannten, der Cola-Light konsumiert, dass darin Aspartam enthalten ist und was dieses Gift im menschlichen Körper anrichten kann. Ich weise auf die Möglichkeit hin, sich selbst im Internet über die Gefährlichkeit dieser Substanz zu informieren. Wenn ich beim nächsten Treffen feststelle, dass diese Person immer noch das Gleiche trinkt, hake ich diesen Zeitgenossen als beratungsresistent und bereits “out of order” ab. Man will den Leuten ja auch nicht auf den Sack gehen, genauso wenig wie man Rauchern klar machen kann, dass diese Sucht früher oder später töten kann (worauf dann der Spruch kommt “sterben müssen wir ja alle mal”).
Was ich damit sagen will ist Folgendes: Das Mindeste was wir tun können und auch sollten, ist sowohl vorleben als auch den Mund aufmachen, wenn irgendetwas im Argen liegt. Auch wenn keine Reaktionen auf meine eMails an Bundestagsabgeordnete erfolgen, steter Tropfen höhlt den Stein und wenn ich auch nur einen einzigen Menschen zum Nachdenken und Reagieren bewegen kann, habe ich schon etwas geleistet. In dem Sinne: Weiter so und nicht unterkriegen lassen!
Das ganze Elend müsste nicht sein, es wissen so viele, denn immer mehr bekommen es zu spüren.
….das Problem ist bekannt, aber es wird nichts dagegen unternommen…denn diejenigen die es ändern könnten, tun es nicht…warum auch? Der Elite geht es doch bestens!
Und der Elite ist es völlig gleichgültig wie es den Menschen geht…ich habe den Eindruck, es wäre der “Elite” sogar ganz angenehm, wenn arme Menschen endlich…. ich möchte diesen Gedankengang nicht weiter ausführen…
Es gab einmal Zeiten da wurden Millionen von Menschen ermordet, die Welt sah zu…. weil diejenigen, welche es hätten verhindern können, nichts taten….
Menschen die Lebensgrundlage zu entziehen, ist (auch Massen-)MORD!
…in Afrika wird es ja schon lange so praktiziert….
Die Menschheit dient gewissen Leuten nur zur Belustigung ihrer Machtdemonstration…und alle spielen mit…
@Petra,
“die es ändern könnten, tun es nicht”
Vielleicht weil sie zu den Eliten gehören oder von ihnen gekauft sind.
Wie das mit unseren Repräsentanten inzwichen im Bundestag funktioniert, bring Harld Schumann ziemlich gut auf dne Punkt. Da muss man sich nicht mehr wundern: http://bit.ly/j6VTGz
Entweder es gibt den ganz großen Knall. Oder wir gehen einen Weg via einer anderen Partei wie der ddp, um mit ihr ganz legal die richtigen Justierungen am System vorzunehmen. Mittlerweile kann ich mir das als guten Weg vorstellen. Und da können alle dran arbeiten und damit etwas ändern.
Lieben Gruß, Martin