Wo geht es denn bitte zur Integration?

30.11.10

Guten Tag können Sie mir bitte sagen, wo ich die Integrationsstelle finde, ich möchte mich gerne integrieren lassen…

Mal Hand aufs Herz, haben Sie einmal Integration in der Suchmaschine eingegeben? Tun Sie es einmal, gehen Sie am besten gleich nach Wikipedia und lesen Sie sich das mal durch, was es da nur auf der ersten Seite zur Definition des Begriffs „Integration“ so alles an Definitionen gibt, da schwirrt einem echt der Kopf, und man fragt sich: Bin ich eigentlich integriert?


Da reicht die Auswahl von der Sprachintegration in der Sprachwissenschaft, sowie Sprachphilosophie, das konstruktive Arbeiten am treffenden Begriff über Integration, Technik, in der Technik die Zusammensetzung von Modulen oder Baugruppen, bis hin zu: Mathematik, Wirtschaft, Soziologie…wo steht denn etwas über Menschlichkeit…? Kann ich gar nicht finden…


Im Brockhaus finde ich folgende Definition: Integration die, Zusammenschluss, Bildung übergeordneter Ganzheiten. Und darunter steht zum Integrationsgrad zu lesen: ein Maß für die Anzahl elektronischer Bauelemente je Chip. Die Miniaturisierung ermöglicht z.Z. etwa 64 Mio. Transistorfunktionen je Chip.


Hätten Sie’s gewusst? Sind Sie jetzt schlauer? Wie kommt man nun eigentlich auf den Gedanken diesen allumfassenden Begriff auf Menschen umzufunktionieren?

Noch immer stellt sich mir die Frage: Bin ich integriert?


Wenn man sich einmal bewusst macht, dass es hier in Deutschland im Grunde gar keine Integrationsmöglichkeiten gibt, weil alles zu einem Einheitsbrei zusammengerührt wurde, nein, ich spreche hier nicht von Multikulti, sondern von der Deutschen Kultur und was davon übrig geblieben ist, dann darf ich doch schon mal die Frage stellen, wie sollen Menschen aus anderen Kulturen denn hier integriert werden? Sollen sie ihre Kultur aufgeben, nur weil es hier in Deutschland mittlerweile verpönt ist, zu seiner Kultur zu stehen? Ich darf daran erinnern, dass es ein Deutschland auch vor den Jahren 33-45 gab. Deutschland, das Land der Dichter und Denker, allerdings haben sich Dichter und Denker wenig wohl gefühlt in Deutschland, Künstler generell fanden in Deutschland nicht viel Zuspruch, darum wanderten auch so viele aus, bevorzugtes Auswanderungsland war Frankreich.


Und was ist denn eigentlich Kultur?

Hierzu wieder ein Ausschnitt aus Wikipedia:

Das Wort „Kultur“ ist eine Eindeutschung des lateinischen Begriffs cultura, der eine Ableitung von lateinisch colere, „pflegen“, „urbar machen“, „ausbilden“, darstellt. Auch die Begriffe „Kolonie“ und „Kult“ haben denselben Ursprung. „Kultur“ ist in der deutschen Sprache seit Ende des 17. Jahrhunderts belegt und bezeichnet hier von Anfang an sowohl die Bodenbewirtschaftung als auch die „Pflege der geistigen Güter“. Heute ist der landwirtschaftliche Bezug des Begriffs nur noch in Wendungen wie „Kulturland“ (für Ackerland) oder „Kultivierung“ (für Urbarmachung) verbreitet, in der Biologie ….siehe Begriffserklärung Kultur. Im 20. Jahrhundert wird kulturell als Adjektiv gebräuchlich, jedoch mit deutlich geistigem Schwerpunkt.


Etymologisch entstammt das lateinische Wort colere der indogermanischen Wurzel kuel- für „[sich] drehen, [sich] wenden“, so dass die ursprüngliche Bedeutung wohl im Sinne von „emsig beschäftigt sein“ zu suchen ist.


Ähnliches findet sich hierzu im Brockhaus. Ergänzenswert wäre die Aussage im Bezug auf die Kulturgeschichte: Entwicklung der Menschheit, im Unterschied zur politischen Geschichtsschreibung.


Kultur auf den (menschlichen) Punkt gebracht, kann man damit definieren, dass sich mehrere Menschen zu einer Gruppe zusammenschließen und hier die selbe Sprache, die selbe Religion, Wissenschaft und Kunst ihren Vorstellungen entsprechend auslebt/lebt.


Hier gibt es jedoch bereits Probleme, wenn man sich Deutschland als Kulturland einmal näher betrachtet. Zur deutschen Kultur gehört somit auch die Christliche Kirche. Viele Menschen haben sich jedoch abgewendet, aus unterschiedlichen Gründen, das soll auch jedem frei gestellt bleiben. Nun gibt es Unterschiede zwischen Kirche (Religion) und der damit verbundenen Auslegung (Bibel).


Ohne moralisch werden zu wollen, so gab es doch in früheren Zeiten ganz klare Regeln, auch durch die Kirche der Bevölkerung aufgedrückt, womit sich mehr oder weniger leben ließ.  Alleine schon die Empfehlung, um es einmal vorsichtig ausdrücken zu wollen, keinen Sex vor der Ehe zu haben. Eines hatte diese Regel mit Sicherheit: Grenzen aufgezeigt. Aber Grenzen braucht ein Mensch, um sich daran reiben zu können, um sie gegebenenfalls auch zu durchbrechen, um sich neu entdecken zu können, das nennt sich dann: Horizont erweitern. Allerdings, um bei diesem generellen und sehr komplexen Thema zu bleiben: Wenn alle Regeln gebrochen sind, was bleibt dann noch übrig? Kann man denn dann überhaupt noch von „Kultur“ sprechen?


Ganz offensichtlich brauchen Menschen gewisse Regeln und auch Grenzen, nicht nur um sich gegängelt zu fühlen, sondern in erster Linie sich beschützt zu fühlen. Der Mensch ist so gestrickt. Ein kleines Kind wird auch erzogen, ihm werden Regeln beigebracht, um sich daran zu testen, das ist wichtig, denn sonst wird ein Kind haltlos. Es geht hier nicht um Gängelung oder gar Missbrauch, es geht darum, aus einem kleinen Menschenwesen einen verantwortungsbewussten, erwachsenen Menschen zu machen, der selbstständig denken kann, der weiß, dass man keinen Mord begehen darf oder andere Straftaten, welche seine Mitmenschen schädigen. Der aber auch lernt, dass ein anderes Menschenwesen nicht Mittel zum Zweck ist.


Unsere Gesellschaft hat sich jedoch genau dahin entwickelt. Sie ist überwiegend haltlos. Zwar darf man alles sagen (Redefreiheit), dennoch gibt es auch hier Regeln, an die sich jedoch ebenfalls die überwiegende Mehrheit nicht hält.


In früheren Zeiten gab es noch Zusammenhalt. Der begann in der Familie und weitete sich in das Umfeld aus. Mehrere Generationen lebten unter einem Dach. Man half sich gegenseitig, die Jungen lernten von den Alten, die Alten wurden respektiert und zu Rate gezogen. Es gab auch eine Streitkultur, am Ende jedoch fand man sich immer wieder zusammen. Natürlich gab es auch hier Ausnahmen. Die Trennungen jedoch waren nicht annähernd so gravierend wie heute.


In unserer heutigen Gesellschaft will jeder am liebsten alles alleine machen. Kann man auch, muss man aber nicht, außerdem ist es in der Gemeinschaft immer leichter und einfacher. Gab es in früheren Zeiten noch wesentlich mehr Menschen, die unter einem Dach lebten, so vereinsamt unsere heutige Gesellschaft zunehmend. Konfliktscheu oder einfach nicht die Gabe, Konflikte zu lösen, bröckelt es an allen Ecken und Kanten. Ganz schlimm ist zu beobachten, dass das Misstrauen mehr und mehr zunimmt. Die gesamte Lehre und das bereits vom Kindergarten an, hat nur ein Ziel: zu funktionieren. Wir lassen uns selbst zu einer Maschine degradieren, wer nicht mithält, wird aussortiert.


Und jetzt frage ich Sie: Wie kann man anderen Kulturkreisen eine Integration vorschreiben, wenn es im eigenen Land an Integration fehlt? Wenn im eigenen Land die eigene Kultur gar nicht mehr oder nur noch wenig vorhanden ist? Wenn jeder Satz auf die politische Schiene gedrückt wird?


Wir erwarten etwas von Anderen, wozu wir selbst überhaupt nicht (mehr) in der Lage sind. Integration beginnt da, wo man sich mit anderen Menschen versteht, wo man miteinander arbeitet, eine Gemeinschaft bildet. Aber was ich in den letzten Monaten stärker zu spüren bekomme, ist das glatte Gegenteil von Integration, von Kultur will ich schon gar nicht mehr sprechen.


Kann es nicht auch sein, dass man einer Religion so feindlich gegenüber steht, weil es dort mehr Zusammenhalt gibt? Wo es noch klare Regeln gibt, die auch befolgt und geschätzt werden? Wünscht man sich im Grunde nicht auch einen besseren Zusammenhalt? Wer keine Regeln beachtet, der wird haltlos. Wer alles für sich so drehen will, wie es ihm selbst in den Kram passt, der wird vereinsamen. Und wenn kein Zusammenhalt mehr da ist, zerfällt eine Kultur.


Vielen dank für Ihr Interesse

Ihre

Petra Hanse

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