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Unabhängigkeit durch Gemeinschaft

Verfasst von: admin am September 23, 2010 Ein Kommentar

23.09.10

Nicht selten hört man wie Menschen sich über Politiker beschweren, über ihre Mitmenschen oder einfach über etwas belangloses, denn der Drang über seine Mitmenschen stehen zu wollen, benebelt auch schon mal einstweilen den Verstand. Fordernde Stimmen werden immer lauter, Fehler werden überall gesucht, nur nicht einfach aus dem eigenen Impuls heraus mit der Lösung begonnen. Stattdessen werden Ideen und Möglichkeiten so lange diffamiert und endlos diskutiert, bis sich alle guten Ansätze wieder in Luft auflösen. Kein Wunder, denn in einer von Denunzianten geprägten Gesellschaft kann keine Gemeinschaft entstehen.


Von der Gemeinschaft, die keine Gemeinschaft ist

Niemals sollte man in der Hoffnung verweilen, dass die Politik alle Probleme löst, denn für unser zwischenmenschliches Dasein sind wir selber verantwortlich. Banken werden kritisiert, weil sie Kleinunternehmer nicht mehr unterstützen, Arbeitslose beschweren sich darüber, dass es keine vernünftigen Stellenangebote mehr gibt. Das Resultat: Jeder stellt Forderungen an die gewählte Regierung, die diese umsetzen soll und geschieht dies nicht, kann man ja weiter diskutieren und jammern – Hauptsache man muss sich keine Gedanken machen, um eine mögliche Gemeinschaft, dann doch lieber Armut.


Nachvollziehbar ist das in keinster Weise und jeder, der schon mal in einer Situation war, in welcher er dachte, dass es noch einen Solidargedanken gibt, eine gelebte aktive Gemeinschaft, der weiß, dass man allerhöchstens mit zusätzlichen Tritten rechnen kann. Auf der einen Seite beschwert man sich, wenn man selber unten liegt über die Art wie man von anderen Mitmenschen behandelt wird, und auf der anderen Seite beteiligt man sich selber oftmals an einer solch diskriminierenden Haltung, einfach vollkommen grotesk das Ganze.


Fragt man einen Menschen offen, ob er die Arbeit eines anderen Mitmenschen einmal unterstützen möchte, stößt man nicht selten auf totales Unverständnis und Ironie. Auf einmal heißt es, jeder sei für sich selber verantwortlich, man wäre ein Bettler und hätte in dieser Gesellschaft nichts verloren. Wohlgemerkt bekommen das Menschen zu hören, die einfach nur eine Chance bekommen wollen von ihrer Arbeit auch zu leben und einen Start zu ermöglichen.


Fehlendes Vertrauen – konstruktive, menschliche Verbindung verhindert

Viele sind aber total unsicher, können zu sich selber und anderen Menschen kein Vertrauen mehr aufbauen und überspielen das dann nicht selten mit einer menschenverachtenden Haltung. Was ist dabei, wenn ein Mensch, der nach etwas strebt, die Gemeinschaft um Hilfe bittet und noch etwas für diese Hilfe anbietet? Ein Kleinunternehmer, der in einen Engpass kommt, dem keine Bank mehr Hilft, könnte zum Beispiel überleben, wenn Menschen bereit dazu wären, für das Unternehmen zu sammeln. Durch diese Aktion besteht eine Chance, dass er den Engpass übersteht und irgendwann wieder Arbeitsplätze schafft. Viele halten das Zinssystem, das Kreditsystem für Utopie, was es im Prinzip ja auch ist, aber wir als Volk sind die Masse und können es anders leben.


Jede konstruktive, menschliche Verbindung wird durch Diskriminierung, Diffamierung und Endlosdiskussionen im Keim erstickt. Anscheinend ist es nicht mehr in Mode, bei einer Idee einfach ohne große Fragen gemeinschaftlich aufbauend an einem neuen Konstrukt zu wirken. Wir alle sind so sehr umgeben von Selbstzweifel, von unnötigen Ängsten, viele auch vom Ego-Statusgedanken, dass wir uns immer weniger Luft zum Atmen lassen. Vertrauen kann so einfach sein, wenn wir uns geben wie wir sind und auch zu unserer emotionalen Ebene stehen können. Menschen enttäuschen sich, weil sie es wollen, den Weg gewählt haben, nicht weil der Lebenskreislauf es so vorgesehen hat. Deshalb ist die Aussage, dass das menschliche Leben Enttäuschungen mit sich bringt auch nicht ganz richtig. Man glaubt nur, dass es so sei, weil es seit jeher so gelebt wird.


GmbH der Menschlichkeit – Kraft der Gegenseitigkeit

Schon einige Male bin ich auf das Modell „GmbH der Menschlichkeit“ zu sprechen gekommen, unter anderem auch im Zusammenhang mit meinem Buch „Die Menschliche Welle“. Wesentliche Kernpunkte möchte ich hier nun einmal im Bezug auf Unabhängigkeit durch Gemeinschaft einmal verdeutlichen. Gerade war die Rede von einem Unternehmer, dem man in der Not hilft, nicht einem, sondern die gesamte Gemeinschaft, die dieses Unternehmen umgibt. Wie schnell gibt man heute unbewusst 4-5 Euro aus? Oft schneller als man gucken kann, doch man bekommt nichts dafür wieder. Die GmbH der Menschlichkeit setzt genau hier an, mit Verständnis, Mitgefühl, Ehrlichkeit – dem ergänzenden Miteinander.


Beispiel:

2 kleine Unternehmen in einer Region, mit sagen wir mal 100.000 Einwohnern, hat bisher zusammen 30 Leute beschäftigt. Durch eine unvorhersehbare Wirtschaftslage, einen geplatzten Auftrag geraten die beiden Unternehmen in Not. Jetzt gehen wir davon aus, dass die Unternehmen zusammen 50.000 Euro benötigen, um wieder in Schwung zu kommen. Eine im Unternehmerleben eigentlich normale Summe, die aber in der heutigen Zeit unerreichbar werden kann. Das eine Unternehmen bekommt von der Bank aber nichts, und das Andere müsste aufgrund der hohen Zinsbelastungen mind. 5 Arbeitskräfte entlasten, bei einer Kreditaufnahme. Die Region umfasst aber 100.000 Menschen. Wenn nur die Hälfte der Einwohner einen Euro spenden würde, wäre die Lücke geschlossen, und es belastet aufgrund der Masse keinen, kann aber Arbeitsplätze erhalten und auf Dauer vielleicht sogar noch zusätzliche schaffen. Davon habe ich als Spender nichts, sagen Sie? Nun, wenn Sie die Infrastruktur Ihrer Region mit aufrecht erhalten, sorgen Sie dafür, dass eine gewisse Lebensqualität gegeben ist, die Gewalt durch soziale Ausgrenzung nicht ansteigt, und Sie selbst aufgefangen werden, wenn Sie einmal fallen, denn Sie haben dieses soziale Netz mit aufgebaut, es existiert also in dem Falle allgegenwärtig.


Die GmbH der Menschlichkeit baut einfach das Prinzip auf, dass wir in diesem System alles Unternehmer im menschlichen Sinne sind, und wer soziale Sicherheit fordert, sollte auch bereit sein, diese selber zu leben und Wege außerhalb des Altbekannten durch sein Wirken, sein Vertrauen unterstützen und festigen. Zweifelsohne gehört dazu auch, einfach mal mitzuwirken ohne lange zu diskutieren. Auch kreative, gesellschaftliche Tätigkeiten müssen als Arbeit anerkannt und gewürdigt, aber nicht ins soziale Abseits gedrängt werden, von Mensch zu Mensch, darum geht es. Bürger wollen einen unabhängigen Journalismus. Doch wovon soll dieser zum Beispiel leben? Unabhängigkeit kann sich nur durch die Solidarität der Gemeinschaft aufrecht erhalten, denn jeder muss leben. Menschen, die für ältere Damen einkaufen gehen, Künstler, Buchautoren. All das kann aus der Gemeinschaft getragen werden, und somit bauen wir unsere Perspektiven selber auf, in Form der Gegenseitigkeit. Angenommen in einer Region spenden jeden Monat 2000 Leute  5 Euro, dann wären das 10000 Euro. In einem Monat kann man davon zum Beispiel einen Künstler und einen Schriftsteller fördern, die kulturell etwas leisten, und ab dem nächsten Monat 3 jungen Menschen ein Gehalt als Gemeinschaft zahlen, die älteren Menschen zu Hause bei der Arbeit helfen – das wäre dann tatsächlich eine Unabhängigkeit, auf der sich aufbauen lässt. Hat der Unternehmer, der Künstler oder Schriftsteller dann wiederum Erfolg, spendet dieser wieder ein Teil für einen anderen Starter, der seine Träume realisieren möchte. Keine Zinsbelastung, kein Druck und dadurch viel bessere Aussichten, dass die Existenzgründung, etc. auch erfolgreich sein kann. Genauso optimiert man die Infrastruktur seiner Region und fördert indirekt noch die menschliche Freiheit. Solange man aber als Bettler dargestellt wird, wenn man ein solches System ermöglichen möchte oder anderweitig das Leben schwer gemacht bekommt, wird das leider auf ewig nur ein Wunschtraum bleiben. Resultierend aus der GmbH der Menschlichkeit ist zum Beispiel die Idee vom Haus im Wald entstanden, ein soziales Modell, das dem Menschen zu Gute kommt. Aber jede Idee eines kleinen, einfachen Menschen wird ja bereits im Ansatz im Keim erstickt, anstatt unterstützt – das ist wirklich traurig. Natürlich umfasst die GmbH der Menschlichkeit noch ganz andere Punkte – doch dies passte zum Thema Gemeinschaft.


Weitere Artikel zum Thema:

Sozialsystem Mensch zu Mensch

Sozialstaat: Aufbau in Jahren, Zerstörung in Sekunden



Ich schließe mit einem eigenen Zitat:

Lernt der Mensch nicht mehr vorbehaltlos zu vertrauen, so bleibt ein starkes, soziales System ein Leben im Sinne der Menschlichkeit, auf ewig nur ein Wunschtraum und alle Forderungen an Politik und Wirtschaft sind dann vollkommen sinnlos, denn man selbst lebt ja auch nicht anders.


Ihr

Joachim Sondern

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Eine Antwort zu “Unabhängigkeit durch Gemeinschaft”

  1. Martin Bartonitz sagt am: 28 Februar 2012 um 18:27

    Ja, das Bild des Vertrauens geht uns in einem System der Profitmaximierung und dem “mir schenkt ja auch keiner was” langsam aber sicher vor die Hunde. Daher erachte ich die Ideologie des Kapitalismus ebenso gescheitert.
    Übrigens haben wir uns vorgestellt, dass wir das Bild des Sammelns (Schenkens) im Sinne der Steuern so gesehen. Nur mussten wir in den letzten Jahren zusehen, dass diese entweder den Großkonzernen übergeben wurde, weil es hieß, dass sie für Arbeitesplätze sorgen würden, anstatt dass das Geld für eben diese kleinen Unternehmer verwendet wird.

    Damit sehe ich auch unser Politiksystem inzwischen als gescheitert an. Wir sehen klar, dass der Lobbyismus inzwischen frech und öffentlich unsere Volksvertreter wie Marionette an ihren Fäden in die passende Richtung schubsen.

    Das Schenken, wir sollten vielleicht sogar vom Teilen sprechen funktioniert dort sehr gut, wo man sich kennt. Denn Menschen, die wir kennen, weil sie mit uns zu tun haben, haben wir zu vertrauen gelernt.

    Im Rückschluss bedeutet dies, dass eine Politik primär genau hier stattzufinden hat: im überschaubar Kleinen.
    Nur schade, dass der dazu passende Begriff aufgrund ein paar weniger Bombenwerfer Anfang des letzten Jahrhundert durch die dann folgende Agitation der Konkurrenz in Verruf geraten ist: Anarchie.

    Anarchie ist eben nicht Chaos und Gewalt: es geht um keine Hierarchie in verantwortungsvoller Selbstorganisation

    Viele Grüße, Martin

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