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Gläsern durch ein sich denunzierendes Volk?

Verfasst von: admin am September 5, 2010 Kein Kommentar

05.09.10

Selbstverständlich haben viele kritische Menschen sich mit der Debatte um Google Street View aktiv darum bemüht, dass ihre Häuser nicht erkennbar sein würden. Wesentlich brisanter sind aber jene Webdienste, die weniger Bekanntheitsgrad haben, wie das prominenteste Beispiel Sightwalk, welches ebenso unter zu Hilfenahme von 3D-Panoramabildern Innenstädte wie Street View abbildet, völlig unbehelligt von Medien und Politik. Den Vogel der gläsernen Dreistigkeit aber schießt ein Deutscher Dienst ab, namens ihood, der gleich Wohnumfelder und Nachbarn bewertet.


Dieser Dienst betont zwar rechtlich abgesichert in seinem Impressum, dass er den Datenschutz sehr ernst nehmen würde, sich streng an alle Gesetze und Regelungen in Deutschland halten würde, dennoch wird gleichzeitig dem ahnungslosen Verbraucher verschwiegen, wie simpel doch Datenschutzgesetze umgangen werden können. In seiner Datenbank seien keinerlei personenbezogenen Daten hinterlegt. Es darf kräftig gelacht werden, ob solch platter Täuschung. Sie fragen sich warum, liebe Leserinnen und Leser ?


Nun, diese Frage möchte ich gern detailliert beantworten. Es gab da mal in den USA die kritisch durchleuchtete Plattform Rotten Neighbor, eine Nachbarschaftsbewertung, die letztes Jahr ziemlich unbemerkt nicht mehr im Netz präsent war.


Nachdem der interessierte User sich bei ihood angemeldet hat, kann er jede beliebige Adresse eingeben und sich über unterschiedliche soziodemographische Merkmale, von Familienanteil über Fluktuation bis hin zu Gewerbeanteil, von Erwerbslosigkeit über Akademiker- bis hin zu Ausländeranteil informieren. Dabei wird jedes Kriterium mit einer Werteskala von 1 bis 10 bewertet. Völlig im Unklaren bleibt, auf welchen Datenbestand die Site zurückgreift, bzw. wie alt die Informationen sind. ihood nimmt nur dahingehend Stellung, dass „aus einer Vielzahl von statistischen Informationen für jedes Haus in Deutschland ein statistischer Gesamtwert errechnet wurde, der die Attraktivität der Wohngegend anhand des gesellschaftlich-sozialen Status der Bewohner widerspiegelt.“ Die statistischen Daten werden zu einzelnen Adressen mit einer Luftaufnahme der jeweiligen Gegend ergänzt. Die Nutzer dürfen bewerten und kommentieren.


Toll, sage ich da nur. Das lässt Tür und Tor offen, jedwede üble Nachrede in diese ominöse Datenbank einfließen lassen zu können. Das Denunzieren hat eben hiermit eine neue Möglichkeit gefunden, sich ausleben zu können., wobei selbstverständlich keinerlei genaue Wertigkeit gegeben ist, wenn wir bedenken, dass Menschen eben nicht in ihrem sozialen Status nach dem „Geldbeutel“ bewertet werden sollten. Das ist nicht nur entwürdigend, sondern ein Tatbestand eines öffentlichen Prangers. Nicht nur, dass damit Banken, Geschäftsleute ihre potentiellen Kunden mal eben checken können, es betrifft sogar all jene, die auf Jobsuche sind. Auch hierbei ergeben sich dann negative Belastungen.


Es bleibt somit zu hoffen, dass möglichst viele Medien aufmerksam werden und darüber hinaus die Politik sich gefordert sieht, solch gläsernen Vorschubleistungen seitens des Volkes selbst, einen Riegel vorzuschieben, in dem solche Dienste eben nicht mehr angeboten werden dürfen.


Ihr

Lotar Martin Kamm

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