Freie Gedanken, freies Handeln

18.09.2010

Im Grunde genommen dürfen wir selbst bestimmen. Wir haben unsere Gedanken, unsere Wünsche, Träume, Hoffnungen, und irgendwie möchte man irgendwann auch einmal seinen Gedanken Raum verschaffen und danach handeln.


Die Menschen denken, sie dürfen frei entscheiden. Im Grunde genommen stimmt das auch, allerdings nur für Menschen, die sich dem Mainstream anpassen, nicht auffallen, nicht querdenken. Selbstständiges Denken ist nicht erwünscht, vom selbstständigen Handeln ganz zu schweigen.


Bestes Beispiel hierfür ist der klaffende Unterschied zwischen Gebrauchsanweisungen und in Betriebnahme seines Verstandes.

Wie trainiert man also der Bevölkerung das selbstständige und vor allem das bewusste und mit dem Verstand einsetzende Handeln ab? Wie trainiert man, möglichst unauffällig dieser Bevölkerung eigene Verantwortung zu übernehmen und auch zu tragen, am besten ab?


Das ist im Grunde ganz einfach, es passiert schleichend. Bestens geeignet sind hierfür neuartige Geräte, die auf den Markt kommen mit besonders “sinnigen“ Gebrauchsanweisungen, die die Bevölkerung beim Lesen quälen. Waren vor einigen Jahren die Gebrauchsanweisungen noch kurz und knapp für jedermann verständlich formuliert, werden diese nun immer komplizierter und länger, bis hin zur Lächerlichkeit wirkend ausgebaut.


Getreu dem Motto: Warum einfach, wenn es auch umständlich geht?

So erinnere ich hier an einen Fall, der sich vor Jahren in den USA abspielte, vielleicht erinnern Sie sich auch noch daran. Der Hund in der Mikrowelle, wir wollen es einmal dahingestellt lassen, ob die Erfindung der Mikrowelle sinnig ist, Interessierte zum Thema dürfen gerne in den angebotenen Suchmaschinen im Internet sich selbst eine Meinung bilden. Meinung bilden heißt, unabhängig der bereits eigenen Meinung, die sich meist darauf bezieht, etwas zu glauben oder anzunehmen, was andere einem erzählen wollen, los zu lassen und völlig neutral an eine Sache heran zu gehen.


So setzte einst eine Frau in den Vereinigten Staaten von Amerika ihren Hund zum Trocknen in die Mikrowelle. Das arme Tier überlebte dies nicht, und anstatt sich mal selbst zu hinterfragen, ob man nun einen nassen Hund in ein elektrisches Gerät setzen sollte, wird dieses arme Geschöpf reingesetzt. Hm, ob sie ihn vorher in der Waschmaschine hatte, entzieht sich meiner Kenntnis.


Nur um dann völlig überrascht das tote Tier heraus zu holen und den Hersteller des Gerätes zu verklagen, weil er es versäumt hatte, in der Gebrauchsanweisung zu erwähnen, dass die Mikrowelle zum Trockenen eines Hundes nicht geeignet ist. Amerika, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten…


Es mag sein, dass viele Bürger darüber entsetzt waren, dies zu lesen und sich vielleicht auch fragten, wie man denn nun nur so doof sein konnte…


Wenn ich mir heute die Gebrauchsanweisungen durchlese, muss ich immer irgendwie an diesen traurigen Fall zurückdenken, ich frage mich in der letzten Zeit des öfteren, war diese Geschichte aus den USA nun echt oder nur Fake?

Tatsache ist jedoch, dass sich die Gebrauchsanweisungen drastisch verändert haben. Das neue EU-Recht zwingt die Hersteller, völlig unsinnige Angaben über eine Inbetriebnahme zu machen. Beim Lesen solcher kann man sich oftmals wirklich nicht mehr das Lachen verkneifen.


Und hier setzt die weitere Verdummung ein. Wer oft genug auf etwas hingewiesen wird, der wird über kurz oder lang unsicher. Das kann man gut beobachten, wenn besorgte Eltern ihre Kinder vor etwas warnen wollen. Ein Kind über etwas aufzuklären ohne ihm Angst zu machen, ist eine Angelegenheit, die sich auf schmalen Grad bewegt. Das berühmte Warnen mit der heißen Herdplatte ist nur eines von vielen Gefahrenquellen. Natürlich möchte man nicht, dass sich das Kind ernsthaft verbrennt und macht es auf die Gefahr aufmerksam, aber es liegt auch im natürlichen Wissensdrang nach eigenen Erfahrungen zu suchen, denn nur selbst Erlebtes schult, das wissen wir alle selbst. Und diese Erfahrungen können auch mal weh tun. Das muss aber nicht sein, wenn man aufklärt und das Kind bei seinen Erkenntnissen und Erfahrungen begleitet.


Verbote, und das wissen wir alle, machen eine Sache nur noch interessanter.

Je mehr wir mit unnötigen Informationen überhäuft werden, desto vorsichtiger werden wir. Wer für die totale “Aufklärung“ sorgt, sorgt in Wahrheit nicht für Schutz, sondern enthebt den Menschen mit einem wachen Verstand an eine Sache heran zu gehen, denn es ist ein Unterschied, ob ich ein Kind aufkläre, um es zu schützen, oder ob ich eine Generation beim Heranwachsen immer wieder auf Gefahren aufmerksam mache, die potenziell vorhanden sind, aber im Grunde eine Aufklärungspflicht und somit ein freies, und vor allem ein selbstständiges Denken voraussetze. Wie heißt es so schön? Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.


Im Zeitalter der Verdummung über die Medien, aber auch über Gebrauchsinformationen – ob sinnig oder unsinnig – kann man sich unselbstständiges Denken und somit auch Handeln heranzüchten. Man muss es nur oft genug wiederholen.


Irgendwann werden wohl Lautsprecher aufgestellt werden, um der Bevölkerung folgendes mitzuteilen: einatmen – ausatmen – einatmen – ausatmen…..

An dieser Stelle möchte ich Ihnen noch ein Beispiel aufzeigen, wie Aufklärung in Verbindung mit selbstständigen Denken und somit auch Handeln aussehen kann.


Eine kleine Geschichte von Thich Nhat Hanh

Eine Lehrerin unterrichtet ihre Klasse darüber, wie gefährlich es sein kann, Schuhe mit hohen Absätzen zu tragen. Sie klärt ihre Schülerinnen dahingehend auf, dass man beim Tragen solcher Schuhe einer höheren Verletzungsgefahr ausgesetzt ist, sie sich nicht zum Fahren eines Autos eignen und den Bewegungsapparat, getragen über längere Zeit, in Mitleidenschaft ziehen kann, hier in Form von Gelenkschmerzen bis hin zu Deformierungen, nicht nur der Füße. Als die Lehrerin nun aufsteht, um an der Tafel einige Punkte aufzuschreiben, können ihre Schülerinnen ganz deutlich sehen, dass sie Schuhe mit hohen Absätzen trägt.


Liebe Leserin, lieber Leser wie denken Sie über diese Geschichte? Denken Sie vielleicht, was ist denn das für ein Vorbild, macht auf Gefahren aufmerksam und tut es selbst? oder: Sie weiß was sie tut und übernimmt halt die Verantwortung für sich selbst, oder: Sie macht auf die Gefahren aufmerksam, tut es aber selbst und muss selbst wissen was sie da tut, ich werde mir es überlegen, ob ich mir das für meinen Körper antue.


Welcher Sinn steckt für Sie in dieser Geschichte? Übertragen Sie dieses Beispiel nun auf alles, was mit Aufklärung oder sogenannter Aufklärung zusammenhängt, hinterfragen Sie sich einmal, ob es wirklich sinnig ist, Verbote auszusprechen, oder ob es nicht doch besser ist, richtig aufzuklären und jedem Menschen seine freie Verantwortung zu überlassen. Ein Mensch, der selbstständig denken kann, ein Mensch, der sich mit sich selbst auseinander setzt, sich selbst zu schätzen weiß, wird wissen, was er sich selbst zumuten kann, auch im Hinblick auf seine Umwelt und seine Mitmenschen, denn wer selbstständig und für sich selbst Verantwortung lernt zu übernehmen, braucht eine solche Erzählung nicht mit einem „wenn und aber“ zu kommentieren, er versteht einfach.


Vielen Dank für Ihr Interesse

Ihre

Petra Hanse

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