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Die Kunst der Selbstzerstörung

Verfasst von: admin am September 9, 2010 Kein Kommentar

09.09.10

Alle Welt stöhnt und ächzt unter den finanziellen Belastungen, die uns tagtäglich aufs Neue auferlegt werden. Alles wird teurer, aber anderes scheint unaufhaltsam billiger zu werden. Dass dies über kurz oder lang zum Exitus führt, scheint niemand so wirklich wahr haben zu wollen.


Was des einen Freud ist des anderen Leid

Die Stromanbieter erhöhen munter die Preise, man lässt es zu. Sparen wir an Strom, so erhöht der Anbieter die Kosten mit dem Hinweis, dass so wenig Strom verbraucht wird. Nutzt der Verbraucher den Strom ohne zu sparen, wird der Strom aber nicht billiger. Ja was denn nun? Wie man es als Verbraucher macht, es ist falsch. Das heißt, so falsch ist es ja nicht, der Anbieter gewinnt. So oder so.


Da werden Medikamente, die man bisher noch auf Rezept bekam, mal eben nicht mehr über Rezepte verschrieben, weil sich der Gesetzgeber das mal eben so hat einfallen lassen. Ja wir haben’s ja auch! Deutschland schwimmt im Geld, wussten Sie das nicht? Hier ein paar weitere Beispiele und Sie werden bemerken: Deutschland geht es einfach nur gut.


Die Einführung der Praxisgebühr von 10 Euro pro Quartal entsetzte die Menschen, dennoch haben alle gezahlt, was blieb uns auch anderes übrig…? Medikamente auf Rezept wurden teurer, 5 Euro Zuzahlung ist ja nichts, wir haben’s doch! Oder? Zuzahlungen bei einigen Krankenkassen, schlappe 8 Euro pro Monat, wieder geht ein Stöhnen durch die Bevölkerung, aber es wird gezahlt. Auch die Mieten sollen wieder teurer werden. Ein Stöhnen geht durch die Bevölkerung, aber es wird bezahlt werden, schließlich muss man ja wohnen. Benzinpreise schwanken bedrohlich, der Song Anfang der 80iger Jahre von Markus „Ich will Spaß“ , er singt hier „…und kostet Benzin auch 3,10 DM scheiß egal, es wird schon gehen, ich will Spaß…“  ist  bereits (nah an der) Realität.


Auf der anderen Seite gibt es jedoch Anbieter, die ihre Ware immer günstiger anbieten. Es handelt sich hier um Großhändler, die ungeniert ihre Waren zum EK Preis ihren einzigen Kunden anbieten, ohne daran zu denken, dass sie sich in diesem Moment selbst das Wasser abgraben, denn diese Menschen leben nach dem Motto: Hauptsache mir geht es gut. Dass durch dieses rücksichtslose Verhalten viele kleine Betriebe schon bald in die Insolvenz getrieben werden oder sich bereits darin befinden, ist – wie sang Markus so schön? – scheiß egal.


Da werden für Billigläden in fernen Ländern Menschen ausgebeutet, für einen Hungerlohn leisten diese Stunden an schwerer Arbeit hinter den Nähmaschinen, nur damit hier in Deutschland der Verbraucher billig Kleidung kaufen kann. Na, die sind doch weit weg, interessiert doch mich nicht, ist mir scheiß egal, Hauptsache ich bekomme günstig Klamotten.


Da werden Kornkammern geraubt, Menschen müssen in anderen Ländern verhungern, nur damit im reichen Deutschland sich die Supermarktketten eine goldene Nase am Leid anderer verdienen können. Na, ist doch  mir scheiß egal, Hauptsache ich habe mein Fleisch jeden Tag auf dem Tisch.


Es ist also alles scheiß egal, Hauptsache mir geht es gut, ist das so? Jetzt werde ich Ihnen einmal die Kehrseite dieser Medaille aufführen.


Alles, was ich hier oben beschrieben habe, betrifft uns alle. Und: NEIN, es betrifft nicht nur die anderen! Denn: So wie wir in den Wald hineinrufen, so schallt es wieder heraus. Die Armut, die wir alle durch unsere Gier nach einem scheinbar besseren Leben mit verursachen, schwappt mehr und mehr zu uns zurück. Denn Billiglöhne haben wir bereits ebenfalls in unserem Land. Auch in Deutschland gibt es inzwischen Menschen, die sich ihr Essen aus dem Mülleimer auf den Straßen fischen. Sie glauben, das sind doch nur Penner? Falsch. Es sind zum Teil Menschen, die ihr Leben lang gearbeitet haben und nun, ob durch Arbeitslosigkeit oder durch eine viel zu kleine Rente, sich ihr Essen nicht mehr leisten können. By the way: auch Penner sind Menschen. Kommen Sie einmal nach Berlin, und halten Sie einmal die Augen offen, es ist nicht mehr zu übersehen. Und was in der Großstadt seinen Anfang hat, schwappt wie eine Welle über kurz oder lang über das gesamte Land. Und wir alle tragen unseren Teil dazu bei.


Schauen Sie doch einmal genau hin, es sind die Großkonzerne, die billig anbieten, Ketten, die es sich „leisten“ können, billige Ware anzubieten, und die Menschen interessiert es nicht. Scheiß egal, Hauptsache mir geht es gut. Bis es eben einem selbst mal an den Kragen geht und selbst dann noch, selbst in einer solchen Notsituation wie der Arbeitslosigkeit, weil es dann auch nicht mehr anders geht, ändert sich das Verhalten nicht. Es wird nur gefordert: Gib mir das, gib mir jenes, aber wie dieses Gib mir sich rechnen soll, ist egal. Halt scheiß egal, Hauptsache mir geht es gut, oder mittlerweile kann man wirklich schon sagen: Hauptsache ich bleibe am Leben.


Da sitzen ein paar wenige am Hebel, und sie betätigen ihn auch, und zwar ungeachtet dessen, dass sie sich damit über kurz oder lang selbst das Wasser abdrehen, sie erkennen oder wollen es einfach nicht erkennen, denn wir leben nach dem Motto: Mir doch scheiß egal, Hauptsache mir geht es gut.

Es ist also scheiß egal, dass da Menschen in anderen Ländern verhungern, ja es ist auch scheiß egal, dass mittlerweile hier in Deutschland Menschen hungern. Mit schnellen, abwertenden Sprüchen ist man da schleunigst bei der Hand. Alle faul, alle dumm, alle Schmarotzer.


Wer sich aber mal das Ganze betrachtet, der muss sich doch nun wirklich nicht mehr wundern; dachten Sie tatsächlich, die gemachte Armut würde vor unserer Türe halt machen? Diese Armut ist gemacht! Verursacher sind ein paar Wenige, die gezielt damit begonnen haben, und zwar schleichend über die Jahrzehnte, um das so hinzubekommen, wie sie es sich vorgestellt haben, und es hat sich ausgezahlt, denn heute haben wir die Bescherung.  Wir leben heute da, wo man uns hinmanövriert hat, denn dieses Manöver hat sich bestens verselbstständigt und alle machen mit. Keiner hält mehr Maß, dieses wurde uns nämlich aberzogen, denn es gab ja immer alles. Heute wird uns sogar das Denken abgenommen, es werden Tatsachen herangezüchtet, die gar keine sind. Es wird denunziert, es wird gehetzt, einer auf den anderen, ohne Rücksicht auf Verluste. Hauptsache mir geht es gut.


Aber Vorsicht: Wer heute noch so denkt, nämlich sich nur in seinem kleinen beengten Kreis bewegt, der muss sich wirklich nicht wundern, wenn er selbst morgen schon zu denen gehört, die da vergessen werden.


Wie es in den Wald hineinruft, so schallt es hinaus oder: Die Kunst der Selbstzerstörung.


Vielen Dank für Ihr Interesse

Ihre

Petra Hanse

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