Rente mit 70 – adios Sozialstaat
12.08.10
Erst der Wirtschaftskrisenbeginn, in welchem Bürger mit ihren Steuergeldern für die Banken die Sicherheiten stellen mussten, ohne dass man sie jemals gefragt hat, dann das Sparpaket, welches hauptsächlich zu Lasten der armen Bevölkerung geht, und nun möchte man die neuen Generationen auch in der Rentenfrage vor vollendete Tatsachen stellen. Armut im Alter scheint nun einigen Verantwortlichen nicht mehr zu reichen, sie fordern arbeiten bis zum Lebensende. Michael Hüther, Chef des Institutes der Deutschen Wirtschaft (IW), ist der Meinung, dass das Renteneintrittsalter aufgrund der Geburtenrate und der immer höheren Lebenserwartung auf 70 Jahre angehoben werden müsste.
Sozialsystem gefährdet – soziales Engagement im Sinne der Gesamtheit
Seltsam ist, dass es so weit gekommen ist in einem Staat, in welchem die Bürger des Landes hart für ihr Sozialsystem gearbeitet haben, es nun aber zulassen, dass es zerstört wird. Mitunter ist es einfach noch zu vielen Menschen möglich, sich im „Spaß auf Schulden“ selber zu ertränken. Man rennt vor den Problemen weg und setzt darauf, dass es irgendwie immer weiter geht. Doch jeder Weg endet einmal, und je mehr man dieses Ende hinauszögert, desto schlimmer wird es für uns alle. Immer wieder wird deutlich, dass Menschen, denen es schlecht geht, aus dem Frusteffekt heraus etwas gegen soziale Ungerechtigkeit unternehmen wollen, doch sobald sich diese nur den geringsten Spaß wieder erlauben können, von diesem Weg nichts mehr wissen wollen.
Genau hier muss angesetzt werden, denn wer seine Zukunft gesichert haben möchte und sich in einer starken Gegenwart bewegen will, muss allgegenwärtig, auch in guten Zeiten, dazu bereit sein, Missstände zu erkennen für seine Mitmenschen, da zu sein und gemeinsam für eine bessere, humanere Zeit einzutreten. Nicht nur die eigene Situation darf ausschlaggebend sein, sondern das Gesamtbild. In der Praxis ist das z.B. so zu verstehen, dass Menschen, die noch in einer halbwegs gesicherten Existenz leben, mit Menschen, denen dies nicht mehr vergönnt ist, gemeinsam gegen soziale Ungerechtigkeit angehen. Dazu allerdings müsste man sich endlich von den grauen Wegbegleitern Ignoranz und Egoismus trennen.
Rente mit 70 – Fakten, die dagegen sprechen
Dieses System, in welchem wir leben, könnte man als Lebensautobahn bezeichnen: Der Mensch befasst sich kaum noch mit den natürlichen Bedürfnissen seiner Seele und seines Körpers und versucht krampfhaft, sich selbst immer wieder zu überholen, in der Hoffnung so seine Existenz sichern zu können. Sicherheit im Alter oder auch allgemeine Zukunftsplanungen sind nur möglich, wenn ich als Einzelner um das Wohl der Gesamtheit bedacht bin und mit meiner Handlung indirekt nicht dazu beitrage, dass es der Umwelt um mich herum schlechter geht.
Dass der Mensch überfordert ist mit dieser erschaffenen Lebenshaltung, wird auch durch eine Statistik des statistischen Bundesamtes deutlich. Zwischen 2002 und 2008 sind die Kosten, welche durch Krankheit entstehen um 16 Prozent auf 254,3 Milliarden Euro gestiegen. Was nicht erwähnt wird ist, dass dieser Anstieg auch mit der zunehmenden Armut im Land zusammenhängt und damit, dass Menschen immer länger arbeiten müssen, um überleben zu können. Noch vor einiger Zeit war es für einen Menschen möglich auch schon zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr in Rente zu gehen, wenn man selber gut gewirtschaftet hatte. Heute hingegen hat man kaum noch die Möglichkeit, selber für das Alter etwas zurückzulegen, und so müssen die ersten Rentnergenerationen jetzt bereits bis ins hohe Alter arbeiten, um zu überleben. Zwar ist das Renteneintrittsalter derzeit noch auf 65 Jahren festgelegt, aber die Wirtschaftsverhältnisse stellen sich dem entgegen und zwingen viele Menschen ein Leben lang zu arbeiten. In einer geregelten, sozialen Marktwirtschaft dürfte es dieses Thema gar nicht geben. Das Rentensystem müsste so angepasst werden, dass ein entspanntes und ausgeglichenes Leben im Alter immer gewährleistet ist, denn nur dann hat ein Staat das Recht dazu, sich Sozialstaat zu nennen.
Hauptursache für den Anstieg sind psychische Krankheiten und Demenz. Auch ein Beleg dafür, dass oft die Dauerbelastung ausschlaggebend ist für die Krankheitsentwicklung. Arbeit gehört zum menschlichen Leben, aber der Körper baut über Jahrzehnte ab, und so hat ein Mensch auch das Recht dazu, zumindest im Alter in Ruhe und im Einklang mit der Seele zu leben, und zwar nicht erst ab dem 65. oder 70. Lebensjahr. Zudem muss der Arbeitsmarkt komplett reformiert werden, gerade im Bezug auf humanere Arbeitsbedingungen: Mitarbeiterüberwachung, Berufsmobbing und sämtliche andere Schikanen, bis hin zur Erpressung sind so gar nicht förderlich, um eine starke Wirtschaft aufzubauen, doch das werden gewisse Verantwortliche wohl nie begreifen, dass auch ihr Reichtum nicht von Dauer sein kann, wenn die Harmonie und die Gesundheit der Gesamtheit nicht gewährleistet ist.
Falsche Argumente dienen nur als Propaganda
Geradezu lächerlich wirkt hier das Argument, dass man aufgrund der sinkenden Geburtenrate nicht umher kommen wird, das Rentensystem anzugleichen und das Eintrittsalter stetig anzuheben. Warum spricht Herr Hüther nicht gleich Klartext und stellt in seiner neoliberalen Haltung am besten die gleiche Forderung, Rentenzahlungen gänzlich einzustellen? Antihumane Botschaften immer in einem gemilderten Gewand zu hüllen, ist nicht die feine Art. Natürlich kann man auch das Eintrittsalter so weit anheben, dass ein Mensch kaum noch etwas davon hat, nur dann stellt sich auch die Frage: warum überhaupt noch in ein Rentensystem einzahlen?
Haltlose Phrasen umschließen den politischen „Zirkus“ – der Mensch ist nur noch eine Zahl, ein statistischer Wert. Wenn sinkende Geburtenraten das Problem sind, dann gilt es bei der Familienpolitik anzusetzen und der damit verbundenen Sozialpolitik. Menschen können keine Familien mehr gründen, weil durch diesen maroden Arbeitsmarkt und die gelebte Gier keine Zukunftsplanung mehr möglich ist. Außerdem können immer mehr Paare keine Kinder zeugen, wegen der hohen Umweltbelastung. Damit wären wir auch bei der Umweltpolitik, wodurch deutlich werden sollte, dass man ein solches Thema nicht nur aus einem Winkel betrachten darf, sondern eines ins andere verläuft. Unsere sozialpolitisch Verantwortlichen haben dafür zu sorgen, dass durch unser aller Leistung ein starkes Sozialsystem gelebt werden kann, in dem es keine totale Armut gibt, unsere Familienministerin, Frau Schröder hat dafür Sorge zu tragen, das Familienbewusstsein, was über Jahre zerstört wurde, wieder aufzubauen. Dies bedeutet, Arbeitgeber müssen auch wieder auf genügend Familienfreizeit Rücksicht nehmen, Eltern und Kinder müssen wieder lernen, miteinander zu reden und etwas zu unternehmen – sie haben die Aufgabe aufzuzeigen, dass Familien nicht einem dauernden Lebens- bzw. Existenzdruck ausgesetzt sind. Kreativer Raum muss hier geschaffen werden, es muss Wert auf Familien gelegt werden und durch dieses neue Bewusstsein, angelehnt an der Natur, wäre dann auch wieder eine Steigerung der Geburtenrate möglich. Wer sich hingegen einfach mit dem Ist-Zustand abfindet und diesen nicht ändern will, hat kein Recht dazu, eine Erhöhung des Renteneintrittsalters zu fordern.
Auch die zweite Begründung, die Lebenserwartung des Menschen steige fortlaufend, ist im Zusammenhang mit der Rente ab 70 einfach ein Witz. Ja, der Mensch wird länger am Leben erhalten, lebt aber oft mit viel mehr Krankheiten, die sich nicht immer direkt in Körperschwäche ausdrücken, sondern oft erst als seelische Krankheit auftreten, woraus sich dann wiederum eine organische Krankheit entwickeln kann. Daher ist es nahezu vermessen, das Rentenalter aus diesem Grund erhöhen zu wollen, denn der Mensch ist keine Wirtschaftsmaschine, und nur weil sich etwas scheinbar „nicht rechnet“ darf man Menschen keiner dramatischen Gefahr aussetzen, was man aber tun würde, wenn man das Eintrittsalter erhöht. Der Druck wäre nämlich noch größer als er es ohnehin schon ist, und so würde der Mensch noch qualvoller, mit vielen kleinen Krankheiten leben müssen. Übrigens auch ein Grund für den zunehmenden Suizid in unserer Gesellschaft. Ein Mensch hat ein Recht darauf, spätestens ab dem 55. Lebensjahr sein Leben zu genießen, denn wenn man rechnet, dass mit 75 die Vitalität nicht mehr ganz so hoch ist, dann hat der Mensch 20 Jahre, um das Glück seiner Seele zu leben und rund 35 Jahre, in dem er arbeitet. Politiker behaupten, dass dies nicht möglich sei, doch gerade wenn man die Familienpolitik hierzulande reformiert und ein neues Bewusstsein als Gemeinschaft lebt, dann kann genau dies möglich sein.
Ich schließe mit einem eigenen Zitat:
Was der Mensch oftmals als Utopie erachtet, ist in Wirklichkeit der leichte Weg des Lebens, denn das Glück liegt vor uns, so dass wir nur die Fähigkeit entwickeln müssen, es aufzuheben.
Ihr
Joachim Sondern
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