Herr Sarrazin, es reicht !
27.08.10
Nichts sorgt in den letzten Monaten, bzw. Wochen für so viel Aufsehen und kontroverse Diskussionen wie die Aussagen des Thilo Sarrazin. Herr Sarrazin äußerte sich antihuman, radikal zum Thema Einwanderungspolitik und arme Menschen, Hartz IV Empfänger. Teilweise so schwer unter der Gürtellinie, dass man es so einfach nicht stehen lassen darf. Als wenn das noch nicht genug wäre, verfasste Herr Sarrazin unter dem Titel „Deutschland schafft sich ab“ ein Buch, welches erst am 30.08.2010 erscheint, Auszüge aus diesem Buch jetzt aber bereits für eine Menge Gesprächstoff sorgen. Was einst Tabuthema war, scheint nun zum „guten“ Ton zu gehören und wird unverständlicherweise von einem nicht geringen Anteil der Bevölkerung sogar unterstützt. Traurig, dass sich wieder einmal so viele Menschen blenden lassen, was auch wieder deutlich erkennen lässt, dass man im Statusstaat als Bevölkerung so manches blind unterstützt, nur wenn der Name dahinter groß und bekannt ist. Möglich ist dies nur in einem System, in welchem der gesellschaftliche Status mehr von Bedeutung ist als der Mensch an sich.
Inhalte, welche unmenschlicher nicht sein könnten
Ganz nach der neuen Sozialrassistenmanier feuert Herr Sarrazin in seinem Buch nicht nur gegen Einwanderer, sondern auch gegen jeden Hartz IV Empfänger. In seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ geht er unter anderem auf die 322 Euro ein, die jede Familie für ein Kind erhält, als garantiertes, soziales Existenzminimum. Daher würden nach dem Weltbild des Herrn Sarrazin arme Menschen mehr Kinder zur Welt bringen als der Mittelstand und die Oberschicht. So viel Provokation, Menschenverachtung, Diskriminierung, Diffamierung, etc. kann man kaum noch kommentieren als freier Journalist, denn man findet nur schwer Worte für einen solchen Menschenfeind. Aber damit nicht genug, denn im darauffolgenden Satz setzt Herr Sarrazin noch einen drauf: „Für einen großen Teil dieser Kinder ist der Misserfolg mit ihrer Geburt bereits besiegelt“ gefolgt von der Erklärung „Sie erben 1. gemäß den Mendelschen Gesetzen die intellektuelle Ausstattung ihrer Eltern und werden 2. durch deren Bildungsferne und generelle Grunddisposition benachteiligt.“ Arme Menschen haben also kein Recht Kinder in die Welt zu setzen, Herr Sarrazin? Wer arm ist, ist geistig unfähig in Ihren Augen? Bildungsferne? Was wollen Sie, eine saubere Elite? Darf man Sie einmal daran erinnern, wohin so etwas führt? Sie setzen der dunklen Geschichte in der Gegenwart noch die Krone auf, dass sei Ihnen gesagt, Herr Sarrazin.
Weiter spricht Herr Sarrazin in seinem Buch davon, dass er als Schüler im Alter von 13 Jahren sitzen geblieben ist, weil er keine Lateinvokabeln gelernt hatte. Diese „Sanktion“ hätte bei ihm gewirkt und ihn dazu ermutigt, sich anzustrengen. Scheinbar hat er noch nie etwas davon gehört, dass Menschen individuelle Fähigkeiten besitzen, und man nicht jeden Menschen unter Druck zu einem Funktionsroboter erziehen kann, was auch vollkommen verkehrt wäre, denn so kann ein Planet nicht überleben. Oh Pardon, wenn man natürlich all das Übel bei Menschen anderer Nationen sieht, dann braucht man sich um die wirklichen Probleme ja keine Gedanken mehr machen. Herr Sarrazins Behauptung, dass er vermutlich als Jugendlicher, wären seine Eltern Hartz IV Empfänger und bildungsfern gewesen, auch diesen Weg dann gegangen wäre, ist nicht nur eine Frechheit sondergleichen, sondern zeigt auf wie „bildungsfern“ auch Leute der Oberschicht sein können, bzw. gerade diese. Dieser Mann scheint nie etwas gehört zu haben von Familien, die um das Überleben kämpfen, von Ingenieuren, die sich mit der Arbeitslosigkeit abfinden müssen, obwohl sie Tausende Bewerbungen verschickt haben. Ein Mensch ist kein Sklave, der zu jeden Bedingungen arbeiten gehen muss, um den Reichtum einiger weniger zu finanzieren. Wo wird mal eingegangen auf die antihumanen Methoden vieler Unternehmen, darauf, dass wir mal menschenwürdigere Bedingungen hatten und die Bevölkerung nicht die Schuld trägt am Abbau des Sozialstaates? Wenn durchleuchten, dann bitte korrekterweise aus allen Perspektiven, Herr Sarrazin. Fragen Sie sich doch einmal, wie Resignation entsteht.
Von den Attacken in Bezug auf Migranten wollen wir erst gar nicht sprechen, denn diese Parolen zu kommentieren, wäre vollkommen sinnlos und die reinste Zeitverschwendung.
Stumme Schafe der Masse – wieder ziehen sie mit
Von einem Drama kann man durchaus sprechen, denn alleine wenn man die Kommentare bei Amazon verfolgt, so ist jetzt bereits erkennbar, dass die Aussagen des Herr Sarrazin in nicht geringem Umfang von einem Großteil der Bürger unterstützt werden. Jene, die gut in Lohn und Brot stehen, scheinen zu verkennen, dass es ihnen morgen schon genauso gehen kann. Ab dem Moment, wo man solche Aussagen unterstützt, trägt man das Sozialsystem, ja gar eine humane Demokratie zu Grabe. Soll alles umsonst gewesen sein, was wir alle aufgebaut haben? Hat nicht jeder Mensch nach dem Grundgesetz ein Recht auf eine faire Behandlung? In diesem Buch findet man indirekte Gedanken der Zerstörung, der Klassifizierung und der Diffamierung. Wer ein antihumanes, neues Ordnungssystem unterstützen will, nur zu, aber erwarten Sie dann keine Hilfe, wenn es Ihnen morgen auch schlecht geht. Mensch ist Mensch, und diesem Elitenwahn haben wir es zu verdanken, dass nicht jeder Mensch die gleichen Chancen hat. Viele Kinder aus armen Familien arbeiten härter an sich und haben mehr Potenzial, als jene, die aus reichen Familien stammen. Diese haben nämlich die Hilfe des Kapitals, können privat unterrichtet werden, etc., da ist es kein Kunststück etwas zu erlernen, wenn man sorgenfrei aufwachsen kann. Wo gibt man denn armen Menschen wirklich eine Chance hochzukommen, ihre Werke, Arbeiten, etc. der Öffentlichkeit zu präsentieren? Heute geht doch alles nur noch über Kontakte und vorhandenen Geburtsstatus – das sagt einer, der es selber erlebt, lieber Herr Sarrazin. Entgegen den Behauptungen der Sarrazinanhänger in sämtlichen Foren beziehen sich seine Aussagen NICHT auf tatsächliche Lebensfakten, sondern lediglich auf theoretische, geduldige Analysen, die bestenfalls „relativ“ zu sehen sind.
Ich schließe mit einem eigenen Zitat:
Wer die Wurzeln des Hasses sät, löst nicht nur einen Flächenbrand aus, nein, der gibt sich hin dem eigenen Leid, der eigenen Trauer und dem Weg der Zerstörung seiner eigenen Seele.
Ihr
Joachim Sondern




















Dies Thema finde ich hoch brisant und hoch explosiv. Inzwischen ist eine stinkende Sosse daraus geworden. Nicht nur Sarrazin, auch Westerwelle hat seinen Teil dazu beigetragen. Das deutsche Volk, und auch andere Nationen müssen aufpassen, dass wir nicht anfangen uns gegenseitig zu zerfleischen. Wird Spaltung geschürt, in Zeiten des Umbruchs, kommt meistens nichts Gutes heraus. Im Gegenteil, die Revolution steht vor der Tür. Und doch werden Themen von Hr. Sarazzin angesprochen, Hartz 4, Migranten usw., was sorgfältig unter die Lupe genommen werden muss. Weswegen findet er soviel Anklang, weil dem Mittelständler soviel Nebenkosten abgezogen wird, und sich dadurch sich immer breiterer Unmut breitmacht. Wieviel Menschen den Sozialstaat ausnützen, vermag ich nicht zu sagen. Da gibt’s ja die unterschiedlichsten Zahlen. Migration finde ich in der Tat ein Problem. Aber wie damit umgehen, dass nicht alles unter die Gürtellinie geht? Dieser Staat hat sich selber geschaffen. Viele Jahr in Saus und Praus gelebt. Die niederen Arbeiten wurden meistens von Migranten durchgeführt. Wir müssen nur in ein Krankenhaus, oder andere öffentlichen Einrichtungen gehen, wer putzt da? Wer fährt die Dreckwäsche weg? Wer arbeitet in der Küche und macht Schnitzelarbeit? Da wimmelts vor Migranten. Und dann aufeinmal rauss? Was für Praktiken von Abschieben? Menschenunwürdig, ich könnte heulen, wie man mit diesen Menschen umgeht. Und doch sehe ich auch ein Problem der zusehenden Aggressivität und Arroganz von Migranten. Vielleicht ist da was vorab schief gelaufen. Durch meine Arbeit in der Forensik bekomme ich da ja einiges mit. Und da bin ich zum Teil auch gewillt zu sagen, dass sie wieder in ihr Land zurück sollen, wenn es ihnen bei uns nicht passt. aber das Gleiche könnte ich auch bei den Deutschen anwenden. Nur wohin abschieben? Wir leben nun mal in diesem Dilemma. Wer sagt uns, dass die Abgeschobenen irgendwann Mal nicht hasserfüllt zurückkommen, was dann? Eine Lösung wo die Win – Win Situation entstehen könnte, vielleicht wäre dies der bessere Weg. Für’s Erste mehr anstrengend, aber es würde sich bestimmt mehr auszahlen, denn da könnte Respekt vor dem anderen entstehen. Aber ich glaube, dass inzwischen alles so verfilzt und zerspalten ist, dass Mit-Menschlichkeit in einem unerträglichen Masse verkommen ist. Apropo Schulbildung und armer Leute.
Mein Vater ein einfacher Bäcker, hatte sechs Kinder, einer wurde Professor, einer Arzt, 2 Krankenschwestern, eine Physiotherapeutin und eine Beamtin. Wiederum durch meine Arbeit in der Kinderpsychiatrie, sah ich natürlich auch solche Situationen, die da angesprochen wurden. Ein Staat muss in der Lage sein, auch solche Menschen aufzufangen. Kann er dies nicht, dann stimmt im Staate was nicht mehr. Ein Apfel wird geschnitten. Das Kerngehäuse rauss, die Haut wird abgeschält und dies kommt dann auf den Kompost. Später bringt dies wieder gute Erde. Es sollte ein natürlicher Ablauf sein, dann ist es ein gesundes System. Lässt man den Apfel zu lange liegen, wird er schrumpfelig und mit der Zeit schlecht Inzwischen sind wir weit ab davon, in einem gesunden System zu leben.
Und doch, lasst uns das Zusammentun, was noch gesund und menschlich ist. Wir werden dies dann auch Schaffen.
Ich bin überzeugt, das die Grundlagen im Umgang mit anderen Menschen, Respekt und Tolleranz sind.
Und all das vermisst man bei Thilo Sarrazin.
Wer in der Öffendlichkeit steht sollte sich vor verbalen Entgleisungen hüten.
Welches Gen hat Herr Sarrazin?
Das wäre meine Frage.