Der gläserne Mensch
19.08.10
In den letzten Monaten ist eine heftige Diskussion über das Vorhaben von google entbrannt. Im Herbst dieses Jahres will google Photos von Häusern machen, um diese dann ins Internet zu stellen. Nicht jeder Bürger ist von dieser Idee begeistert. Und nicht jeder Bürger hat einen Internetanschluss, weiß also davon gar nichts.
Um seine Privatsphäre zu schützen, müssen diejenigen, welche ihr Haus nicht im Internet sehen möchten, sich dagegen wehren völlig gläsern dargestellt zu werden, bei google melden und Widerspruch einlegen. Wäre es hier nicht angebracht, google würde sich an die Haushalte wenden und fragen, ob die Menschen das wollen oder ob nicht? Nein, denn dies würde Kosten verursachen, und so wird erst einmal gemacht und vor vollendete Tatsachen gestellt, getreu dem Motto: Hund, friss oder stirb. Zu diesem Widerspruch gehört jedoch, dass man seine e-mail Adresse aber auch seine Haus-Adresse angibt, damit google das betreffende Grundstück verpixeln kann. Wie schützen sich Menschen, die kein Internet haben? Auch sie sind hier gefordert sich Preis zu geben und zwar in Form ihrer Hausadresse! Wir kriegen euch alle, fällt mir hierzu nur ein.
Jeder, der sich im Internet bewegt, weiß aber darum oder sollte es zumindest wissen, dass das Internet kein anonymer Raum ist. Jeder kann „verfolgt“ werden und zwar über die Spuren, die man hinterlässt. Jeder „Klick“ hinterlässt Spuren in Form der IP Nummer.
Zwar versichert google, dass die Daten nicht weiter gegeben werden, bzw. nicht zusammen gezogen werden, um ein Profil über den betreffenden User zu erstellen, dies mag jedoch daran liegen, dass google nicht über die nötigen Patente oder Lizenzen verfügt, um Profile erstellen zu lassen, um dies per IP Adresse verfolgen zu dürfen. Es ist aber bekannt, dass es diese Programme gibt, und im Grunde jeder, der über ein solches Programm verfügt, per ID rückverfolgen kann, wer da gerade einen Klick getätigt hat. Für diese Programme gibt es, wie bereits erwähnt, Patente, bzw. Lizenzen, um diese auch nutzen zu dürfen. Eine private Person darf sie nicht nutzen, damit macht man sich strafbar.
Wenn Sie sich vor „Schnüfflern“ schützen möchten, zumindest was den Einsatz über eine Suchmaschine betrifft, so suchen Sie über folgende Suchmaschine : http://www.ixquick.com/
Hier können Sie sicher sein, nicht kontrolliert zu werden. (Quelle Berliner Rundfunk)
Der gläserne Mensch ist auf dem Vormarsch. Haben Sie eine Kundenkarte? Egal, wo Sie diese auch einsetzen mögen, meist bekommt man als Kunde einen geringen Nachlass auf die Ware, oder die Geschäfte werben mit Geschenken, wenn Sie per Kundenkarte einkaufen, jedoch ist auch hier Vorsicht geboten. Denn Ihre Daten werden gespeichert. Anhand Ihrer Einkäufe können so nun auch wieder Profile erstellt werden, über Ihr Kaufverhalten. Dies soll dazu dienen, dass das Kaufverhalten beobachtet wird, das man genau weiß, welcher Kunde wann was eingekauft hat, um so das passende Sortiment auszuwählen oder aber zu erweitern, je nach dem, was oft und viel gekauft wird. Eines ist jedoch eine Tatsache: Ihre Daten sind gespeichert.
Auch wenn heute noch oft versprochen wird, dass die persönlichen Daten nicht an Dritte weiter gegeben werden, so ist doch auch mittlerweile bekannt, dass die Daten abgespeichert sind. Und findige Menschen können per illegaler Programme diese Daten knacken. Aber es gibt auch den legalen Gebrauch dieser Programme, wer weiß wirklich wo die Daten landen?
Wer im Internet einkauft, wird schon des öfteren festgestellt haben, dass die Meinung des Kunden gefragt ist. Hier können Kunden ihre Meinung zum Anbieter hinterlassen. Ähnlich wie die Bewertungen bei e-bay. Dies hat jedoch zur Folge, dass sich die Kaufkraft mehr und mehr nach diesen Bewertungen richtet, die oftmals durch bösartige Menschen manipuliert werden. Gerade Menschen, die sich neu vorstellen, können so ganz leicht in die Ecke „kenn ich nicht, versuch ich erst gar nicht“ gedrängt werden. So wird es sehr schwer für neue Geschäftsinhaber sich eine Existenz zu erarbeiten, da dank der Bewertungen erst einmal die Möglichkeit erschwert wird. Haben sich dann doch Käufer gefunden, genügt es Neider zu haben, die sich Produkte liefern lassen und dann prompt negative Bewertungen abgeben, wo andere bereits positiv bewertet haben. Ganz schnell kann so ein Neuankömmling sich durch solche Menschen sein Bewertungsprofil zunichte machen lassen und somit auch in seiner Existenz bedroht sehen. Wer sich jedoch selbst ein Bild machen will, der sollte sich einmal genau die negativen Bewertungen anschauen, oftmals finden sich hier wirklich nur negative Bewertungen, die absolut nichts mit dem Produkt zu tun haben, sondern sich meist auf den Postversand beziehen, worauf der Verkäufer nun wirklich keinen Einfluss hat. Zumal wenn der versicherte Versand mit angeboten wird.
Gehören Sie auch zu den manipulierbaren Menschen, die Neuankömmlingen keine Chance einräumen? Es gab mal Zeiten in Deutschland, da wurde es Menschen hoch angerechnet, wenn sie den Sprung in die Selbstständigkeit wagten, sie wurden unterstützt in ihrer Arbeit, dies hat sich jedoch geändert, denn wer heute nicht bereits über einen Kundenstamm verfügt, oder bereits etabliert ist, bekommt es durch das Manipulieren von Zahlen noch zusätzlich schwer gemacht. Wer viel verkauft hat, muss gut sein…ist das tatsächlich so? Haben diese Etablierten nicht auch irgendwann einmal angefangen?
Aber um beim gläsernen Menschen zu bleiben. Ich frage Sie hier allen Ernstes: Für was sollen solche Bewertungen gut sein? Sicherlich, schwarze Schafe gibt es, ohne Frage, aber ein gewissenhafter Geschäftsmann oder eine Geschäftsfrau wird bemüht sein, seine Kunden zufrieden zu stellen, und gerade wenn man neu einsteigt, ist es durch die Bewertungen sehr schwer Fuß zu fassen, weil die Menschen mittlerweile auf die Verkaufszahlen, aber auch auf die Bewertungen achten. Aber auch diese Bewertungen können falsch sein. Denn mir selbst ist es schon passiert – wenn auch nicht oft-, dass sich eine negative oder neutrale Bewertung gar nicht erst abschicken ließ. Wie gesagt, es gibt auch schwarze Schafe, und es gibt Geschäftsgebaren mancher windiger Geschäftemacher, die man gar nicht korrekt bewerten kann, weil es e-bay nicht zulässt. Warum dies so ist, weiß ich bisher noch nicht, die Vermutung liegt jedoch nahe, dass man sich frei kaufen kann. Mit Geld geht ja bekanntlich alles. Aber nicht nur auf e-bay können Bewertungen abgegeben werden, auch für Internet Shops generell.
Haben Sie schon einmal in einem Geschäft Ware eingekauft, wo sich ein Bewertungsprofil am Ausgang befindet, wo Sie Ihre Meinung hinterlassen können? Wenn Sie zum Beispiel Möbel kaufen, gibt es in diesem Geschäft ein Bewertungsprofil? Vielleicht kommt dies über kurz oder lang auch noch. Ich kann mich erinnern, dass manchmal Karten auslagen, um anonym seine Meinung zu äußern. Dies war aber anonym, man musste hier keine Daten preisgeben, sondern lediglich ein Kreuzchen machen, ob man denn zufrieden war oder nicht. Und diese Karten wurden tatsächlich noch dafür verwendet, um sich zu verbessern. Heute jedoch geht alles elektronisch, und überall wo Sie etwas hinterlassen, sei es im Supermarkt, wenn Sie mit Ihrer Kundenkarte einkaufen oder in einem Online Shop, der ein Bewertungsprofil hat, hinterlassen sie Ihre Spuren, ob Sie das wollen oder nicht.
Was Ihnen heute noch als gut vorkommt, um vergleichen zu können, kann Ihnen morgen schon zum Verhängnis werden, spätestens dann, wenn mal wieder findige Mitbürger einen Code geknackt haben und sich Ihre persönlichen Daten auf eine CD im Umlauf befinden, aber auch ganz offiziell, denn mit Ihren Daten werden Geschäfte gemacht. Egal wo Sie hinklicken, überall werden Ihre Daten abgespeichert, und überall können Sie gläsern und ausspioniert werden. Wundern Sie sich also nicht, wenn Sie Anrufe für Umfragen oder Telefonanrufe für Werbezwecke bekommen, selbst wenn Sie eine geheime Telefonnummer haben, um sich eben auch davor zu schützen. Sie sind nicht geschützt! Selbst seriöse Unternehmen geben Ihre Daten weiter, zwar können Sie dagegen Widerspruch einlegen, falls Sie sich nicht komplett von einem solchen Anruf überrumpelt fühlen und vergessen nachzufragen, woher der Anrufer denn Ihre Telefonnummer hat, aber diese Aktionen des Widerspruchs sind langwierig, kosten Nerven und Geld. Trotzdem sind Ihre „geheimen“ Daten erst einmal im Umlauf. Kein findiger Mitbürger wird auf die Idee kommen, in einem kleinen Online Lädchen versuchen Daten zu knacken, denn hier sind sie noch am besten geschützt, als wenn sie bei großen Etablierten einkaufen, da gibt es nämlich gerade für solche dubiosen Hacker mehr zu holen.
Bedenken Sie dies, wenn Sie mal wieder irgendwo mit einem verlockendem Sparangebot in Form einer Kundenkarte oder im Internet eines Bewertungsprofils konfrontiert werden.
Hier fällt mir ein altbekanntes Sprichwort ein: Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.
Und Neid, Missgunst, Misstrauen und die daraus resultierende Angst sind gewollt, denn dazu dient der gläserne Mensch. Was uns heute noch spaßig anmutet, wie zum Beispiel sein eigenes Haus ganz nah im Internet sehen zu können oder gute Bewertungen auf der eigenen Seite, kann uns morgen schon zum Verhängnis werden.
Überprüfen auch Sie Ihr Kaufverhalten. Jedes Schnäppchen dient dazu, anderen die Existenz zu zerstören. Nicht die Großen halten ein Land am Leben, sondern die Kleinen und Mittelständischen Betriebe. Und jedes billige Produkt, welches sich im Grunde nur die Großanbieter und Kaufhausketten leisten können, sorgt für Dumpinglöhne und mindert somit wieder die Kaufkraft im eigenen Land.
Passen Sie auf sich auf
Ihre
Petra Hanse



















