Lehrerverband diskriminiert arme Familien
07.06.10
Unlängst ist bekannt, dass Pädagogen sich so manches Mal überschätzen und den Blick für die Realität verloren haben. Es geht um Normen und Gleichschaltung, selten aber noch um Entwicklung. Bemüht sich eine Lehrkraft noch um eine gesamtheitliche Bildung, so wird diese schnell zum Mobbingopfer von Kolleginnen und Kollegen. Nun aber wird deutlich, wie menschenverachtend man im Kreise der Pädagogen denkt und handelt: plötzlich werden Menschen mit Übergewicht kritisiert, und man spricht davon, dass Eltern ihren Erziehungsauftrag vernachlässigen, wenn diese nicht auf die Ernährung achten. Zugegebenermaßen gibt es in der Tat eine ganz geringe Anzahl von Eltern, die darauf nicht achten, aber betrachtet aus dem Winkel der Gesamtheit kann man eher von einer bewussten Tatsachentäuschung sprechen. Wie sieht es wirklich aus im Bezug auf gesunde Ernährung? Spielt der Lehrerverband hier wieder mit den Karten der Klassifizierung? Nutzt man nun auch den gefügigen Pädagogen dazu, scheinbare Gründe für die Armut zu etablieren, um diese bei der heranwachsenden Generation direkt salonfähig zu machen? Ein positiver Wandel ergibt sich aus dem freien Geist, und genau diese Entwicklung wird massiv unterbunden.
Stress und Druck hat eine Fast Food Generation erschaffen
Lehrerpräsident Josef Kraus fordert, dass regelmäßige Pflichtberatungen und Gewichtskontrollen an Schulen stattfinden sollen. Man möchte vorbeugen und verhindern, dass immer mehr Jugendliche unter Übergewicht leiden. Vom Grundsatz her ist es richtig, dass sich das Bewusstsein der Menschen ändern muss, auch in Bezug auf das Ernährungsthema – ansetzen muss man aber woanders und nicht mit Methoden, die auf einen Klassifizierungsmechanismus schließen lassen, welcher bereits uns allen bestens aus der Geschichte unseres Landes bekannt ist. Das heutige Pädagogensystem neigt immer mehr zu Zwangsstrategien, und dies kann niemals der Weg der Vernunft sein.
Erwähnen sollte Herr Kraus in diesem Zusammenhang auch gleich, dass durch die Lehrmethoden der letzten Jahrzehnte überhaupt erst eine solche Unvernunft entstanden ist. Diese Kritik ist berechtigt, denn schaut man auf das Lehrsystem, so ist ein Robotersystem zu erkennen, aber kein ganzheitliches Bildungskonzept, was die menschlichen Emotionen berücksichtigt und die Fähigkeiten und Prägungen des einzelnen Individuums. Immer wieder erwähnen Lehrer, dass man Ellenbongen haben muss, Zertifikate benötigt und möglichst hohe Leistungen erbracht werden müssen, wer in einer halbwegs normalen Existenz leben möchte. Kein Wunder, dass die Seele und der menschliche Körper bedingt durch diesen Druck zu Extremen neigt. Stress wohin man blickt, ein Leben auf der Überholspur, geprägt durch unser Bildungssystem – doch der Lehrerverband spricht von einem „dramatischen“ Übergewicht. Wer solch Ironie in die Welt setzt, darf sich nicht wundern, wenn das Leben nur noch ein kalter Kontrast ist.
Wer arm ist kann nicht gesund leben – wenn Pädagogen zu Politikern werden
Für die Fehler der Lehranstalten sollen nun aber die Familien geradestehen. Wer den „Befehl“ der Schule ignoriert und sein Kind nicht zum Abnehmen zwingt und die Ernährung umstellt, kann sich über ein Besuch vom Jugendamt, staatliche Bevormundung freuen. Das ein oder andere Mal müssten sich Eltern sicherlich auch mit dem Entzug des Erziehungsrechts rumärgern, was die gesamte Familie belasten würde. Fehlende Bewegung und ungesunde Ernährung seien im Extremfall der Einstieg in die Misshandlung, so Herr Josef Kraus. Selbstverständlich ist Bewegung und gesunde Ernährung Pflicht, doch stellt er es dramatischer dar, als es wirklich ist, da es zumeist nicht mal die Schuld der Eltern ist. Wer hier von „Misshandlung“ spricht, darf niemals vergessen, wie sehr mancher Pädagoge Schüler seelisch misshandelt. Ruhige Schüler werden zum Beispiel an die Tafel geholt, teilweise bloß gestellt von manch einer Lehrkraft, nur weil der betreffende junge Mensch vielleicht etwas nervös ist. Außerdem darf man auch das extreme Mobbing nicht vergessen: man wird als Verlierer hingestellt, nur weil sich manch ein Schüler mündlich nicht so viel zutraut. Zum Zwecke der Gleichschaltung wird jede kreative Leistung „besonderer“ Schüler abgewertet.
Ja, wer selber im Glashaus sitzt, sollte nicht versuchen Lawinen ins Rollen zu bringen. Mit dem Feuer scheint man aber gerne zu spielen, denn wenn es nach dem Lehrerverband geht, dann ist in manchen Fällen auch eine Hartz IV Sanktion fällig, bzw. eine Kürzung des Kindergeldes. Wäre es nicht so traurig, könnte man über diese Tatsachenverdrehung lauthals lachen. Gerade Kinder aus Hartz IV Familien können heute kaum noch gesund ernährt werden, da genau diese Nahrung nicht bezahlbar ist für arme Familien. Sprechen wir von gesunder Ernährung, so ist nämlich nicht die Rede von Dickmachern. Resultierend daraus ergibt sich, dass junge Menschen im Wachstum, also gerade bei Obst und Gemüse zugreifen können – große Mengen hier aber kaum noch finanzierbar sind für Geringverdiener, bzw. Hartz IV Empfänger. Familien, die bewusst auf die Ernährung achten, sollten eine Erhöhung bekommen, denn aus dem natürlichen Lebensfluss heraus ernährt sich niemand freiwillig ungesund. Lebensumstände, unsere kaputte Umwelt und das fatale Geschwindigkeitsbewusstsein sorgen dafür. Wenn man schon mit „Parolen“ hantiert, dann sollte man aber zumindest alle Faktoren berücksichtigen und nicht gleich losfeuern.
Eine Entwicklung, die offensichtlich ist, aber kaum erkannt wird
Armut macht nachweislich krank, und trotzdem spricht der Lehrerverband von Kürzungen und stellt eine fragwürdige Theorie auf. Geht es hier wirklich noch um die Ernährung? Es scheint, als suchen Verantwortliche nach Wegen, um gerade die heranwachsende Generation an die Armut zu gewöhnen, so dass man nicht fürchten muss, dass doch einmal ein friedlicher Widerstand entstehen könnte, der sich für einen humanen Wandel einsetzt. Notfalls müssen in solchen Fällen dann auch schon mal Themen wie Übergewicht herhalten. Der Staat hat das Bildungssystem fest im Griff, und Eltern haben sowohl bei der Erziehung ihrer Kinder als auch bei der Mitgestaltung des pädagogischen Konstrukts kaum noch ein Mitspracherecht. Sollten sich Eltern dann doch mal massiv für ihr eigenes Erziehungssystem einsetzen, so kommt es nicht selten zu sehr fragwürdigen „Schachzügen“ durch das Jugendamt, die im schlimmsten Fall auch vor einer Erziehungsrechtsabnahme nicht zurückschrecken. In der Bildung liegt jedoch die Zukunft für eine bessere Zeit, da man mit einem ganzheitlichen, humanen Bildungssystem einer ganz neuen Generation die Chance dazu geben würde, endlich wieder für Werte einzustehen, die in Vergessenheit geraten sind. Ein Mensch, der sich frei entwickelt hat und aufgewachsen ist im verständnisvollen Miteinander, wird auch im Regierungsamt niemals eine so unvernünftige und gar gefährliche Gier entwickeln, wie es augenblicklich der Fall ist. Da man zu Beginn der menschlichen Entwicklung ansetzt, muss man nicht erst wieder Menschen dazu bewegen, abzulassen vom alten Weg, da dieser zu gefestigt ist. Deshalb liegt so viel Verantwortung bei Pädagogen: diese müssen sich lösen vom alten System und ein neues und freies Bewusstsein vermitteln, was nicht auf ein Klassendenken und reine Gier aufgebaut ist.
Ich schließe mit einem eigenen Zitat:
So mag manch ein simpler Gedanken ausreichen, um großes Glück zu ermöglichen, jedoch leider auch ein viel kleinerer Gedanke der Unvernunft ins extreme Unglück. Was leicht erscheint, kann zu einem Problem werden, und was schwer wirkt, ist die Leichtigkeit des Lebens, die uns umgibt.
Ihr
Joachim Sondern



















