Kreislauf der Verwirrung – Politik und Medien Hand in Hand
20.05.10
Beobachtet man das aktuelle Pressegeschehen, so könnte man meinen, dass über Nacht Tausende Themenschwerpunkte entstanden sind und die verantwortlichen, politischen “Hauptdarsteller” voller Verzweiflung nach Lösungen suchen für Probleme, die scheinbar nicht vorhersehbar waren. Doch wie so oft im erschaffenen Irrgarten, ist auch das nur eine erzeugte Illusion. Merkwürdigerweise haben nämlich jene undurchsichtige Wesen diese Talfahrt zu verantworten, welche jetzt eine Art der Ratlosigkeit vorspielen. Warum sollten sie es auch anders machen? Ein Großteil des Volkes applaudiert und hält mit voller Kraft an den alten Pfaden fest und hofft auf einen zauberhaften Wandel. Gerade die letzten Jahre sollten allerdings gezeigt haben, dass es nur eine Täuschung im Verstand ist, und die alten Wegweiser einfach nicht mehr aus dieser menschlich-wirtschaftlichen Krise herausführen. Logischerweise benutzt man ja auch kein Benzin, wenn man ein Feuer löschen möchte. Geht es um Politik oder Wirtschaft existiert ganz offensichtlich aber keine Bürgerlogik mehr, denn diese resultiert immer aus der Gesamtheit, und genau darum ist es ja nun einmal schlecht bestellt, in einer Welt der egoistischen Geister.
Banker provozieren, Politiker sparen auf Kosten des Volkes
Durch den kalkulierten Medieneinsatz hat man es aber geschafft, den Angstzustand innerhalb der Bürgerschicht weiter zu säen. Ergebend aus dem Verwirrungszustand sind viele Menschen inzwischen so unsicher geworden, dass sie Meldungen nicht mehr im Detail betrachten, sondern meist nur noch mit Panik auf alles blicken, was ihren Lebensstandard gefährden könnte. Somit gibt es keine Basis mehr, die auf vollkommen neue Konzepte oder Möglichkeiten blickt.
Nicht verwunderlich ist in diesem zusammenhängenden Kontrast, dass Banker und Politiker ganz öffentlich provozieren. Nachdem Griechenland und Spanien harte Sparkurse in Volksrichtung verkündet haben, zieht nun auch Deutschlands Politik nach: im Blitzverfahren durch die Hintertür schwor Merkel das Volk auf einen harten Sparkurs ein. Anders wie in Griechenland oder Spanien, wird man es in Deutschland, bis auf einige Stammtischparolen, wohl doch wieder stillschweigend hinnehmen. Bevor man hierzulande mit seinem Nachbar gemeinsam für eine bessere Zeit streitet, wird der Armutszustand wohl doch die Oberhand gewinnen. Traurig, was auf der Bühne der versteinerten Narrenherzen alles passieren muss, bevor in neuer Gedankenform gehandelt wird – aber ein Stein kann halt nicht “empfinden” und schon gar nicht Wärme spenden, die doch so nötig geworden ist. Erkennbare Ironie oder doch ein nicht erkennbarer Weg hinter einem Nebelschleier der erzeugten Angst?
Hessens Ministerpräsident Koch legt noch einen drauf und verrät sich und seine im Auftrag handelnden Fädenzieher gleich selber. Seiner Meinung nach könnte man das Versprechen, ab 2015 13 Milliarden Euro in die Bildung zu investieren, nicht einhalten. Er fordert klare Einsparmaßnahmen, auch im Bildungssektor. Zeitgleich offenbart er mit diesem Statement, dass unsere Politiker sehr wohl die Auswirkungen dieser noch aktiven, wirtschaftlichen Gesellschaftskrise kennen – ansonsten müsste man nicht jetzt schon auf etwas blicken, dass erst ab dem Jahr 2015 in Kraft treten soll. In Berlin bereitet man sich auf eine scheinbar lange und dramatische Talfahrt vor.
Gewisse Banker schaffen es aber noch das Ganze zu toppen, im Punkto Unverschämtheit. Der “Herr des Geldes”, wie Herr Hilmar Kopper von Medien wie der Bildzeitung liebevoll genannt wird, wettert nun gegen Politiker, die das Spekulationsverhalten der Anleger in Frage stellen und verteilt zeitgleich auch noch “Ohrfeigen” an die Bürger des Staates. Herr Hilmar ist seit 2009 im Aufsichtsrat der HSH Nordbank. Nicht nur, dass bei der HSH Nordbank ein Skandal den Nächsten jagte, nein, man spielte auch noch mehrfach mit Journalisten. Traurig, dass es überhaupt möglich ist, so menschenverachtend mit den Menschen des Landes umzugehen, die die Bankenkrise nicht nur mit ihren Steuergeldern auffangen mussten, sondern jetzt auch noch europaweit bluten müssen, durch zwangsauferlegte Sparmaßnahmen. Das Volk wird zum Sparen gezwungen, obwohl es diese Krise nicht zu verantworten hat und sogar für die Fehler anderer Damen und Herren bezahlte, mit den hart erarbeiteten Steuergeldern. Als wenn das nicht genug wäre, spricht Herr Hilmar von einem starken Euro, vom welchem Deutschland am meisten profitiert und, dass das “dämliche” Gerede der Politiker alles schlimmer macht, nicht aber die Wetten auf die Staatspleiten. Im Falle Griechenland wette man schließlich nur um 6 Milliarden, also auf 2% der eigentlichen Staatsschulden. In einer Situation, in welcher Bürger bereits für die Fehler vieler Anleger herhalten mussten, hat man sich nicht so zu äußern. Selbstverständlich sind riskante Spekulationsgeschäfte, in Zeiten wo der Bürger ungerechtfertigterweise gezwungen wird den Gürtel enger zu schnallen, zu untersagen. Mit der Armut so offensichtlich zu pokern, ist nicht im Interesse des menschlichen Kreislaufs. Viel zu lange schon hat das Geld einen viel zu hohen Stellenwert eingenommen in unserem Leben.
Im Grunde geht es nur darum die Armut salonfähig zu machen
Blenden wir dieses Verwirrspiel aber doch einfach mal aus und stellen fest: man lässt uns bluten für die Fehler einiger weniger Eliten und sensibilisiert daher auch vorsorglich in Bezug auf die massive Armutswelle, welche uns erwartet. Damit möchte man erreichen, dass die Armut einfach akzeptiert wird vom Volk und dieses damit stillschweigend weiter vegetiert, wie es auch bei allen anderen negativen Einschnitten bisher der Fall war. Denkt man einige Jahre zurück, welch ein Sozialsystem wir als Gesamtheit aufgebaut hatten, so läuft einem eiskalt der Schauer über den Rücken. Als kritischer Geist stellt man sich gar die Frage: was muss noch passieren, bevor die Gesamtheit den Blick auf vollkommen neue Konzepte wagt?
Ich schließe mit einem eigenen Zitat:
Was die Zukunft bringt, hat man selber in der Hand, wenn man die Gegenwart als eine Möglichkeit betrachtet und angesichts dessen weiß, wo die humane Handlung nötig ist, um die Gesamtheit auf die positive Lebensseite zu geleiten.
Ihr
Joachim Sondern
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