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Kleinunternehmer – Wirtschaftskreislauf der Humanität

Verfasst von: admin am April 27, 2010 Kein Kommentar

27.04.10

Immer wieder stößt man auf Namen großer Unternehmen, wenn es um unsere desolate Wirtschaftssituation geht. Schnell bekommt man den Eindruck vermittelt, dass scheinbar nur noch Großunternehmen auf dem „Markt“ etwas zu sagen haben und die wirtschaftliche Verantwortung allein auf deren Schultern liegt. Doch wie so viele fragwürdige Fakten ist auch dieser Eindruck nur eine erschaffene Illusion, denn die Fakten des Bundesamt für Statistik sprechen eine ganz andere Sprache. Inzwischen sind wir an einem Wendepunkt in der Marktwirtschaft angelangt, wo ein vollkommen neues Bewusstsein greifen muss. Doch wie kann dies funktionieren? Wie sieht dieses Bewusstsein aus? In der Tat berechtigte Fragen und wenn wir diese beantworten wollen, kommen wir nicht drum herum uns mit den KMU Unternehmen zu befassen: also Kleinstunternehmer bis 9 Beschäftigte, Kleinunternehmer bis 49 Angestellte und Mittelstandunternehmen bis 249 Arbeitnehmer. Noch ist die Basis vorhanden für einen humanen Wirtschaftskreislauf, nur muss diese auch genutzt werden. Zweifelsohne ist dies aber nicht möglich, wenn man nur die Umsätze der Unternehmen betrachtet, nicht aber durch welch ein Ungleichgewicht diese zu Stande gekommen sind.


Die Fakten: die meisten Beschäftigten bei KMU, stärkerer Umsatz bei Großunternehmen

Fangen wir doch mal ganz am Anfang an. Laut einer statistischen Erhebung des Statistischen Bundesamts aus dem Jahr 2008, waren im Jahr 2005 in Sachen Mitarbeiterbeschäftigung die KMU Unternehmen führend. Rund 60% von den rund 20,7 Millionen Arbeitnehmern aus den untersuchten Wirtschaftsbereichen waren 2005 in KMU Unternehmen beschäftigt. Diese 60% setzen sich folgendermaßen zusammen: 18% wurden in Kleinst-, 19% in mittleren und 22% in kleinen Unternehmen beschäftigt. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Anzahl der Unternehmen in der Bundesrepublik Deutschland. So gab es 2005 1.662.548 KMU Unternehmen, während man gerade auf 11.508 Großunternehmen kam. Wer hier denkt, dass der Löwenanteil der KMU Unternehmen dann bei den Mittelstandsunternehmen mit bis zu 249 Angestellten zu finden sein müsste, irrt sich gewaltig, denn 1.357.922 Unternehmen sind Kleinstunternehmen mit bis zu 9 Arbeitnehmern. Die wirtschaftliche Unternehmerstruktur besagte 2005 also, dass 99,3 aller Unternehmen in den KMU Sektor fielen und nur 0,7% in den Bereich der Großunternehmen. Zudem ist es auch besonders wichtig zu erwähnen, dass rund 83,1% aller Auszubildenden in KMU Unternehmen ausgebildet wurden. All diese Zahlen haben sich bis heute nicht drastisch verändert, trotz Wirtschaftskrise. Noch immer ist der Großanteil aller Arbeitnehmer bei KMU Unternehmen beschäftigt, und auch Kleinstunternehmen sind in Anzahl noch immer führend. Von humaner Seite betrachtet sind KMU Unternehmen also im Prinzip in jeglicher Hinsicht führend.


Wie sieht es jedoch in wirtschaftlicher Hinsicht aus? Jene Frage die unseren Alltag, unser Leben inzwischen bestimmt, leider.  Aus dieser Sicht betrachtet führen eindeutig die Großunternehmen, welche 65,4% des Gesamtumsatzes erwirtschaftet haben im Jahr 2005, während die KMU Unternehmen nur auf 34,6% kamen, trotz, bzw. gerade eben wegen des  humanen Mehrwertes. Hier wird ersichtlich, dass jene Unternehmen höhere Wirtschaftswerte erreichen, die auf Automatisierung setzen, anstatt auf die menschliche Fähigkeit. Oftmals bedeutet das: Quantität vor Qualität. Simpel ausgedrückt könnte man auch sagen: hohe Produktion + sehr geringe Produktionskosten = niedriger Preis = hoher Absatz = hoher Umsatz und Gewinn. Unternehmen, die den Markt überfluten, werden in jegliche Art und Weise bevorzugt.  Gerade die Wirtschaftskrise sollte aber gezeigt haben, dass dieses Bedarfspoker sehr gefährlich enden kann. Es wird ein Bedarf erzeugt, wo gar keine Notwendigkeit besteht. Dabei zeigen gerade die mittleren Unternehmen, dass es auch mit humanen Werten möglich ist, einen guten, vor allem realen Umsatz zu erzielen. Während Großunternehmen je Beschäftigten 301.094 Euro erwirtschafteten, kamen die mittleren Unternehmen immerhin auf 160.577 Euro. Ja, manchmal steckt die Auflösung eines Konstruktes im kleinen Detail und nicht im Gesamtwert. Traurigerweise hat sich der menschliche Verstand so formen lassen, dass nur noch auf das Endresultat geachtet wird. Warum kommt es zu einem so relativ starken Umsatzwert in mittleren Unternehmen? Nun, hier stehen die Arbeitnehmer am wenigsten unter Druck. Meistens arbeitet man Hand in Hand zusammen, verdient ordentlich, und auch die Kommunikation zwischen Vorgesetzten und Angestellten verläuft meist humaner. Durchaus können wir hier also von einem gesunden Nehmen und Geben sprechen. Nicht umsonst galt der Mittelstand mal als Basis, als Bindeglied der Gesellschaft. In den letzten Jahren baut der Mittelstand jedoch massiv ab, da von „unten“ kaum noch Unternehmen in den Mittelstand aufsteigen können, und Großunternehmen nach einem eigenen „Bad Bank System“ in Form „wilder“ Gesellschaftsgründungen den Mittelstand „missbrauchen“, um negative Buchhaltung auszulagern und kreditwürdig zu bleiben. Außerdem behält man so Preiskontrolle auf dem freien Markt, da scheinbar kleinere Unternehmen zu Dumpingpreisen der Großindustrie verkauft. Warum das möglich ist? Weil es sich im Grundsatz um ein und das selbe Unternehmen handelt. Haben Sie sich nicht mal gefragt, warum Verantwortliche großer Unternehmen nur in den seltensten Fällen jemals richtig arm werden, obwohl eine Gesellschaft zusammengebrochen ist? Nun, man kann ja mit dem GmbH System spielen, Privatvermögen sicher auslagern, und während die eine Gesellschaft mit Negativwerten gegen die Wand fährt, hat man weitere „Goldeselgesellschaften“ am Laufen, die man ausschöpft, bis auch diese eben am Ende angekommen sind.


Wir stellen also fest: höherer Umsatz wegen Wettbewerbsvorteil und Manipulationsmöglichkeiten durch das Auslagern auf sogenannte Zweigunternehmen, ist zumindest für den großen Riesen möglich.

Sanft ausgedrückt sei es laut Statistischen Bundesamt verständlich, dass man deutlich sensibler auf die ökonomischen Notlagen der Großunternehmen einginge, als auf die der KMU, da ein einzelnes Großunternehmen zweifelsohne erheblich mehr von Bedeutung sei, als ein einzelnes KMU Unternehmen. Also bitte, man kann doch nicht einen Titanen mit einer Maus vergleichen und daraus die Bedeutung der Unternehmen in der Wirtschaft ableiten, so eine Methode hinkt gewaltig, macht aber auch deutlich, dass der menschliche Faktor im jetzigen Wirtschaftssystem fast gar nicht mehr zu tragen kommt. Warum ist das so gar nicht verwunderlich?


Selbstverständlich ist zu erwähnen, dass gerade Mittelstandsunternehmen nicht selten von den Aufträgen der Großindustrie leben, doch drücken diese die Auftragspreise so massiv, dass viele der kleineren Unternehmen Konkurs anmelden müssen. Kleinstunternehmen, die den größten Anteil zu verzeichnen haben in Bezug auf die KMU Unternehmen, haben hingegen zu 99% gar keinen Vorteil von der Großindustrie mehr, da diese heute alle kleineren Umsetzungen in Eigenregie bewerkstelligen.


Natürlich können Großunternehmen größere Investitionen tätigen, denn neben den Möglichkeiten der mehrfachen Gesellschaftsgründung, etc. werden diese Unternehmen ja auch bei der Kreditvergabe bevorzugt, bekommen nicht rückzahlbare Förderungen und Kredite zu wesentlichen besseren Konditionen als die Kleinen, falls diese überhaupt noch einen bekommen. Auch ist der Zeitaufwand für einen Kleinunternehmer deutlich höher, im Bezug auf die Kreditbeschaffung. Der Große lagert einfach aus, und der Kleine muss sehen wo er bleibt.


Modernes Sklavensystem – Große ernten und Kleine schuften

Aus der Statistik des Bundesamtes aus dem Jahr 2005 geht jedoch noch so einiges hervor. Mit Rund 80% des Umsatzes und 90% aller Beschäftigten im Gastronomie- und Baugewerbe spielten die KMU Unternehmen eine wichtige Rolle in diesen Branchen. Einerseits sicherlich erfreulich, aber auf der anderen Seite ist auch wieder eine gewisse Klassifizierung, ein „Sozialrassismus“ zu erkennen, denn der Kleine bekommt die harten Gebiete überlassen, während sich die Großen eher im Verkehr, Energie- und Wasserversorgung und im Branchenbereich der Nachrichtenübermittlung austoben, also den Medien. In Bezug auf den Bereich der Nachrichtenübermittlung stellt sich sogar die Frage, wie diese frei und unabhängig sein kann, wenn nur von einer Seite die „Fäden“ gezogen werden. Der KMU Marktanteil liegt in diesen Branchen nämlich unter 10% und ist somit verschwindend gering. Viele kleinere Unternehmen haben sich bereits versucht in diesen Branchen, wie auch der Energie und sind am großen Bollwerk gescheitert. Es ist klar, dass manche Sektoren einfach nur von Großunternehmen abgedeckt werden können, denn das ergibt sich schon aus der Logik heraus. Bezogen auf den direkten Vergleich jedoch ist ein Ungleichgewicht zu erkennen, da die Großunternehmen natürlich auch deshalb mehr Umsatz erzielen, weil sie zum Teil einfach die größeren und stärkeren Branchen bedienen, quasi mit Alleinstellungsmerkmal. Wieder ein Punkt, der deutlich macht, wie „variabel“ Wirtschaftszahlen sind, bzw. gemacht werden können.


Umdenken der Kleinunternehmer – Effektivität der Kleinen

Allerdings müssen auch die Kleinunternehmer endlich erkennen, dass sie diese Kette der Großen nicht brechen können, wenn sie weiterhin im Konkurrenzdenken gegeneinander verfahren und keiner Verständnis für den Anderen aufbringen kann. Zusammenhalt ist hier das Stichwort, welchen man nur über menschliches Vertrauen aufbauen kann. Die innere Haltung der meisten kleineren Unternehmen ist nicht mehr standhaft, da dieser täglich Angst hat um seine Existenz und sich vom alten Wirtschaftsdenken nicht lösen kann, und genau das ist der Fehler. Was der Mensch vor 20 Jahren gelernt hat, muss nicht zwangsläufig ein Leben lang von Wert sein, denn so flexibel wie die Zeit ist, müssen auch wir sein. Bei so vielen kleineren Unternehmen kann man eine ganz andere Effektivität entwickeln. Bedenke man bitte, wenn man die KMU Unternehmen als Ganzes betrachtet, sind sie größer als die Riesen.


So könnte es laufen

Natürlich stellt sich jetzt so manch einer die Fragen:  was können wir tun? Wie ist eine Wandlung möglich? Nun, dies ist in der Tat nicht ganz so einfach zu beantworten, denn den Humanitätsfaktor als wirtschaftlichen Nutzfaktor darzustellen, bedarf der Fähigkeit, dass sich der Einzelne genau für diesen Weg öffnet. KMU Unternehmen müssen sich zum Beispiel nicht zwangsläufig im Gewerbe zu Haufe überschneiden und können alle höhere Erträge erzielen, mit dem realen menschlichen Bedarfsfaktor (siehe auch „GmbH der Menschlichkeit“ in meinem in Kürze erscheinenden Buch „Die Menschliche Welle“). Dadurch entsteht ein natürlicher Sicherheitsfaktor, der den Gierwert des Geldes herabstuft, aber den Lebenswert aller Menschen steigert. Die andere Verantwortung liegt in der verantwortlichen Politik: Unternehmen müssen nach humanitären Gesichtspunkten Marktchancen eingeräumt bekommen und nicht mehr nach Wirtschaftsergebnissen, die erzeugt wurden. Sprich, jener, der viele Menschen beschäftigt, bekommt einen steuerlichen Vorteil. Gerade in der KMU-Struktur steckt nämlich eine Menge Vielfalt, eine sichere Basis für alle Regionen und somit auch für den Gesamtkreislauf. Resultierend aus diesen ersten Schritten bietet sich nämlich auch noch die Möglichkeit des humanen Kreditsystems, also von Unternehmer zu Unternehmer ohne großen Vermittler und ohne ein Bankensystem. So baut man ein soziales KMU Netz auf, und automatisch wird es dazu kommen, dass sich der Kreditbedarf effektiv reduziert. Zudem bieten sich auch im Versicherungsbereich Möglichkeiten, ein eigenes Versicherungsnetz zu stemmen, welches die eigenen Sozialausgaben dadurch minimiert, dass konsequente Vorsorge umgesetzt wird und Menschen, sich ergebend aus diesem Komplex, nicht mehr unter einer so enormen Belastung stehen wie vorher.


Eine viel größere Hürde ist der allgemeine menschliche Aspekt, in diesem neu angedachten System. Sprich, wenn man auf den natürlichen Bedarf eingehen möchte, ist es nötig, dass sich Unternehmen zu Bezirkstreffen ungezwungen versammeln und besprechen, in welche Richtung der Kundenkreis steuert: dies würde zur Folge haben, dass man nicht mehr dem Kunden aus dem Existenzdruck versucht seine eigenen Dienstleistungen und Waren aufzudrängen. Ergänzende Arbeitsstruktur ist hier das Stichwort, womit auch jene Unternehmen gestärkt aus dem Kreislauf hervorgehen, die zum Ist-Zeitpunkt kaum Kundenzulauf verzeichnen können. Denn diesen Zusammenhalt, dem man Kunden vorlebt, lässt auch diesen wieder Vertrauen fassen, sich sicher und gut aufgehoben fühlen bei kleinen Unternehmen, so dass sich der neue Weg positiv auf alle Beteiligten auswirkt. Ein Kunde hört mit Sicherheit nicht gerne, wenn sie sich dauernd über die schlechte Lage oder ihrem „Konkurrenten“ beklagen. Überrascht wird dieser aber hingegen sein, wenn sie ehrlichen Herzens strahlen und kein Problem haben einen Auftrag zu teilen. Im Kleinen gibt es das im Ansatz, doch das muss auch mal über 2-3 Unternehmen hinaus umgesetzt werden. Nichts spricht zum Beispiel dagegen, wenn es 5 KFZ Werkstätten in einer Stadt gibt, denn anstatt das jeder einen Allroundservice anbietet, konzentriert sich jeder auf seine Stärken. Schnell baut sich so wieder eine neue qualitative Marke auf, die Menschen wieder überzeugt, nicht mehr nur auf den „Geiz ist Geil Gedanken“ zu setzen. Der Mehrwert, der Vorteil des neuen Finanzsystems der Kleinunternehmerwelt, muss deutlich erkennbar sein, und das ist nur möglich, wenn man im WIR Gedanken lebt und ein Kreislauf aufgebaut wird, in dem keiner mehr in Versuchung kommt, seinen Mitmenschen betrügen zu wollen. Utopie denken Sie? Nein, real möglich, wenn man die Bürokratie abbaut, und auch das Steuersystem auf eine einzige Steuer reduziert. Zu guter Letzt wird die Börse dann eine reine Handelsplattform für die Realwirtschaft, also für die Kommunikationen der einzelnen Unternehmen, aus jeder Schicht. Es ist ein langer Entwicklungsprozess aller im System lebenden Menschen, der das Geld im Statuswert stark herabstuft, so dass es nur noch im Sinne der normalen „Lebensführung“ greift, nicht aber von einigen wenigen Menschen als Sammelhobby missbraucht werden kann.


Ich schließe mit einem eigenen Zitat:

Wer in der Lage ist zu begreifen, dass durch die Eigenverantwortung eine Entlastung der Gesamtheit entstehen kann, der hat die Tür geöffnet, um selber in einem freien, erleichterten Moment zu leben und muss nicht den Traum leben, dass es irgendwann einmal schön sein könnte. Jede Schönheit kann im hier und jetzt beginnen – es liegt an uns.


Ihr

Joachim Sondern

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  1. Das Ende der Kleinunternehmer
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