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Jugend im Käfig – Freiheit genommen

Verfasst von: admin am April 17, 2010 Kein Kommentar

17.04.10

Manchmal gibt es Momente im Leben, in denen man gefordert ist den letzten Winkel eines undurchsichtigen Konstrukts zu hinterfragen, sich in den Irrgarten zu begeben, um eine Antwort der menschlichen Vernunft zu finden. Gewiss ist es nicht immer leicht einen Schleier zu enthüllen, der stark geprägt ist von Ironie und Vorurteilen. Nicht selten gerät man bei einer solch intensiven Reise nämlich an seine eigenen, emotionalen Grenzen. Trotzdem ist man sich im Klaren darüber, dass man genau diese Grenzen ausblenden muss, um konsequent zu dem Moment, dem Augenblick zu gelangen, der das offenbart, was viele nicht sehen und hören wollen: kein Wunder, denn der geschaffene Käfig ist so stark, dass er bereits viele Generationen zerstört hat. Vielleicht gerade deshalb sucht eine freie Seele noch nach Wegen, die nicht alltäglich sind, die die natürliche Energie des Menschen wieder erwecken. Illusionen mögen sich aus der Unsicherheit und Angst ernähren, und doch halten sie niemals ewig, denn auch die traurigste Gestalt trägt einen zentralen Punkt in sich, um die wahre Freude des Lebens zu erblicken, auch wenn dieser oftmals eingesperrt wurde. Geht es um unseren Nachwuchs, so gibt es keine zu harten Worte und auch keine zu tiefen Gedanken, denn mit jeder nachwachsenden Generation besteht die Chance sich aus den Fesseln zu lösen, neue Wege zu gehen und endlich wieder zu einem druckfreien Leben zu finden. Viel zu schnell, viel zu oft werden inzwischen die Visionen der jungen Generation zerstört – man stumpft sie ab, ordnet sie in die Funktionskette ein, denn sonst haben sie ja scheinbar keine Berechtigung auf eine Existenz.


Vorurteile und falsche Ursachen

Besonders dramatisch ist in diesem Zusammenhang die Welt der Vorurteile, in welcher wir leben. In sämtlichen Nachrichtenblättern liest man von überforderten Lehrern und Eltern, von Gewalt und Alkoholproblemen, einer nicht mehr kontrollierbaren, teils faulen und nicht ausbildungsfähigen Jugend. Wäre es nicht so traurig, könnte man bei diesen Meldungen laut zu lachen anfangen, denn man hat unsere Jugend ja förmlich in diesen Kreislauf hineingedrängt. Immer wieder bekommen junge Lebensdarsteller gesagt, was sie alles nicht dürfen, was nicht gern gesehen wird, und wie es zu laufen hat. Überall, wohin man blickt nur Regeln, Vorschriften und scheinbar ein fertiges Handbuch, wie man „leben“ soll. Solche unnötigen „Grenzen“ sorgen für Ballast in Seele und Verstand, es kann einen vollkommen aus dem Gleichgewicht bringen, denn gerade junge Menschen haben Visionen, eigene Ziele – doch sie werden nicht anerkannt und oftmals als Unsinn abgetan. Folglich daraus ergibt sich das simple Gebilde, dass die eigenen Gedanken mit Alkohol betäubt werden und Gefühle teilweise unterdrückt. Auch die entstehende Lustlosigkeit ist darauf zurückzuführen, dass Menschen vom eigentlichen Kreislauf her nicht dazu bestimmt sind, immer in ein und demselben Rhythmus zu arbeiten, immer in einer grauen Wolke zu leben. Die Ursache ist hier nicht bei der neuen Generation zu suchen, sondern weit vorher: unsere Gesellschaft setzte die Messlatte immer höher und erzeugte somit ein immer stärker werdendes Verlierer- und Gewinnersystem.  Nur warum wird die junge Generation oftmals gezwungen diesen Weg fortzusetzen?


Jugend in den Käfig gesperrt

Um diese Frage zu beantworten, bewegen wir uns einmal auf ein geistiges Vakuum zu: ein Käfig bleibt ein Käfig, egal ob dieser nun aus Gold ist, aus Silber oder einfach nur durch Regelungen erzeugt wird. Von Generation zu Generation haben die Älteren die Nachwachsenden in einen erschaffenen Verhaltens- und Leistungskäfig gesperrt – denn was man nicht kennt, lehnt man stets ab und unterdrückt es.  Dass Menschen oftmals gar nicht wissen, was sie dort selber genau ausleben, belegt die Tatsache, dass sie selbst davon überzeugt sind, etwas Gutes zu vermitteln, meist weil sie sich an ihre eigenen Bedürfnisse, Wünsche, Träume und Ziele kaum noch erinnern. Mal Hand aufs Herz: was will man erwarten, wenn man gerade der nachwachsenden Generation verbietet zu träumen, sie ihrer Visionen und Lebensvorstellungen beraubt? Menschen kommen zur Welt und werden in eine Bahn gelenkt, und so funktioniert das einfach nicht. Erfahrungswerte kann man vermitteln, etwas lernen und aufzeigen, aber aus diesen entstehenden Erkenntnissen heraus hat ein junger Mensch das Recht sich vollkommen frei zu entwickeln, auch wenn seine Ideen vielleicht nicht ins Gesellschaftsbild passen. Denken Sie doch mal an Albert Einstein und unsere ganzen Erfinder.


Plastikwelt -  kein Ersatz für eigene Ideen und Kreativität

Wenn man die Kreativität in der heranwachsenden Entwicklung einschränkt, von Kindern verlangt, dass sie zu funktionieren haben, dann ernährt man den Faktor der Hoffnungslosigkeit und Trauer, woraus oftmals Depressionen entstehen können. Immer geht es um gute Noten, gute Abschlüsse, anerkannte Zertifikate, die richtigen Kontakte, den richtigen Partner oder die richtige Partnerin für die Öffentlichkeit. Jeder versucht sich jedem anzugleichen, ohne überhaupt einen Sinn darin zu erkennen, denn diesen gibt es auch nicht – zumindest nicht, wenn man genau hinsieht. Es kann nicht im Sinne der Natur sein, dass man Gier vermittelt, die Vision der künstlichen Stars aufrecht erhält und Perfektion oftmals vom äußeren Erscheinungsbild abhängig macht. Junge Mädchen stehen oft stundenlang vor dem Spiegel, weil die Welt es fordert, und man sich sonst oftmals lustig über sie macht. Jungs wollen „stark“ sein, zwingen sich oft dazu, entwickeln nicht selten auch einen Herrscherdrang, weil die Masse es von ihnen verlangt. Leistung ist wie alles im Leben: relativ, und gerade deshalb ist ein Mensch auf einem Gebiet nicht weniger Wert als der Andere, nur weil er im Gegensatz zum Mitstreiter kein Zertifikat besitzt. Es gibt zum Beispiel viele KFZ Mechaniker, die ein Auto besser reparieren können, wie jene, die 10 Meisterbriefe in der Tasche haben, und trotzdem genießt dieser ein respektvolleres Ansehen, weil er sich „ausweisen“ kann. Da kann man sich fragen, wann es den „Lebensberechtigungsschein“ gibt, der uns einordnet, in welche Gegenden wir zu leben haben, was wir tun dürfen, und was wir zu sagen haben. Alles schon mal gehabt sagen Sie? Na, dann frage ich mich, warum die heranwachsenden Generationen wieder in diese monotone Ebene gedrängt werden?


Persönliche Worte – wir brechen dieses Eis

Egal wie stark diese Negativentwicklung auch ist, in manchem ist der Funke der menschlichen Freiheit noch nicht erloschen, und genau diese Menschen werden das Eis brechen. Wir haben Status, Kategorien, Geldgier, Zertifikate, Bescheinigungen, etc., also ein reines Sortierungssystem, und genau da kann man einfach nicht weiter zusehen. Junge Menschen brauchen Freiraum, die Möglichkeit neue Wege umzusetzen, denn die Alten sind „verbrannt“ und einfach leer. Wer gibt einem das Recht über jugendlichen Leichtsinn zu sprechen? Über einen Menschen in der Entwicklung zu urteilen? Alles zu vergleichen mit ihrer damaligen Zeit? Simpel ausgedrückt: niemand. Diese Zeit hat auch nichts mehr mit der damaligen Zeit zu tun. Kaum jemand von den Älteren weiß wie Cybermobbing weh tun kann, wie sehr es sich verschlimmert hat mit Normen und dem, was von einem verlangt wird. Davon abgesehen, sollte sich keine Generation ausbremsen, sondern viel eher vorurteilsfrei voneinander lernen. Ja, auch ein 50 Jähriger kann zum Beispiel von einem 15 Jährigen etwas lernen, zu einer neuen Erkenntnis gelangen. Aufgeschlossenheit ist hier das Zauberwort.


Ich schließe mit einem eigenen Zitat:

Menschen leben von der inneren Kreativität, von der Fähigkeit schöne Momente zu erkennen und zu fühlen, auch wenn diese für das Auge nicht sichtbar sind. Wer dies nicht mehr fühlt und versteht, hat seine eigene Seele bereits im Schleier der Bosheit verloren.


Ihr

Joachim Sondern

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