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Die Verdrängung des Kleinunternehmers

Verfasst von: admin am April 10, 2010 Kein Kommentar

10.04.10

Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass wir  in einer freien Marktwirtschaft leben und dort Handel betreiben. Jedoch nur, wenn man oberflächlich und kurz auf dieses Thema blickt, ohne den Sinn zu öffnen für die wesentlichen Fakten im Hintergrund. Gerade wenn es um die Marktwirtschaft geht, die zunehmend unseren Alltag bestimmt, sollte man allerdings mit einem wachsamen Auge mal alle Abläufe ganz genau betrachten. Vieles ist zwar verschwommen, aber dennoch ist das Ziel der Drahtzieher erkennbar.


Kleinunternehmer war gut für den Aufbau

Als bestes Beispiel, um die Maske der freien Marktwirtschaft zu entlarven, dient der Kleinunternehmer. Blicken wir einmal zurück auf die Zeit des Wiederaufbaus: kleine Unternehmer waren gefragt, sie wurden unterstützt und schafften die Ausgangsbasis für den großen Wirtschaftsmarkt. Man nutzte ihren besonderen Ehrgeiz und auch die Möglichkeit der regionalen Arbeitsstellen, die geschaffen wurden. Arbeitgeber und Arbeitnehmer standen in einem gesunden Verhältnis zueinander. Doch dann kamen die Angebote der ersten großen Industrie, 13. Monatsgehalt, hohe Gehälter, Urlaubsgeld, und auf einmal waren die Arbeitnehmer in den kleinen Betrieben verschwunden. Ihnen war es zu „lästig“ geworden mitzudenken und sie wollten einfach nur noch funktionieren und vom besseren Angebot profitieren. Zu diesem Zeitpunkt sah keiner, dass man sich in einem Teufelskreislauf der ewigen Abhängigkeit begeben hatte. Was man den Arbeitnehmern versprach, hielt man zwar erst mal eine Weile ein, gestaltete die Preispolitik aber so, dass man sich alles doppelt und dreifach wieder holte.


Im Stich gelassen:  Kleinunternehmer stehen alleine da

Eine Alternative war ja nicht mehr vorhanden, und so musste die Masse ihre Konsumgier bei den Großen stillen. Sie ließen ihr Geld also bei denen, die sie bezahlten. Betrachtet man diesen Kreislauf mal ein wenig länger, so sieht man wie lukrativ diese Form doch tatsächlich ist. An die kleinen Betriebe, daran dachte keiner mehr. So gab es auch eine Zeit, in der kleine Betriebe Schwierigkeiten hatten, überhaupt einen geeigneten Mitarbeiter zu finden, da sich alle locken ließen von dem Schall der Großen. Alles ging in den Keller in den kleineren Betrieben: die Moral, die staatliche Unterstützung und der Kundenkreislauf. Schlagartig hatte man vergessen, wer alles geschaffen hat, und so war der erste soziale Außenseiter, namens Kleinunternehmer, geboren. Dienstleistungen, Produkte und Weisheiten der „Kleinen“ waren nicht mehr von Bedeutung, weder auf dem „freien“ Markt, noch bei den einfachen Mitbürgern. Lieber lässt man sich bis heute ausnutzen und dirigieren, als wieder zu den Wurzeln zu finden.


Individualität vom Markt verdrängt

Schon lange war der Zusammenhalt der Kleinen unerwünscht, und so passte das fehlende Solidarverhalten genau ins Bild der etablierten Machtpolitik. Da war sie endlich, die große Differenz zwischen den kleinen Bürgern, die man von Seiten der Berliner Industrie ja bis heute liebt. Der kleinere Unternehmer war dabei immer der Ausgleich in der freien Marktwirtschaft und im Grunde ausschlaggebend für einen gesunden und vielfältigen Markt. Zum Glück stand aber keine Lobby mehr hinter diesen Unternehmern, und so konnte man ein böses Spiel spielen, welches endgültig für einen monotonen und kontrollierenden Markt gesorgt hat. Kredite wurden teurer oder gar nicht mehr gewährt, die Bürokratie wurde so deutlich verschärft, dass neue Existenzgründer bereits im Ansatz kaputt gingen, bevor diese sich überhaupt entwickeln und aufbauen konnten. Keine Gefahr war also mehr gegeben vom unbeliebten Ehrgeiz, und so konnte Politik und Monopolwirtschaft frei agieren, bis auch der letzte kleine Tante Emma Laden geschlossen, der Mittelstand gelähmt und der klassische Kleinunternehmer unten gehalten wurde. Fortan konnte man Preise gestalten wie man wollte und alles aus „einer“ Hand anbieten. Aldi, Lidl und Co mischten sich überall ein. Kleidung, Computer, Wellness, alles bekam man zum Dumpingpreis bei den so hochgelobten Konzernen. Daran gedacht, dass dadurch jegliche Individualität verloren ging, keine regionalen Arbeitsplätze mehr geschaffen werden konnten, der Lohn immer weiter gedrückt und der Druck immer mehr erhöht wurde, hat keiner.


Der freie Gedanke

Der Mensch sieht immer nur den scheinbar positiven Effekt des Moments und mehr scheint ihn auch nicht zu interessieren. Dass jeder Glanz auch eine Schattenseite hat, davon will die Schar der Narren nichts wissen. Geiz ist geil zählt, und das ich dadurch aber die Qualität zerstöre und meinen eigenen Lohn, zählt nicht mehr. Immer wieder beschweren sich so viele Bürger über Missstände in unserem Land, obwohl sie diese mit zu verantworten haben: alles wurde unterstützt, was groß und glanzvoll war und einen leichten Weg versprach, ohne auch nur ein einziges Mal zu hinterfragen, was hinter diesem Powerplay steckt. Scheinbar lebt man lieber den leichten Sklavenweg, als den Weg der Verantwortung gehen zu wollen.

ALG-II Empfänger, Hausfrauen, etc. haben irgendwo Zuspruch, nur der Kleinunternehmer nicht, der bekommt Tritte ausnahmslos von allen Seiten. Da zahlt er angeblich zu wenig, da ist er nicht mehr erwünscht, und wieder bei anderen Schichten sieht man nur noch Ballast in dieser Gruppe. Nun ja, wenn dem so ist, dann kann man diese Linie durch die ganze Gesellschaft ziehen, und es wird am Ende vermutlich nicht einer mehr gebraucht werden, denn so primitiv wie sich der Mensch verhält, hat er das Leben auf Erden nicht verdient.


Eines Tages kam ein kleiner Junge daher und der Vater sagte zu ihm: „Sohn, ist es nicht schön, in was für einer freien und lebenswerten Welt wir doch leben?“ Der Sohn antwortete: „Vater, wo ist diese Freiheit, ich sehe, spüre, fühle diese nicht, ich darf sie nicht leben. Zeig’ mir diese Freiheit doch: wo gibt es sie? Im Märchenbuch?“


Ihr

Joachim Sondern

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