Zeitarbeit – Zukunft auf Raten

19.03.10

Die Zahl der Menschen, welche in diesem Staat noch vernünftig leben können, geht weiter in den Keller. Was anfangs noch ein Randphänomen war und nur einige gesellschaftliche Gruppen betraf, hat sich nun zu einem “Flächenbrand” ausgeweitet: entstehende und lang anhaltende Armut. In einer Industrienation wie die unsere dürfte es einen solch massiven Einbruch des sozialen Gefüges nicht geben, und dennoch versucht man diesen bewusst herbeigeführten Negativtrend durch die künstlich erschaffene Krise zu rechtfertigen. Eines der Hauptursachen für die Entstehung der Gesellschaftsarmut sind die zunehmenden Zeitarbeitsverträge und das daraus resultierende Lohndumping. Betroffen sind hier alle Generationen, aber besonders “schwer” trifft es den beruflichen Nachwuchs – junge Menschen, die eigentlich ihre Zukunft langfristig planen wollen, auch in Bezug auf das familiäre Leben. Dies ist jedoch unmöglich geworden, da verantwortliche Personen aus Wirtschaft und Politik lieber pokern, anstatt einen konstruktiven Wandel im Sinne der Armutseindämmung, bzw. Verhinderung zu ermöglichen.


Die Wolken besonders schwarz – Jugend ohne Perspektive

Das beste Beispiel für diese Entwicklung ist bei unserer Jugend zu finden. Seit einigen Jahren ist es fast unmöglich mit einem normalen Bildungsabschluss einen Ausbildungsplatz zu finden, denn die Elitewirtschaft fordert eine Überqualifizierung, und wenn diese erreicht wurde, fehlt den meisten Arbeitgebern auf einmal die Erfahrung, welche sich realistisch gesehen erst aus dem aktiven Berufsleben heraus entwickeln kann. Egal wo junge Menschen auf Verständnis hoffen, treffen sie meist nur auf Kälte und Ablehnung, denn selbst Eltern verwechseln oftmals ihre Zeit mit der heutigen. Junge Menschen müssen sich heute ganz anders behaupten, und es zählen eben nicht mehr nur Ehrgeiz, Fleiß und Ideen. Jenes “Vitamin B” Konstrukt, in welchem wir heute leben, verhindert bewusst, dass junge Menschen Fuß fassen können in der Berufswelt, denn diese ist nur noch für den Nachwuchs der Eliten reserviert.

Bei Neueinstellungen ist der allgemeine Anteil der befristeten Arbeitsverträge von 32 Prozent im Jahr 2001 auf 47 Prozent im ersten Halbjahr 2009 angestiegen. Fast 50 Prozent aller neu eingestellten Arbeitnehmer müssen es sich also gefallen lassen, dass Unternehmen dies als verlängerte Probezeit ansehen, um flexibel zu bleiben. Hier fordert man etwas von Menschen, was jeglicher Realität widerspricht, denn Qualität, Verbesserung der Gesamtproduktivität kann nur entstehen, wenn Arbeitnehmer auch etwas langfristiger ihre Zukunft planen können und dafür auch anständig entlohnt werden. Deutschland ist eine Industrienation, und gerade deshalb sollten sich Politiker schämen, dass wir überhaupt über solche Probleme sprechen müssen. Die Entwicklung ist schon seit vielen Jahren bekannt, so das man hätte humane Lösungen finden können – doch diese jetzige Strategie der Hauptdarsteller im Berliner “Märchenhaus” wirkt eher wie ein Ausverkauf, eine Zitrone, aus der man den letzten Saft “presst”, um noch einen “Gewinn” erzielen zu können.

In Bezug auf die gesamte Zahl aller Arbeitnehmer, nicht nur der Neueinstellungen, befanden sich bereits 2008 rund 2,7 Millionen Arbeitnehmer in einem Zeitarbeitsverhältnis. Also ganze 8,9 Prozent aller Erwerbstätigen wissen nicht, was morgen ist und müssen meist noch einen sehr geringen Lohn in Kauf nehmen. Die Meisten von ihnen sind junge Menschen, die ihr Leben nur noch nach dem nächsten Job, nach dem Moment ausrichten können, und genau so etwas hat für Staat, Wirtschaft und auch für den menschlichen Kreislauf keine Zukunft.


Wo führt der Weg hin?

Hohe Arbeitslosigkeit, Menschen die arbeiten und nicht genug zum Leben haben, eine in sich einbrechende Gesundheitspolitik, fast 10 Prozent aller Erwerbstätigen, bei denen auch täglich die Angst der Arbeitslosigkeit an der Tür klopft und eine heranwachsende Generation, die Verantwortung übernehmen will, aber dies nicht darf, da jegliche Ideen und Visionen bereits im Ansatz zerstört werden. Mit stürmischen Atem blickt man hinter diesen Nebelschleier und kann eine Gestalt im dunklen Mantel erkennen, der jegliche humane und demokratische Werte zu Grabe getragen hat. Man setzt auf die “Jugend”, gibt dieser aber keine faire Möglichkeit der freien Entwicklung, sondern belagert sie mir Vorurteilen, die aus dem geschürten Generationskonflikt heraus entstanden sind, von dem niemand weiß, wie dieser überhaupt entstanden ist. Es gab mal eine Zeit, da konnten sich Menschen entwickeln, weil alles zerstört war, doch daraus entstand nur noch ein reiner Funktionsmechanismus, und nichts ist schlimmer für Menschen, als ein solch stumpfer Rhythmus, resultierend aus der dunklen Helligkeit des Gesellschaftskreislaufes. Immer wieder bekommt man als freier Denker den Eindruck vermittelt, dass im menschlichen Dasein erst etwas zerstört werden muss, bevor die erstarrte, treibende Masse den Gedanken der Vernunft, der Individualität und der Kreativität wieder findet.


Ich schließe mit einem eigenen Zitat:

Momente im Leben müssen nicht zu unserem Schicksal werden, wenn der Mensch lernt nicht immer auf den Endpunkt zu beharren und zu handeln, bevor das Grau im Leben die Oberhand gewinnen kann.


Ihr

Joachim Sondern

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