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Wirtschaft 2010 – kein Ende der Krise in Sicht

Verfasst von: admin am März 27, 2010 Kein Kommentar

27.03.10

Wer im Finanzsektor noch den Überblick behalten möchte, sollte sich auf eine Achterbahnfahrt der besonderen Art vorbereiten, denn positive und negative Schlagzeilen wechseln fast stündlich, und auch die Satzkonstrukte dieser Meldungen sagen viel und auch wieder nichts aus. Normalerweise hätten die Bürger ein Anrecht darauf zu erfahren, was im Moment mit unserer „freien“ Wirtschaft passiert, denn schließlich haben diese auch für die Krise geblutet und mussten mit ansehen, wie ihre Steuergelder als Sicherheit herhalten mussten, für jene Milliardenindustrie, die mehr Kapital besitzt, als es sich ein normal sterblicher Artist je vorstellen könnte. Einst noch als überstandene Weltwirtschaftskrise deklariert, wendet man sich jetzt doch der Realität zu und versucht über ein Börsenspiel trotzdem auch scheinbar gute Meldungen zu streuen, in der Hoffnung, dass die Kernthematik übersehen wird.


Banken pokern weiter und Politik blufft

Aktuellen Meldungen zu Folge sieht es nicht gut aus bei der verstaatlichten Bank HRE. Die Hypo Real Estate schreibt weiter rote Zahlen und hat im vergangenen Jahr einen Verlust von 2,24 Milliarden Euro hinnehmen müssen. Rechtfertigen tut man dieses desolate Ergebnis unter anderem durch die 26,3 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro gestiegene Kreditrisikovorsorge und den Kosten für die staatlichen Milliardengarantien in Höhe von 741 Millionen Euro. Nur verkennen die Verantwortlichen indes völlig, dass genau diese Garantien ihnen die weitere Existenz ermöglicht haben, und man im Leben für jede Hilfe eine gewisse Gebühr, bzw. Zins zahlen muss. Jeder Banker weist einen privaten Kreditkunden nur zu gern darauf hin, scheint aber selber nicht mit dieser Belastung umgehen zu können, welche sie einst im eigenen System selbst aufgebaut haben. Laut Medienberichten ist erst 2012 damit zu rechnen, dass die Bank aus den roten Zahlen kommt, und somit hat man der Bank 4 Jahre Rehabilitationsphase eingeräumt, was vollkommen indiskutabel ist, da man z.B. bei einem Kleinunternehmer nach einem halben Jahr Kreditverzug bereits mit Mahnbescheiden und anderen „Mitteln“ droht. Durchaus legitim also, wenn wir hier in der tatsächlichen Konstruktion von einer Raubritterindustrie sprechen, denn diese zeichnet sich sowohl durch unmenschliche Handlungen aus, als auch dadurch, sich der eigenen Verantwortung zu entziehen. Zwar hatte man seitens der HRE mit einem Minus von 2,6 Milliarden gerechnet und konnte sich im operativen Geschäft auch verbessern und ein Plus von 419 Millionen erzielen, aber trotzdem bleibt hier die Frage bestehen: in wie weit kann man dieses Ergebnis vom Kern her auf die Realwirtschaft beziehen?

Dass sich bei dieser Bank weiterhin ein Negativtrend abzeichnet,  ist auch am Rücktritt des HRE Vorstandschef Axel Wieandt deutlich zu erkennen. Herr Wieandt forderte mehr Freiheit gegenüber der SoFFin und war scheinbar nicht zufrieden mit seinem Jahresverdienst in Höhe von 500.000 Euro, denn mehr durfte er auf Grund der staatlichen Hilfe nicht verdienen. Egal aus welchem Fokus man es betrachtet, der Kontrast dieses zusammenhängenden Gebildes macht nur allzu deutlich, dass manche Personen der Bankenwelt fern jeglicher Realität sind. 50.000 Euro wären noch ein Top Verdienst, aber 500.000 Euro im Jahr gleichen eher einem Luxusparadies. In einem gesunden Verhältnis steht dieses Schauerspiel mit Sicherheit nicht.

Besonders „heikel“ ist zur Zeit auch noch die Feststellung, dass fast alle großen Banken in Deutschland wieder zocken und mit Werten spielen, die sie gar nicht besitzen. Sogenannte Leerverkäufe, einst von der BAFIN untersagt, wurden unter dem Schleier der „überstandenen“ Weltwirtschaftskrise umgehend wieder freigegeben: dass hier das Risiko großer Verluste ohne eine „Grenze“ besonders hoch ist, scheint man indes gerne zu ÜBER-„sehen“, da hier anderseits auch der schnelle und kurzfristige Gewinn lockt. Akteure der Anlegerbranche sollten aber schleunigst erkennen, dass kein Finanzgeschäft im großen Rahmen von Bedeutung ist, wenn es nicht auf Dauer Bestand haben kann. Zocker sollten doch bestenfalls in Las Vegas zugelassen werden, aber bitte nicht in Finanzverwaltungen, wo letztendlich auch mit dem Geld der Normalbürger ein Handel betrieben wird.

Außerdem ist auch das Bad Bank Modell nicht zu unterschätzen, denn ähnlich wie die West LB, will auch die HRE weitere „schlechte“ Wertpapiere auslagern, etwa in einer Höhe von 210 Milliarden Euro, damit die Bilanz wieder stimmt. Mitunter kommt man sich bei solchen Fakten wirklich vor wie im Märchenland: ein kleiner Bürger bekommt Ärger, wenn er sein Konto um 500 Euro überzogen hat, einem Kleinunternehmer räumt man wegen ein paar tausend Euro oft keine weitere Chance ein, aber Banken dürfen Bad Banks erschaffen, ihre Bilanzen somit offiziell nach außen hin fälschen und bekommen alle Zeit, die sie benötigen, um sich zu regenerieren. Der Kleine geht an seinen Sorgen zu Grunde, bricht gesundheitlich ein, und der Große darf immer weiter lachen – das auch noch zu jeder Zeit. So ziemlich jeder Unternehmer würde sich vor Lachen nicht mehr einbekommen und nur noch aus purer Lebensfreude im Dreieck springen, wenn er seine Negativzahlen einfach ausradieren dürfte. Von einem ironischen Handeln ohne jegliche Bindung zur Realwirtschaft ist hier die Rede, und es bleibt nur zu hoffen, dass diese fatale Kurzschlussreaktionskette nicht zum Bumerang für das gesamte Volk wird.

Die von Kanzlerin Merkel inszenierte Bankenabgabe ist auch nur ein Täuschungsmanöver, da man hier eher von einer Bankenversicherung für zukünftige Finanzkrisen spricht. Im Jahr sollen so rund eine Million Euro zusammenkommen, was weit hinter dem bleibt, was Barack Obama in den USA geplant hat. Das Obama-„Modell“ ist so ausgelegt, dass hier rund 9 Milliarden Euro im Jahr zusammenkommen würden. Zudem wurde das deutsche Konzept so aufgebaut, dass Steuerzahler sich hier auch noch beteiligen sollen, was einem Skandal gleich kommt, da diese weder diese Krise zu verantworten haben, noch für das Spiel der Großen eine Verantwortung tragen. Geblutet haben die Steuerzahler schon mehr als genug, was auch darauf schließen lässt, dass wir von einem staatlichen Gesundungsprozess noch Lichtjahre entfernt sind.  Nach 50 Jahren würden durch dieses Prinzip 50 Milliarden Euro zusammenkommen, was nur ein kleiner Tropfen auf den so heißen Stein wäre, da die aktuelle, zur Zeit stagnierende Krise bereits 500 Milliarden Euro an Staatsgarantien und Rettungspaketen „gefressen“ hat. Ein Bankenbluff der Politiker, eine Wahlkampfstrategie für die Wahlen in NRW, mehr steckt nicht hinter dieser Bankenabgabe, denn ein halbes Jahrhundert wäre nötig, um eine Summe aufzubauen, die eine im Verhältnis gesehen gemilderte Krise, wie die jetzige, nochmals auffangen könnte. Zudem ist mit dieser Strategie die Börsenumsatzsteuer beerdigt worden, und man hat zeitgleich den Spekulanten signalisiert, dass diese ruhig so weiter machen können, man rechne ja schon mit dem Ausbruch der „nächsten“ Krise. Genau genommen also eine skandalöse Gesamthandlung der Verantwortlichen aus Wirtschaft und Politik.

Nunmehr gilt es der Banken- und Politikerwelt explizit klarzumachen, dass sie immer auch einen „Volksauftrag“ haben und eine gewisse humane Pflicht, ganz gleich ob kleine Banken oder eben die großen Anlegeriesen – sie alle sind am Puls des gesamten Weltwirtschaftsmarktes und halten unser aller Gegenwart und Zukunft in ihren Händen. Kontrollen in der freien Marktwirtschaft, die einen gewissen Verantwortungsrahmen aufrecht erhalten, sind daher unabkömmlich und längst überfällig. Derivate müssen endlich wieder  gebunden sein an reale Handelsgeschäfte. Keine Leerverkäufe ohne reale Aktien, keine Kreditversicherungen ohne reale Kredite – so sieht der Weg aus in eine stabile Wirtschaft der Gegenwart und nicht anders.


Börsenhoch Grund zur Trauer

Kommen wir nun zum viel umjubelten, aktuellen Hoch an der Börse vom Donnerstag, den 25.03.10, als die Börse mit einem Leitindex von 6132,95 Punkten geschlossen hat. Wohl wissend  der hohen Risiken, puschte man die Börse im Schnellverfahren wieder künstlich nach oben, um der Masse Sand in die Augen zu streuen. Wieder wird auf Ramschpapiere gesetzt, auf Zockergeschäfte mit Leerverkäufen, um schnelle Topwerte zu erreichen. Gesetzt wird auf das Prinzip, welches uns in die Krise geführt hat, und das kann und darf nicht im Sinne der menschlichen Logik sein. Durch die Hintertür hat man etwas zur Normalität deklariert, was noch vor einigen Jahren als strafbar galt, doch da sieht man wieder, dass es für Politik und Banken scheinbar andere Gesetze gibt.

Eingeläutet wurde der Beerdigungsweg bereits an der Börse, denn man spielt auch mit dem Risiko der Inflation, da man Märkte puscht und diese somit bei einem positiven Verlauf eine Inflation ins Rollen bringen – auf einmal wäre ein Geldüberschuss da, den man nicht mehr revidieren kann. Bedenkt man, wo uns die letzte Megainflation hingeführt hatte, so mag man sich gar nicht erst ausmalen, wo diese Welle der Unvernunft ihr jähes Ende finden wird.


Griechenland vor Staatspleite – EU wie gelähmt

Der Fall Griechenland zeigt doch gerade wunderbar, dass das Vertrauen in die Währung nicht groß ist. Was Kritiker vor Jahren vorausgesagt haben, ist nun eingetroffen, und somit lässt sich auch schon konsequent behaupten, dass dieses fehlende Vertrauen, also ein psychologischer Effekt das Problem ist und nicht die Krisenländer. Einerseits behauptet man, dass Griechenland gerettet sei, doch Spekulanten setzen auf ein Niedergang unserer Währung und auf weitere Krisenkandidaten – das ist kein Wirtschaftsmarkt mehr, das ist ein Zirkus voller unvernünftiger und antihuman denkender Narren. Gerade in Bezug auf Griechenland mag es Anlass zu Freude geben, denn scheinbar hat sich Angela Merkel in der EU durchgesetzt, dass eine Hilfe nur unter Aufsicht des IWF gewährt wird, trotzdem wird Deutschland zahlen und zwar den größten Anteil. Schauen wir einmal genauer hin: Griechenland wird 22 Milliarden bis 30 Milliarden Euro benötigen. Da die IWF nur etwa bis zu 10 Milliarden Hilfe gewähren wird, müssen die anderen EU Staaten die restlichen 12 bis 20 Milliarden zusteuern, wovon Deutschland mit 5,4 Milliarden Euro die größte Summe zu tragen haben wird.


Wahlstrategie und fehlendes Bewusstsein in Europa

Von einem Trauerspiel zu sprechen ist hier sicherlich nicht untertrieben, denn wenn Politiker so massiv versuchen eine Landtagswahl zu retten, dann ist bereits zu erkennen, dass Verantwortliche ein Szenario kommen sehen, was ihre etablierte Machtstellung gefährden könnte. Nie zuvor hat man einer vergleichsweise kleinen Landtagswahl soviel Beachtung beigemessen, wie in diesem Jahr. Mit dem Griechenlandkapitel wollte man die Siegerepoche einläuten, ungeachtet der Beobachter am Wegesrand, welche zur rechten Zeit dieses Spiel entlarvt haben. Angela Merkel hat zwar eine „Führungsrolle“ in Europa eingenommen, doch wird man nicht auf Kurs bleiben.

Europa benötigt ein neues Bewusstsein. Seit Jahren propagiert man ein Europa ohne Grenzen, und doch gibt es mehr Mauern in unserem Leben, als uns lieb sind. Politisch mag man Europa in Brüssel vereint haben, doch die Nationen bleiben menschlich gesehen unter sich und leben noch immer in einer Welt der Vorurteile. Was man sich menschlich zum Vorteil der einfachen Bürger machen könnte, ignoriert der Gesellschaftskreislauf in Europa völlig. Politiker haben sich vereinigt und legen viel Last auf uns alle ab, doch Bürgerschichten greifen sich landesintern untereinander an, lehnen den natürlichen Kreislauf ab und finden erst recht nicht über Grenzen hinweg zueinander. Schade eigentlich, denn aus dieser Substanz heraus könnte man Konzepte entwickeln, die unsere Politik zum positiven Handeln animieren würde. Viele Hürden erschaffen wir erst durch unsere fehlende Einsicht. Man kann nicht von der Politik fordern, was man selber nicht bereit ist zu geben. Richtig, der kleine Mann hat immer gerne im Auftrag gearbeitet und gehandelt, aber die eigenständige Verantwortung haben viele genauso von sich gewiesen, wie auch Politiker und Banker es aktuell praktizieren.


Ich schließe mit einem eigenen Zitat:

Verantwortung, welche aus dem menschlichen Dasein heraus entspringt, ist niemals schwierig zu tragen, nur die Illusion jener falschen Last, die wir uns selber auferlegt haben, will uns diese Illusion zu glauben machen.


Ihr

Joachim Sondern

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