Regierungstheater Berlin – Politiker weiter auf Talfahrt
11.03.10
Immer wieder kommt es vor, dass man von der stillen, schreienden Masse gefragt wird: wundert dich das nicht? Nun, ehrlich gesagt ist in dieser politischen und gesellschaftlichen Landschaft nichts mehr verwunderlich. Auch nicht das aktuelle Umfragetief, wonach CDU und FDP zusammen nur noch auf 41% der Wählerstimmen kommen würden. Hier sollte man sich nur fragen: warum noch immer so viel? Sie haben richtig gelesen, denn die Politik, welche hier in improvisierter Form umgesetzt wird, ist seitens des Bürgers eigentlich nicht mehr tragbar.
Viele schreien, und doch ist es nur eine Stille
Zwar schreien inzwischen immer mehr Bürger auf, gerade auch wenn es um das Thema Hartz-IV geht, aber dennoch ist es nur eine ironische Stille, die so gar nichts bewirken kann, denn die Schar der Schafe ist zu gefestigt, zu eingefahren auf den alten Wegen, als dass diese noch etwas Neues erkennen und umsetzen könnte. Man möchte korrigierend in die Politik eingreifen und verkennt indes völlig, dass hier nichts mehr zu retten ist und nur ein humaner Neuaufbau die Lösung des Ganzen sein kann. Im jetzigen Rhythmus flicken Politik und Gesellschaft nur immer wieder die nötigsten Schwachstellen, und schon nach kurzer Zeit während man die nächste Not flickt, bricht die andere Stelle wieder aus. Einen zerbrochenen Spiegel kann man nie wieder so zusammensetzen wie er vorher war, und genau in dieser Aussage liegt sehr viel Wahrheitsgehalt. Es wird auf Pfaden rumgetrampelt, die nicht mehr begehbar sind, und trotzdem sucht man nur da nach möglichen Lösungen, begibt sich in den Irrgarten der ewigen Forderung – selbst dann, wenn neue Wege vor der Haustür zu finden sind. Abgelehnt wird es von dem „Narrenzug“ deshalb, weil man dazu mitmenschliches Vertrauen benötigen würde, sich aber keiner mehr dem anderen öffnen mag und diesem nichts gönnt. Hier sprechen wir also im übertragenen Sinne von dem selben Verhaltensmuster, welches die Politik vorlebt, und wie genau das seit Jahrzehnten auch durch das Volk gelebt wird. Kein Protest, keine Kritik, keine Unzufriedenheit kann eine wirkliche Lösung ermöglichen, so lange man sich an ein Denkmal der Ewigkeit festkettet. Einerseits sind „Streiter“ gegen diese Politik, und auf der anderen Seite leben sie unbewusst genau diesen Weg und stärken so das Prinzip, welches sie im eigentlichen Sinne ablehnen.
Inszenierter Dauerstreit zwischen schwarz-gelb
Als eine Art Dauerblendung kann man hier auch den gut in Szene gesetzten Koalitionsdauerstreit zwischen CDU und FDP ansehen. Zwischen beiden Parteien schiebt man den schwarzen Peter hin und her, und während sich, verstärkt durch die Medien, die Bürger des Staates nur noch auf das besondere Schauspiel konzentrieren, kann man ganz ungehindert Politik machen, die an der Masse vorbeigeht. Nicht erst seit gestern ist die Politik auch für das gut aufgebaute Showgeschäft bekannt, und jeder weiß, dass man sich öffentlich auch vor Wahlen streitet und danach eine Tasse Kaffe trinken geht, gemeinsam. Parteienpolitik ist kein Kinderspielplatz, und wir als aufmerksame Beobachter dürfen die Augen nicht verschließen vor den Methoden der Regierungsoffensive und sollten auch begreifen, dass diese Schachzüge auf alten Strategien basieren, die oftmals schon viele hundert Jahre alt sind. Gerade solche Erkenntnisse kann man mit einem gut inszenierten Streit jedoch verhindern und so zu einem etablierten Dauerauftrag gelangen, was unserer Politik schon lange gelungen ist. Was wurde bis Dato erreicht? Eine Debatte jagt die Andere, noch mehr Soldaten müssen ab jetzt ins Kriegsgebiet, ein Dauerfeuer wurde eröffnet auf Geringverdiener und Hartz-IV Empfänger, und im Prinzip ist alles beim alten – nein, bitte entschuldigen Sie, es hat sich weitestgehend verschlechtert. Unter anderem aber auch wegen der falschen Auffassung, dass man denkt die Politik müsste es auf Forderung der Bürger richten, denn das liegt allein an uns. Wenn wir eine Politik wollen, die etwas richtet, dann sollten wir nach Jahrzehnten endlich mal wieder neuen, politischen Kräften die Chance geben für das Volk zu arbeiten, denn ein komplett neuer Wechsel würde es auch ermöglichen, dass Bürger wieder mehr Mitbestimmungsrecht erlangen im politischen Pokerspiel.
Es ist nicht die Forderung, sondern unser Handeln
Wundern darf man sich nicht, dass Politiker Meister Bluffer sind im politischen und menschlichen Pokerspiel, denn sie haben es gelernt und an den Feinheiten gearbeitet. Sauer darauf zu sein und Kritik zu äußern bringt genauso viel, als würde man eine Mauer kritisieren.
Natürlich kann man es sich leicht machen und sagen, die Politik hat vielen Menschen den Mut genommen ihre Existenz neu zu gestalten, aber im Grunde wollte die Gesellschaft auch im Trott weiterleben, denn man hat diesen Weg ja alle 4 Jahre weiter unterstützt, und somit muss jede kritische Meinung gegenüber den politischen Handlungen auch eine Kritik an uns selbst sein – denn wir hätten es ändern können, mit einem klaren Verstand und einem wirklich freien Willen, der nur aus der eigenen, freien Seele heraus entstehen kann.
Ich schließe mit einem eigenen Zitat:
Optionen entstehen im Leben immer aus einer ehrlichen und ergänzenden Lebensform – doch davon ist nicht die Politik, nein davon sind wir, die den Staat als Ganzes darstellen, noch Lichtjahre entfernt.
Ihr
Joachim Sondern
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