Armutsfalle – Talfahrt schneller als erwartet?

05.03.10

Vor gar nicht all zu langer Zeit war Deutschland noch ein Sozialstaat, doch das scheint sich nun schlagartig zu ändern, schneller als es selbst die schärfsten Kritiker erwartet haben. Kaum ins neue Jahr gestartet, zeichnete sich im Berliner Schauspielhaus unserer Politiker das reinste Chaos ab. Nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass die Vorboten nun schon seit rund 15 Jahren deutlich zu erkennen waren, jedoch keiner darauf reagiert hatte. Allgemein ist ja bekannt, dass immer auf Erlöser gewartet wird und die goldene Zeit, die sich aus dem Nichts ergeben soll. In der Schule würde man nun aber sagen: bitte setzen, dieses Verhalten war ungenügend. Vieles kann man aus der Geschichte lernen, aber beherzigt und verinnerlicht wurde es sowohl bei Verantwortlichen des Staatstheaters als auch kaum im Gesellschaftsfluss.


Talfahrt geht nun richtig los

Laut Statistischem Bundesamt sinken erstmals die Bruttoverdienste in Deutschland seit Gründung der Bundesrepublik. Im Jahr 2009 sank hier nach ersten Auswertungen der durchschnittliche Bruttoverdienst aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer um 0,4% auf 27.648 Euro. Nicht umsonst heißt es: wehret den Anfängen. Was jetzt noch niedrig wirkt, ist für einen ehemals starken Staat schon eine große Niederlage und kann ganz schnell eine Kettenreaktion auslösen, welche sich über Jahre hinweg negativ auf die Wirtschaft auswirken wird – bedenkt man das hohe Risiko der eingegangen Staatsverschuldung zum Nachteil aller Bürger und zu Gunsten der Bankenrettung. Ein Pokerspiel dieser Art kann nicht durch unsere Bürgerschicht gesichert werden. Im Falle des Bruttoverdienstes ist hauptsächlich der Ausbau der Kurzarbeit für dieses mittelfristige Desaster verantwortlich. Zwar schiebt man hier auch die Begründung dazwischen, dass Arbeitgeberzuschüsse zur privaten Krankenversicherung, die bisher diesem Lohnkonstrukt hinzugerechnet wurden, nun als Arbeitgebersozialbeiträge „klassifiziert“ werden, doch wirkt dies eher wie eine erzeugte Relativierung, ähnlich wie der angebliche Abbau der gemachten Überstunden. So wäre ohne dieses soziale „Versicherungsspiel“ der Bruttoverdienst nur um 0,2% gesunken, so das Statistische Bundesamt. Betrachten wir hier aber mal den ganzen Komplex und sehen eine Krise, die es so nicht hätte geben müssen, da Banken unterstützt wurden, die mit der Realwirtschaft wenig gemein haben, zieht dann noch den Faktor hinzu, dass man Lohndumping unter anderem durch Kurzzeitarbeit bewusst eingeführt hat – so hätte es auch weiterhin keinen „Verlust“ geben müssen, sondern betrachtet aus dem Leistungsverhältnis sogar noch eine Steigerung. Auch im Verlauf der nächsten Jahre ist mit einem weiteren Fall der Bruttoverdienste zu rechnen, da Formen der modernen Abhängigkeit und Sklaverei leider massiv zunehmen und sich festigen.

Aus dem Gesamtgebilde resultierend hat sich natürlich auch die Zahl der Erwerbstätigen, welche Hartz-IV beantragen müssen, da sie von ihrem Lohn nicht leben können, massiv erhöht. Waren es Anfang 2009 noch 951.000 Menschen, die trotz Arbeit Hartz-IV beantragen mussten, so hat sich diese Zahl bis September 2009 schon auf 1,366 Millionen Menschen erhöht. Das da jegliche Lust an „Arbeit“ verloren geht, sollte keinen mehr wundern, und trotzdem ist der Bürger bemüht, seiner Pflicht nachzukommen. Rund 400.000 Menschen mehr bekommen zu spüren, was es bedeutet, wenn man ein Ausbeutersystem schweigend hinnimmt und keine eigenen Konzepte gegen so einen Trend entwickelt. Ein solches Leben bringt Krankheiten mit sich für die Betroffenen, die kein System jemals wieder revidieren kann.


Ignoranz treibt uns schneller in die Armut

Als wäre das politische Pokerspiel nicht schon schlimm genug, so muss die Bürgerschicht sich auch noch gegenseitig zusetzen und nach unten ziehen. Man gibt ein Miteinander auf, und lässt seine Mitmenschen oft genau da im Stich, wo diese Hilfe benötigen. Misstrauen wurde gesät durch die politischen Mächte, und von den Lebensartisten auch brav aufgenommen und gelebt. Dabei reicht es, seinen Blick zu richten, auf die sogenannten Dritte-Welt-Länder, um zu sehen wo wir enden, wenn wir in einer Ignoranz leben. Spätestens seit Beginn der Weltwirtschaftskrise gehört das Wort Armut zum täglichen Sprachgebrauch in unserem Land, und immer wieder wird die Politik alleine dafür verantwortlich gemacht. Tatsächlich macht man es sich damit aber etwas zu einfach, denn durch einen menschlichen Zusammenhalt, einen fairen und offenen Umgang untereinander, könnte man im großen Kreislauf, kleine Systeme aufbauen, völlig unabhängig von der Politik, die genau auf dieses Prinzip dann auch keinen Einfluss mehr hätten. Es schmerzt mit ansehen zu müssen, wie Menschen sich gegenseitig in eine schlechte Zeit treiben, und der Verstand bei vielen einfach nicht begreifen will, dass es nicht nur um uns als Einzelperson geht, sondern um das Wohlergehen der Gesamtheit.


Konzepte sind da – nur nutzen muss man sie

Man sollte einfach nur die Dinge nutzen, die sich einem bieten und nicht immer auf einer Kritikwelle verharren, wo jeder mit jedem ins „Gericht“ geht, und die Schwächen förmlich mit der Lupe gesucht werden. Meine lieben Damen und Herren, wir sind MENSCHEN und keine Maschinen, und man sollte keine Perfektion erwarten, denn diese ist nicht, wie fälschlicherweise angenommen, hilfreich, sondern eher zerstörerisch. Zufriedenheit muss dort anfangen, wo ich meinem Mitmenschen jegliches Lebensglück zugestehe ohne einen Neid zu entwickeln. In der Tat gibt es genug Ansätze für einen humanen, eigenen Wirtschaftsaufbau der neuen Generation: von der GmbH der Menschlichkeit, über das Bandbreitenmodell bis hin zu ganz neuen Gesetzesmöglichkeiten, die die Menschenwürde schützen. Hier feuert der Bürger aber nur drauf oder ignoriert diese Wege, ohne sich damit befasst zu haben – es wäre ja Eigenverantwortung nötig. Da sind Menschen, die sich für andere Gedanken machen, mit aller Kraft an eigenen, humanen Systemen arbeiten und alles was kommt – „ist mir doch egal, kann man eh nichts dran ändern“. Mit Verlaub gesagt, wird mir persönlich inzwischen schon ganz „übel“, wenn ich diesen oder ähnliche Sätze zu hören bekomme. Ob das Bandbreitenmodell oder auch die GmbH der Menschlichkeit, es sind Möglichkeiten, die nicht immer gleich perfekt sind, aber jeder Bürger kann durch Eigeninitiative ja seine Vorschläge mit einbringen und es abrunden. Wenn wir nämlich etwas verändern wollen, dann müssen wir den gemeinschaftlichen, konstruktiven Entwicklungsprozess erkennen. Mit Sicherheit hat ein solcher Prozess mehr Nährwert, als das ewige Echo der Unzufriedenheit in Form der unnötigen, lauten und doch schweigenden Kritik.


Ich schließe mit einem eigenen Zitat:

Wo Staat und Gesellschaft verantwortungslos handeln und nicht erkennen wie schnell dieser Weg ins Tal führt, bleibt es die Pflicht einiger weniger gegen diesen Weg anzugehen, auch wenn die Masse ihn als nicht nötig erachtet.


Ihr

Joachim Sondern

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