Wirtschaftskrise – das Jahr der Staatspleiten?

13.02.10

Willkommen im Jahr des ewigen Glücks, der Pokerspieler und der “angenehmen” Staatspleiten. Nun klopft der Kassierer an die Tür und überreicht uns die Quittung für das desolate Handeln auf dem Finanzmarkt im Jahre 2009. Langsam, aber dennoch sicher, zieht ein rauer Wind umher, und auch die “Hofnarren” müssen erkennen, dass es nicht mehr lange dauert und man das Volk, auch genannt Schafsherde, vor vollendete Tatsachen stellt. Jahrelang wurde gespielt, doch nun hat man die letzte Balance missachtet, und die Spieler des Systems sprechen ungeniert über die letzten Züge. Immer wenn Verantwortliche ihre Maske fallen lassen und mit ihrem “Ruf” leben,  kann man erkennen, dass man als Staatsgebilde vor dem finanziellen Ende steht und sich eine neue Wende ankündigt: diese gilt es im positiven Bürgersinne zu nutzen, was nur möglich ist, wenn die Gesamtheit der Schafsherde diese Verantwortung tragen kann und will.


Erst Island, jetzt Griechenland – auch restliches Südeuropa gefährdet

Fangen wir doch einfach mal am Start der Endloskette an. Zum Anfang der Krise erwischte es Island. Ein traditionelles Fischfangland, ländlich orientiert, stellte sich von heute auf morgen um und wollte sich mit aller Gewalt zu einer Hightechnation formen. Nicht umsonst heißt es nach altem Sprichwort: Schuster bleib bei deinen Leisten. In staatlicher Hinsicht sicherlich nicht immer zutreffend und ein Wandel oftmals auch nötig, und gerade deshalb sollte man für einen solchen Prozess aber auch eine gewisse Zeit einkalkulieren, die man auf der Autobahn der Wirtschaftskracher wohl nicht mehr zu haben scheint. Ein glanzvolles Beispiel, das deutlich zeigt, wie weit man sich mit Pressing und Zeitdruck auf Talfahrt begibt. Hier sprechen wir von einem Land des traditionellen Handwerks, eine Art Bauerntum, was kurze Zeit später als fortschrittlichstes Land Europa gekürt wurde. Schon zu diesem Zeitpunkt war absehbar, dass es mit Island bergab geht, denn in der Kürze der Zeit konnte man diesen scheinbaren Erfolg nur durch einen künstlichen “Prozess” erzielen, der auf die schnelle Wirkung ausgelegt war, ohne an die langzeitlichen Folgen zu denken.

Nun geht es um die drohende Staatspleite von Griechenland, welches auf die Hilfe von Gesamteuropa angewiesen ist. Brisant ist hier, dass es sich um ein Land in der Eurozone handelt, und im Prinzip dadurch die Gesamtwährung bedroht ist, und Griechenland die gesamte EU auf Talfahrtkurs bringen könnte. Deshalb hat man sich auf dem Gipfeltreffen in Brüssel darauf geeinigt, die Staatspleite in Griechenland auf jeden Fall zu verhindern. Folglich auch den angeführten Grund, dass es sich um Südeuropa handelt, wo unter anderem auch noch Spanien gefährdet ist. Allgemein betrachtet steht es nicht gut um Südeuropa. Dennoch gibt es vorerst keine finanzielle Unterstützung, sondern nur Politische. Man befürchtet zu Recht, dass sonst andere gefährdete Länder verantwortungslos handeln und auf die Hilfe der EU Notfallpläne bauen, was in der Tat zu einer Belastung führen würde, die die europäische Bevölkerung nicht mehr tragen könnte. Jeder Gedanken der Verantwortungslosigkeit muss daher bereits im Ansatz, im Keim erstickt werden. Auf dem Gipfel betonte man auch, dass man die Stabilität im gesamten Währungsraum sicherstellen wolle. In einer unverantwortlichen Art und Weise hat sich Griechenland selber in diese Situation gebracht, denn vor den Wahlen im Oktober 2009 hat man von Seiten Griechenlands falsche Bilanzen an die EU weitergereicht und so über das tatsächliche Haushaltsdefizit hinweggetäuscht. Bei solchen “Machenschaften” darf man sich allerdings nicht wundern, wenn der Ausschluss aus der europäischen Union drohen würde: das ist kein kleines Vergehen und belastet alle Völker in Europa. Griechenlands Schulden liegen bei 113% des Bruttoinlandsprodukt und somit 13% über der eigentlichen Wirtschaftskraft des Landes. In der Komplexität dieser Angelegenheit geht es nicht nur um diesen prozentualen Satz, sondern vielmehr um die Gesamtlast. Selbst 100 % wären aus der Wirtschaftslogik heraus eine viel zu hohe Schuldenbelastung für einen Staat. Würden wir von 50% des eigentlichen Bruttoinlandsproduktes sprechen, so wäre das schon eine immense Belastung, aber 113% kann man als eine Art „russisches Roulette“ betrachten.  Manche staatlichen Pokerspieler stehen der Spielerelite der Banken in nichts nach, leider.


Weitere Staatspleiten in Sicht

Was für ein Szenario es wäre, wenn man daran denkt, dass noch andere Staaten “pleite” gehen könnten, braucht man nicht zu betonen. Kapital wird geschoben, aber nicht wieder konstruktiv aufgebaut, und so rollt ein Schuldensystem auf uns zu, für das Europa keine Bremse und auch kein sicheres Polster mehr hat, um diesen Aufprall abzudämpfen.  Europaweit haben die Länder seit der Krise mit “regionalen” Schwerpunkten zu kämpfen. Zwar befinden wir uns im Stadium der inaktiven Weltwirtschaftskrise, aber daraus resultierend auch in einer Art der besonderen Zwickmühle. Schon immer war es so, dass eine Krise im “Großen” beginnt, was man mit regionalen Strukturen dann verzögert, bzw. reguliert. Dadurch bedingt, dass die Regionen aber grundsätzlich vernachlässigt wurden und die kleineren Unternehmer nicht gefördert, können diese die Belastung nicht so lange tragen, um einen Gesundungsprozess wirklich umzusetzen. Dies wiederum bedeutet, dass ein neues Loch entsteht in der Mitte des Auffangbeckens, welches dazu führen kann, dass die große Krise wieder in den aktiven Zustand wechselt, nur dann ohne Netz und doppelten Boden. Sinnvoller wäre es gewesen, wenn man die kommunalen Energien der Länder so fokussiert hätte, dass man in Zeiten der Bankpleiten die reale Wirtschaft der kleineren Unternehmer gestärkt hätte, was zu einer neuen Basis der jeweiligen Bruttoinlandsprodukte geführt hätte. Mit den direkten Auswirkungen der “Bankenkrise” hätte man zwar ein schweres Los gehabt, im Ursinn trotzdem lösbar. Den Schwachpunkt “Bank” hätte man nur bedingt unterstützen müssen, da es sich ja auch um Anlegerbanken handelte. Hingegen hätte man durch Stärkung der Bürgerschicht erreicht, das sich ein wirtschaftlicher Kreislauf im kaputten großen Kreislauf aufbaut, der dann hätte diese Krise beenden können, ohne ein Schuldensystem aufzubauen, über das man keinen Überblick mehr hat. Für Banken, Staat und Bürger wäre das gleichermaßen von Vorteil gewesen und die Balance wäre wieder gegeben.


Jetzt sind alle pleite – auch Bankenkrise hält an – Bayern LB macht Verlust

Doch von einem Gleichgewicht braucht man im Wesentlichen nicht zu sprechen, denn das ist weiterhin im endlosen Nirwana zu finden und diese “Such”-Zeit ist uns Menschen leider nicht vergönnt. In Deutschland geht es zum Beispiel munter weiter mit der Krise der Banken. Sorgenkind Bayern LB gibt nun zum Besten, dass ein Bilanzloch von 3 Milliarden Euro zu erwarten ist. Ja, Monopoly ist ein schönes Spiel, wenn man sich im festen “Sitz” befindet, doch auch dieser kann zu einem Schleudersitz werden. Auch die West LB, die drittgrößte Landesbank, weist einen Verlust von 294,9 Millionen Euro aus für die Bilanz des Jahres 2009. Mit 810 Millionen Euro Neuverschuldung will sich der bayrische Haushalt belasten, aufgrund des Debakels der Landesbanken. Eine nicht unbeträchtliche Last, die hier wieder auf den Schultern der Kommunen verlagert wird, die sich selber in einem Krisentiefpunkt befinden und gerade das versuchen zu bewältigen, was die erste Welle ihnen gebracht hat, und trotzdem winkt man mit dem Zaunpfahl und geht neue Risiken in dieser Höhe ein. Während Kommunen um das Überleben kämpfen und große Banken noch immer mit der Krise “beschäftigt” sind, zocken andere Anlegerbanken schon wieder, und die BFIN gibt Leerverkäufe wieder frei. Unverantwortlicher könnte man eine Krisenbewältigung nicht organisieren, und so stellt sich immer wieder die Frage nach dem eigentlichen Sinn der ganzen Rettungen.


Unverantwortliche Politik bringt das sichere Aus

Das Beispiel Griechenland zeigt, wo es enden kann, wenn man in unverantwortlicher Haltung am politischen Rad mitwirkt. Umso wichtiger ist es, den Kehrwert dessen zu sehen was geschieht und daraus resultierend auf die Bürgeraktivitäten zu setzen. Wir als Gemeinschaft im großen Getriebe dürfen uns nicht länger verstecken und zusehen, wie man versucht unser Leben zu organisieren. In solchen Zeiten sind wir alle gefragt und das bedeutet, dass man in kleinen Sektoren des Jahrmarktes anfängt und entdeckt, was sich hinter der eigentlichen Ursache noch für Faktoren befinden. Jedes sachliche Gefüge beinhaltet meist auch eine emotionale, politische Struktur, aus der ein solches komplexes “Gemälde” entstehen konnte. Genau diesen Gedanken kann man aber nicht begreifen, wenn man sich nur an der trockenen Logik festhält.


Ihr

Joachim Sondern

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Kommentare (1)

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