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Überstunden sind kein Ausweg

Verfasst von: admin am Februar 17, 2010 Kein Kommentar

17.02.10

Im Jahre 2009 haben die Deutschen insgesamt 1 Milliarde Überstunden gemacht, was noch ein Rekordtief war. Immer wieder wundert man sich, wie eine solche Unvernunft überhaupt so lange existieren konnte, und warum gerade der Deutsche immer wieder glaubt, dass er mit endloser Leistung und vielen Überstunden ein für sich sicheres Leben erhalten kann. Genau mit diesem Verhalten sorgt er nämlich für das Gegenteil und begibt sich in eine Abhängigkeit des Wirtschaftsimperiums. Je mehr er sich auf Überstunden einlässt, desto schwächer wird die Gesellschaft und desto unsicherer seine eigene Existenz.


Überstunden fördern Krankheiten, Lohndumping und sorgen für weniger Arbeitsplätze

Tatsache ist, dass man mit dauerhaften Überstunden seinem eigenen Körper schadet und dies oftmals zu irreparablen Krankheiten führt. Durch die unnötige Mehrarbeit spart man zudem Lohn ein, da Überstunden kaum noch ausgezahlt werden und kann auf weiteres Personal verzichten. Als Angestellter sorgt man also selbst dafür, dass man unter dem Strich weniger raus bekommt und der eigene Arbeitsplatz durch Erpressung immer gefährdet ist, da man durch die Überstunden dem Arbeitgeber zum scheinbar günstigen Mehrwert verhilft. Dies ist zwar nicht der Fall, aber das wird allgemein nicht erkannt. Stellen wir mal eine ganz einfache Rechnung auf: wenn der Deutsche im Jahr 1 Milliarde Überstunden macht, wir davon ausgehen, dass die normale Arbeitszeit bei 40 Stunden die Woche liegt, der Arbeiter also rund 1920 Stunden im Jahr arbeitet, so ergeben sich aus der Summe der Überstunden 520833 Arbeitsplätze. Über eine halbe Millionen Menschen könnten also wieder in einen Beruf finden, wenn man vom Überstundenprinzip ablässt.  Gehen wir aber mal einen Schritt weiter und stellen die Behauptung auf, dass der Mensch mit 6 Stunden genug gearbeitet hat am Tag, so ergibt sich eine Jahresstundenzahl von 1440. Siehe da, schon hätten wir 694444 neue Arbeitsplätze. Bedenkt man jetzt den Faktor, dass man durch die Reduzierung auch automatisch eine weitere Stelle zu vergeben hat als Unternehmen, dann kann man ohne Weiteres auf 1,5 Millionen neue Stellen kommen. Wie das?


Es geht nicht um Mehrleistung, sondern darum zu handeln

Ein großer Irrglauben liegt darin, dass man als Bürger nur durch Mehrleistung Anspruch auf ein gesichertes Leben hat. Wir als Gemeinschaft müssen in einem ausgeglichenen Verhältnis arbeiten und dem Staat deutlich machen, dass wir uns nicht ausbeuten lassen. Daher wird es Zeit, dass wir wieder eine solidarische Gemeinschaft werden. Man verdient durch unsere Schaffenskraft große Summen auf dem Wirtschaftsmarkt, also haben wir auch Anspruch auf ein gesundes Arbeitsklima. In dem wir immer wieder bereit sind mehr Leistung für immer weniger Geld zu erbringen, schaden wir uns und unseren Mitmenschen. Keiner dürfte mehr eine Überstunde machen, und man müsste in Form der Gegenseitigkeit dafür Sorge tragen, dass andere Mitmenschen eingestellt werden in einem gesunden Arbeitsverhältnis. Je weniger Stunden ein Mensch in der Woche arbeiten muss, desto besser ist das Wirtschaftsprodukt und desto mehr kann neu entstehen. Warum? Nehmen wir an, ein Mensch arbeitet 6 Stunden am Tag, was vollkommen ausreichend ist und wird dann durch einen weiteren Mitarbeiter abgelöst. Beide sind frisch, bringen bessere Leistung, weil ihre Körper und auch die Psyche nicht so sehr belastet sind.  Aus dem besseren Ergebnis kann man dann zwei Angestellte unterhalten und ihnen einen besseren Lohn zahlen, als vorher einem. Die menschliche Leistungskurve lässt im Verlauf des Tages bei jedem Menschen nach und damit auch seine Leistung. Dies kann man zwar eine Weile umgehen, doch führt genau dieses Verhalten zu dauerhaften Erkrankungen. Gucken Sie sich doch einmal um, und schnell werden Sie erkennen, wie erschöpft und lustlos die gesamte Gesellschaft der umherirrenden Schafe geworden ist. Keine Weide mehr in der Nähe, wo sie sich stärken können, kein Brunnen der Erfrischung.


Freie Gedanken – das Prinzip der Leistungsgesellschaft ist gescheitert

Immer meinte man die Arbeit beschleunigen und seine Belastungsgrenze selber in die Hand nehmen zu müssen. Wann begreift der Mensch endlich, dass er die Naturgesetze nicht umgehen kann und der menschliche Körper eine Belastungsgrenze besitzt, um uns zu warnen? Also, dass die Ignoranz im Alltag da ist, das ist ja noch die eine Sache, dass man aber konsequent die eigenen Warnsignale seines Körpers missachtet, kann nun so ganz und gar nicht gesund sein und im eigenen Interesse der betreffenden Person liegen. Verantwortliche aus Wirtschaft und Politik sind hier auch nicht zu verstehen, denn je frischer die Bevölkerung ist, und je besser man die Lasten auf alle verteilt, desto besser wird erwirtschaftet, und es entsteht ein deutlicher Mehrwert in Produktion und Qualität. Will man Armut wirklich unterbinden, so geht es auch darum zu regulieren, dass ein Mensch bei gutem Auskommen sich nicht maßlos bereichern darf und Rücksicht zu nehmen hat auf Menschen, die nicht so viel haben. Sicherheit hat man als Einzelner auf Dauer nur dann, wenn wir auf die Existenzen unserer Mitmenschen achten; denn geht es diesen gut, dann leben auch wir selber ohne Druck in einem positiven Weltbild. Ganz gerne lässt man auch den Faktor der Gesundheitskosten außer Acht, denn wenn wir leben wie im gegenwärtigen Kreislauf, so steigen die Kosten für Krankheitsbehandlungen massiv, hingegen wenn der Körper in einem gesunden Rhythmus sich befindet, spart man Millionen ein. Man könnte annehmen, dass der Mensch sich bewusst gegenseitig zerstören will, nur damit einer mehr hat als der Andere.


Warum muss der Mensch sich immer wieder profilieren? Warum nehmen wir uns gegenseitig den Lebensraum? Alles ist so einfach, wenn der Stursinn des Menschen endlich nicht mehr die Oberhand gewinnen würde.


Ihr

Joachim Sondern

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