Soziale Kaelte – unser Zukunftsgrab

02.02.10

Dass wir in einer sehr kalten Gesellschaft des fehlenden Verständnisses leben, ist ja nun schon lange keine neue Erkenntnis mehr, und trotzdem verschlimmert sich die Lage. Eigentlich sollte man doch annehmen, dass man handelt und einen negativen Zustand zu verbessern versucht. Unser Gesellschaftsleben übt sich aber lieber in der Ignoranz. Dieses Jahr, das Jahr 2010, wird zum ersten Mal sehr deutlich zeigen, wohin uns die gesellschaftliche Kälte geführt hat. Eine Art Höhepunkt ist zu erwarten, der seines Gleichen sucht.


Kinder besonders schlimm betroffen

Wenn es um das Thema „soziale Kälte“ geht, verschweigt man immer wieder ganz besonders gerne, dass die heutige Jugend am meisten darunter zu leiden hat. Sie wird dazu genötigt, diese Kälte anzunehmen, kann sich am wenigsten dagegen wehren und bekommt diesen Windzug auch immer wieder am eigenen Leibe deutlich zu spüren. So auch eine 16jährige Schülerin aus Brandenburg, die an einem Dienstabend, im Januar 2010, von einer Schaffnerin aus dem Zug geworfen wurde, weil sie die 2,00 Euro Aufpreis für ihr Ticket nicht zahlen konnte. Den regulären „Schalterpreis“ konnte die Schülerin zahlen, nur nicht den Aufpreis für die Zahlung im Zug. Gerade in der heutigen Zeit gerät man jedoch oft unter Druck und bekommt den Zug noch in letzter Sekunde. Minderjährige sollten deshalb niemals aus einem Zug geworfen werden, schon gar nicht bei einer solchen Kälte oder gar in der Nacht, wie es hier der Fall war. Laut der Mutter lag das Kind die nächsten Tage mit Fieber im Bett, da sie über eine Stunde warten musste, bevor sie jemand abholen konnte. Prinzipiell ist es untersagt, Minderjährige aus dem Zug zu werfen, und so entschuldigte sich die Schaffnerin in aller Form bei den Eltern. Dennoch ist es schon des öfteren zu einem solchen Vorfall gekommen.

Ein gutes Beispiel, an welchem man wunderbar erkennen kann, dass der Mensch sich dem reinen Kapitalgedanken untergeordnet hat und zwischenmenschliche Umgangsformen nicht mehr von Bedeutung sind.  Unser Nachwuchs hat heute aber noch mit ganz anderen Formen der Kälte zu kämpfen. So zum Beispiel innerhalb der Familie, in denen Eltern ihre Kinder oftmals leider schon in sehr jungen Jahren zu verstehen geben, dass sie auf sich alleine gestellt sind und gewisse Bedingungen zu erfüllen haben. Es zählt der Erfolg, egal um welchen Preis, es zählt sich hart zu geben und scheinbar kontrolliert zu handeln. Werte wie Wärme, Zusammenhalt und Menschlichkeit werden innerhalb der Familien kaum noch vermittelt. Hier sprechen wir also von einem Selbsterziehungseffekt, der nach hinten losgeht und für noch mehr Kälte innerhalb des Gesellschaftslebens sorgt.

Ähnlich ist es in den Schulen. Lehrer unterrichten nach dem Prinzip der Stärksten und fordern von den Schülern kein Gewissen, sondern kalkuliertes Handeln, fern jeglicher Kreativität. Mobbing in der schlimmsten Stufe findet in den Lehranstalten statt, sodass auch hier ein Leben auf reiner „Kalkulation“ gelehrt wird. Im Freundeskreis ist es dann nicht anders, auch hier zählt meist nur noch, was du hast und das man dazugehört, mehr ist nicht mehr von Bedeutung.


Leben an der Oberfläche kein Weg

Diese oberflächliche Lebensform kann jedoch nicht der Weg von uns Menschen sein. Langeweile entsteht, dadurch kommt es zu Gewalt, Unruhen und allgemeinen, menschlichen Extremen. Vollkommen logisch ist das durchaus, denn ein Leben ohne Tiefsinn, ohne Visionen und ganz ohne Träume und Fantasie zu führen, lässt nichts Neues entstehen, und so bewegt man sich in einem Kreislauf, der im Allgemeinen nicht als „schöpferisch“ zu bezeichnen ist. Solange man sich immer nur auf alten Pfaden bewegt und in vorhandenen Dimensionen denkt, kann man nicht an einem neuen Prozess mitwirken. Der Mensch braucht im Leben ein gewisses Abenteuer, um nicht dem Irrglauben der monotonen Langeweile zu verfallen, doch lehnen wir als Gesamtheit diese Abenteuerreisen ab, obwohl sie wichtig sind für unsere Seelen. Wir schweben auf einer gefährlichen Ebene, denn diese ist besonders stark durch Vorurteile geprägt. Wo das emotionale Verständnis verloren geht, baut man nur auf bekannte Erfahrungen. Genau daraus entwickelt und ernährt sich die Welt der Vorurteile.


Demokratie bedeutet, in der Menschlichkeit zu leben

Immer wieder spricht man auch bei der sozialen Kälte der heutigen Zeit von einem Leben in einer gesicherten Demokratie. Nun, wer wirklich demokratisch leben möchte, darf keinen Nährboden schaffen für Hass, Neid, Intoleranz und Stumpfsinn. Doch genau das passiert im Moment in unserem Gesellschaftskreislauf. Voller Neid mag keiner mehr in den eigenen Spiegel sehen, und fasst jeder denkt, dass er alles richtig macht und sein Weg der richtige ist. Hier sprechen wir also nicht mehr von einem Leben des Miteinanders, sondern von einem „Gegen“-einander. Wir haben eine Art dauerhaftes Konkurrenzdenken in allen Lebensbereichen erschaffen, welches die Kontrolle über uns erlangen konnte, so dass wir nicht mehr wir selbst sind. Demokratie ist nicht von der Politik abhängig, sondern stets von den Menschen, die den Staat bilden und als Gesamtheit immer für den gesunden Ausgleich in einem System zu sorgen haben. Menschliches Verständnis füreinander setzt eine gewisse offene Haltung voraus, in der man keine Angst haben darf, dass jemand auf einem rumtrampelt. So ist stets daran zu denken, dass es einem nichts anhaben kann, wenn man ohne Sinn kritisiert wird, denn dann erkennt man, dass man den richtigen Weg gewählt hat. In Menschlichkeit zu leben, setzt auch eine gewisse Solidarität voraus, die der Machtpolitik Einhalt gebieten kann und dafür Sorge zu tragen hat, dass es keinen Abfall in die totale Armut gibt. Jede Art eines Sozialsystems setzt auf menschliche Werte, denn sonst hat es kein Bestand, wie man es gerade in Deutschland zu spüren bekommt.


Politik darf nicht das Gesetz der Menschheit werden

Daher ist es auch von besonderer Wichtigkeit, sich eine Grundregel zu verinnerlichen: Politik darf niemals den gesamten Lebensweg bestimmen. Ohne es zu merken, haben wir alle uns auf eine politische Welle begeben, die von kalter Ignoranz geprägt ist.  Für alles gibt es eine gesetzliche Regelung, die im Grunde zum Teil völlig sinnlos ist, da diese meist von einem anderen Gesetz wieder aufgehoben wird. Wir bewegen uns in einem Endloskreislauf, in dem es keinen Anfang gibt und kein Ende, also kein Ziel. Das schürt natürlich großen Unmut. Politik versetzt uns in den Glauben, dass alles schon vorhanden ist und wir nur zugreifen müssen, doch so ist es nicht. Das Leben besteht nicht nur aus kalkulatorischer „Kunst“, sondern ist ein individuelles Konstrukt mit laufenden, wechselnden Bedingungen.


Ich schließe mit einem eigenen Zitat:

Wer sich im politischen Irrgarten bewegt, läuft Gefahr, nicht zu erkennen, was es für Alternativen gibt.


Ihr

Joachim Sondern

Kommentare (1)

  1. the CAT sagt:

    Hallo zusammen!

    Es sind wahre Worte, kurz um neumodische Realität.

    Der Aufbruch und die Freiheit des Einzelnen zerstören die Freiheit und den Zusammenhalt Aller

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