Finanzmarkt – Zocker wieder willkommen

03.02.10

Nachdem man glaubt die Weltwirtschaftskrise überstanden zu haben, erlaubt man seitens der BaFin wieder hochspekulative Geschäfte mit ungedeckten Leerverkäufen. Angesichts der harten Krise wurden riskante Wetten auf deutsche Finanztitel untersagt. Unter dem Deckmantel der “überstandenen” Krise hebt man jedoch nun wieder dieses Verbot auf, denn die Finanzmärkte hätten sich, laut Aussage der BaFin, wieder erholt. Freie Bahn also für Zocker des Anlegermarktes, die nach alter Manier auf volles Risiko setzen, um den schnellen Kapitalgewinn zu ermöglichen.


Krise noch nicht überstanden

Wer die Gelder des Volkes nutzt, um die Finanzmärkte vor dem endgültigen Kollaps zu bewahren, der hat eine Menge Verantwortung zu tragen. Doch genau diese weist man von sich, denn vor den Bürgern braucht man sich ja nicht zu rechtfertigen, die spielen mit. Genau das sind die gewissenlosen Gedanken jener, die diese Weltwirtschaftskrise mit zu verantworten haben. Man schaffte Sicherheiten für die Finanzelite, die es im normalen Wirtschaftsleben für keinen Unternehmer gibt, da es auch vollkommen unrealistisch ist und nur zu weiteren Pleiten führen würde.


Risikospiel Leerverkäufe

Leerverkäufe können besonders risikoreich sein, da sie auf den höchsten Ebenen der Spekulationsgeschäfte zuhause sind. Bei diesen Geschäften leiht sich ein Verkäufer Wertpapiere von einem Anleger und spekuliert auf einen Preisfall auf dem Markt. Sprich, er verkauft die Wertpapiere zu einem noch recht hohen Verkaufspreis auf dem Markt und deckt sich dann bei Preisfall wieder günstiger mit den Wertpapieren ein und gibt diese wieder zurück an den eigentlichen Eigentümer. Fällt der Kurs wirklich, hat der Leerverkäufer einen Gewinn erzielt. Steigt er jedoch, muss er mit einem Verlust leben. Das besondere Risiko liegt darin, dass hingegen beim normalen Aktienkauf der Verlust nicht nur begrenzt ist auf den Einkaufswert der Aktie, sondern theoretisch unbegrenzt ist bei einem Leerverkauf. Hier wird also überdeutlich, mit was für einem Feuerball man spielt, wenn man mit Werten hantiert, die einem gar nicht gehören, die kein Eigentumsverhältnis decken. Im Prinzip sprechen wir also von “Nackt”-Verkäufen. Diese “ungedeckten” Geschäfte können den Abwärtstrend einer Aktie drastisch beschleunigen.


Immobilienwahn geht weiter

Auch wieder im Trend sind, neben klassischen Bankenwerten, Immobilien. Einst Auslöser der Krise liebäugelt man nun schon wieder weltweit mit neuen Immobilienprojekten. Vermutlich gerade deshalb, weil hier auch der einfache Finanzdienstleister das schnelle Geld drin sieht. Anders als bei Aktiengeschäften dürfen hier nicht nur Banker und Börsianer ihr Glück versuchen, sondern auch ganz einfache Vermittler. Die Verdienstgrenze liegt hier so verlockend hoch, dass sehr viele sich in diesem Geschäft der “Vermittlung” versuchen und die Gefahren nicht erkennen. Von Immobilie zu Immobilie denken diese Menschen, dass sie es dieses “EINE” mal schaffen, dass es jetzt klappt, auch dann, wenn sie nach langer Zeit noch kein Geschäft erfolgreich abwickeln konnten. Für den einfachen “Händler” ist kaum nachvollziehbar, wie lange diese scheinbar vielversprechende Immobilie schon auf dem Markt ist, und so wird meistens mit toten Marktwerten, mit Ramschimmobilien jongliert, die dem kleinen Vermittler nur Zeit und Gesundheit kosten und keinen Cent einbringen. Dadurch, dass so viele meinen “mitspielen” zu können, verliert auch ein Immobilienkäufer, bzw. Anleger schnell den Überblick und zieht sich zurück oder investiert manches mal in einen toten Wert. Jegliche gesunde Balance geht verloren, da eine Menge Leute an ein und demselben Geschäft verdienen wollen, und dadurch kommt es dann auch dazu, dass über sogenannte “Umwege” aus nicht vorhandenen Werten Monopolywerte erschaffen werden, nur um dieses Geschäft abzuwickeln. Doch die Gefahr liegt nicht nur darin, sondern auch im Überangebot der neuen Hightechimmobilien. Im weltweiten Kreislauf existieren mehr Neubauprojekte, als der Markt wirklich benötigt, was zu einem Überangebot und somit zu Nullwerten führt. Immobiliengeschäfte sind der Tradition nach einer der ältesten Geschäfte, und gerade deshalb versucht man es immer wieder, auch dann, wenn es erforderlich wäre, nur zu nutzen, was wirklich am Realwert vorhanden ist, um so wieder zu einer festen Basis zu gelangen.


Was kommt noch auf uns zu im Jahr 2010?

Eins ist sicher: es wird spannend in der Wirtschaft, und der Anlegermarkt kann mal wieder zu einem unkontrollierbaren Organ ausufern. Bleibt abzuwarten, wer oder was für den nächsten Krisenausbruch verantwortlich ist. Man spielt mit dem Teufel, wenn man während einer inaktiven Krise alle Regelungen wieder fallen lässt und meint es sei alles überstanden. Der Kollaps der US-Investmentbank Lehmann Brothers sollte deutlich gezeigt haben, wo man endet, wenn man nur auf schnelle Risikogeschäfte, auch “Shorts” genannt, setzt. Nur dieses mal wird keine “Bürgerallianz” mehr das Schlimmste abwenden können, weil der erste Krisenausbruch bereits alle “Rücklagen” verschlungen hat und auf dem Finanzmarkt ein Ungleichgewicht herrscht. Auszuschließen ist daher auch nicht, dass es doch noch zu einer Inflation kommt. Im Gegensatz zur Geschichte sind die Verantwortlichen heute dazu in der Lage, den schlimmen Ausgang länger hinauszuzögern. Ein Vorteil ist das aber nicht, denn damit erwartet uns ein schlimmeres Ende, als das, welches wir aus unserer Geschichte kennen. Verständlicherweise werden die Bürger immer misstrauischer und wissen nicht mehr, wem sie noch trauen können. So eine Entwicklung führt unweigerlich zu einer Resignation der tragenden Basis. Große Geschäfte sind dann also auch nicht mehr möglich, da ganz ohne den “Kleinen” auch der Große nicht mehr spielen kann, doch das hat man anscheinend vergessen.


Ich schließe mit einem eigenen Zitat:

Die Seele für Geld zu verkaufen kann niemals ein Gewinn sein, nur ein Weg ins endgültige Aus.


Ihr

Joachim Sondern

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