Finanzmarkt 2010 – das Volk wird schon zahlen
15.02.10
In Zeiten der inaktiven Krise sind immer wieder jene Herren willkommen, die ihr wahres Gesicht zeigen und voller Arroganz übersehen, dass sie ihre Maske selber enttarnen. So auch im Streitgespräch zwischen dem Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken, Herrn Michael Weber und dem Ökonom Herrn Heiner Flassbeck, welcher in der Tat die vernünftigeren Argumente zum Thema Finanzkrise geliefert hat. Dennoch wirft dieses Streitgespräch im Focus Money einige Fragen auf. Erstaunlich, mit was für Argumenten die Banken auffahren, wenn es darum geht, für die eigenen Fehler gerade zu stehen. Auf einmal ist die Rede von Zeit, dass es nicht so einfach sei und es doch Änderungen gäbe. Die Frage ist nur, wie diese Änderungen aussehen werden?
Banken fordern Zeit – Staat handelte sofort
Bereits in der ersten Frage wurde Herr Weber vor vollendete Tatsachen gestellt. Man sprach ihn darauf an, dass Präsident Obama in den USA Spekulationsgeschäfte untersagen möchte und diese sogar zerschlagen will. Herr Weber wurde damit konfrontiert, ob er verstehe, dass die Politik mit seiner Branche die Geduld verliere. Als Antwort folgte, dass die Banken mitten in den „Aufräumarbeiten“ wären, und das es auf Grund der Komplexität der Materie keine einfachen Antworten gäbe – vieles sei kurzfristig nicht umsetzbar. Ehrlich gesagt ist das schon sehr arrogant, denn wo es darum ging die Banken zu retten, hat man quasi in einer Nacht- und Nebelaktion die Volksgelder zur Bankenrettung verwendet, und das war eigentlich keine Situation, wo man so schnell handeln konnte, dennoch wurde es so vollzogen. Wo man schnelle Hilfe erhält, hat man auch „schnell“ dafür Sorge zu tragen, dass diese Hilfe wieder getilgt wird, und man solche Fehler nicht nochmals begeht. Angesichts der Tatsache, dass die Spekulationsgeschäfte wieder auf Hochtouren laufen, war von Reue aber nicht viel zu erkennen. Herr Flassbeck gab hier auch zu verstehen, dass die Vorschläge der USA noch gar nicht weit genug gingen, es aber ein Schritt in die richtige Richtung sei. Ebenfalls machte er deutlich, dass Wetten keinen Nutzen bringen auf dem realen Wirtschaftsmarkt und verboten gehören. Besser hätte man es nicht ausdrücken können, und da hilft auch Herrn Weber seine Argumentation nicht, dass früher 4% Kernkapital ausreichend waren, um ein Geschäftsmodell umzusetzen, wo man heute 8 bis 10% benötigt. Jeder Unternehmer kennt die Spielregeln und weiß, dass schon lange 10% und mehr Kernkapital, je nach Branche, gefordert wird. Grundsätzlich versucht man hier wieder Einschnitte zu machen in der realen Produktionswirtschaft, nicht aber auf dem spekulativen Anlagemarkt, wo dieser aber im Grunde doch Auslöser der Krise war. Der Anlegermarkt boomt mit staatlichem Kapital, den Geldern des Volkes. Herr Weber erwähnte zwar eine angemessene Regulierung der Märkte, ging aber auf das Spekulationsspiel nicht weiter ein.
Nutzen auf dem Finanzmarkt – Schuldenspekulation unverantwortlich
Herr Flassbeck meldete sich im weiteren Verlauf des Gesprächs auch wieder zu Wort und erwähnte, dass die Spekulation auf Schulden ein unverantwortliches Handeln sei. Hier wurde der nicht vorhandene Nutzen angesprochen und das solche Spiele gefährlich sind. Geht die Schuldenspekulation nicht auf, steht man vor einer Schuldenlawine, und der Staat muss wieder eingreifen, weil sonst die gesamte Wirtschaft einbrechen würde. Ein solch unvernünftiges Verhalten können wir uns in der Tat nicht mehr leisten, denn guckt man was der erste Krisenausbruch an Kapital gefressen und wie stark die Schuldenlawine zugelegt hat, so kann man schnell feststellen, dass eine nochmalige schnelle Rettung nicht ausgeschlossen werden kann, denn noch mehr Last kann man nicht auf die Bürgerschicht umlegen. Interessant und gut ist auch, dass Herr Flassbeck das Casinospiel der Notenbanken angesprochen hat. Diese geben Geld zum Nullzins raus, was die Banken dann „verspielen“ können. Staatliche Gelder werden hier ins Casino gebracht, um damit die Finanzmarktkurse nach oben zu treiben. Herr Flassbeck betonte auch, dass Geld an reale Investoren gehen sollte, die die Produktivität ankurbeln. Anzumerken wäre hier noch, dass diese jedoch ohne sie auskommen müssen, und gerade kleinere Unternehmer, die wichtig sind für den regionalen Wirtschaftsmarkt, in jeglichen Belangen benachteiligt werden. Auf der einen Seite vergibt man Gelder ohne Nutzfaktor, auf der Anderen macht man es der realen Wirtschaft unmöglich, den Gesamtmarkt wieder mit neuen Effektivwerten zu stärken. Umso deutlicher ist in diesem Zusammenhang zu erkennen, dass sich der Finanzmarkt also gar nicht erholen kann, und sich der Schuldenberg nur noch weiter erhöht.
Analyse der Krise – wer hatte Schuld?
Natürlich darf in einer solchen Diskussion auch die Schuldfrage nicht fehlen, und so brachte Herr Weber ins Gespräch ein, dass Banken durchaus Schuld haben an dieser Krise, aber auch Politiker, welche wollten, dass sich jeder US-Bürger ein Haus leisten kann oder die US Notenbank, die nach Platzen der Blase die Märkte noch viel zu lange mit Liquidität flutete, so Herr Weber. Recht hat er hier durchaus, aber es ist nun auch schon lange bekannt, wie eng politische Interessen an die der Banken geknüpft sind, und das es die führende Elite gemeinsam zu verantworten hat, was da passiert ist. Das es alles zu Lasten der Bürger geht, ist nicht zulässig und muss in jeglicher Hinsicht unterbunden werden. Genau darauf kam man nicht zu sprechen und doch sind es Tatsachen. Die „Krisenzeiten“ begangen doch bereits viel früher und sind in Bezug auf Deutschland auch in der politischen Landschaft zu suchen. Bereits 1997 veröffentlichte der Spiegel einen Bericht, dass die Armen immer ärmer werden und die Reichen immer reicher, und warum Arbeit in Deutschland immer weniger einbringt. Damals belächelte man den Artikel, heute spricht der Bürger in seinem „toten“ Winkel auf einmal über nichts anderes mehr. Sieht man es als Gesamtkonstrukt, so trägt also auch die Gesellschaft durchaus eine Mitschuld, denn es wird immer erst angefangen zu handeln, wenn die Armut da ist. Wir als Bürger haben aber die Verantwortung vorausschauend zu handeln und Warnungen frühzeitig zur Kenntnis zu nehmen. Ignoranz ist der denkbar falscheste Weg und ermöglichte den Banken doch erst ein solch unvernünftiges Handeln. Nur der fängt an zu pokern, der unbeaufsichtigt ist, so war es schon immer.
Bankgeschäfte, Wetten und die große Normalzone
Herr Flassbeck warf noch ins Gespräch ein, dass wir die eine Seite haben, die Wetten, die Andere der normalen Bankgeschäfte und dazwischen eine große Zone, über die noch kein Politiker oder Bankmanager gesprochen hat. Nun, gerade deshalb sollten wir diese Zone mal ein wenig durchleuchten und hinterfragen, um was für eine Zone es geht. Letztendlich geht es um den realen Markt, auf dem wir jeden Tag unsere Leistung erbringen, also um die Zone des alltäglichen Lebens. Nur dort ist die Basis zu finden, die tragende Kraft, auf der alles aufgebaut und stabilisiert werden kann. Wir sprechen von der Gemeinschaft, von uns allen, die durch ihre Schaffenskraft überhaupt erst eine Wirtschaft, einen Aktienmarkt oder auch einen Rohstoffmarkt ermöglichen: es ist simpel ausgedrückt, die Arbeitskraft und der Wille der Menschen etwas zu bewegen. Prinzipiell kann man die Betrachtung der Dinge also auch so auslegen, dass die Menschheit nicht vom „Wettmarkt“ abhängig ist, sondern dieser von den Normalbürgern. Genau diese regulierende Zone bezeichnet man als gesunden Ausgleich der beiden anderen Seiten, nur wurden hier die letzten Reserven entzogen und die Basis fast vollkommen zerstört, aus falscher und unsinniger Profitkalkulation. Der Wettmarkt sollte endlich begreifen, dass schneller Kapitalgewinn nur von kurzer Dauer ist und keine Überlebenschancen mehr hat in unserer heutigen Wirtschaft. Leider besteht aber die Gefahr, dass diese Pokergeschäfte ganze Nationen in den Ruin treiben, und genau das gilt es zu verhindern. Solange aber Banken Teil dieses Casinos sind, werden sie weiter Kredite vergeben und den Markt puschen, daher gilt es hier eine strickte Trennung einzuführen.
Börse – Glückspiel wie im Casino
Abschließend sollte man nochmals explizit auf die Börse eingehen. Wir sprechen hier von einem virtuellen Handelsmarkt, der von allen Seiten manipuliert werden kann, auf dem es um fiktive Werte geht, um eine Art Monopolysystem, dass in Bezug stehen soll zur eigentlichen Wirtschaft. Das dies nicht der Fall ist, kann man wunderbar an der Tatsache der Leerverkäufe erkennen. Es werden Werte verkauft, die gar nicht im Besitz des Händlers sind. So etwas wertet man auf dem normalen Markt als Betrug, und somit wäre das Geschäft unwirksam. Schließlich kann ich kein Auto verkaufen, was mir nicht gehört, um Kapital zu bekommen und kann dann darauf hoffen, dass ich in kürzester Zeit ein und dasselbe Auto im gleichen Zustand finde, was aber günstiger verkauft wird. Eine Art „Leihgeschäft“ würde der eigentliche PKW-Inhaber hier nie eingehen, denn es kann nicht abgesichert werden, und das kalkulatorische Risiko ist nicht gegeben, also keine Verlustgrenze im eigentlichen Sinne. Schon lange sagen die Zahlen an der Börse nichts mehr über die realen Verhältnisse am Markt aus und anstatt zu regulieren, schafft man ein Ungleichgewicht und manipuliert das Preisgefüge zu Lasten des Endverbrauchers. Bei Rohstoffgeschäften bedarf es keiner Börse. Die einen stellen jemand als Fantasten dar, wenn man behauptet, dass die Börse keinen Sinn ergibt, und die anderen stimmen dem zu: Fakt ist in jedem Fall, dass man mit der Börse eine Pokerplattform geschaffen hat, die die jahrelange Gesamtleistung des Volkes in nur wenigen Tagen komplett zerstören kann.
Ich schließe mit einem eigenen Zitat:
Wenn die letzte Kalkulation dazu führt, dass die Erde aufhört zu existieren, spätestens dann wird man begreifen, was das Geld tatsächlich für einen „Wert“ hatte.
Ihr
Joachim Sondern
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