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Armut in Deutschland – schon lange da

Verfasst von: admin am Februar 23, 2010 Kein Kommentar

23.02.10

In Zeiten des politischen Irrgartens tauchen immer wieder neue Studien auf, über die man anschließend diskutiert. Gerade wenn es um Armut geht, ist es in Deutschland zur Zeit alles andere als ruhig, und so verliert man sich in endlosen, bürgerpolitischen Debatten, ohne die wirklichen Ursachen erkennen zu wollen. Also ist im Grunde alles wie es immer war und doch anders: was früher ein Tabuthema war, wird heute scheinbar „offen“ angesprochen, die Armut. Doch wie geht man mit diesem Tabu um? Von einem ehrlichen Umgang ist man noch immer weit entfernt, denn man versucht die Armut auf bestimmte Gruppen, wie zum Beispiel Jugendliche zu schieben, um noch eine Begründung für diese zu finden, die nicht auf Seiten der politischen Verantwortungsträger zu suchen, bzw. zu finden ist. Ein Begriff wird hier so oft variiert, dass der Statist ganz schnell den Kernpunkt der Thematik aus den Augen verliert.


Junge Menschen und Familien von Armut besonders schwer betroffen

Nicht verwunderlich also, dass man bei dieser Themendarstellung- und „Vermarktung“ schon eher von einer Unterhaltungsshow sprechen kann, als von einer sachlich nüchternen und konstruktiven Auseinandersetzung mit diesem brisanten Thema. Laut einer Erhebung des Deutschen Wirtschaftsinstitutes DIW leben über 11 Millionen Menschen in unserem Land unter der Armutsschwelle. Das seien rund ein Drittel mehr als noch vor 10 Jahren. Die Erhebung stammt aus dem Jahr 2008, so dass anzunehmen ist, dass sich die Lage inzwischen weiter verschlimmert hat. Ganze 14% der Gesamtbevölkerung leben also laut dem DIW in Armut. Besonders betroffen seien junge Erwachsene im Alter von 19 bis 25 Jahren und kinderreiche Familien, was bei der derzeitigen Familienpolitik auch kein Wunder ist. Soziale Kälte bekommen immer zuerst die Familien zu spüren und auch die Auswirkungen eines solchen Lebens. Am wenigsten betroffen wären Menschen im Alter zwischen 46 bis 55 Jahre. Ab dem 75. Lebensjahr hingegen wäre das Armutsrisiko wieder größer. Diese Armut wird begründet durch die Dauer der Ausbildung und den Anteil der Hochschulabsolventen, wodurch sich der Einstieg in das Berufsleben verzögern würde. Langsam aber sicher tut es schon weh, mit welchen Argumentationen man die Bürger um den Finger wickeln möchte. Seit eh und je gab es Hochschulabsolventen, und es spricht eigentlich für ein besseres Ausbildungsschema. Trotzdem begründet man dadurch die Armut. Ähnlich ist es mit der Aussage, dass Berufsanfänger über schlecht bezahlte Praktika ins Berufsleben einsteigen oder einem Trend zu Folge frühzeitig das Elternhaus verlassen. Grundsätzlich sollte man in diesem Zusammenhang auch gleich erwähnen, dass die Politik ein Familienleben unmöglich macht, was unter anderem in der gesellschaftlichen Benachteiligung von Großfamilien zu finden ist. Einmal äußert man, dass die Armut bei kinderreichen Familien sehr groß sei, und dann begründet man die Armut junger Menschen mit der Tatsache, dass diese immer eher das Elternhaus verlassen. Allein an diesem Konstrukt können wir erkennen, wie sehr sich verantwortliche „Industrielle“ hier selber widersprechen. Viele junge Menschen verlassen das Elternhaus, weil in der Großfamilie keine Zukunft liegt und sie dies gelehrt bekommen, oder weil sie ihren Eltern auch nicht mehr zu Last fallen wollen. Menschen haben verlernt wirklich familiär zu leben, und genau deshalb konnte es auch zum Armutsproblem in Großfamilien kommen, denn man hat das System der Familienpolitik von der Regierung übernommen, ohne es zu hinterfragen. Wo schafft man individuellen Raum für junge Erwachsene? Wo fördert man die langjährige, ruhige und intensive Elternerziehung? Wo verhindert man, dass der Arbeitgeber Eltern nicht benachteiligen darf im Berufsleben? Wer blickt auf die Pädagogen, die unseren Kindern oftmals nicht das vermitteln, was sie für das Leben brauchen? All das und noch viel mehr spielt eine Rolle, wenn wir von Armut in Familien und bei jungen Erwachsenen sprechen; doch genau das hat man grandios nach alter Gutsittenmanier ausgeblendet. Von Schwachsinn pur können wir auch reden, wenn behauptet wird, dass Menschen im Alter zwischen 46 Jahre bis 55 Jahren am wenigsten von Armut betroffen sind, denn genau in diesem Alter werden die meisten Arbeitnehmer entlassen, bevor sie zur „Last“ fallen und müssen allein zusehen wie sie klarkommen. Ab und an kommt es vor, dass diese von den letzten Ersparnissen leben, aber in Armut befinden sie sich trotzdem, denn dieser „Sparstrumpf“ ist meist schnell aufgebraucht. Wenn man schon von Statistik spricht, dann sind auch die „Variablen“ zu beachten und nicht nur die Schema „F“ Funktion. Altersarmut beginnt heute schon mit Anfang 50, und die Armut der jungen Menschen geht oft bis ins hohe Alter. Dazwischen findet man viele Familien. Betrachten wir also die Gesamtheit, so ist Armut ein Problem der ganzen Gesellschaft und nicht nur vereinzelter Gruppen.


Armut nicht erst seit heute ein Thema – doch es wurde zu spät erkannt

Traurig ist lediglich, dass die „Narren“ in unserem Land sich zu sehr der Spaßgesellschaft zugewendet haben. Wir leben in Armut, davon spricht heute jeder „soziale“ Anhänger, doch keiner erwähnt, dass man bereits ab dem Jahr 1995 auf die Armutsfalle hingewiesen hat und auf den schon damaligen „Ist-Zustand“, Arbeit in Deutschland immer weniger einbringt. Verspottet hat man diese Berichte, ignoriert oder über diese Ermahner gelacht, die darauf hingewiesen haben.  Jetzt sieht man, wohin uns so ein verantwortungsloses Verhalten geführt hat: in die vor Jahren prophezeite, endgültige Gesellschaftsarmut. Immer reagiert die Schar der Schafe erst dann, wenn es schon fast zu spät ist, anstatt immer vorausschauend zu handeln. Ein Sozialsystem, egal auf welchem Kontinent, fordert auch immer Verantwortungsbewusstsein und politisches Interesse des Einzelnen, denn sonst kann es auf Grund vieler Faktoren nicht aufrecht erhalten werden. Selbstverständlich war 1995 noch alles besser, doch waren die „Zeichen“ überdeutlich zu erkennen, und so sollte uns bewusst werden, dass es leichter ist etwas zu pflegen und zu erhalten, als erst zuzulassen, dass es zerstört wird und dann wieder aufgebaut werden muss. Aus der Sicht eines Firmenchefs wäre das kontraproduktive Energieverschwendung und nicht mehr. Neben Politikern tragen wir als Gesellschaft also auch eine gewisse Mitschuld an dieser Entwicklung, denn durch die Masse wurde der noch vorhandene, positive Aspekt bis zum Endpunkt genutzt.


Was ist mit den wirkliche Zahlen?

In Bezug auf die Armut ist aber das Zahlenspiel auch genau zu durchleuchten. Schon über Jahre hinweg spielt man immer  mit neuen Zahlen: da kommt mal die Dunkelstatistik der Arbeitslosenzahlen von über 9 Millionen zum Vorschein, woanders vergisst man die Hausfrauen und Kinder in der Gesamtstatistik zu berücksichtigen. Leicht kommt man auf eine Quote von 18% Menschen, die in Armut leben und nochmals die gleiche Anzahl, die an der Armutsgrenze leben. Wir sprechen also von einer Armutsquote von 36%, Tendenz steigend. In einer Wirtschaftsnation wie Deutschland ist das nicht nur traurig, sondern katastrophal.


Ich schließe mit einem eigenen Zitat:

Derjenige, welcher erkennt, wo mit einer Lösung zu beginnen ist, nur der wird verstehen, dass Armut kein natürliches Problem ist, aber die Entstehung leicht zu verhindern.


Ihr

Joachim Sondern

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