Neujahrsansprache – Das endlose Nirwana
02.01.10
Wie in jedem Jahr hat es sich die Kanzlerin, ganz nach alter Tradition, nicht nehmen lassen, eine „aufbauende“ Neujahrsansprache zu halten. Selbstverständlich hätte man getrost auf diese verzichten können, denn was die Bürger erwarten sind Handlungen und keine Worte. Dennoch sollte man aber auch hier erwähnen, dass unsere Gesellschaft wieder lernen muss, als eine geschlossene Gemeinschaft zu handeln und nicht nur die Politik zu kritisieren, denn dieses Verhalten löst keine Probleme, sondern schafft neue.
„Geheime“ Rede gelangt an die Süddeutsche Zeitung
Bevor wir nun aber auf die eigentliche Rede zu sprechen kommen, sollten wir zumindest mal einen Blick auf den Bericht der „wahren“ Rede der Bundeskanzlerin werfen. Laut Süddeutsche hatte die Kanzlerin zwei Reden verfasst. Eine gemilderte und eine, in welcher sie sehr ehrlich und direkt über die Probleme des Landes gesprochen hätte. Natürlich wurde diese volksnahe Rede, pünktlich am 31.12.09 in der Süddeutschen Zeitung veröffentlicht. Eine Rede, die nicht für die breite Masse bestimmt war, gelangte am Tag der Neujahrsansprache aber trotzdem an die Öffentlichkeit. Vermuten lässt sich, dass man genau damit die negative Stimmung in der Volksschicht mildern möchte und diese „künstliche Rede“ ganz bewusst an die Öffentlichkeit getragen wurde. Will man zumindest zum Jahresbeginn darauf aufmerksam machen, dass Bundeskanzlerin Merkel doch gar keine schlechte Kanzlerin ist und hinter dem Volk steht, ihr aber leider die Hände gebunden sind. Billige PR aus dem Grundkurs, wie sie offensichtlicher nicht sein könnte. Langsam aber sicher scheint man die Manipulierung der Bürgerschicht nicht mehr steuern zu können, man hat ja auch bereits alle Werkzeuge benutzt, die bisher zur Verfügung standen.
Trotzdem beinhaltet diese „wahre“ Rede natürlich einige Äußerungen, die es durchaus Wert sind, dass man diese anspricht. So z.B. auch im Bezug auf den neoliberalen Regierungspartner FDP. Hier gesteht sich die Kanzlerin ein, dass man sich nie darauf eingelassen hätte, wenn man gewusst hätte, was auf sie zukommt. Gleichzeitig spricht sie aber auch an, dass das Volk diese Regierung gewollt hätte, denn es habe stimmlich so entschieden. Unrecht hat sie in diesem Punkt nicht, denn wie gewohnt wählte der Bürger die Parteien, die leichte Wege versprochen haben, ohne Eigenverantwortung tragen zu müssen. Nichts scheint in dieser modernen Gesellschaft schlimmer zu sein, als die Last der eigenen Verantwortung.
Um diese drückt sich unsere Kanzlerin laut „ehrlicher“ Rede nicht. Aus diesen Zeilen geht hervor, dass mit der vereinigten Lobby-Politik Schluss sein muss und sie bereit sei für diesen Kampf.
Glaubt man diese Märchenphrasen, dann kommt es einem mitunter so vor, als hätte sich die gute Dame und deren politische Ansichten über Nacht geändert. Vielleicht denkt sie privat ja sogar so, aber dann sollte sie im Interesse des Volkes handeln, und darauf werden wir lange warten. Aus der Strategie der Politik heraus betrachtet zeigt dieses Verhalten nur, dass man wohl doch Angst hat, die Schwierigkeiten im Land werden zunehmen, und der Bürger dann doch unruhig wird und sich gegen eine Lügenpolitik zur Wehr setzt. Im Berliner Staatstheater ist man sich also schon lange im Klaren darüber, wie in etwa die Quittung für diese desolaten Handlungen aussehen wird.
Offizielle Rede – keine Aussagekraft
Während sich diese „wahre“ Rede zumindest noch gut und positiv anhörte, war die offizielle Rede von einem anderen und nichtssagenden Charakter geprägt, wie es immer in der Politik der Fall ist. Den „Opener“ setzte sie mit der Berliner Mauer. Als Kanzlerin erinnerte sie an diese einmalige Geschichte, an das Gefühl wieder frei und vereint zu sein und bezieht sich auf die „Kraft der Freiheit“ und das wir es dieser zu verdanken haben, dass die Mauer gefallen sei. Diese Kraft sollte uns Mut machen für dieses Neue Jahr und das kommende Jahrzehnt, sie würde uns tragen, bei den Aufgaben, die uns viel abverlangen. Was folgt ist der Hinweis, dass man in Afghanistan um die Sicherung des Friedens bemüht sei und auch in Sachen Weltwirtschaftskrise sei man um die Bewältigung in Verantwortung der kommenden Generationen bemüht. Der Frieden solle gewahrt werden in einer Welt, die Krieg, Hass und Neid leider nicht vollkommen verbannt.
Nun, politische Predigen klingen eigentlich immer ganz nett, und doch kennt man das Spiel der Worte inzwischen zu genüge und sollte anfangen zu hinterfragen, um genau die Basis zu schaffen, die eine Kriegsunterstützung in Afghanistan nicht duldet, um ein Handeln zu fordern, in dem die Verantwortlichen der Krise auch gerade stehen müssen, für das, was sie an Steuergeldern verspielt haben. Hier wird von der Kraft der Freiheit gesprochen auf die wir uns stützen sollen, was nur nicht geht, wenn man alle Bürger in einen scheinbar goldenen Käfig sperrt. Dennoch bleibt ein Käfig ein Käfig. Gesetzliche Regelungen wie bei Hartz-IV tun ihr übriges dazu, um den Menschen Fußschellen anzulegen. Aber auch der Lissabonvertrag ist kein Schritt in Richtung Freiheit, und der Bürokratenwahnsinn im Lande zerstört auch mehr, als das er aufbaut.
Von menschlicher Freiheit ist also weit und breit nichts zu sehen, egal wohin man blickt. Irgendwann gab es auch mal ein Feuer in einem, dass diese Freiheit ermöglichte, doch auch das wurde gelöscht, und so ist es einfach sinnlos über einen Wunschgedanken zu sprechen, von dem alle Beteiligten wissen, dass er nicht real werden kann und auch gar nicht sein soll.
Das Märchenbuch wird neu geschrieben
Wichtig wäre noch zu erwähnen, dass es im politischen Kreislauf zu einer unauffälligen Umstrukturierung kommt. Die Ignoranz der „Schafherde“ macht man sich zu Nutze, um sich weiter zu festigen und die Elemente Neid, Hass und Gier weiter zu säen. Um den Funktionskreislauf auf Kurs zu halten, wird man also immer öfter Eingeständnisse seitens der Politik machen, so dass den freien Denkern der Wind aus den Segeln genommen wird, und Ermahner so wieder verstummen. Viele Bürger fühlen sich wieder verstanden, und individuelle Protestgruppen werden wieder im Nichts verstummen. Dies würde nicht passieren, wenn man mit Herz und Seele hinter diesen Gruppen stehen würde, doch das mag ein Wunschgedanke bleiben.
Ich schließe mit einem eigenen Zitat:
Der, welcher im Glauben verweilt, sich verstanden zu fühlen, sollte versuchen zu spüren, wie sehr ihm die gegebene Freiheit erdrückt!
Ihr
Joachim Sondern
