Erziehung ist keine Angelegenheit des Staates
11.01.10
Oftmals fragt man sich in der heutigen Zeit, welch schlechter Film sich da vor den eigenen Augen abspielt. Gar nicht unberechtigt diese Frage, denn wenn wir mal hinter den Vorhang der Alltagspolitik blicken, so ist hinter manch einer Schleierwolke ein unverantwortliches Handeln der modernen Strategiepolitik zu erkennen. Nach humanen Gesichtspunkten wird schon lange nicht mehr gearbeitet im Berliner Industriehaus, und das macht sich besonders stark bemerkbar, wenn es um die Erziehungsfragen geht. Mit unserem Nachwuchs wird gepokert und das auf eine unverantwortliche Art und Weise. Kinder sieht man inzwischen als eine Art „Gegenstand“ an, aber scheinbar nicht mehr als Menschen, als Wesen, die man besonders gut behandeln sollte und die unsere vollste Aufmerksamkeit benötigen.
Erziehung durch Staatshand
Verfolgt man die Presse mal ein wenig intensiver, so fallen einem immer wieder Aussagen von Politikern ins Auge, die im Wesentlichen auf mehr staatlich betreute Erziehungseinrichtungen zielen. Es ist eine Frechheit sondergleichen, dass man Eltern so sehr dazu drängt, ihre Kinder in staatliche Hände zu geben, anstatt für ein ordentliches, häusliches Erziehungsklima zu sorgen und die Existenz der Eltern und damit der Kinder zu stärken. Kinderreiche Familien werden in jeglichen Punkten benachteiligt. Hier werden viel zu geringe Erziehungszeiten angesetzt und Eltern, die berufstätig sind, können am Arbeitsplatz nicht auf das Verständnis des Arbeitgebers hoffen, wenn es um die Erziehung geht. Immer wieder wird hier mit Jobverlust gedroht. In Hartz-IV Familien bekommen Eltern für die Erziehung der Kinder ebenfalls viel zu geringe Regelsätze, die eine gesunde und ausgeglichene Erziehung unmöglich machen. Eltern werden immer wieder vor die Wahl gestellt, ob eigene, intensive Erziehung und dafür aber weniger Geld oder die Erziehung schon in jüngsten Jahren in fremde Hände zu geben und sich für die finanzielle Sicherheit zu entscheiden. Im letzteren Fall wachsen die Kinder meist zwar mit einem vernünftigen, finanziellen Status auf, können sich aber mit ihren Eltern kaum identifizieren, weil die Bindung nicht aufgebaut, sondern in jüngsten Jahren unterbrochen wurde. Wozu das führt, sieht man jeden Tag am Verhalten unserer Jugend. Niemals dürfte ein Staat, der sich öffentlich immer wieder auf die Menschenwürde bezieht und diese auch im Artikel 1 des Grundgesetzes festgelegt hat, Menschen vor so einer Entscheidung stellen.
Kinder gehören gerade in jungen Jahren zu den Eltern, denn es muss in den prägenden, ersten Jahren eine familiäre Bindung entstehen. Schließlich ist eine Familie mehr als eine reine Nutzgemeinschaft: nur wird das heute leider nicht mehr vermittelt. Vom System aus liegt die eigentliche Aufgabe darin, die Eltern wieder stärker an ihre Pflichten zu erinnern und aufzuzeigen, wie positiv ein Familienleben sein kann. Neben dem persönlichen Willen und Einsatz der Eltern hat die Regierung dann wieder für eine gerechte und menschliche Familienpolitik zu sorgen, die Eltern, welche ihren Erziehungsauftrag ernst nehmen, bei den individuellen Konzepten unterstützt, wenn nötig auch finanziell.
Grundlegende Änderungen bedarf es auch, wenn es um die weiteren Entwicklungsjahre im Jugendalter geht. Es kann und darf nicht sein, dass Lehrer und Psychiater auf einmal mehr Einflussnahme zugesprochen bekommen vom Staat als die eigenen Elternteile. Wenn Eltern sich nicht an die Regeln der Pädagogen halten oder diese einen negativen Bericht beim Jugendamt vorlegen, sind den Eltern oftmals die Hände gebunden und müssen sich den Erziehungsvorschriften des Systems beugen. Ansonsten droht auch so manches mal der Entzug der Erziehungsberechtigung ohne jeglichen Grund. Je individueller Eltern ihre Kinder erziehen, desto mehr Druck übt man auf sie aus, was wieder mal ein Beleg für die Welt der Funktionsroboter ist. Traurig, wie weit es bergab gegangen ist mit unserem einst so vorbildlichen System, welches inzwischen so weit von einem familienfreundlichen Klima entfernt ist, wie man es nur sein kann. Die Richtlinien mancher Pädagogen sind nämlich durchaus sehr infrage zu stellen, da es hier mehr um Gleichschaltung als um Entwicklung geht. Schulen sind zu einem Spielfeld „machtliebender“ Personen geworden, die die Gesetze der Stärkeren hegen und pflegen. Es gibt da einen Satz: Kennst du den Ort, wo keiner lacht, wo man aus Menschen Roboter macht, das ist die Schule, das Grab der Jugend. Vorsätzlich nimmt man jungen Menschen hier gern die Fähigkeit zu träumen und wundert sich dann darüber, dass keine Eigeninitiative und kein Ehrgeiz mehr vorhanden sind. Als Mensch will man nicht immer nur nach Richtlinien funktionieren, und so gibt es durchaus Individuen, die sich nur vollkommen frei und unabhängig entwickeln können. Genau diesen Weg gilt es zu fördern seitens der Schulen, aber das geschieht nicht. Ruhige Kinder stellt man als verhaltensgestört dar, Kinder, die nicht jeden Mist mitmachen, als nicht teamfähig, und die „lauten Kehlen“ kommen gut durch den Schulalltag. Wenn das das Bild der staatlichen Erziehung sein soll, kann man getrost darauf verzichten. Lehrkörper stellen oft den finanziellen Status der Eltern und ein knallhartes Verhalten ohne Gewissen in den Vordergrund und alle, die nicht stark genug sind, gehen unter. Wer etwas dagegen sagt, wird stumm geschaltet.
Kindererziehung ist nur noch eine Finanzfrage
Durch den Existenzspielball verhindert man oftmals eine individuelle Erziehung und möchte, dass Kinder ganz nach „Staatsnorm“ aufwachsen. Daher zwingt man Eltern, die Wert auf individuelle Erziehung legen, sich anzupassen. Ansonsten wird das Leben besonders schwer gemacht. Im Kindergarten, in der Schule oder auch im Alltag, überall zählt nur noch das Geld. Wir leben inzwischen in einer rein konsumorientierten Gesellschaft ohne jeglichen Tiefgang, und daher wird Individualität oftmals auch nicht gern gesehen. Eltern, die die Schulunterlagen ihres Kindes nicht mehr bezahlen können oder die teuren Klassenfahrten, müssen ihrem Kind zumuten, dass es in staatlichen Erziehungsmaßnahmen „gedemütigt“ wird, da es offen rumerzählt wird und Pädagogen das dann als offenen Umgang darstellen. In Armut zu leben ist ein sehr harter Pfad des Lebens, und dann muss man die Öffentlichkeit indirekt auch noch auf unseren Nachwuchs hetzen.
Dass man die gesamte Erziehung von allen Seiten oftmals nur noch aus dem finanziellen Blickwinkel betrachtet, lässt einen vor Dunkelheit schon erzittern. Hier geht es um menschliche Wesen, welche mit viel Wärme und Herz aufwachsen und sich frei entfalten sollen. Wenn die Menschenwürde unantastbar ist, wie es in unserem Grundgesetz an erster Stelle steht, dann doch wohl auch als Erstes im Bezug auf unsere Kinder. Gerade hier ist jedoch Gegenteiliges der Fall. Eltern werden im Zusammenhang mit der Erziehung zum Rechnen gezwungen, Kinder werden in den Konsumwahn getrieben, und auch in Lehranstalten spricht man überwiegend nur noch von Status, Macht und Kapital. In jedem Schuljahr, in fast jedem Fach wird der Jugend vermittelt, dass sie perfekt sein müssen, dass sie die Spielregeln einzuhalten hat, und das ein Leben in Gier vollkommen legitim ist, und der Status das Wichtigste im Leben ist. Wenn man Gier als Ehrgeiz darstellt, ist eine falsche Entwicklung im Kindesalter vorprogrammiert.
Homeschool – ein Weg der besseren Erziehung
Ein Weg der richtigen Erziehung wäre das sogenannte Homeschoolverfahren, was in Ländern wie Norwegen oder Kanada schon lange erfolgreich umgesetzt wird. Hier entwickeln sich Eltern mit ihren Kindern. Eltern werden wieder stärker in die Pflicht genommen und an diese erinnert. Gerade ruhigere Schüler können im gewohnten Umfeld besser lernen und erzielen oft höhere Erfolgswerte. Es ist ein Lernen in Eigenverantwortung der Jugendlichen und der Eltern, aber ohne Druck und mit einer gewissen Individualität. Soziale Kontaktfähigkeit kann man im Alltag vermitteln, dafür braucht man kein Schulgelände. Erst recht nicht, wenn sich dort gar nicht um ein vernünftiges Klima bemüht wird. Im Grunde lernen die Eltern sogar so noch neue Dinge hinzu, sehen wie sich ihr Kind entwickelt, und sie können selber das aufarbeiten, was vielleicht in den vielen Jahren des Alltags in Vergessenheit geraten ist. Gewissermaßen ist es also wie ein Gesellschaftsspiel, was Kinder und Eltern aufeinander einstimmt und aus ihnen ein Team macht. Die Familie ist stets die wichtigste Basis in einem Staat, sie muss harmonieren, sonst kann man auf nichts aufbauen, und sämtliche sozialen Fremdkontakte enden nur in Streit und Neid. Familienleben bedeutet Grundbasis für Vertrauen, Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit und für ein gefühlvolles zu sich selbst stehen.
Sicherlich gibt es Familien, wo das Homeschoolverfahren nicht funktioniert, und hier kann man sicherlich auch als Staat eingreifen, aber dennoch sollte man jeder Familie erst einmal die Chance geben. Bei den Prüfungen müssen die Kinder in diesem Verfahren ja die staatlichen Schulen besuchen, um diese dort unter Aufsicht abzulegen. Prinzipiell ist es also gar kein Thema die Leistungsentwicklung zu kontrollieren, und man kann so auch die individuellen Fähigkeiten dieser jungen Menschen besser erkennen. Die sture Bürokratie in unserem Land muss endlich ablassen vom ewigen Denkmal und erkennen, dass man offen sein muss für neue Systeme. Oftmals verschließt sich gerade die BRD in einer eigenen Bürokratie, obwohl in der Welt viele gute Konzepte umgesetzt werden, die man übernehmen könnte. Dass die Schulpflicht in Deutschland Homeschooling untersagt, ist eine nicht nachvollziehbare Entscheidung dieses Systems. Haben denn nur Kinder wohlhabender Eltern das Recht auf eine ruhige und gehobene Ausbildung in Form einer Privatschule? Homeschooling ermöglicht eine gehobene Ausbildung für jede ehrgeizige Familie.
Kein individueller Freiraum für unseren Nachwuchs
Alt bekannt ist inzwischen auch, dass gar kein Platz, kein natürlicher Freiraum mehr vorhanden ist, wo Kinder sich sorgenfrei entwickeln können. Spielplätze werden nicht gepflegt, neue Alternativen gibt es nicht, und immer wieder fehlt das Geld, wenn es um unsere Kinder geht. Dabei ist hier immer primär zu investieren, vor allen anderen Belangen sind die Gelder für die individuelle Entwicklung unseres Nachwuchses zu verwenden. Kreative Räume und Möglichkeiten müssen geschaffen werden, um eben nicht nur die sachliche, sondern auch die emotionale Logik reifen zu lassen. Alles muss sich in Harmonie zueinander gleichermaßen entwickeln können, und das geht nicht, wenn man nur eine Fähigkeit des Menschen trainiert und alle restlichen von Natur aus vorhandenen Möglichkeiten vernachlässigt werden. Geht es darum den Baum zu erkennen oder was sich in diesem verbirgt? Richtig, es geht um beides. Sowohl als auch ist wichtig, wenn man im Leben nicht immer dieselben Wege gehen möchte.
Traditionelles und modernes Denken verbinden
Eine komplett wertfreie Erziehung wird es nicht geben und ist auch vollkommen unsinnig. Konservativ hat nicht gleich etwas mit langweilig oder eintönig zu tun, schon gar nicht mit übertriebener Disziplin, vielmehr mit Wertschätzung aller Lebewesen und dem harmonischen Leben als Gemeinschaft. Alle Lehrmethoden und Erziehungsmethoden beinhalten ein Stück Tradition. Junge Menschen bekommen so einige Erfahrungen mit auf den Weg gegeben, die für die weitere Entwicklung förderlich sein können. So etwas sollte man auch nicht unterdrücken, sondern richtig kombinieren mit neuen Möglichkeiten, wie dem Homeschoolingverfahren. Steht man Tradition und Neuem gleichermaßen aufgeschlossen gegenüber, so ergibt sich eine gesunde Kombination, die den so nötigen Erziehungswandel ermöglichen könnte. Effektive und vielversprechende Möglichkeiten müssen als eine Einheit zusammengefasst werden, und schon hat man wieder eine Perspektive für junge Menschen und allgemein deutlich weniger gesellschaftliche Probleme zu bewältigen. Dem Thema Familie und Jugend muss man daher volle Aufmerksamkeit widmen, da es sich verläuft bis in das spätere Alltags- und sogar Wirtschaftsleben.
Ich schließe mit einem eigenen Zitat:
Im Leben sollte man das erkennen, was uns von Natur gegeben und wissen, dies zu ergänzen durch den Fluss neuer Möglichkeiten.
Ihr
Joachim Sondern



















