Das Spiel mit den Arbeitslosen – der Albtraum
21.01.10
Langsam aber sicher wird man ganz massiv daran erinnert, wie marode unser politisches System doch in Wirklichkeit ist. Besonders deutlich wird dies, wenn es um das Thema Arbeitslosigkeit geht. Das Verhalten der Bundesagentur für Arbeit könnte antihumaner nicht sein und belegt, dass ein Mensch und dessen Gegenwart und Zukunft keinen Wert mehr hat. Eine nicht nachvollziehbare Bürokratie sorgt indes für einen Nebelschleier, welcher es unmöglich macht, die Handlungen der Arbeitsagenturen nachzuvollziehen. Ganz im Sinne des Bürokratenwahnsinn zielt man nur noch auf den Vorteil einiger Auserwählter und lässt das Volk leiden. Durchaus ist es nicht übertrieben, wenn man hier Parallelen zu einem modernen Sklavensystem erkennt.
Geldverschwendung für unsinnige Maßnahmen
Fangen wir doch mal an diesen Irrsinn etwas genauer zu betrachten. Laut Report München, welches sich mit diesem Thema befasst hat, in einer Sendung vom 18.01.10, wurden im Jahr 2009 allein in Nürnberg 20 Millionen Euro für Maßnahmen ausgegeben, welche meist keinen Nährwert haben, für Menschen ohne Arbeit. Nachweislich sind diese Maßnahmen keine Wegbegleiter, um zurück ins Berufsleben zu finden. Man verschwendet Papier, um erwachsenen Menschen zu erklären, wie sie einen Briefumschlag zu beschriften haben und lässt Kursteilnehmer während einer Maßnahme nur stundenlang im Internet nach einem Job suchen. Dafür also verschwendet man die Gelder und macht Menschen durch diesen Irrsinn auch noch krank. Anstatt die Gelder sinnvoll darin zu investieren, dass Menschen der Weg ins Berufsleben erleichtert wird, verschwendet man Gelder lieber, um Tausenden Billigmaßnahmen zu schaffen, wo dann möglichst viele Arbeitslose „abgelagert“ und unten gehalten werden. Irgendwo kommt dieser Mechanismus schon einem Sklavensystem sehr nahe, und gerade deshalb ist es hier an der Zeit, diesem Wahnsinn ein Ende zu setzen. Schließlich reden wir alleine in Nürnberg von 20 Millionen Euro. Bedenkt man, wie viele Menschen hier hätten ein Kleinunternehmen gründen können, und so Arbeitsplätze schaffen würden. Man kann dieses Geld wunderbar verwenden, um nicht rückzahlbare Kredite zu vergeben. Natürlich sollte man den Aufbau dann vernünftig überwachen und reale Hilfestellung geben, damit der Aufbau gelingt und Arbeitsplätze entstehen können. Dies wäre nur ein Beispiel, wie es auch anders gehen kann.
Arbeitsmarktforscher Prof. Stefan Sell
Guckt man sich diesen ganzen Kreislauf an, so mag man es kaum glauben, dass es noch Menschen gibt, die sich nicht davor scheuen eine klare Sprache zu sprechen, und das ansprechen, worüber andere nur schweigen. Arbeitsmarktforscher Herr Prof. Stefan Sell ist genau ein solcher Mensch.
In einer wunderbaren klaren Linie gab er in Report München zu verstehen, dass es den Arbeitsagenturen nur um schnelle Maßnahmen geht, weil genau das die Statistik schönt und so möglichst viele Arbeitslose von den Listen verschwinden. Anzumerken wäre hier in Bezug auf dieser Aussage vielleicht auch noch, dass Menschen auch nicht gleich nach Maßnahmenende wieder in der Statistik geführt werden. Des weiteren dienen die Maßnahmen dazu, Menschen unter Druck zu setzen, dass sie sich anpassen, weil sonst auch schon mal die letzte „Über“-Lebensgrundlage entzogen werden kann. Laut Prof. Stefan Sell gibt es einen „zahlengetriebenen“ Druck von oben: hier wird genau mitgeteilt, wie viel eingespart werden muss. Diese Zahlen müssen dann erreicht werden. Vielleicht sollte man hier auch noch ergänzend anmerken, dass bei Nichteinhaltung auch schon mal der Ton etwas schärfer wird, und man Mitarbeiter, die wirklich was bewegen wollen, vor die Tür setzt, notfalls mit dem Mobbingwerkzeug, wenn man keinen anderen Grund findet.
Einsparungen – das Spiel mit den Sanktionen
Um diese „Zahlen“ einzuhalten, setzt man auf das Sanktionswerkzeug. Man sucht also immer Gründe, um einen ALG-II Bezieher zu sanktionieren, also diesem seine Leistungen noch zu kürzen. Das Druckmittel der sinnlosen Maßnahmen ist ein solcher Weg, da man hier den Unmut schüren möchte, damit sich der ALG-II Bezieher sehr unwohl fühlt und diesen Kurs nicht mehr besucht oder es sogar zu einer Auseinandersetzung mit den Kursleitern kommt. Massiv setzen diese nämlich auch auf Mobbing und zerstören oftmals die Psyche eines arbeitssuchenden Menschen. Sogar Beleidigungen wie Sozialschmarotzer, Asozialer, etc. entgleiten den Mündern mancher Kursleiter. Diese führen alles genau nach Anweisung aus, da sie eben auch an ihren Job klammern. Ein solcher Kreislauf zeigt also, dass immer wieder mit Jobs Menschen erpresst werden, und das dürfte nicht passieren. Neutralität und Objektivität müsste im gesamten Wirtschaftskreislauf Pflicht sein. Leider ist das im Augenblick noch ein Wunschtraum. Neben den Kursdruck kommt es auch schon mal vor, dass man ALG-II Bezieher überwacht und ganz genau kontrolliert. Jede kleine Unebenheit nutzt man dazu, um die Leistungen noch weiter zu kürzen, auch wenn sie es einige Monate später wieder zurückzahlen müssen, auf Grund eines „Fehlers“, der ja nur versehentlich passiert ist. Sicherlich bedarf es keiner schwarzen Brille, um hier deutlich zu erkennen, dass man Menschen so gefügiger macht und ihnen auch noch den letzten freien Willen entzieht. Aus Angst, dass sie nochmals in eine solchen Lage kommen, spielen die Meisten dann nämlich das Spiel mit, beschweren sich nicht mehr, nehmen den Gesundheitseinbruch in Kauf und nicken nur noch. Verübeln kann man es diesen Menschen nicht, denn anstatt ihnen zu helfen, treibt man sie in eine Abhängigkeit hinein, die grauenvoller nicht sein könnte. Dabei haben sie ein Anrecht auf eine vernünftige Behandlung, denn in ihrer berufstätigen Zeit haben sie genau dafür gezahlt, dass sie ordentlich aufgefangen werden. Jeder Mitarbeiter einer solchen Agentur hat es auch den ALG-II Beziehern zu verdanken, dass er einen Job dort bekommen hat, denn auch dieser hat mal für den Fall der Arbeitslosigkeit Abgaben zahlen müssen. Ist das der Dank? Geht man so mit seinem wirklichen Arbeitgeber um? Die grauen Momente, wo man im Norden des Landes auch schon mal ein Polizeiknüppelkommando anfordert, wenn Menschen auf ihr Recht bestehen, wollen wir hier erst gar nicht durchleuchten. Ging es hier nicht sogar um einen besonders schweren Fall, wo eine Frau auf ihr Insulin angewiesen war? Böse, böse kann man da nur sagen und sollte spätestens hier die Augen öffnen, wenn es mal wieder in einer Diskussion um Gewalten-„Teilung“ geht.
Unsere Minister zeigen ihr wahres Gesicht
Hinter geschlossenem Vorhang müssen wir uns aber wirklich nicht mehr über solche Vorfälle unterhalten, denn unsere Minister geben ja auch schon das ein oder andere Mal Vollgas und zeigen nun ihr wahres Gesicht. Natürlich gibt es auch noch jene Minister, die eher den Rückzug bevorzugen. Unsere Bundessozialministerin, Frau Ursula von der Leyen, präsentiert sich ja gerne in Talkshows, aber von politischen Magazinen wie Report München scheint sie nicht viel zu halten: hier lehnte sie ein Interview „selbstverständlich“ ab. Verwunderlich ist das nicht, denn ein politisches Magazin bietet keine Showbühne für sinnlose Aussagen, die man auch als Parolen bezeichnen könnte. Kritische Reporter umgeht man daher lieber das ein oder andere Mal oder spielt auf Zeit.
Minister Roland Koch hingegen hält eine Menge von Arbeitspflicht bei Hartz-IV Empfängern und betonte, dass es sich ja um eine angenehme Lebensweise handelt. Irgendwie erinnert das Ganze auch schon wieder an ein System der „Sklaven“ und hat anscheinend mit jener politischen Richtung etwas gemein, die man eigentlich überwunden haben sollte in Deutschland. Populismus dieser Art ist nahezu verwerflich. Unter den Beziehern des ALG-II Geldes befinden sich kaum Menschen, die dieses Leben als angenehm empfinden und die arbeiten wollen. Der Bürokratiewahnsinn der Arbeitsagentur und allgemein der BRD hält diese Menschen aber unten und möchte sie scheinbar gar nicht mehr hochkommen lassen. Angenehm ist ein Leben mit Hartz-IV garantiert nicht ! Herr Koch sollte bedenken, dass auch diese Menschen mal gearbeitet und ihm somit zu seinem sehr lukrativen „Berufsmodell“ verholfen haben. Wieder muss man sich fragen: geht man so mit den Arbeitnehmern um? Wenn ein Angestellter sich in einem Betrieb so verhalten würde, kann dieser sich von seinem Job verabschieden, und das sollten wir für unsere Politiker nun doch auch mal einführen. Eine Art digitale Stempelkarte auf der jeder Flug, etc. gespeichert wird. Diese Daten müssen dann dem Volk, also dem Arbeitgeber der Politiker, zur Verfügung stehen. Warum sollte man Steuern zahlen, wenn man nicht genau nachvollziehen kann, wo meine Gelder geblieben sind? Ein Arbeitgeber zahlt einem ja auch kein Gehalt, wenn er keinen Arbeitsnachweis bekommen hat.
Das Trauerspiel – der Mensch hat keinen Wert mehr
Immer häufiger setzt man Menschen unter starken Druck, die ihre Arbeit verloren haben. Zwar hätten diese auf Hilfe Anspruch, bekommen aber Felsen in den Weg gelegt. Die Arbeitsagenturen und Hartz-IV machen Menschen arbeitsunfähig und lassen sie schneller erkranken. Hier sprechen wir nicht nur vom psychischen Druck, nein wir reden hier auch von falscher Ernährung auf Grund zu niedriger Regelsätze, wir reden von Unterernährung auf Grund von Sanktionen bis hin zur Obdachlosigkeit bei scharfen Sanktionsmaßnahmen. Man schafft Sozialfälle, holt Menschen aber nicht aus dieser Falle heraus. Nicht nur Menschen ohne Arbeit, sondern auch Menschen mit einer Tätigkeit haben zu kämpfen unter den Dumpinglöhnen, die im Zusammenspiel mit Zeitarbeitsfirmen entstanden sind. Arbeit muss sich lohnen und ein sorgenfreies Lebens ermöglichen. Einst hatten wir ein funktionierendes Sozialsystem. Was hat unsere Politiker geritten, alles zu zerstören, was mal vorhanden war?
Ganz zu schweigen von diesem teuren Statistikspiel. Hier werden Gelder in den Sand gesetzt, mit denen man Menschen helfen könnte. Selbst der Bundesrechnungshof hat dieses „Spiel“ kritisiert, weil die Bundesagentur für Arbeit keine vernünftige Aussagen über die Qualität ihrer Maßnahmen machen konnte. Offen gibt die Agentur für Arbeit zum Besten, dass man mit den Maßnahmen selbst nicht zufrieden sei, aber ändern tun sie nichts!
Ich schließe mit einem eigenen Zitat:
Wie viel menschliche Schlachten müssen noch geschlagen werden, wie viel Kriege provoziert, bevor die Menschheit begreift, dass die Gier der Sarg der Erde sein wird.
Ihr
Joachim Sondern
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