Banken: Spiel ohne Verantwortung geht weiter
15.01.10
Dass die Bankenwelt auch im Jahr 2010 noch einige Überraschungen für uns parat hat, war abzusehen. Schließlich steht auch dieses Jahr noch unter dem Zeichen der Wirtschaftskrise, die zwar ruht, aber noch nicht überstanden ist. Kaum hat sich der Finanzmarkt scheinbar etwas erholt, kommen die Pokerspieler wieder aus ihrem Versteck und überschütten sich gegenseitig mit Bonizahlungen in gewohnter Höhe, als hätte es nie Probleme auf dem Finanzmarkt gegeben. Vorbildlich im Spiel der Verantwortungslosigkeit ist hier die “Bank of America”, welche erst vor kurzem die erhaltene Staatsunterstützung in Höhe von 45 Milliarden Dollar zurückgezahlt hat.
Am schwersten getroffen und doch wiederholt man Fehler
Die Bank of America hat es mit am schlimmsten getroffen. Genau zum härtesten Zeitpunkt der Krise traute sich das Unternehmen zu die Investmentbank Merrill Lynch zu übernehmen. Im Eifer des Gewinnwahns übersah man jedoch faule Wertpapiere in Milliardenhöhe. Ende 2008 musste die Bank daher mit staatlicher Hilfe in Höhe von 45 Milliarden Euro vor dem Kollaps bewahrt werden. Die Bürger dienten also als Sicherheit für unverantwortliche Zocker. Nur dem kleinen Mann wird erzählt, dass er für seine Fehler alleine gerade stehen muss. Verliert ein kleiner Sparanleger Kapital, bekommt er dies schließlich auch nicht zurück, das ist das Risiko, was jeder Anleger zu tragen hat.
Laut dem “Wall Street Journal” erhalten die Banker wieder Bonizahlungen wie im Jahr 2007 und das, obwohl die Krise noch immer nicht überstanden ist. Machen kann man von staatlicher Seite leider nichts, da die Bank ihre “Schulden” vor kurzem getilgt hat. Unverantwortlich ist es trotzdem, dass den Bankern wieder überhöhte Bonizahlungen in Aussicht gestellt werden, da das auch der entscheidende Punkt war, welcher zum Ausbruch der Weltwirtschaftskrise geführt hat. Durch die überhöhten Bonizahlungen wurde mit vollem Risiko gepokert, da man nur ein Auge für noch mehr Profit hatte. Deutsche Banken verhalten sich ähnlich arrogant und zahlen selbst dann hohe Boni, wenn sie noch immer vom Staat abhängig sind. Während der Krise flossen in nicht vertretbarer Höhe, trotz Verluste, gigantische Extrazahlungen.
Sondersteuer – Großbritannien macht es uns vor
In Großbritannien wurde auf die nicht hinnehmbare Arroganz reagiert, und so führte man dort eine Sondersteuer ein. Erfreulicherweise ist diese auch in Frankreich und Deutschland im Gespräch und sollte auch umgehend umgesetzt werden. Mit jedem Tag, den wir zusehen, nähren wir uns dem endgültigen Krisenhöhepunkt, der eine Rettung durch Bürgergelder dann nicht mehr zulassen wird. Gerade wenn es um den Finanzmarkt geht haben die Staaten eine besonders hohe Aufsichtspflicht. Gegen eine freie Marktwirtschaft im Allgemein ist nichts einzuwenden, aber der Anlegermarkt muss unter ständiger Aufsicht des Staates stehen. Sinnlose Risikogeschäfte müssen per Gesetz unterbunden werden, um so die normalen Bürger und deren Handelsgeschäfte zu schützen und den täglichen Kapitalkreislauf nicht zu schädigen. Profit sollen Banker ja machen, nur alles muss im Rahmen bleiben, und genau für diesen Ausgleich müssen Gesetze greifen, die einen Renditewahn wieder eindämmen. Anlagemodelle sollten stets aus verschiedenen Gesichtspunkten geprüft werden, und es muss klar sein, dass Steuergelder nicht als Sicherheit für Zocker eingesetzt werden dürfen, wie es bisher der Fall war. Man lässt dem Volk ja auch nicht in den Genuss der Gewinne kommen, also sind sie auch nicht für die Sicherheit verantwortlich. Risikokapitalgeschäfte müssen so “teuer” werden, dass das Interesse daran verloren geht.
Jetzt kommt die Krise der mittleren und kleinen Banken
Während die Großen wieder zocken, müssen die kleinen und mittleren Banken jetzt um ihre Existenz kämpfen. Ganz nach logischer Reihenfolge waren erst die Großbanken betroffen, da diese im unmittelbaren Kontakt stehen zu den Risikogeschäften und der Industriewirtschaft. Danach wirkt sich aber das Anlageverhalten auch immer auf die Realwirtschaft aus, vor allem wenn man die Steuergelder aus diesem Sektor verwendet. Durch die vielen Jobverluste bei den Großunternehmen kam es zu einem schwachen Konsumverhalten, und die Bürger fangen an aus Angst zu sparen. Das Risiko ein eigenes Unternehmen auf zu machen trägt kaum noch jemand, denn bedingt durch die Großen, ging das Kreditsystem kaputt, und es bekommt nur noch der Geld, der selber noch eine Menge Kapital besitzt. Ideen und Ehrgeiz sind wertlos geworden, und genau dadurch geht es weiter auf Talfahrt. Kleine und mittlere Banken leben vom Mittelstand, von Arbeitern, von uns allen und können nur “mit” dem Bürger überleben, nicht aber ohne ihn. Fallen Kleinbanken zusammen, werden auch die Großbanken nicht mehr existieren können, weil “unten” alles kaputt ist. Auch wenn Anlagebanker es nicht sehen wollen, so haben Risikogeschäfte nur so lange Überlebenschancen, wie die Gesellschaft im Allgemeinen durchhält. Zunehmende Gier bewirkt allerdings nur, dass der Zerstörungstrieb schneller auf uns zurollt.
Der Gedanke – was bringt der Finanzmarkt in diesem Jahr
Sicher ist, dass eine Welle auf uns zurollen wird, die man nicht mehr kontrollieren kann. Die primitive Dummheit, ausgelöst durch unendliche Gier, hat am Finanzmarkt schon lange Einzug erhalten. Während in der Unternehmerwelt zu viel Bürokratie herrscht und hier der Ehrgeiz gestört wird, lässt man die Finanzbranche ungeniert agieren. Genau in dieser Branche kann es aber nicht genug Bürokratie geben, und so sollten gerade hier scharfe Auflagen und Kontrollen erfolgen. Der Normalbürger ist aus Sicht des Steuersystems und der Bürokratie zu entlasten, und der Finanzmarkt im Anlegerbereich dafür um so härter zu kontrollieren. Eine Kapitalobergrenze wäre sicherlich auch nicht schlecht, dass ein einziger Mensch z.B. nicht über eine gewisse Maximalgrenze kommen darf und den Überschuss im Kampf gegen Armut investieren muss. Was will eine einzige Person zum Beispiel mit 2 oder 3 Milliarden Euro? Keiner will verhindern, dass man Milliardär werden kann, aber irgendwo muss es eine Grenze geben, denn unsinniger Reichtum des privilegierten Kreises führt nur zur Massenarmut.
Ich schließe mit einem eigenen Zitat:
Nur wenn auch der einfache Bürger ein sorgenfreies Leben führen kann, ist der Staat berechtigt dazu von Stärke und Zufriedenheit zu sprechen.
Ihr
Joachim Sondern

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