Arbeitslosenquote steigt weiter – Dunkelziffer sehr hoch

29.01.10

Die negativen Schlagzeilen überhäufen sich in den letzten Wochen, gerade in Bezug auf die Arbeitsmarktsituation. Täglich gibt es neue Schlagzeilen, wie viele Mitarbeiter bei großen Unternehmen wieder entlassen werden sollen. Opel will 4000 Stellen in Deutschland streichen und Siemens 2000 Existenzen fallen lassen: von den mittelständischen Unternehmen, die ihre Arbeitnehmer nicht mehr halten können ganz zu schweigen. Diese Fälle tauchen leider kaum in der Presse auf, machen aber über 50% der gesamten Arbeitslosenquote aus. Vermutlich hat man Angst, dass mit einem Blick auf dem regionalen Arbeitsmarkt noch deutlicher werden würde, wie schwach die freie Wirtschaft tatsächlich geworden ist durch desolate Entscheidungen unserer derzeitigen Politik.


Im Januar deutlicher Anstieg der Erwerbslosenzahlen

So stieg die Arbeitslosenquote im Januar auf 8,6 % und erhöhte sich somit um 0,8% gegenüber dem Vormonat. Sprich 342.000 Menschen haben in nur einem Monat ihren Job verloren. Damit sind in Deutschland offiziell 3,617 Millionen Menschen ohne Arbeit. Im Vorjahr hingegen erhöhte sich die Quote im Januar nur um 129.000 Erwerbslose.  Ein dunkles Ergebnis für einen ehemals so starken Industriestaat, und dennoch behauptet BA-Vorstandsvorsitzender Frank-Jürgen Weise, dass der Arbeitsmarkt robust sei. Wieder mal muss für diesen Anstieg der Monat Januar hinhalten und die aktuell schwierige Wetterlage im Lande. Nun ja, um Ausreden und Verzögerungstaktiken war man noch nie verlegen, und daran wird sich vermutlich so schnell auch nichts ändern, denn je dramatischer die Lage wird, desto mehr wird man im Nebelschleier der „Worthülsen“-Politik versuchen zu verbergen. Unweigerlich führt ein solches Verhalten allerdings nur dazu, dass sich die Lage weiter verschlechtert. Möchte man wirklich einen Weg aufbauen der aus diesem Spiel führt, so muss man den Bürger mit einbinden, und das geht nur in Form ein transparenten Haltung den Wählern gegenüber. Natürlich ist die Zahl der Erwerbslosen immer gestiegen im Winter, aber die Meldungen der Großunternehmen machen deutlich, dass es sich hier nicht nur um einen Saisontrend handelt, sondern dieses Mal eine eingefrorene, aber dennoch wirkende Krise im Hintergrund für diesen „Trend“ verantwortlich ist.


Dunkelziffer liegt deutlich höher

Würden diese Zahlen noch der Realität entsprechen, wäre es trotzdem noch zu verschmerzen, und alles würde im halbwegs normalen Rahmen liegen. Leider ist genau dies aber nicht der Fall, und man manipuliert mehr an den Statistiken als jemals zuvor. Immer mehr Zeitarbeitsstellen werden aufgebaut, um Menschen von der Liste verschwinden zu lassen. Das diese seelisch und körperlich krank werden, durch die ungefestigten Verhältnisse, davon möchte niemand etwas wissen. Auch erlebt man großes Schweigen, wenn es um die Dumpinglöhne geht. Menschen werden ausgebeutet, sie haben keine Zukunft mehr und müssen in einer quälenden Gegenwart leben. Derzeit schätzt man, dass knapp unter eine Million Menschen mit Kurzzeitarbeitsverträgen leben müssen. Selbstverständlich liegt auch hier die Dunkelziffer um einiges höher: aber wer spricht schon gern über schwarze Zahlen? Niemand, und genau deshalb erwähnt man auch nicht, wie viele Menschen in sinnlosen Maßnahmen untergebracht werden, in so genannte Kurzzeitmaßnahmen. Hier sprechen wir von eine Massenabfertigung, um möglichst viele Erwerbslose für eine zeitlang aus der Statistik verschwinden zu lassen. Zieht man alle Faktoren zusammen, so kommt man leicht auf die doppelte Anzahl von Erwerbslosen, was dann bei rund 14% liegen würde. Wohlgemerkt zählen wir hier die Zeitarbeiter nicht dazu, obwohl auch diese in die Statistik gehören, da sie kein geregeltes Berufsleben führen können und nicht wissen was morgen ist. In Bezug auf die Jugendarbeitslosigkeit kann man die Zahlen sogar sehr massiv manipulieren, da hier noch in Berufsvorbereitungsmaßnahmen und Berufsgrundschuljahre greifen. Je älter diese Jugendliche dann werden, desto deutlicher wird aber auch hier, dass man ihnen nicht geholfen hat und das diese Maßnahmen oftmals keinen Nährwert mehr besitzen.

Siehe hierzu auch mein Artikel zum Thema Jugendarbeitslosigkeit:

jugendarbeitslosigkeit-ein-problem-ueber-das-man-schweigt

Bezeichnend ist, dass bereits im Jahr 2005 in einem Artikel der Wirtschaftswoche die Rede von 9,1 Millionen Arbeitslosen war. Dieser Artikel war sehr gut aufbereitet und zeigte deutlich, wie das Zahlenspiel funktioniert. Seit dem Jahr 2005 hat sich hierzulande aber nichts verbessert, und anhand der Entwicklung kann man sich ausrechnen, dass die Zahl inzwischen auch bei über 10 Millionen liegt.


Armut nicht allein erkennbar durch Anzahl der Arbeitslosen

Wirkliche Armut ist aber nicht mehr nur alleine an der Zahl der Arbeitslosen zu erkennen. In Deutschland leben rund 12% Menschen in Armut und mindestens weitere 12% leben an der Armutsgrenze und müssen ihr Gehalt am Monatsende aufbessern mit Sozialleistungen, da es sonst nicht mehr zum Leben reicht. Da gehen Menschen also arbeiten und sind gezwungen, sich der Demütigung auszusetzen und noch „betteln“ zu gehen bei den staatlichen Einrichtungen. Menschen, die zum Teil 12 Stunden und mehr am Tag arbeiten, können davon trotzdem nicht mehr leben. Hier entsteht eine große Belastung für diese Menschen, die sich dann auch negativ auf die Gesundheit auswirkt. Wer Leistung bringt, hat dafür ordentlich entlohnt zu werden. Dumpinglöhne und Zeitarbeit haben in einem Industriestaat nichts verloren und sind ein Armutszeugnis der jetzigen Politik. Wenn in einem Staat wie Deutschland 24% der Menschen in Armut leben, und somit auch ein großer Teil unseres Nachwuchses nicht mehr in Schlaf kommt vor Kummer, dann stimmt nicht nur etwas mit unserem politischen Gesellschaftssystem, nein, dann ist es höchste Zeit, alles wieder neu aufzubauen.


Regionale Schwächen – Kleinunternehmer bekommt nicht genug Hilfe

Gehen wir ruhig noch einen Schritt weiter, zu den Kleinunternehmern. Diese leben bekanntermaßen schon lange an der Armutsgrenze, da auf diesen Schultern eine Menge Last abgeladen wird, und der Staat diesen Menschen in keinster Weise entgegenkommt. Die Großen bekommen Vergünstigungen und die Kleinen müssen bluten. Mitunter gehört ein Teil der Kleinunternehmer bereits zu den 12%, die zum Einkommen staatliche Hilfe in Anspruch nehmen müssen, aber auch das ist nicht die reale Zahl der Menschen, welche als Kleinunternehmer mit der Armut zu kämpfen haben. Viele kleinere Betriebe sind hoch verschuldet, schämen sich Hilfe in Anspruch zu nehmen oder liegen noch gerade so über der Armutsgrenze und sind gezwungen von den Minimaleinnahmen zu leben. Zukunftsdenken ist aber auch hier ein Fremdwort. So liegen wir nicht bei 24% sondern ca. bei 28% Menschen, die in Armut oder an der Grenze zur Armut leben.


Keine schönen Worte mehr – wir wollen die Wahrheit

Wenn wir dieses Unheil noch aufhalten wollen, dann ist es an der Zeit für klare Worte einzustehen. Schönredner brauchen wir nicht, sondern die Wahrheit. Nur auf dieser Grundlage, auf die zentrale Basis, kann man diesen maroden Kreislauf neu aufbauen. Viel zu lange schon haben wir die elitäre Politik gewähren lassen und nie die Macht dort oben kontrolliert. Ein Volk kann nur eine bessere Zeit erwarten, wenn dieses auch bereit ist, als eine Gemeinschaft für diese Zeit selber einzutreten.


Ich schließe mit einem eigenen Zitat:

In dem Augenblick, in dem uns bewusst wird, welche Verantwortung wir zu tragen haben, leiten wir die Wende der menschlichen Freiheit ein, nur durch unser Dasein.


Ihr

Joachim Sondern

Kommentare (1)

  1. tomuchtequila sagt:

    Hallo Herr Sondern,

    was die Kleinunternehmer angeht, kann ich etwas zum besten geben. Es gibt ein Unternehmen in Dresden, das primär einen Onlineshop betreibt. Gegründet letztes Jahr im Februar, steht es jetzt kurz davor die Zelte wider abbrechen zu müssen. Warum? Es wurde dem Unternehmen kein Kredit bewilligt. Und was das für einen Neueinsteiger bedeutet, der sowieso kein Kapital besitzt, kann sich jeder an fünf Finger abzählen. Ich selbst bin auf 100€-Basis in diesem Unternehmen angestellt. Also auch einer der vielen die einfach in der Statistik als Arbeitender gelten. Wie lange das noch sein Wird … ich weiß es nicht.

    Was Sie oben beschrieben haben (Angst, nicht schlafen können) so ging es mir als ich Harz4 beantragt habe in der Anfangszeit, vor allem als ich eine 100% Sperre bekommen habe und mit Essenmarken einkaufen durfte. Später, muss ich gestehen, interessierte es mich nicht mehr. Ich habe gelernt mit der Einstellung zu leben “es ist halt so, sieh zu wie deinen Arsch an die Wand bekommst”. Und wenn das bedeutet “diesen Staat zu betrügen”. Aufgegeben habe ich nicht. Nur hat mich die Harz4-Situation in die Realität zurück geholt. Um es Umgangssprachlich auszudrücken “wenn mich der Staat, das System u. die Gesellschaft fi…, wieso sollte ich das dann nicht auch mit denen machen”

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