Jugendarbeitslosigkeit – das grosse Schweigen
27.12.09
Gewisse Themen dringen oft nicht ans Tageslicht. Man schweigt lieber, als das man sich mit den Tatsachen auseinandersetzt und handelt. So auch, wenn es um die hochbrisante Angelegenheit “Jugendarbeitslosigkeit” geht. Jedem ist bekannt, dass unsere Politik kein effektives Konzept vorweisen kann, wenn es darum geht, unserer Jugend eine Perspektive zu bieten. Lieber zeigt man mit dem Finger auf unseren Nachwuchs und macht sie selber dafür verantwortlich, dass an den Schulen Chaos herrscht und sie keine ordentlichen Ausbildungsstellen bekommen. Haupt- und Realschüler drängt man gleich ins soziale Aus, und Absolventen der Hochschulen haben auch schon diverse Probleme in der Wirtschaft Fuß zu fassen.
Das Rad des Systems – ARGE spielt nach Drehbuch
Verwunderlich ist das alles nicht mehr, denn der Staat war schon immer im Besitz der mächtigsten Werkzeuge. Ein solches Instrument ist sicherlich das Ausführungsorgan ARGE. Untere Bildungsstufen werden hier vom ersten Tag an wie auf einer Viehzucht abgefertigt. Personendaten werden erfragt, wie in einem Verhör, und anstatt auf die individuellen Fähigkeiten einzugehen, drückt man sie in Maßnahmen hinein, wenn sie denn “Almosen” empfangen wollen, bzw. müssen. Daher haben wir inzwischen schon hunderttausend Jugendliche, die sich immer im Kreis der Fördermaßnahmen drehen und nicht in den Genuss einer fundierten Ausbildung kommen. Man benutzt sie als billige Hilfsarbeitskräfte, anstatt sie zu guten Fachkräften auszubilden, welche wir doch so nötig haben, wenn man den Altersdurchschnitt der jetzigen Facharbeiter mal etwas genauer betrachtet.
Viele von den betroffenen Jugendlichen sind auch schon weit über 20 Jahre alt und haben sich aufgegeben: ihre Visionen, ihre Zukunftspläne, ihre Träume. Der Ehrgeiz ist verpufft, denn man hat ihnen nur Steine in den Weg gelegt. Wenn ein junger Mensch nur erlebt, wie er von einer sinnlosen Maßnahme in der nächsten landet, dann kann man es verstehen, dass keine Kraft mehr da ist etwas erreichen zu wollen. Am Existenzrand kann man sich nicht frei “bewegen” und lebt Tag für Tag mit der Angst im Nacken, auch noch die letzte Lebensgrundlage zu verlieren. Eine freie Entwicklung ist also nicht mehr möglich, und so bewegt man sich im Irrgarten der Traditionspolitik, welche auf alles achtet, nur nicht auf den Menschen selbst.
Selbst bei Hochschulabsolventen handelt man unsinnig. Diese werden in Berufe gesteckt, die eigentlich für die anderen Bildungsschichten vorgesehen waren und die dort auch arbeiten wollen. Nein, man muss ja für jede Branche nur noch auf Scheineliten zurückgreifen und wundert sich dann, dass diese ihre Aufgaben ohne jegliche Motivation erledigen. Im Grunde jedoch logisch: denn diese wollen in ganz anderen Bereichen tätig sein, während die Menschen, die sich hier wohl fühlen und Leistung bringen würden, ihre Runden in ARGE Maßnahmen drehen müssen, bis ihnen schwindelig wird.
Bildungsstandard im Keller – aber warum?
Oftmals benutzt man seitens der Regierung nur all zu gern die Ausrede, dass der Bildungsstandard im Keller sei und man dort ein Problem sieht, wo man einfach nicht auf einen positiven Nenner kommt. Nun, es mag für diese “Spaßpolitik” ja durchaus zu kompliziert sein, und doch ist es im Grunde ganz einfach und simpel, hier wieder auf Kurs zu kommen. Anfangen müssen wir hier nämlich bei der Motivation der so genannten Pädagogen, welche nicht selten in ihrer eigenen Welt leben, unseren Nachwuchs aber auf das Leben vorbereiten sollen. Dass allein ist ein Widerspruch in sich und lässt bereits erkennen, wie der Knotenpunkt zwischen Lehrperson und Schüler bereits gestört wird. Viele Schüler berichten, dass es nicht wenige Lehrkörper gibt, die ihre Schülerinnen und Schüler in soziale Kategorien abstempeln. Was hast du für ein Elternhaus? Was trägst du für Sachen? In was für einer Position arbeiten deine Eltern? Nach diesen und anderen Gesichtspunkten sortiert man aus und räumt nur den “Starken” jegliche Freiheit ein und unterstützt diese. Ruhige, individuelle oder arme Schüler werden diskriminiert, obwohl diese oft den größten Willen in sich tragen, etwas zu lernen. Im Irrenhaus hält man sie jedoch lieber unten und formt sie zu reinen Sozialfällen, ganz im Sinne einer Politik, die es in unserer Demokratie eigentlich nicht mehr geben dürfte. Damit nicht genug, viele Pädagogen ziehen aus Bequemlichkeit mit den Chaosschülern mit, nur um ihre Ruhe zu haben und sich die Arbeit zu erleichtern. Struktur, Lernmoral oder gar individuelles Denken sind in den dunklen Räumen nicht mehr gefragt. Ruhige Schüler stehen vor der Wahl sich anzupassen und den falschen Weg einzuschlagen oder gehen im harten Schulleben unter. Einige wenige Explosivschüler schaffen es also mit Hilfe der Lehrkörper, dass die Masse nicht mehr in Genuss von vernünftigen Lernbedingungen kommt. Mitunter ist es mit manchen Pädagogen sogar so weit gekommen, dass sie selber an notorischer Faulheit leiden und die Weiterentwicklung durch Zusatzqualifikationen, dem Urlaub weichen müssen. Ja, Luxus kann einen Menschen schon sehr verändern.
Wundern sollte es bei einer solchen Moral also kein Elternteil mehr, dass auf Schulhöfen und selbst im Unterricht nur noch Chaos herrscht und sich immer mehr Formen der Gewalt durchsetzen. Diese wird auf verschiedenen Ebenen ja förmlich erzeugt und unterstützt von Menschen, an denen sich Heranwachsende ja ein Vorbild nehmen sollten. Alkoholexzesse sind kein Phänomen mehr, da ja ein großer Teil des Lehrpersonals genau diese Feierkultur und Massengesellschaftszwang vorlebt und den Kindern und Jugendlichen vermittelt, dass das zum Leben gehört, anstatt sie intensiv vor den Folgen eines solchen Verhaltens zu warnen.
Aber auch viele Eltern leben genau das vor und vermitteln diese falschen Werte. Sie kümmern sich nicht mehr um ihre Kinder und legen oftmals kein Wert auf die Mitgestaltung des Schulalltages. Lehrer können sich nur so verhalten, weil man sie einfach gewähren lässt. Würden Eltern intensiv an der Gestaltung des Schulprogramms mitwirken müssen und würde man ein familiäres Klima an Schulen schaffen, so könnte man auch das vermitteln, was für das Leben wirklich wertvoll ist. Unter anderem würde auch wieder eine Gemeinschaft entstehen und man könnte die Egowelt verkleinern. Ehrlichkeit, Freundschaft, Vertrauen, Zusammenhalt, ergänzendes Arbeiten, konstruktives Handeln, all das und noch viel mehr könnte man vermitteln, wenn man es wollte, egal auf welcher Schulstufe. Genau diese Elemente würden sich positiv auf die Wirtschaft auswirken, und es wäre wieder eine Perspektive geschaffen, auf der man aufbauen kann.
Auch der Staat müsste hier natürlich zur Einsicht kommen und Kindern aus ALG-II Familien oder Geringverdienern nicht benachteiligen. Genau dies ist aber jetzt der Fall. Zu einer vernünftigen Entwicklung für den Arbeitsmarkt gehört auch, dass Kinder sich um die Familienexistenz keine Sorgen machen müssen. Gesunde Ernährung, vernünftige Schulmittel und die Förderung individueller Talente, gerade auch außerhalb der Schulmauern, sind für das spätere Berufsleben besonders wertvoll. In einem gesunden Körper wohnt auch ein gesunder Geist. Nur eine unbelastete Seele kann in jungen Jahren Kraft und Durchhaltevermögen aufbauen. Das selbst Feriengelder angerechnet werden, die Kinder von ALG-II Familien sich erarbeitet haben um ihr Talent, ihr Hobby zu finanzieren, das kann und darf es nicht sein und ist nur ein Zeichen, wie erbärmlich unsere Politik doch geworden ist. Hobbys und das Ausleben von Talenten sind mindestens genauso wichtig, wie der Schulunterricht selbst. Erst hier lernen Kinder sich frei zu bewegen und Eigeninitiative zu entwickeln. Aber genau das soll bei sozial schwachen Familien wohl grundsätzlich verhindert werden, und man möchte anscheinend moderne “Funktionssklaven” aus ihnen machen. Eigeninitiative fördert man ja lediglich bei Staatseliten, und genau das erinnert an eine „dunkle Zeit“.
Freie Gedanken – wer den Wind säht, erntet Sturm
Bei den genannten Punkten, ich nenne sie auch “die Wurzel allen Übels”, entsteht die Jugendarbeitslosigkeit, und doch wollen es nur wenige Menschen erkennen. Es ist erschreckend, wie offen man mit scheinbar “antidemokratischen” Mitteln vorgeht und dies einfach von den Bürgern hingenommen wird. Es liegt nicht an unserer Wirtschaft oder an Unternehmen, sondern daran, wie man bereits ab dem ersten Tag eines Kindes dessen Entwicklung negativ beeinflusst. Diese falsch vermittelten Grundlagen tragen sie dann natürlich auch in die freie Marktwirtschaft hinein, und so werden wir von Tag zu Tag schwächer, da die letzten tragenden und gradlinigen Anker von der Bildfläche verschwinden. Was soll man auch erwarten können, wenn an einer Schule ein Alkoholiker als Lehrer geduldet und vom Kollegium unterstützt wird und dieser gegen einen ruhigen Schüler sogar noch in eine Vorteilsposition gebracht wird ? Diese Aussage stütze ich aus einem eigenen Erlebnis und kann dies somit ruhigen Gewissens behaupten. Fragt man heute allerdings Jugendliche, die noch aktiv im Schulleben vertieft sind, so bekommt man von diesen auch oftmals genau so etwas erzählt. Das Schlimme daran ist, dass selbst Eltern ihnen nicht glauben und es abwerten, als Frust ihrer Kinder, die sich nur um Verantwortung drücken wollen. Genau dies ist es aber nicht !!!
Beobachten Sie als Elternteile mal genau, was an der Schule passiert, nehmen Sie sich Zeit, sich mit den Lehrkörpern auseinander zusetzen, stellen Sie ungeliebte aber für Sie wichtige Fragen und vor allem, achten Sie auf scheinbar unwichtige Äußerungen Ihrer Kinder. Man sollte nie etwas von vorneherein als “Spinnerei” abwerten, das könnte fatale Folgen haben. Wir alle wollen eine sichere Welt, eine soziale Gesellschaft und sehen aber keinen Ausweg aus den jetzigen Problemen. Das Kartenhaus fällt zusammen, und wir sehen zu und applaudieren zum Teil auch noch. Sie wollen eine bessere Welt? Wieder in geregelte Bahnen leben? Dann unterstützen Sie das wichtigste und nutzen Sie gemeinsam die Chance, die wir alle haben: unsere Kinder.
Ich schließe mit einem eigenen Zitat:
Der, welcher seine Stellung missbraucht und mit der Bildung spielt, ist sich nicht bewusst, dass er jene Verantwortung mit Füßen tritt, die auch seine Existenz zu Fall bringen kann.
Ihr
Joachim Sondern
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