Die politische Gesellschaft
12.12.09
Langsam aber sicher fallen die Masken der doch so wohlerzogenen Gesellschaft, und man kann wunderbar erkennen, auf welcher Ebene sich die “Schar der Narren” verlaufen hat. Nicht wundersam, denn schon viel zu lange wurde gespielt und immer wieder die Neustarttaste gedrückt: dass bei jedem Spiel aber irgendwann dann doch mal das „Game Over“ an der Tür klopft, ist nun wirklich eine alte und bekannte Tatsache. Schließlich beinhaltet ein jeder Neustart auch einen Verlust. Anhand eines Computerspiels lässt sich das am besten nachvollziehen. Sobald man alles verloren hat, kann man Neustart drücken, bei manchen Games. Der Verlust bleibt aber und ist im eigentlichen Sinne nicht Rückgängig zu machen, und daher sorgt das Wortgeflecht „Neustart“ für einen Irrgedanken in uns Menschen. Ist dies doch im Grunde ein wunderbares Beispiel, wie wirkungsvoll einzelne Worte doch sein können.
Schon längst verloren, doch es wird weiter gespielt
Mit Sicherheit ist es kein Geheimnis mehr, dass der Lebensweg der Gesellschaft genauso am Ende angekommen ist, wie auch die Politik. Daher schieben sich Politiker und Bürger auch gegenseitig die Schuld zu, und gehen in einer stürmischen Welle der Kritik unter. Trotzdem haben beide Seiten ein Lachen auf den Lippen und freuen sich an jeder noch so kleinen Illusion. Wie soll man eine Situation retten, wenn die Basis auf beiden Seiten lieber im Schein der ewigen Glückseeligkeit lebt? Richtig, es ist gänzlich unmöglich, und daher kann man nur immer wieder hoffen, dass die Masse wach wird und erkennt, dass gehandelt werden muss, einfach nur im menschlichen Sinne. Neue Konzepte sind nicht dauerhaft abzulehnen, sondern können gerade in schweren Zeiten kleine Wunder bewirken. Natürlich zeigen sie auch, dass man etwas falsch macht: Fehler einzugestehen ist jedoch die einzigste Möglichkeit, aus der Talfahrt heraus zu kommen. Dies gilt gleichermaßen für Bürger und Politiker, einfach für jeden Menschen. In einem Pokerspiel kann ich auch für eine gewisse Zeit bluffen, aber nicht bis ins Endlose. Irgendwann scheidet ein Spieler aus, und von dem Augenblick an wird das Spiel immer unruhiger.
Erzeugte Unruhen werden größer
Diese erschaffene Unruhe ist aber gezielt gewollt und wurde so gut in Szene gesetzt, dass der Streufaktor in der Tat sehr mächtig geworden ist. Eine Angst verbreitet sich, die gar nicht sein müsste, also ein Spiel der Schatten, wenn es so auszudrücken ist. Auf jeder Eben der Gesellschaftsstruktur liegt jedoch ein anderer Schatten: denn durch die sozialen Unterschiede entstehen natürlich auch immer ganz andere Ängste. Natürlich wurde hier ganz bewusst darauf geachtet, dass man dieses „Paket“ einbaut in der Alltagslinie, um genau hier „steuern“ zu können. Oftmals haben sich Verantwortliche aber auch überschätzt und konnten ihre eigenen Fäden nicht mehr kontrollieren, und genau vor diesem Punkt stehen wir jetzt wieder: einem gesellschaftlichen und politischen Flächenbrand.
Ewiger Streit der „Kleinen“ stärkt die Großen
Ob das übertrieben ist? Nein, denn beobachtet man wie der Streit zwischen uns Bürgern gesät wurde, und wie das Konzept aufgeht, so sieht man vor lauter Dunkelheit den hellen Horizont nicht mehr. Einigkeit herrscht in keinem Punkt, das Vertrauen der kleinen Leute untereinander ist komplett zerstört worden, und man hält sich gegenseitig unten. Aufbauende Züge, die auf dem Prinzip der natürlichen Menschenverstandes aufbauen, sind weit und breit nicht mehr in Sicht. Es herrscht dort ein Konkurrenzkampf, wo es niemals einen geben dürfte. Menschen, die im Grunde dasselbe Schicksal teilen, bekämpfen sich, erniedrigen sich und ziehen sich „gemeinschaftlich“ in den noch tieferen Sumpf hinein. Immer geleitet vom falschen Gedanken: Hauptsache ich bin der Gewinner und habe mehr als der Andere. Schon morgen können sie aber auch auf der „Verliererseite“ stehen und sehr schnell fallen, weil sie diese Egowelt unterstützt haben. Hingegen kann man mit einem gemeinsamen Weg etwas aufbauen, was Bestand hat, wo wir alle als „Gewinner“ aus dem Spiel hervortreten und am Ende bessere Lebensbedingungen geschaffen werden, die uns keiner mehr nehmen kann. Zwar ist das kein Weg, der uns mit Glückseligkeit überhäuft in nur einer Nacht, aber es ist eine konstante Basis die reale Sicherheit schafft und uns in Ruhe leben lässt.
Unabhängigkeit erreicht man durch Gemeinschaft
Ja, es geht um die Art und Weise wie man eine Unabhängigkeit gegenüber der Politik und dem allgemeinen System aufbauen kann. Vielen wird es nicht gefallen, dass es nur über den Pfad der ehrlichen und offenen Gemeinschaft geht, aber davor darf man sich nicht verstecken. Immer wieder hört man soziale Protestgruppen, welche sich beklagen über die jetzigen Bedingungen, sie fordern Veränderungen in der Politik und bemerken gar nicht, dass sie genau damit denen die Macht in die Hände drücken, die sie so weit heruntergebracht haben. Man macht sich also weiter abhängig, kann nicht los lassen vom alt Bekannten: zumindest so lange nicht, bis alles endgültig zerstört wurde. Genau dies gilt es jedoch zu verhindern auf dem schnellsten und effektivsten Wege. Keiner hindert uns Menschen daran eine Unabhängigkeit zum politischen Kreislauf aufzubauen: wir sind die Politik, mit uns macht man diese, und wenn man uns in der Form aber nicht mehr hat, dann haben die Verantwortlichen auch keine Wirkung mehr auf uns. Geht man hier tiefer in die Materie und weist die Bürger darauf hin, so drehen sich die Meisten um und verschwinden ohne ein Wort des „Ehrgeizes“ zu hinterlassen. Es besteht gar kein Interesse daran, selber auf der Eigenständigkeit aufzubauen, denn der Weg der Klage ist ja stets der einfache Schein.
In dem Augenblick, wo wir die Politik für etwas verantwortlich machen, nehmen wir uns selber in die Verantwortung etwas zu verändern. Wir sind die Politik, wir sind Millionen von Menschen: in den Regierungsstätten sitzen nur ein paar hundert.
Ihr
Joachim Sondern
