Boersenwirbel – Die Bankenparty
17.12.09
In manchen Momenten kommt es durchaus noch vor, dass Meldungen ans Tageslicht kommen, mit denen man wirklich schon gerechnet hat. So auch im Bezug auf den Artikel über den Börsenabschluss im alten Jahr mit einem Jahreshoch von 5903 Zählern. Wäre man ein Optimist mit rosaroter Brille, so könnte man in die Hände klatschen und die ach so tollen Entscheidungsträger loben. Nun ja, Träumer wird es sicherlich immer geben, die genau das machen werden. Blickt man jedoch etwas weiter in den Kern hinein, so kann man ohne Zweifel erkennen, dass die verantwortliche Finanzelite den freien Wirtschaftsmarkt kontrolliert nach Lust und Laune und das Börsenverhalten „formt“ wie Knetmasse. Alles wird künstlich am Leben erhalten und gepuscht, so lange man noch die Marionette hat, welche nach Bedarf springt ohne zu fragen. Man stellt das Zugpferd nach vorne, welches keine Fragen stellt, und die Masse mit zieht, ohne dabei nach alternativen Möglichkeiten Ausschau zu halten. Zwar sollte man meinen, dass ein individuelles Zugpferd, das Eigeninitiative entwickelt und in der Lage ist Weise zu entscheiden, eine produktivere Leistung bringen kann, und doch setzt man diese „Asse“ ganz bewusst nicht ein im Börsenspiel.
Ein hartes Jahr – dennoch steigen scheinbar die Börsenwerte
Inzwischen sollte es daher auch bei den letzten Zweiflern angekommen sein, dass diese Finanzpolitik nichts Konstruktives bewirken konnte im Jahr der Wirtschaftskrise. Desolate Leistungen bestimmten den Bankeralltag, und auch Politiker schmückten sich nur zu gern mit katastrophalen Entscheidungen. So sicherlich auch in Fragen der staatlichen Unterstützung bei Großkonzernen und vorwiegend Banken. In Milliardenhöhe flossen hier Volksgelder in angeschlagene Banken und einigen Großkonzernen. Oftmals ohne ordentliche Prüfung und ohne dem Bürger transparent darzulegen, wie und wo die Gelder genau eingesetzt wurden. Selbst mit der etablierten Presse spielte man Katz und Maus und gab keine klaren Antworten mehr. Das Paradebeispiel der Arroganz war hier sicherlich das Verhalten des Vorstandes der HSH Nordbank und wie man mit Reportern von Panorama umgegangen ist, als diese von Minister Oettinger nähere Informationen über den Verbleib der Steuergelder erfragen wollten. Wir haben eine Dunkelziffer der Arbeitslosenquote, die weit über 5 Millionen liegt, eine verarmte und mutlose Bürgerschicht und ein einbrechendes Sozialsystem. Alles wurde geopfert, nur um die Börsenwerte nach oben zu bringen und das Monopolyspiel der Superreichen weiter aufrecht zu erhalten. Während ein kleiner, elitärer Kreis die „Banken-Party“ feiert, leiden die Menschen im besonders hohen Maße, die für die Sicherheiten gesorgt haben, nämlich das Volk. Unsere Gesamtleistung wurde als Sicherheit verschenkt an einen Kreis, der sich nie Sorgen um seine Existenz mache musste, auch nicht in Zeiten der Weltwirtschaftskrise. Trotzdem hat man sich ganz ungeniert an den letzten Staatsersparnissen des Volkes vergriffen, um die Börse weiterhin als sicheres Spielfeld anbieten zu können, wo man sich nach Herzenslust austoben kann.
Bankwerte stehen ganz oben auf den Einkaufslisten der Anleger
Verwunderlich ist es daher mit Sicherheit auch nicht, dass Anleger gerade wieder mit Bankwerten hantieren auf ihrer Einkaufsliste, wurden doch gerade hier immer gute Renditen geboten und die größte Sicherheit gewährleistet. Durch die Krise konnten Anleger erkennen, wie bevorzugt Banken behandelt wurden gegenüber der reinen Privatwirtschaft, und das hat man sich zu Nutze gemacht. Hier kletterte der Branchenindex um ganze 2,3%, und so zeichnet sich bereits ab, wie risikofreudig man wieder ans Werk gehen wird. Natürlich fand man einen scheinbar plausiblen Grund für diesen Anstieg: ein Bericht aus Japan besagt, dass Banken mehr Zeit bekommen, um die Eigenkapitalvorschriften umzusetzen. Das würde den Banken mehr Luft verschaffen, wenn dem denn so „wäre“, so die Aussage eines Händlers. Selbst hier spielt man also mit wenn, würde oder wäre. Also ganz im Sinne Albert Einsteins: alles ist Relativ. Spricht ja nichts gegen eine solche Sichtweise, wenn die Großanleger auch bereit sind ihren eigenen Kapitalverlust in Kauf zu nehmen und hier nur Sicherheiten in Anspruch zu nehmen, die fern jeglicher Realität sind. So etwas kann man vielleicht im Schlaraffenland machen, aber bitteschön doch nicht in unserer Märchenwelt der scheinbaren Realität. In diesem Nebel spielt man dann als Börsianer auch noch ganz gerne mit den positiven Effekten für die Realwirtschaft, die sich aus dem Zeitgewinn ergeben. Banken würden wieder lockerer werden, die Kreditvergabe würde sich entspannen.
Poker mit der Kreditlinie, weiterhin setzt man auf Verschuldung
Einkalkuliert hat man unter den „Profis“ auch schon die weitere Verschuldung, die man als positiven Effekt auslegen möchte. Vordergründig nur die Rendite im Auge, setzt man wieder auf große Zinsgeschäfte und hat wohl auch daher wieder Banken ganz oben auf der Einkaufsliste, weil man auf die Entspannung der Kreditvergabe spekuliert. Betrachtet man dies mal genauer, so kann man erkennen, dass im Grunde in Teufelshand gespielt wird. Der Weg führt direkt ins Spiel ohne Ende, was zur Folge haben kann, dass die gesamte Realwirtschaft einbricht, da diese jetzt bereits schon auf einem sehr wackligen Überlebenspfahl steht. Einerseits nutzt man die letzten Reserven der Bürger als Sicherheit für Anlagegeschäfte, und anderseits möchte man auch weitere Gewinne durch diese ermöglichen, in dem man die Schulden und somit die Zinsbahnen wieder eröffnet und nochmals maßlos die Schulden in die Höhe treibt, um bessere Gewinne zu erzielen. Nur wird dabei nicht bedacht, dass eine nochmalige Talfahrt ins Schuldenparadies nicht mehr revidiert werden kann und bei der nächsten Spekulation, die ins Leere geht, alle Schichten ins Loch der fehlenden Logik fallen werden. Auswege wird es dann nicht mehr geben.
Vorsicht Ironie: Inflation nicht in Sicht
Aus diesem Grund ist es geradezu Ironie pur, wenn man aus denselben Mündern hört, dass das Risiko einer Inflation äußerst gering ist, bis gar nicht real vorhanden. Gebaut wird weiterhin massiv auf ein Kredit- und somit Schuldensystem zur Renditesteigerung: also auf Kurzgeschäfte. Man lagert somit die daraus resultierenden Folgen einfach nur um oder verzögert sie. Letztendlich wird man daher wieder einiges an Wert „nachdrucken“ müssen und ist gezwungen, ein Wirtschaftsmärchen aufzugeben, denn eine Inflation ist die logische Schlussfolgerung solcher Geschäfte. Anders wäre es, wenn die Verantwortlichen aus dieser Krisenwolke gelernt hätten und eine neue Struktur entstanden wäre, die auf effektive Guthabengeschäfte aufbaut. Erst in einem solchen Falle kann man von einer realen Wirtschaft sprechen. Das Sinnbild, was sich uns zur Zeit auferlegt, hat mit einer realen Wirtschaft nichts mehr zu tun und dient nur noch dem „Aus-Spiel“ einzelner Gewinner, welche glauben, dass Sicherheiten für sie auch im Chaosfall gelten: dies ist aber ganz sicher nicht der Fall.
Schon manch großer Fürst hat sich verschätzt, und bedachte nicht, dass am Ende einer jeden falschen Handlung, auch er ein Stück an Lebensqualität verloren hat.
Ihr
Joachim Sondern




















Ja Joachim , Du hast die Zeichen der Zeit erkannt und auch wer die eigentlichen Verursacher sind.
Das die Banker wieder großzügig am Feiern sind ist leider die traurige Wahrheit , aber solange sich das “Volk” anlügen lässt oder sich nicht für den “Kampf” um ein neues System bemüht , wird wohl oder übel , das Rad sich erneut drehen in Richtung – “Macht , Profit und Gier kommt vor dem Mensch sein”
Das Volk muss sich endlich die Systemfrage stellen!
Mein Fazit dazu ist unter anderem hier zu lesen :
http://suboptimales.wordpress.com/2009/12/19/banging-bankers/
In diesem Sinne , wünsche ich Dir eine ruhige und erholsame Zeit bis zum neuen Jahr 2010. FG , Dirk