Anlageboom – Volles Risiko voraus
02.11.09
Wie nicht anders zu erwarten, gehen Kapitalanleger wieder hohe Risiken ein und das in einer Zeit, wo ein Ende der Negativentwicklung der Wirtschaft noch nicht in Sicht ist. Investoren lösen einen Boom aus, investieren in Ramschanleihen, als sei nie etwas passiert. Nur die Rendite ist entscheidend, der schnelle Kapitalgewinn. Die eigentlichen Hintergründe interessieren in diesem Zusammenhang nicht, und Warnungen werden von den Investoren ignoriert. Der klassische Markt bietet logischerweise im Moment nicht genug Optionen der Anlagemöglichkeiten mit hohen Renditeerwartungen. Angesichts der jetzigen Situation ist dies auch vollkommen normal. Anleger stört das aber nicht, und so geht man auf die Suche nach „Exoten“ und investiert zur Not auch in schwächere Unternehmen, wenn die Renditechancen hoch genug sind. Man macht also genau da weiter, wo man zu Beginn der Weltwirtschaftskrise aufhören musste. Mit dem Auslöser der Finanzkrise wird jetzt wieder fleißig gepokert.
Unternehmer nutzen Nachfrageboom zur weiteren Verschuldung
Dieser plötzliche Boom auf dem Anlegermarkt kommt natürlich Unternehmen zu Gute, welche etwas schwächer aufgestellt sind, so lange diese Renditegeschäfte in Aussicht stellen, die für Kapitalanleger lukrativ erscheinen und der schnelle Gewinn halbwegs realistisch ist. Es wird also auch in Kernunternehmen investiert, welche sich noch gar nicht wieder erholen konnten und zum Teil noch immer ihre Tätigkeit aufrecht erhalten aus Steuergeldhilfen. Man kann es den Unternehmern nicht verübeln, dass sie ihre Chance wahrnehmen und diesen Boom nutzen, um an frisches Kapital zu kommen. Jedoch beachten auch diese nicht, dass sie auf ein Fass ohne Boden zusteuern. In einer so verwirrenden und noch nicht gefestigten Situation am Finanzmarkt auf eine direkte Neuverschuldung zu setzen, zeigt nur wie unverantwortlich man handelt, in Bezug auf das Risiko, welches man mal wieder auf die Gesamtheit des Staates ablagert. Sollte diese Neuverschuldung vieler Unternehmen weiter in solch einem Maß zunehmen, dann ist absehbar, wie schwach die reale Wirtschaft werden wird. Ein solcher Rutsch würde Investoren dazu ermutigen, ein noch größeres Risiko einzugehen, um somit auf den Gewinn im letzten Moment zu setzen. Es würde eine Welle ausgelöst, welche unweigerlich auf einen totalen Zusammenbruch des Finanzmarktes zusteuern würde.
Unternehmen gehen reihenweise insolvent – Anleger suchen mehr Rendite
Die Ausfallquote bei Unternehmen lag Ende 2008 noch bei vier Prozent. Inzwischen ist sie auf 10,1% angestiegen, und Analysten behaupten sogar, dass die Ausfallquote noch weiter ansteigen wird. Trotzdem investieren Anleger gerade hier ihr Kapital und versuchen als Investor mit glücklicher Hand aufzutreten, ohne daran zu denken, dass dies in den meisten Fällen doch eher ein reines Wunschdenken ist. Mit der massiven Anfrage nach hohen Renditegeschäften schafft man auf dem Markt wieder Platz für unseriöse Angebote, welche in keinem Bezug zur Realität stehen. Man fordert eine Möglichkeit, ein Produkt auf dem Anlagemarkt, welches aus der Zeit heraus einfach nicht vorhanden sein kann. Jede noch zu gute Renditeerwartung ist wertlos, wenn keine Möglichkeit auf erfolgreiche Umsetzung gegeben ist. So ist es schon überraschend, dass Investoren wieder so eine hohe Risikobereitschaft in den Finanzmarkt hineintragen. Möchte man wohl alle Anleger in eine Richtung eines scheinbar sich neu ergebenden Marktes drängen, selbst Kleinanleger. Die Bereitschaft diese Anleger an Großgeschäften teilhaben zu lassen, macht nur das große Risiko deutlich, welches bei so einem Boom entstehen kann.
Nichts gelernt – Gier zu groß
Es ist kein Geheimnis, dass sowohl Anleger also auch klassische Investmentbanker nichts aus dieser Finanzkrise gelernt haben. Man setzt wieder auf volles Risiko und ist blind vor Gier. Auch dieses Problem ist auf die soziale Kälte zurückzuführen. Von Jahr zu Jahr konnte man beobachten, dass der Status und die Gier nach Sachvermögen immer größer wurden, und die eigentlichen menschlichen Werte immer mehr in den Hintergrund geraten sind: oft werden diese sogar als Schwäche ausgelegt. Nichts passiert ohne Grund, und gerade der Finanzmarkt mag zwar für viele Menschen verwirrend sein, aber dennoch tragen sie diesen Kreislauf mit, ob sie wollen oder nicht. Die Bürger sind wohl zur Ausfallversicherung geworden, für Menschen welche selbst bei Millionenverluste noch mehr Kapital besitzen, als die meisten von uns in ihrem Leben verdienen können. Irgendwo muss die Gier ein Ende finden und darf nicht so ein Ausmaß annehmen. Risikogeschäfte hätte man auf dem Finanzmarkt nicht freigeben dürfen zum jetzigen Zeitpunkt. Eine Regulierung von staatlicher Seite ist zwingend notwendig, da wohl doch nicht auf den gesunden Menschenverstand zu hoffen ist.
Der Gedanke, das Wort und der Weg
Immer wieder sieht man wohin uns die fehlende Menschlichkeit führt, und das viele, die denken diese Humanität zu leben, doch im Systemkreislauf funktionieren. Viele möchten ausbrechen, aber wissen nicht wie und vor allem wovon sie loslassen sollen. Auch auf dem Kapitalmarkt ist es oft die Angst vor dem Gesamtverlust eines sicheren Lebens, die Kapitalanleger immer wieder dazu ermutigt ein Risiko einzugehen. Natürlich ist dies nur eine Blendung, aber als solche nimmt man diese nicht wahr. Im Normalfall reicht die Kapitaldecke der meisten Investoren für ein sicheres Lebens auf Dauer, wenn keine Inflation eintritt. Aus Angst vor einer solchen Inflation setzt man auf Risikogeschäfte und erhöht somit aber das Risiko einer Inflation. Es ist ein Kreislauf ohne reales Ende und ohne einen erklärenden Anfang, und so ist es auch ganz leicht, alles auf den Schultern des Durchschnittsbürgers abzulagern, so lange die Geschäfte augenscheinlich im Sinne des öffentlichen Interesses waren. Genug Spielraum sie so darzustellen, hat man in der heutigen Zeit mit Sicherheit.
Ich schließe mit einem eigenen Zitat:
Wer das Risiko erkennt zu rechten Zeit, folgt lieber dem Weg der Ehrlichkeit.
Ihr
Joachim Sondern



















