Die Gesellschaftsdepression
14.11.09
Seit dem Tod des Fußballspielers Robert Enke überschlägt sich die Presse mit Meldungen über die Ursache seines Todes. In jedem Tagesblatt stehen andere Zeilen, und auf einmal befasst sich die Masse wieder mit dem Thema Depression. Irgendwie nicht verwunderlich: denn die heutigen Bauern brauchen immer ein Opfer, um sich an einem Thema hochzuziehen. Das Ganze lässt sich vergleichen mit dem Mittelalter: wo einfache Menschen, die selber ein hartes Los zu tragen hatten, sich daran erfreut haben, wenn ein tapferer Streiter für eine bessere Zeit gefoltert wurde. Große Ironie kann man aus diesem Verhalten erkennen. Auch in Bezug auf diesen Todesfall lässt man wieder viele Märchen entstehen, aber liest nicht eine kritische Zeile, welche mal etwas Selbstkritik erkennen ließe. Die Momentaufnahme bringt eine Oberflächlichkeit zum Vorschein, welche nur all zu deutlich werden lässt, warum es immer mehr Depressionsfälle gibt.
Krankheitsbild der heutigen Gesellschaft
Vom Ursprung her dürfte es diese Krankheit gar nicht geben. Sieht der natürliche Kreislauf doch eigentlich ein ganz anderes Leben für uns vor. Wir als Menschen besitzen nicht umsonst, Körper, Geist und Seele. Langsam muss man erkennen, dass genau diese drei Elemente miteinander harmonieren müssen, um unsere eigentliche Entwicklung positiv zu beeinflussen. Viel zu oft ist dies aber heute nicht mehr der Fall, und man setzt nur noch auf extreme Geschwindigkeit und hohen Druck, um einen Funktionsmechanismus aufzubauen, der jedes etwas andere Wesen nicht duldet und wieder versucht ins Schema einzugliedern. Wie auf einem Fließband sortiert man „Funktionsfehler“ aus, versucht diesen Fehler zu beheben, um uns dann wieder einzugliedern in diesen Kreislauf. Unterstützt wird es, ohne fragen zu stellen, von einem Großteil der Systembauern. Aber in dieser finsteren Ecke des heutigen Lebens gibt es auch Menschen, welche sich nicht manipulieren lassen, und auf unterschiedlichster Art und Weise selber treu bleiben und die eigentliche Form der Menschlichkeit in sich tragen. Individualisten nennt man diese Personen, welche in der Lage sind zu hinterfragen und Dinge zu erkennen, welche mit der Sicht auf die Oberfläche immer verborgen bleiben. Erinnern wir uns hier doch mal wieder an unsere Künstler, welche kein fertiges Bild vor Augen haben und aus dem Nichts etwas Einzigartiges erschaffen. Dieser Weg ist eine Möglichkeit, um sich innerlich zu befreien und nicht in Depressionen drängen zu lassen. Daher sollte man als Gemeinschaft lernen, solchen Menschen mehr Beachtung zu schenken, um zu begreifen, wie wertvoll ihre Handlungen und ihre Worte für unseren Alltag sein können.
Was ist Depression?
Sollte dieser Wandel noch lange auf sich warten lassen, so werden es immer mehr Opfer hinter verschlossenen Türen, welche mit Depressionen zu tun haben. Es ist ein Gefühl der endlosen Leere, am Ende angekommen zu sein und nicht mehr sein eigenes Leben bewahren zu dürfen. Geister der Oberfläche werden nicht verstehen, wie dieses Gefühl sein kann, aber ein Poet oder ein Künstler hingegen schon. Gerade deshalb ist es so wichtig, dass man von Menschen lernt, die mit verschiedenen Situationen und Emotionen auf ihre ganz eigene Art umgehen können. Diese sind das Bindeglied zwischen zwei verschiedenen Kulturen, die sich in diesem modernen Gesellschaftsglied gebildet haben: die sensiblen Menschen mit ihren tiefgehenden Emotionen und Gefühlen und die Robotergesellschaft, die Masse. In der Tat kann ein Künstler also das Ausmaß einer solchen „Krankheit“ einschränken und eine Rückentwicklung in die Wege leiten, nur durch sein eigenes Schaffen. Immer wieder sind solche Menschen auf der Suche nach dem Schönen im Leben, suchen nach Werten, nach Momenten der besonderen Art und finden diese. Viele Menschen sind immer auf der Suche und finden in dieser harten, von sozialer Kälte geprägten Welt, nichts Positives mehr, was sie wieder aufbauen könnte. Sie geben sich selber die Schuld, fangen an, an sich zu zweifeln und sehen sich als Versager: dass alles nur, weil diese Leistungsgesellschaft keine Rücksicht auf Menschlichkeit nimmt, keinen Zusammenhalt mehr leben kann und immer mehr fordert, dass man seine eigene Seele aufgibt. Im Grunde ist also die große Schar der Unwissenden und emotional Kalten daran schuld, dass dieses angebliche Krankheitsbild entstehen konnte. Man muss perfekt sein, Fehler verzeiht einem die Gesellschaft nicht, und es wird über einen geredet, wenn man nicht ins Bild passt. Menschen mit Depressionen sind nicht krank und keine Opfer, sie sind einfach nur Menschen mit einem klaren Verstand und einer freien Seele und gehen im Grunde den richtigen Weg. Dies ist eine einfache Tatsache, die man nicht in schwammigen Diskussionen untergehen lassen sollte.
Neues Bewusstsein – anfangen wo andere längst aufgeben
Natürlich macht man heutzutage nichts lieber, als wirkliche Fakten, welche einfach zu erkennen sind, im dunklen Nebelschleier verschwinden zu lassen. Verantwortliche sind sich im Klaren darüber, dass nur eine mächtige Welle der offenen Wahrheit, aus der Seele heraus, diesen Schleier durchschauen könnte, und so fühlen sie sich sicher und in ihrem Konzept der antihumanen Lebensweise bestätigt. Nun, irgendwann muss jeder „Treiber“ in dieser dunklen Zeit erkennen, dass man Emotionen nicht dauerhaft in einen Käfig sperren kann. Selbst das größte Schaf, was heute noch in einer Welt der Oberflächlichkeit ganz emotionslos leben kann, wird irgendwann begreifen, wie schön ein Leben aus der Welle heraus sein kann und worin der eigentliche Sinn besteht. Ein neues Bewusstsein kann man nicht mehr verhindern, nur verzögern. Blickt man auf die Geschichte, so waren Solidarität, Menschlichkeit und ein freies Leben immer nur kurze Momentaufnahmen. Dies ist jedoch inzwischen unmöglich geworden, so dass ein Wandel dieses Mal zu einem dauerhaft neuen Bewusstsein führen wird. Menschen, die unter Depressionen leiden und die man jetzt noch als „krank“ darstellt, werden die Ersten sein, die das neue Bewusstsein leben können. Schließlich ist es eine viel größere Depression, sich selber aufzugeben und mit dem Strom der Masse zu schwimmen, der nur ins endlose Nirwana des Unsinns führen kann.
Gedanken bleiben frei
Ob diese Zeit mit ihren Diskussionen überhaupt einen realen Bezug hat, das kann man zumindest inzwischen in Frage stellen. Ganz gewiss ist die Verwirrung so sehr geschürt worden, dass ein Depressionszustand als Krankheit ausgelegt wird, und man so verschiedene Gruppen ins Abseits stellen kann, dahin wo man Kontrolle über sie hat und sie keine „Gefahr“ darstellen. Woran ein solches Verhalten erinnert, möchte man gar nicht erst andeuten: aber eins sei gesagt, es ist traurig. Das aufrechte Verständnis füreinander gibt es schon lange nicht mehr, und wer heute noch meint hart zu sein, kann morgen der Nächste sein, der unten liegt.
Ich schließe mit einem eigenen Zitat:
Die Natur kennt keine Verlierer, erst wir Menschen schaffen uns dieses falsche Bild.
Ihr
Joachim Sondern



















