Die Erpressung der Arbeitnehmer

11.11.09

Von Tag zu Tag wird das alltägliche Leben der Menschen härter, und kaum jemand wagt es, sich dagegen zu Wehr zu setzen. Immer wieder kommt es zu Verschärfungen bestehender Regelungen, und Lasten werden ungleich verteilt. So sollte in diesem Zusammenhang auch der neueste Bericht der Krankenkassen dazu anregen, mal hinter die Kulissen der heutigen Raubritterindustrie zu blicken: wie sehr man die tragende Basis bereits in eine Abhängigkeit getrieben hat. Man spielt gar mit dem Gewissen der schaffenden Idealisten, um Vorteile zu ziehen aus dieser schwierigen Zeit. Egal wohin man blickt, das Spiel der Gesellschaft verschärft sich, und man setzt sich gegenseitig unter Druck. Dieses Bild existiert nicht erst seit gestern, aber die Wolken sind zugegebenermaßen deutlich dunkler und tiefer geworden, als es noch vor einigen Jahren der Fall gewesen ist.


System setzt auf die Großen

Ein dunkles Ass der Regierenden ist in diesem Zusammenhang sicherlich das harmonierende Spiel mit der Industrie jener Großunternehmen, welche nach ihren eigenen Regeln spielen. War es vor einigen Jahrzehnten noch der Fall, dass Großunternehmer geworben haben mit sicheren Arbeitsplätzen, großzügigem Urlaubsgeld und einem hohen Gehalt, so zeigen sie jetzt das wahre Gesicht, welches lange im Versteck der Großzügigkeit blieb. Dort sollte es wohl reifen, um sich zum richtigen Zeitpunkt in Szene setzen zu können: was wohl auch ohne wenn und aber gelungen ist. Über Jahrzehnte hinweg hat man den einfachen Arbeiter davon überzeugen können, dass er die Basis der Kleinunternehmerschicht nicht unterstützen und aufrecht erhalten muss, da man sich in Form von Monopolgesellschaften doch sehr human um ihn kümmert. Zugegeben, das war Anfangs ja auch der Fall, und so musste sich niemand in gesicherter Stellung Sorgen um seine Hobbys und seine Zukunft machen. Alles funktionierte, bildlich gesehen, vorbildhaft. Nun, ein Bild kann man aus verschiedenen Winkeln betrachten und kann so natürlich auch immer etwas Positives erkennen. Blickt man heute jedoch einmal auf den Ursprungsgedanken zurück, der sich wirklich hinter dieser Illusion im Verborgenen hielt, so lässt sich in etwa nachvollziehen, worum es tatsächlich ging: eine moderne Abhängigkeit sollte aufgebaut und gleichzeitig die kleine Alternativbasis geschwächt werden. Mit nur einem Weg sollten also zwei Faktoren beeinflusst werden, was auch wunderbar gelungen ist.

Der Staat fing an, die großen Unternehmen zu fördern, ihnen Vergünstigungen zu ermöglichen und öffnete die Hintertür, so dass Politik und Wirtschaft ungehindert Hand in Hand arbeiten konnten. Anfänglich ließ man hier bewusst noch den Arbeitnehmer davon profitieren, was man dann jedoch aber über Jahre hinweg immer weiter minimieren konnte. Ohne dass der Bürger etwas merkte, wurden die Vorteile für Großunternehmer immer stärker und die für Arbeitnehmer aber immer schwächer. Ein Ungleichgewicht ist also entstanden. Nach eigenen Regeln bewegen sich diese Unternehmer inzwischen, setzen durch Mobbing, Lohnkürzungen und Erpressung die Mitarbeiter unter einem so enormen Druck, dass diese in eine Existenzangst verfallen und selbst ihre Gesundheit aufs Spiel setzen, nur um noch ihre Stellung im Unternehmen zu sichern. Dabei denkt man nicht daran, dass man gemessen an den Erfolgen der großen Unternehmer viel zu wenig verdient und auch sonst nur neue Nachteile in Kauf nehmen muss. Der Druck wird einfach in der Seele verstaut und nicht beachtet, bis er die Gesundheit aus dem Innern heraus zerstört hat.


Die Basis ist verschwunden – kleine Unternehmer keine Chance

Einen Weg, bzw. eine Alternative aus diese Erpressung herauszukommen, gibt es im Moment nicht. Die eigentliche Basis, der Kleinunternehmer, wurde ja bewusst geschwächt, und eine Vernetzung verhindert. Die Masse hat den Weg hier mitgetragen und sich somit daran beteiligt, ihre eigene Sicherheit für schwere Zeiten zu zerstören und das in Windeseile. Durch die Vielfalt der Kleinunternehmer hätte man regional viele Arbeitsplätze schaffen können, hätte sich ergänzen können, und auch neue Existenzgründungen wären kein Problem gewesen. Man hätte also eine größere berufliche Vielfalt gut verteilt im ganzen Land. Dies würde dazu führen, dass man sich als Arbeitnehmer nicht mehr erpressen lassen müsste. Doch anstatt weiterhin die Dienste des kleinen Mannes in Anspruch zu nehmen und entsprechend zu würdigen, ging der Trend nur noch nach billig, so dass man in die Falle der Angebote tappte, welche die Monopolkonzerne bis heute praktizieren. Ohne zu bedenken, dass sie selber oft für solche Gesellschaften arbeiten, und wenn der Preis nach unten geht, muss man irgendwo einsparen. So kam es, dass z.B. der Bürger vielleicht 30 Euro beim Fernseher im Gegensatz zum Angebot des kleinen Händlers sparen konnte, sich aber auf einmal mit 100 Euro Lohnkürzung abfinden musste. Für den Rabatt wurde er als Arbeitnehmer dafür zusätzlich zur „Kasse“ gebeten. Ein Leben nur im „Geiz ist geil“ Gedanken zu führen ist nicht möglich. Irgendwo muss sich alles im Leben in einem gesunden Gleichgewicht halten, denn nur so ist ein starkes Wirtschaftssystem auf Dauer auch möglich. Man hätte also durchaus die Möglichkeiten der großen Konzerne nutzen können und trotzdem auch die der kleinen Basis. So hätte man zumindest die Strukturen der kleineren Unternehmer aufrecht erhalten können, um sie in schlechte Zeiten wieder massiv zu stärken und zu aktivieren. Ein Fluch der Gesellschaft scheint jedoch zu sein, dass sie nur immer über den kurzen Augenblick nachdenkt, nicht aber über langfristige Folgen: es zählt der Moment.

Dass man von Seiten des Berliner Theaterhauses natürlich auch keine Vergünstigungen einräumte, war klar. Schließlich gibt die Masse bis heute keinen Anlass zur Handlung. Diese unterstützt blind den Weg der Großen, und so gab es selbst unter gleichermaßen Betroffenen keinen Solidargedanken mehr. Einfacher konnte ein solches Prinzip nicht greifen, als durch blinde Unterstützung.  Unser Steuersystem war nicht mehr ausgelegt für die Kleinunternehmerbasis und somit für die regionale Arbeitsplatzförderung, das Kreditsystem wurde zu sehr verschärft, und jegliche Flexibilität wurde entzogen. Nach dem Wirtschaftsaufbau brauchte man den „Kleinen“ in der Gesellschaft auf einmal nicht mehr, denn der Große deckte über Nacht jeden Bedarf ab. Schon vor vielen Jahren hätten damals also auch Angestellte von Großkonzernen erkennen müssen, dass sie irgendwann auch so enden könnten, wie die kleinen Mittelstandsunternehmer. Erst benutzt man sie, um eine Gruppe auszusortieren und dann nutzen die Meister im Hintergrund ein neues Werkzeug, um sie selber an den Rand zu stellen, da sie ja nun auch nicht mehr zu gebrauchen sind. Sicherheit hat schon lange nichts mehr mit Leistung zu tun.


Arbeitnehmer gehen immer häufiger krank zur Arbeit

Diese Entwicklung und das gegenseitige Ausspielen haben nun dazu geführt, dass Arbeitnehmer im heutigen Berufsleben immer häufiger erkranken und auch die psychische Belastung nicht mehr tragen können. Arbeitnehmer gehen aus Angst heraus trotz Krankheit zur Arbeit. Folgen also genau weiterhin den Weg, der sie krank gemacht hat und verschlimmern somit noch den Gesamtzustand. Dies mag eine Weile gut gehen, aber wie der neueste Bericht der Krankenkassen zeigt, verschlimmert sich der Gesundheitszustand so noch drastisch, und viele können es dann von der Psyche her auch nicht mehr tragen. Trotz dass der Kranke sich also aus Angst zur Arbeit gezwungen hat, wird dieser sich irgendwann krank melden müssen, da er eben kein Robotter ist und sich durch dieses Verhalten das Krankheitsbild noch verschlimmert hat. Dass dies aber auf Dauer auch Nachteile für Großkonzerne haben kann, darüber denken diese doch so hohen Manager auch nicht nach und setzen alles auf eine kurzfristige und sehr risikoreiche Karte, ihre letzte Karte im Spiel eines dunklen Vorhangs, hinter welchem die Folgen schon lange ersichtlich waren. Man belastet Forschung und das Krankenkassensystem gleichermaßen. Durch diesen seit Jahren gelebten falschen Weg, konnten immer wieder neue Krankheitsbilder entstehen, auf die unsere medizinische Forschung eine Antwort finden musste. Auch das Krankensystem ist mit Rehamaßnahmen, psychischen Behandlungen und andere Maßnahmen deutlich mehr belastet worden, als es bei einem „Gesunden Weg der Arbeit“ nötig gewesen wäre. Ein Geheimnis ist es daher auch nicht, dass ein solches System nur an das Wohlergehen auserwählter Kreise denkt. Trotzdem auch für diese kein guter Weg: ein gesundes und innerlich befreites Volk bringt mehr Leistung und ist gesund. Jene, welche also an sich denken, würden im Grunde noch mehr Kapital erwirtschaften, wenn sie die Lasten wieder gleichmäßig verteilen würden.


Der Gedanke – ein Weg ist nicht schwer, ein Ende schon

Um aus den negativen Sog zu kommen, gibt es in der Tat viele Möglichkeiten. Einen neuen Weg zu erschaffen und ihn zu gehen ist von dem natürlichen Kreislauf her nicht schwierig. Auch die Umsetzung neuer Konzepte ist schneller möglich, als es den Anschein hat, denn gerade die jetzige Zeit bietet uns einen optimalen Wendepunkt, um auf den Zug eines neuen Bewusstseins aufzusteigen, und an etwas Großem mitzuwirken. Dieses Bewusstsein können wir selber als Gemeinschaft entwickeln, ganz ohne Politik und deren Werkzeuge. Man darf nicht nur auf die Politik schimpfen: hätten wir uns nicht zum Werkzeug machen lassen, und die Probleme so selber erschaffen, würden wir noch immer in einem Wirtschaftswunder leben können. Die Gier eines Managers sollte man nicht anklagen, wenn man selber nicht besser ist. Wie viele einfache Bürger haben das Verlangen nach immer mehr Anerkennung und immer mehr Vermögen gelebt und dafür auch in Kauf genommen, dass es einem anderen Mitmenschen durch seine Gier schlechter geht? Ein ganze Menge, wie es die Momentaufnahme nur allzu deutlich zeigt. Immer wird geredet von Umverteilung. Aber was bringt es, wenn man an die Reichen geht und selber weiter in einem Gierrausch lebt? Stellen Sie sich selber vor den Spiegel, wenn Sie für eine bessere Verteilung des Vermögens einstehen und fragen sich einmal: mache ich es, weil ich selber mehr haben möchte oder weil ich wirklich will, dass es der Gesamtheit dadurch besser geht? Gehen sie wirklich einige Minuten tief in sich und Sie werden erstaunt sein, wie viel eigenes Ego in einem steckt. Erst wenn man das erkannt hat, kann man einen Weg des wirklichen Gemeinwohles gehen.


Ich schließe mit einem eigenen Zitat:

Die Zeichen der Zeit kann man erkennen, wenn man die Freiheit, welche man in sich trägt, leben kann.

Ihr

Joachim Sondern

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