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Das Narrenschiff vor dem Untergang

Verfasst von: admin am Oktober 27, 2009 Kein Kommentar

27.10.09

Fast täglich werden wir mit neuen Nachrichten überhäuft, welche uns einen Einblick in die Politik des Berliner Staatstheaters gewähren sollen, zumindest in einem vorgeschriebenen Rahmen. Eine Meldung gleicht der anderen, und arrangierte Reporter, welche noch Wert auf eine ordentliche Berichterstattung legen, werden in die stille Ecke gestellt von Vorgesetzen und Politikern. Selbst den Berliner Handwerkern war jedoch klar, dass sich die Presse im Bezug auf das Narrenschiff nicht dauerhaft in die bewusste Irre führen lässt, und so gibt man während den Koalitionsverhandlungen kaum noch Informationen raus. Ist es den Gesellen wohl doch zu anstrengend geworden, immer darauf zu achten, dass die gesamte Presse auch schön nach vorgelegtem Konzept arbeitet. Verübeln kann man es ihnen nicht, sind auch diese Schauspieler im Berliner Staatstheater nur Menschen und müssen so eine schwere Last auf ihren doch so schwachen Schultern tragen. Was also liegt da näher, als die Last auf den Schultern der Marionetten des täglichen Lebens abzulagern? Nichts, und zeitsparend ist es auch noch.


Mit einer leeren Phrase lebt auch der Wähler gern

Verübeln kann man es ihnen nun wirklich nicht, denn schließlich haben sich die meisten Wähler, auch Bundesbürger genannt, diesem Narrenschiff der ewigen Glückseeligkeit angeschlossen, ohne darüber nachzudenken, dass einige Versprechen, die vor der Wahl gemacht wurden, gar nicht umsetzbar sind. Es war wohl der Klang der schönen Worte, die wieder Spiel und Spaß gebracht haben und die damit von dem eigentlichen Thema abgelenkt haben. CDU und FDP machen sich genau diesen Effekt jetzt nach der Wahl zu Nutze. Hat man vor der Wahl noch mit einem Steuersenkungsprogramm geworben, von dem jeder Wähler wusste, dass es auf reellem Wege nicht finanzierbar ist, so nutzt man jetzt den irrealen Weg, um diesen Plan umzusetzen. Die FDP, die einst die Schuldenbremse mit im Grundgesetz verankerte, ist nun im Zusammenhang der Steuersenkung auch wieder bereit dazu, diese Schuldenbremse zu umgehen. Das Ganze ist legal, denn der Wähler hat diese Illusion mit getragen und gewählt. Schon immer war es so, dass man jenem mehr Glauben schenkt, der viel verspricht. Denkt doch der Bürger, dass dieser, selbst wenn er ein Großteil seiner Versprechen nicht einlöst, immer noch mehr bewirkt, als jener Politiker, der von Anfang an weniger verspricht. Eine solche Denkweise zeigt nur, dass die politische Bildung im Lande ganz tief im Keller ist. Ein Politiker mit weniger Versprechen macht es doch oft erst deutlich, dass es in der Realität nicht so einfach ist, jahrelange, politische Fehlentwicklungen zu korrigieren, und dass er sich wirklich Gedanken darum gemacht hat, was tatsächlich möglich ist. Hier wird also auf Inhalte aufgebaut und nicht auf leere Phrasen: und Wege mit Inhalt und Verstand haben oft nicht den schönen Klang der ewigen Freude, sondern auch mal die Stimme der Verantwortung, welche wir alle zu tragen haben. Für beide Seiten, sowohl Politik als auch Bürger, gibt es jedoch kein schlimmeres Wort als Verantwortung, und so scheint dies wohl ein Schicksal der Menschen zu sein: alles haben wollen und nichts selber verantworten und tragen können. Man braucht also keine ironischen Zeilen, wenn diese Ironie so tief im täglichen Leben verankert ist, dass man den rauhen Wind schon spürt, wenn man sich nur in Richtung einer freien Verantwortung bewegt.


Die erzeugte Illusion – Politiker und Bürger auf Augenhöhe

Daraus lässt sich eine erzeugte Illusion ableiten, welche von allen Schichten wohlwollend in Kauf genommen wird. Lebt der Mensch doch lieber mit einem Märchen, als mit einem „Nein“, bzw. mit einer „Absage“ und zeigt so immer wieder, wie schwach er doch ist. Wirklich erstaunlich ist dies in der heutigen Zeit nicht mehr, in der alles schnell, leicht und unkompliziert gehen muss. Trägt sich dieses Narrenschiff doch somit auch schon längst in den menschlichen Alltag hinein und nicht mehr nur in die Politik. Menschen werden beziehungsunfähig, können keine wirklichen Familien mehr aufbauen und diese dann pflegen: egal wohin man blickt, es gleicht alles nur noch einem großen Irrenhaus, dessen Zentrale sich in Berlin befindet. Sind doch diese ganzen Diskussionen der Gesellschaft innerhalb des politischen Kreises nur noch eine reine Farce. Sebastian Brant’s ein halbes Jahrtausend jährige Buch „Narrenschiff“ beinhaltet eine wichtige Botschaft, welche sehr gut zu dieser Thematik passt: die Welt will betrogen werden. Blickt man gleichermaßen in die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft so gibt es in der Tat kaum eine treffendere Aussage, für diesen anti-humanen Kreislauf. Weder ein Anfang noch ein Ende ist in diesem Zusammenhang zu erkennen, und so befinden sich gerade jene Bürger am meisten auf Augenhöhe mit den von ihnen gewählten Politikern, welche jedes Wochenende am Stammtisch ihren Frust gegenseitig in Fahrt bringen und im Alltag dann doch wieder diesen Weg weiter unterstützen und ohne nachzudenken das wählen, was sie schon immer gewählt haben: die großen Zauberer der Illusionen.


Das Narrenschiff 2.0 auf den Weg nach unten

Wer sich gerne einer Illusion hingibt, in und mit ihr lebt, steht dem gesellschaftlichen Untergang sehr nah. Der Zauber vom neuen Narrenschiff 2.0 kann nicht lange anhalten und wird keine effektiven und konstruktiven Handlungen ermöglichen können. Bedenkt man doch wie lange das erste Narrenschiff durchgehalten hat, so ist absehbar, dass es in der Neuauflage nicht noch mal möglich ist, Fehler nach Außen hin korrigieren zu wollen. Um einen Wandel in eine positive Richtung zu ermöglichen, bedarf es keine Koalitionsverhandlungen alter Parteien, sondern vollkommen neue politische Wege mit ganz neuen Hauptdarstellern, welche in Berlin ihren Platz einnehmen. Aber auch hier besteht nur Aussicht auf Erfolg, wenn die Bürgerschicht endlich mitwirkt am Prozess der ewigen Entscheidungen und neben dem Volksentscheid auch ein Auge auf den täglichen politischen Ablauf wirft. Einmal zu wählen und in Berlin dann die Damen und Herren einfach arbeiten lassen, kann nicht funktionieren. Minister sind die Angestellten des Volkes, und kein Arbeitgeber lässt seine Arbeiter immer unbeaufsichtigt arbeiten: wir aber unsere Politiker.


Der Gedanke – das Wort, der Weg

Alles ist nur noch ein großes Theater, und man kann inzwischen nicht mehr einordnen, wo dieser Weg genau hinführt. Zwar lässt sich ein Negativtrend feststellen, aber nicht die Auswirkungen. Blicken unsere Volksbeauftragen noch durch ihr eigenes Verwirrspiel oder haben sie längst erkannt, dass sie sich mit Feuerbällen verspielt haben und sind zu stolz es zuzugeben, da ihre Schäfchen ja bereits im Trockenen sitzen? Gewiss, alles ist etwas merkwürdig und zum Teil sogar sehr traurig: denn auch die Menschen, welche unter „Macht“ leiden, haben falschen Stolz und machen ihrem Nächsten oft das Leben schwer, obwohl es diesen genauso geht.

Ich schließe mit einem eigenen Zitat:

Das Trauerspiel hat seinen Höhepunkt schon lang erreicht, denn die Augen und Herzen der Welt scheinen verschlossen!

Ihr

Joachim Sondern

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